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Siquijor, mein philippinischer Sehnsuchtsort

Veröffentlicht: 20.09.2026

Fähre
Dumaguete → Siquijor Port
Oceanjet
Taxi
Siquijor Port → Tahanan Resort & Sunset Beach Club
Philippinen
Unterkunft
Tahanan Resort & Sunset Beach Club
5 Nächte · Resort · San Juan, Siquijor
Essen
Tahanan Resort & Sunset Beach Club Restaurant
$$ · Abendessen
Strand
Paliton Beach
San Juan, Siquijor, Philippinen
Attraktion
Lugnason Falls
Siquijor, Philippinen
Attraktion
Pitogo Cliff
Siquijor, Philippinen
Attraktion
Old Enchanted Balete Tree
Lazi, Siquijor, Philippinen
Sehenswert
San Isidro Labrador Church
Lazi, Siquijor, Philippinen
Museum
Lazi Convent Museum
Lazi, Siquijor, Philippinen
Strand
Salagdoong Beach
Maria, Siquijor, Philippinen
Sehenswert
North coast mangrove snorkeling area
Siquijor, Philippinen

Es ist der 10. September 2026. Das Schnellboot der Firma Oceanjet legt ab, und bald rauschen wir über die flachen Wellen der Bohol-See in Richtung der Insel Siquijor. Hinter dem Heck verschwindet die Uferpromenade von Dumaguete; vor dem Bug taucht Siquijor aus dem Dunst auf, auffällig grün, in der Mitte ein Hügelrücken. Die Klimaanlage steht auf Eiszeit; ein Pullover drängt sich auf, den man bei der Ankunft im Hafen aber rasch wieder auszieht.

Ausserhalb des Hafens warten die Tricycle-Fahrer auf Kundschaft; ich lasse mich auf keine Preisdiskussion ein, sondern gebe direkt den Tarif durch, den ich zuvor ermittelt hatte: 400 Pesos bis zu meinem Resort in San Juan. Diese Vorbereitung empfiehlt sich, wann immer man an einem neuen Ort ankommt, denn viele Taxi- und Rikschafahrer weltweit haben die Angewohnheit, naive Fremde gnadenlos auszunehmen.

San Juan liegt an der Westküste der Insel; ich steige im «Tahanan Resort & Sunset Beach Club» ab. Tahanan heisst «Zuhause». Das passt: Man fühlt sich hier gleich heimisch – Bungalows im Schatten von Bäumen, ein etwas grösseres Gebäude in der Mitte, alles von einem Garten mit gepflasterten Wegen umgeben; eine Bar, ein Gartenrestaurant, in welchem ein interessantes, internationales Stilgemisch gepflegt wird, neben indonesischen Spezialitäten unter anderem auch Pizza und Sushi, beide sur place hergestellt; Tische teils unter Strohdächern, teils im Freien; sogar ein Billardtisch. (Stolz vermelde ich hier, dass ich den Küchenchef, der mich herausforderte, in drei von vier Spielen besiegt habe.) Ein Schwimmbecken gibt es auch. Am Abend ist die ganze Anlage in das weiche Licht von Hunderten von Lämpchen gehüllt.

Gin and Tonic zum Sonnenuntergang

Allerdings ist das «Tahanan» kein «Beach Club»: Zwar führt eine Treppe zum Meer hinunter, aber dort finden sich nur Felsbrocken, kein Strand. Deshalb lasse ich das «Sunset» am nahegelegenen Paliton-Strand auf mich einwirken. An einem Gin and Tonic mit viel Eis zu nippen, die Füsse in den warmen Sand gewühlt, während die Sonne das Meer mit goldenen Farben überschwemmt und den Himmel in Rot- und Rosatönen bepinselt, ist für mich der höchste Ausdruck des Dolcefarniente.

An solchen Orten kommt man unweigerlich mit Menschen ins Gespräch. Luca stammt aus Italien, seine Begleiterin Mahya, die ausdrücklich betont, nicht Lucas Freundin zu sein, kommt aus Bacolod auf der Insel Negros; Patrick, bei dessen Englisch ich höllisch aufpassen muss, um es zu verstehen, ist in der Gegend von Connemara an der Atlantikküste im Westen Irlands aufgewachsen und wird mindestens ein halbes Jahr auf Siquijor verbringen. Jeder hat seine Biografie; jeder erzählt unaufgefordert und ausführlich; aus dem einen Gin and Tonic werden mehrere.

Ich bleibe fünf Nächte im «Tahanan», und während vier Tagen miete ich einen Motoroller. Siquijor ist nicht gross: etwas grösser als der Schweizer Kanton Schaffhausen, etwas kleiner als das Bundesland Bremen. Doch die Circumferential Road, welche rund um die Insel führt, fühlt sich auf dem Sattel einer Honda Click ziemlich lang an. Für die rund 75 Kilometer braucht man ohne Zwischenstopps drei bis vier Stunden; sie ist zwar gut ausgebaut, aber man rast nicht, denn man teilt die Strasse nicht nur mit anderen Rollern, Tricycles, Kleinbussen, Lastwagen und Autos, sondern auch mit Hunden, Hühnern, Kühen und Kindern.

