vogel-fliegt-aus
vogel-fliegt-aus
vakantio.de/vogel-fliegt-aus
Zuletzt in Kota Mataram

«Bulgariens Toskana» will entdeckt werden

Veröffentlicht: 09.06.2026

Flug
ZRH → SKG
Economy
Bus
Thessaloniki → Petrich
Griechenland → Bulgarien
Attraktion
Dolene
Petrich, Bulgarien
Attraktion
Festung von Kljutsch
Petrich, Bulgarien
Museum
Historisches Museum Petrich
Petrich, Bulgarien
Attraktion
Villa Melnik
Melnik, Bulgarien
Essen
Restaurant des Motels Rozhen
bulgarische Küche · $ · Abendessen
Attraktion
Aya Estate
Struma-Tal, Bulgarien
Attraktion
Orbelia
Struma-Tal, Bulgarien
Attraktion
Zlaten Rozhen Winery
Struma-Tal, Bulgarien
Attraktion
Kloster des Heiligen Georg
Struma-Tal, Bulgarien

Auch während meinem Aufenthalt in der Schweiz im Sommer und Herbst 2025 mochte ich nicht ganz aufs Reisen verzichten. So war ich vom 22. bis 25. Oktober auf einer Pressereise. Wir flogen von Zürich in die nordgriechische Stadt Thessaloniki und fuhren von dort mit einem Bus nach Petrich im südwestlichen Zipfel Bulgariens.

Noch vor wenigen Jahren war Bulgarien ein wenig bekanntes Land hinter dem Eisernen Vorhang. Heute gelten die Hauptstadt Sofia, Plovdiv – Europäische Kulturhauptstadt von 2019 –, Veliko Tarnovo und andere Orte als spannende Reiseziele. Plovdivs Altstadt gehört zu Europas besterhaltenen historischen Stadtquartieren; Veliko Tarnovo ist berühmt für seine intakte Altstadt und die Zarenfestung.

Auch als Ziel für Badeferien gewinnt Bulgarien an Bedeutung. Es gibt, mindestens im Sommer, direkte Flüge aus Deutschland und der Schweiz nach Varna am Schwarzen Meer. «Das Land überzeugt mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis, angenehmen Temperaturen und einer sich stark entwickelnden Hotelinfrastruktur», heisst es dazu in Reiseprospekten. In klassischen Mittelmeer-Destinationen wie Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei sind die Preise in den letzten Jahren markant angestiegen. Die Region Varna gilt zur Zeit, zusammen mit Albanien, als günstigstes Ziel für Badeferien in Europa; die Nachfrage hat in jüngerer Zeit spürbar zugenommen.

Unbekanntes «Sonnental»

Abseits der touristischen Pfade hingegen befindet sich der Südwesten des Landes mit dem Struma-Tal, dank 330 sonnigen Tagen im Jahr auch «Sonnental» genannt. Petrich, eine Provinzstadt, zu der auch 26 umliegende Gemeinden an der Grenze zu Griechenland gehören, hat etwa 50.000 Einwohner. Es gibt aber einiges zu sehen in dieser Region.

Nehmen wir als Beispiel das Dorf Dolene. Trockensteinmauern türmen sich auf, dazwischen farbige Blumenteppiche und eine Sicht, die in die unendliche Weite schweift. «Wir haben das alles in den letzten zehn Jahren wieder aufgebaut», sagt Borislava Lipiyska. Ihr Vater Stefan stammt aus dem Ort, der einst an einer Handelsroute lag und ein bedeutender Marktflecken mit bis zu 4000 Einwohnern war.

Das Dorf in einem abgelegenen Teil der Gemeinde Petrich war beinahe ausgestorben, als Vater, Tochter und Dutzende Freiwillige begannen, ihm neues Leben einzuhauchen. Häuser wurden renoviert, Mauern neu gebaut, jedes Jahr werden 80.000 Blumen gepflanzt. Es gibt ein Restaurant, Läden für regionale Produkte und Pflanzen, wo auch Käse und Fleischerzeugnisse degustiert werden können, das Haus des Heilers mit einem imposanten Angebot an Heilkräutern und natürlich die Marienkirche aus dem 19. Jahrhundert. Zwar leben momentan nur vier Menschen fest in Dolene. Doch als touristische Destination bietet das Dorf einen Einblick in das frühere Leben im ländlichen Bulgarien.

Dieses steckt voller Geschichte und Geschichten. So besteht seit Urzeiten eine heftige Rivalität zwischen Griechen und Bulgaren. Bei Kljutsch nahe Petrich besuchen wir die historische Festung des bulgarischen Königs Samuil, der hier in einer expressiven Statue verewigt ist. Samuil führte jahrzehntelang Krieg gegen Byzanz, unterlag 1014 in der Schlacht von Kleidion und starb wenige Tage später. Bulgarien ging unter, wurde aber 1186 mit Tarnovo als Hauptstadt neu gegründet und fiel Ende des 14. Jahrhundert bis 1908 unter die Herrschaft der Osmanen.

