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Zuletzt in Indonesien

Steinzeit in Rammang-Rammang

Veröffentlicht: 01.09.2026

Flug
UPG → UPG
Economy
Unterkunft
D'Primahotel Pattimura
Hotel · Makassar
Tour
Reisebegleitung nach Rammang-Rammang
Tour · 2h · 12go
Fahrt
D'Primahotel Pattimura → Rammang-Rammang
2h
Fähre
hölzerne Bootsstation am Fluss Pute
Indonesien
Attraktion
Laku
Rammang-Rammang, Indonesien
Attraktion
Tianang-Höhle
Rammang-Rammang, Indonesien
Attraktion
Berua
Rammang-Rammang, Indonesien
Attraktion
King-Kong-Felsen
Rammang-Rammang, Indonesien

Am 11. August 2026, im Landeanflug auf den Flughafen Sultan Hasanuddin bei Makassar im Süden der Insel Sulawesi, blinzelte ich von meinem Sitz am Gang über die anderen Passagiere hinweg durch die Kabinenscheibe. Unter uns türmte sich in der grünen Ebene plötzlich ein steinernes Riesengebilde aus scharfkantigen, senkrecht aus den Reisfeldern empor-ragenden Kalkstfelsen. Karst, dachte ich, und assoziierte die Landschaft so-fort mit den Dolomiten. Noch bevor das Fahrwerk knirschend auf der Lan-debahn aufsetzte, war mir klar: Da musst du hin.

Die bizarre Landschaft heisst Maros-Pangkep-Karst, ist etwa 450 Quadrat-kilometer gross und gilt als eines der grössten zusammenhängenden Karst-gebiete Südostasiens. Touristisch erschlossen ist nur ein kleiner Teil des Gebietes, Rammang-Rammang genannt.

Rammang-Rammang, ein Ausdruck aus der lokalen Sprache, wird sinn-gemäss mit «Nebel» bzw. «dunstiger Ort» übersetzt. Der Name passt zur Landschaft: Zwischen schroffen Kalksteinfelsen, Reisfeldern, Mangroven und Flussläufen liegt besonders morgens häufig feuchter Dunst.

Eine App gegen die Sprachlosigkeit

Am dritten Tag in der Stadt ist es so weit. Vor meinem Hotel, dem pom-pösen, aber preisgünstigen «D'Primahotel Pattimura» nahe der Strand-promenade und des Containerhafens, wartet ein kleiner, schwarzer Dai-hatsu, am Steuer der auffällig elegant frisierte Sultan («Sultan» diesmal als Vorname, nicht als majestätischer Titel wie bei Hasanuddin); Ristina, eine schmale Frau mit schwarzem Kopftuch, holt mich in der Lobby ab. Mit beiden, das stellt sich bald heraus, verständige ich mich nur über Gesten, Satzfetzen und eine Übersetzungs-App.

Gebucht hatte ich auf «12go» eine «englischsprachige Reisebegleitung» und dafür auch einen stolzen Preis bezahlt. Die App hatte es versprochen, die Realität sieht anders aus. Ristina stellt sich mit dem Satz «not speak English» vor. Später zückt sie jeweils ihr Handy: Ich tippe meine Fragen auf Englisch, sie liest die indonesische Übersetzung und antwortet eben-falls schriftlich – ein mühsamer, stockender Dialog, bei dem jede einfache Frage durch die Übersetzungsschleifen muss.

Mit Plastikhelm durchs Steinlabyrinth

Freundlicher und hilfsbereiter hätten die beiden allerdings kaum sein kön-nen. Ristina drückt mir eine Wasserflasche in die Hand, bevor ich danach frage, und warnt mich vor rutschigen Steinen mit energischen Handbe-wegungen, die keine Übersetzung benötigen. Sultan reicht mir einen Pla-stikhelm, als die Durchgänge in der Steinlandschaft und die Laby-rinthhöhle eng werden und zackige Felsen dazu einladen, sich an ihnen die Köpfe blutig zu stossen.

