vogel-fliegt-aus
vogel-fliegt-aus
vakantio.de/vogel-fliegt-aus
Zuletzt in Dumaguete

Weihnachten beginnt in Dumaguete im September

Veröffentlicht: 18.09.2026

Sehenswert
Dumaguete
Dumaguete, Philippines
Attraktion
Rizal Boulevard
Dumaguete, Philippines
Sehenswert
Kathedrale von Dumaguete
Dumaguete, Philippines
Sehenswert
Campanario
Dumaguete, Philippines
Attraktion
Public Market
Dumaguete, Philippines
Sehenswert
Painitan
Dumaguete, Philippines
Essen
Casablanca
$ · Abendessen
Essen
Sans Rival
$ · Snack
Essen
Kawa
Philippine · $ · Abendessen
Essen
Gerry's Grill
$$ · Abendessen
Sehenswert
Silliman University
Dumaguete, Philippines
Unterkunft
unbekanntes Hotel in Dumaguete
Dumaguete

Weihnachten, habe ich gelesen, ist für Filipinos nicht einfach ein christliches Fest; es ist eine ganze Saison, der man sich mit Inbrunst hingibt. Wieso ich ausgerechnet jetzt, am 8. September 2026, in der Stadt Dumaguete im Südosten der Insel Negros auf dieses Thema komme? Wir sind noch 106 Tage von Weihnachten entfernt, aber heute habe ich in einer Shopping Mall das erste Weihnachtslied ab Band gehört und die ersten mit Kunstschnee bestäubten Sterne gesichtet (während draussen hochsommerliche Temperaturen herrschen).

Mhaya, eine Zufallsbekanntschaft aus Bacolod, ebenfalls auf der Insel Negros gelegen, hat mir dafür die Erklärung geliefert: «Auf den Philippinen reden wir von den «Ber-Monaten» September, Oktober, November, Dezember. Schon Anfang September wird Weihnachten zum Thema und bleibt es vier Monate lang.»

Die Insel Negros, rund ein Drittel so gross wie die Schweiz oder etwas kleiner als Schleswig-Holstein, erhielt ihren Namen von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert. Damals war die Insel relativ isoliert; abgesehen von einzelnen Handelsposten an der Küste lebten vor allem Angehörige einer indigenen, auffällig dunkelhäutigen Volksgruppe hier. Die Spanier nannten die Insel deshalb «Isla de Negros», «Insel der Schwarzen». Der Name wurde später zu «Negros» verkürzt und gilt bis heute. Von den Filipinos wird er nicht als rassistisch empfunden, sondern ganz selbstverständlich verwendet.

Natürlich ist das nicht der erste Gedanke, den ich habe, als ich, nach der Ankunft aus Siargao via Cebu in Dumaguete, zum ersten Mal über den Rizal Boulevard flaniere. Die Stadt nennt sich auch «City of Gentle People», ein Marketing-Slogan, der vor etwa 50 Jahren von einer lokalen Radiostation erfunden wurde.

Das ist vielen Dumagueteños allerdings zu prosaisch. Deshalb besagt ihre historisch nicht belegte Legende, der Nationalheld Jose Rizal habe Dumaguete bei einem kurzen Besuch am 1. August 1896 so genannt. Der damals 35 Jahre alte Jose Protasio Rizal, Arzt, Schriftsteller, Politiker, hatte danach nur noch fünf Monate zu leben: Am 30. Dezember 1896 wurde er in Manila durch ein Erschiessungskommando hingerichtet, nachdem ihn ein Militärgericht der spanischen Kolonialmacht wegen seiner angeblichen Beteiligung an der philippinischen Revolution zum Tod verurteilt hatte.

Nach seinem frühen Tod wurde Jose Rizal zum Symbol des Widerstands gegen die Kolonialisten. Nach der amerikanischen Kolonialzeit, die auf die spanische folgte, schlug sich sein Ruf in der Geografie des ganzen Landes nieder: unzählige Orte, Schulen, Parks und Strassen sind nach ihm benannt.