Schon früher, zur griechischen und römischen Zeit, gab es im Struma-Tal eine Grossstadt, Heraclea Sintica. Sie wurde im 6. Jahrhundert nach Christus durch ein Erdbeben zerstört und unter dem Schutt eines Hochwassers begraben. Sie wird nun nach und nach ausgegraben. Im kleinen Historischen Museum in Petrich sind gut erhaltene römische Statuen aus Heraclea Sintica zu sehen. Das Museum befindet sich in einer umgebauten früheren Kaserne.

Wein und Heilwasser

Wie die Toskana, an die die sanfte Hügellandschaft des Struma-Tals erinnert, ist die Region vor allem für ihren Wein bekannt, der hier nachgewiesenermassen seit mindestens 5000 Jahren kultiviert wird. Viele Weingüter sind auf Besuche vorbereitet. Villa Melnik zum Beispiel, ein Gut, das Lyubka und Nikola Zikatanov gehört, produziert auf rund 30 Hektaren etwa 200.000 Flaschen pro Jahr, und zwar fast ausschliesslich autochthone Sorten wie den weissen Sandanski Miskit oder Rotweine aus lokalen Sorten der Melnik-Familie.

Nikola ist ein aussergewöhnlich freundlicher älterer Herr und tritt bescheiden auf. Er verrät uns nicht, dass es sein Weingut als einziges in Bulgarien auf die Liste der 100 besten Weinproduzenten der Welt geschafft hat. Zudem stellen uns Lyubka und Nikola Zikatanov eine Brotzeit hin, die sie gut schmeckt und so üppig ausfällt, dass wir nachher kaum mehr Appetit aufs Abendessen haben. Dabei werden wir doch im gemütlichen Restaurant des Motels Rozhen nahe dem Städtchen Melnik speisen, beim gewichtigen, sympathischen Chef Blago, der die traditionelle bulgarische Küche zelebriert und zudem eine grosse Auswahl an lokalen Weinen zu bieten hat.

Auf dem neuen Aya Estate, einem Bio-Weingut, das zwei Bankern und ihren Familien gehört, werden moderne Kunst, Weinbau und eine Preise Esoterik kombiniert. So sind die Barriques auf Kies sternförmig angeordnet, nicht aufeinandergeschichtet wie in anderen Weingütern. Und auf dem Dach des Hauptgebäudes ist ein japanischer Garten angelegt. Zudem ist auf dem Gelände ein Hotel geplant. Zwei weitere, ein Pferdehotel und das Fünfsterne-Haus Zornitza Family Estate, Mitglied von Relais & Châteaux, gehören ebenfalls dazu.

Weniger futuristisch geht es auf dem Weingut Orbelia zu, wo traditionelle Weinsorten gepflegt werden. Auf der Zlaten Rozhen Winery der Familie Ossikovski schliesslich gibt es neben dem Weinbau ein Museum mit einer beachtlichen Sammlung historischer Automobile und Motorräder. Neben raren Mercedes-Modellen aus den 1950ern und mächtigen kommunistischen Staatslimousinen steht ein eher plump wirkender, aber exklusiver hellblauer Geländewagen, genannt ARO 304, der 1981 in Rumänien in nur drei Exemplaren gebaut worden war. In einem davon liess sich der kommunistische rumänische Diktator Nicolae Ceausescu kutschieren, in einem sein bulgarischer Diktatorenkollege Todor Schiwkow.

Die «bulgarische Toskana» ist eine liebliche, von der Sonne verwöhnte Gegend. Nur die Touristen machen sich noch eher rar, wie Hoteliers und Politiker bedauern. Dabei wäre das Struma-Tal eine ideale Ganzjahres-Destination, beteuert Dimitar Brachkov, der Bürgermeister von Petrich. Zumal hier neben Weingütern, antiken Stätten, Klöstern wie jenem des Heiligen Georg, das wegen seiner Wandmalereien «Teufelskloster» genannt wird, auch heisse Quellen sprudeln, deren Wasser eine heilende Wirkung entfalten soll.

«Wir sind bereit für den internationalen Tourismus», sagt Brachkov. Ich hingegen, ganz egoistisch, bin froh, dass er noch nicht eingetroffen ist.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
4 Tage
Wetter
Herbst
KulturellKulinarisch
  • Flug von Zürich nach Thessaloniki und Weiterfahrt mit dem Bus nach Petrich
  • Besuch des wiederaufgebauten Dorfes Dolene
  • Historische Festung von Kljutsch und das Historische Museum in Petrich
  • Weingüter im Struma-Tal, darunter Villa Melnik, Aya Estate, Orbelia und Zlaten Rozhen Winery
  • Essen im Restaurant des Motels Rozhen
  • Heisse Quellen und das sogenannte Teufelskloster
RoadtripTransitKulturEssenGeschichteArchitekturNatur
vogel-fliegt-ausWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.
Antworten

Bulgarien
Reiseberichte Bulgarien
#petrich#bulgarien#weinbau#weinberge#weingut#weingueter#toskana#thessaloniki