Nach fast zweistündiger Fahrt durch den dichten Verkehr der beiden Grossstädte Makassar und, unmittelbar angrenzend, Maros beginnt die eigentliche Karsttour an einer hölzernen Bootsstation, wo schmale Holz-kähne mit Sitzbänken im trüben Grün des Flusses Pute dümpeln. Über steile Holzplanken steigen wir ein, wobei das Boot bedenklich schwankt. Der Bootsmann wirft den Motor an und fährt uns hinein in einen Tunnel aus Grünzeug und Wurzeln, die direkt aus dem Wasser wachsen.

Dem Fluss entlang gibt es mehrere Anlegestellen, jeweils mit hölzernen, überdeckten Piers. An der ersten spazieren wir beim Dorf Laku, die Helme aufgesetzt, durch das Labyrinth der bizarren Felsformationen. Sogar hier, in dieser unwirtlichen Gegend, leben Menschen. Auf einem Motorroller kommt uns eine Frau mit ihrem kleinen Sohn entgegen. Und auch die Kü-he, die im verdorrten Gras weiden, deuten auf Zivilisation hin.

An der zweiten Station wandern wir durch eine saftig grüne Landschaft zur Höhle von Tianang. Am Eingang der Kaverne deutet Ristina auf verblasste Zeichnungen von Landtieren und Fischen auf der Felswand – Jahrtausende alte Zeugnisse einer prähistorischen Kultur von Jägern, Fischern und Sammlern.

Junge Kokosnüsse im Pfahlbauerdorf

Schliesslich setzt uns das Boot im Dorf Berua zu einem ausgiebigen Rund-gang ab – das Programm hat diese letzte Station als «Hauptziel» unserer Exkursion angekündigt. Berua liegt in einem flachen Talkessel, teils mit Reis bebaut und mit Kokospalmen bestückt, teils unter Wasser stehend. Umgeben ist er von dunklen, fast senkrechten Karstfelsen, die schon Mitte Nachmittag schwere Schatten auf das Dorf werfen.

Das Dorf lebt; einige der Häuser stehen auf Pfählen am oder im Wasser; neue Behausungen werden in der traditionellen Bauweise erstellt. Mütter schaukeln ihre Babys, Männer halten einen Schwatz. Frauen bieten frische Kokosnüsse an; wenn man eine kauft (oder, in meinem Fall, eine bekommt, denn im Exkursionspreis ist eine «junge Kokosnuss» enthalten), wird sie mit ein paar sauberen Hieben einer Machete geköpft, worauf man die Ko-kosmilch mit einem Trinkhalm schlürft.

Alte Zeichnungen beim King-Kong-Felsen

Damit sich die Touristen nicht die Füsse nass machen, sind am Rand der weitläufigen Felder Holzstege gebaut worden, und wenn man ihnen folgt, gelangt man zum sogenannten «King-Kong-Felsen», einer senkrechten Steinformation, die (mit etwas Phantasie) an den Kopf eines Gorillas er-innert. Einst – das verrät eine Tafel – war dies eine Stelle, an der Männ-lichkeitsrituale abgehalten wurden, unter anderem Hahnenkämpfe.

Gleich neben dem steinernen Gorilla finden sich weitere Felszeichnungen, die dokumentieren, dass die abgelegene Gegend schon in der Steinzeit von Menschen bewohnt war.

Als wir wieder in unseren Kahn steigen und uns auf den Rückweg machen, erschallt aus einem gerade anlegenden Boot mein Name «Artur», laut und mit einem Echo von den Felsen, allerdings französisch ausgesprochen: «Artüür». Die belgische Familie – die Frau Professorin, der Mann Mar-ketingspezialist, zwei Teenage-Töchter – hatte ich schon auf der Insel Flo-res getroffen. Im «Pantai Paris Homestay» in Maumere, etwa eintausend Kilometer von Rammang-Rammang entfernt, hatten wir Tür an Tür ge-nächtigt und uns beim Frühstück ausgiebig unterhalten.

Es scheint in Indonesien eigentliche Trails für Rucksacktouristen zu geben, denn – was ich in Rammang-Rammang noch nicht weiss – wird mir in Rantepao, gut 300 Kilometer nördlich von Makassar, ein paar Tage später erneut passieren: Zufällig treffe ich Mégane und David wieder, ein spa-nisch-schweizerisches Paar, mit dem ich schon in Ende, ebenfalls auf Flo-res, ausgiebig diskutiert hatte.

Indonesien ist riesig, aber die Welt ist klein.

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