So gehe ich jetzt in der Abenddämmerung über den Rizal Boulevard in Dumaguete. Was sich «Boulevard» nennt, ist nicht nur eine vielbefahrene Strasse, sondern auch eine breite, kilometerlange Parkanlage, die mit einer Kaimauer vom Meer getrennt ist und sich vom Fährhafen im Norden zum Fluss Banica im Süden erstreckt. Selbstverständlich steht ein überlebensgrosses Rizal-Denkmal mittendrin.

Im Norden wird der Boulevard vom Campus der Silliman University dominiert. Vielleicht ist das der wichtigste Ort der Stadt. Gegründet wurde die Uni 1901 von amerikanischen presbyterianischen Missionaren, am Anfang finanziert vom New Yorker Geschäftsmann, Verleger und Investor Horace Brinsmade Silliman, der die Philippinen nie betreten hat. Aus einer Elementarschule für Jungen entwickelte sich über drei Jahrzehnte die erste protestantische Universität Asiens, die heute zu den angesehensten Universitäten des Landes gehört.

Die schlichte protestantische Kirche, das erste denkmalgeschützte Gebäude der Uni, und weitere Bauten aus mehreren Epochen der vergangenen 125 Jahre prägen den Campus. Studierende stehen in Gruppen zusammen, diskutieren, lachen, trinken Kaffee aus Kartonbechern.

Die katholische Konkurrenz blieb aber nicht lange aus: Ende Oktober 1904 kamen die ersten sieben Nonnen der Kongregation der Schwestern vom Heiligen Pauzlus von Chartres per Boot in Dumaguete an. Sie waren aus Saigon in Vietnam auf Einladung des Bischofs von Dumaguete angereist. Schon Anfang Januar 1905 eröffneten sie die St. Paul Academy (heute St. Paul University). Ihre Ankunft ist mit einer dramatischen Skulptur auf dem Rizal Boulevard verewigt.

Intensive genutzter Boulevard

Der Boulevard ist keine Touristenmeile, zumal es in Dumaguete kaum Tourismus gibt. Er gehört den Leuten aus Dumaguete und wird von diesen intensiv genutzt: Jogger, Spaziergänger, Liebespaare, die in der Abenddämmerung eng umschlungen auf der Kaimauer sitzen, mit dem Rücken zur Welt, hingewandt aufs Meer und den Regenbogen, der in den Wellen endet. Später werden Musikanlagen installiert, mobile Karaoke-Stationen, aus denen laut, hoch und falsch philippinische Schlager und internationale Pop-Klassiker ertönen. Familien picknicken im Gras, Hunde und Kinder tollen frei herum.

Am südlichen Ende, wo die gepflegte Parkanlage einer festgestampften Kiesfläche weicht, sitzen unter einem grossen Baldachin Männer (und ganz wenige Frauen) vor Schachbrettern, die auf langen Tischen aufgereiht sind. Ich bleibe stehen, schaue zwei sehr ernsthaften Spielern zu, sehe, wie der mit den schwarzen Figuren einen klaren Vorteil verspielt und das Spiel schliesslich verliert.

Hinter den Schachspielern kommen die Essstände, Tische unter Sonnenschirmen, Plastikstühle, der Geruch von gegrilltem Fisch, Hühnerspiessen, Schweinefleisch in Sauce. Ganz am Ende der Reihe, fast ein wenig verschämt, stehen Massagestühle im Freien, wo sich Männer nach der Arbeit die nackten Rücken kneten lassen.

Dumaguete hat keine lange Liste von Sehenswürdigkeiten. Man kommt nicht her, um etwas abzuhaken. Man kommt, weil das Zentrum überschaubar ist, weil man am Meer sitzen kann, und weil an jeder zweiten Ecke ein Café oder ein Restaurant auf einen wartet. Am Rizal Boulevard sind dies unter anderem das «Casablanca» mit vorwiegend europäischer Küche, das «Sans Rival» mit Bäckerei, Konditorei und Bistro, das sehr gut besuchte, philippinische «Kawa», wo ich der einzige ausländische Gast bin, oder «Gerry's Grill».

Kathedrale im «Erdbeben-Barock»

Ein paar Strassenzüge in Richtung Zentrum steht die Kathedrale von Dumaguete. Die Kirche gilt als die älteste Steinkirche auf der Insel Negros. Die ursprüngliche Bauphase erstreckte sich von 1754 bis 1776 in einem Stil, der sich an den spanischen Barock anlehnte, aber wegen der häufigen Erdbeben massiv verstärkt wurde, weshalb man das auch «Erdbeben-Barock» nennt. Im Lauf der Jahre wurde die Kirche durch Brände schwer beschädigt und 1885 neu aufgebaut, die Fassade 1936 nochmals erweitert. 1955 wurde die Kirche offiziell zur Kathedrale erhoben und ist seither Sitz des Bischofs der Diözese Dumaguete.

Neben der Kathedrale steht ein massiver Glockenturm, der Campanario, der allerdings nicht mit diesem Zweck gebaut wurde. Er sieht eher aus wie ein Leuchtturm mitten im Strassengeviert, stammt aus dem 19. Jahrhundert und diente ursprünglich als Wachturm, von dem aus man Angriffe von der See her frühzeitig erkennen wollte.

Im Markt gibt es alles

Nochmals ein ganz anderes Gesicht zeigt Dumaguete am Morgen auf dem Public Market. Hier gibt es, wie in einem Kaufhaus, alles: Fisch und andere Meeresprodukte, Huhn, Schwein, Reis, Konserven, Obst, Gemüse, Gewürze, Blumen, aber auch Töpfe und Pfannen, Plastikartikel, Haushaltgeräte, Werkzeuge, Kosmetik und Toilettenartikel. Eine neue Uhr? Kein Problem! Ein Haarschnitt? Ebenfalls! Eine goldene Halskette für die Verlobte? Gleich an der Ecke! Kleider, Schuhe, Brillen? Aber klar! Und wenn die Geldbörse plötzlich leer ist, kann man seinen Besitz in den Pfandhäusern in etwas Kleingeld umwandeln.

An einer Querstrasse mitten im Markt komme ich zum sogenannten Painitan, was «Ort zum Aufwärmen» bedeutet, wie mir eine Verkäuferin erklärt (was bei den herrschenden tropischen Temperaturen etwas weit hergeholt scheint). Hier reiht sich Strassenküche an Strassenküche, an einfachen Tischreihen frühstücken die Leute. Auf Tischen sind kleine Päckchen, eingewickelt in Bananenblätter, gestapelt. Ich entscheide mich für Klebreis mit Schokolade, eine warme, süsse Speise, nach der man das Gefühl hat, für den ganzen Tag gesättigt zu sein.

Zwei, drei Tage haben mir gereicht, um Dumaguete auf mich einwirken zu lassen. Dass die Menschen hier besonders «gentle» wären, wie der Slogan behauptet, habe ich nicht verifizieren können. Die Freundlichkeit ist auf den ganzen Philippinen eine Grundhaltung der meisten Menschen, die mich immer wieder frappiert. Ich werde jetzt ein paar Tage auf der Insel Siquijor verbringen, die als besonders erholsam gilt – wie wenn man sich von der entspannten Stadt Dumaguete erholen müsste.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
3 Tage
KulturellEntspannend
  • Rizal Boulevard
  • Kathedrale von Dumaguete
  • Public Market
  • Silliman University
  • Painitan mit Klebreis mit Schokolade
StadtKulturEssenGeschichteArchitekturTransit
vogel-fliegt-ausWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.
Antworten

Philippinen
Reiseberichte Philippinen
#dumaguete#negros#inselnegros#philippinen#sillimanuniversity#stpauluniversity#rizal#joserizal#freiheitskampf#unabhaengigkeit