Am Morgen fahre ich landeinwärts zum Lugnason-Wasserfall. Von der Strasse aus steigt man über einen steinigen, teils mit Treppenstufen versehenen Weg durch dichte Vegetation hinunter. Der Wasserfall, der in vielen Rinnsalen über eine moosige Felswand hinunterstürzt, ist nicht wirklich eindrücklich, aber durchaus lauschig. Wäre ich gestresst, was ich seit Monaten nicht bin, könnte ich mich hinsetzen, zehn Minuten in das Wasser starren, das unten in einem Becken von geradezu unwirklichem Blau aufgefangen wird, und Blutdruck und Puls radikal senken.

Fotos über dem Abgrund

Zurück an der Küste komme ich bald zum Pitogo-Kliff. Hier geht es nicht ums Senken, sondern ums Steigern des Adrenalinspiegels. Über dem Kliff hält zwar eine Steinmauer die Selfie-Jäger und unvorsichtigen Besucher vom Hinunterfallen ab. Doch auf einem Felsvorsprung, der schwindelerregend ins Leere ragt, lassen sich junge Frauen in langen Kleidern fotografieren. Sie stehen dafür Schlange; eine nach der andern richtet Haar und Rocksaum, sucht stehend, dann sitzend verschiedene Positionen, wird von einem Freund, einer Freundin oder einem Profi, den man hier anheuern kann, abgelichtet. Eine Drohne schnurrt über der Szenerie; besonders Eitle können auch Luftaufnahmen von sich selber erwerben.

Bevor ich nach Lazi an der Südküste gelange, mache ich beim «Old Enchanted Balete Tree» halt. Der Banyan-Baum, deutsch auch Würgefeige genannt, soll rund vierhundert Jahre alt sein. Die Wurzeln des «verwunschenen» Baumes greifen wie Taue über den Boden. Am Fuss umschliessen sie eine Quelle, die in einem kleinen Kanal gefasst ist. Menschen sitzen am klaren Wasser, tauchen ihre Beine ein, worauf kleine Fische die Hornhaut absaugen.

Kirche aus Korallen

Ein Stück weiter, im Ortskern von Lazi, stehen die Bauwerke, derentwegen die meisten kommen: die Kirche San Isidro Labrador und der Lazi-Konvent. Die Kirche wurde 1884 erbaut, wie die Jahreszahl über dem Portal verkündet. Bauherren waren spanische Franziskaner, das Baumaterial Korallensteine und Hartholz. Der Stil ist klassizistisch: gerade Linien, drei Portale, wenig Schmuck. Die zwei Kanzeln und der Altaraufsatz sind original. Bemerkenswert ist aber vor allem der Fussboden: Er ist vollständig mit Holz im Fischgrätmuster ausgelegt, was für eine Kirche ungewöhnlich ist. Doch er hat sich bewährt: Der Boden hat 142 Jahre schadlos überdauert.

Direkt gegenüber der Kirche steht der Lazi-Konvent, fertiggestellt 1891. Er gilt als das grösste Gebäude dieser Art in ganz Asien. Der Konvent hatte ursprünglich die Funktion eines Erholungsortes für Missionare und Ordenspriester aus den Visayas und Mindanao. Heute beherbergt das Gebäude unter anderem ein kleines kulturhistorisches Museum.

Picknick am Strand

Ich fahre weiter nordwärts nach Maria an der Ostküste, zum Salagdoong-Strand. Von einem grossen Felsen aus, den man über Treppen besteigt und der mit Holzbänken zum Verweilen lädt, hat man den Überblick über den kleinen Strand mit sandigen und felsigen Abschnitten, im Rücken ein steil aufsteigender Wald. Das Wasser ist so klar, dass man von dieser Aussichtsposition die Steine auf dem Grund zählen könnte.

Familien sind mit ihren Tuk-Tuks, Rollern und Autos so nah ans Ufer gefahren wie irgend möglich, haben sich zum Essen und Trinken niedergelassen, während der Nachwuchs im Wasser tollt.

Vom Salagdoong-Strand fahre ich weiter an die Nordküste, wo der Tourismus sehr viel dünner ist als weiter südlich. Es gibt hier Mangrovenwäldchen direkt im Wasser. An einer Stelle kann man Schnorchelausrüstungen mieten, hinauswaten und dann Rochen, Barrakudas und die eine oder andere Schildkröte beobachten.

Zum Sonnenuntergang bin ich wieder am Paliton-Strand. Die Sonne sinkt ins Meer, in der Ferne zeichnen sich die Berge von Negros ab. Der Gin and Tonic ist kalt, und die Gespräche kommen von selbst. Es gibt Orte, aus denen man gern abreist. Und es gibt Orte, an denen man bleiben möchte. Zu ihnen gehört Siquijor.

Auf einen Blick

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Dauer
6 Tage
EntspannendKulturell
  • Ankunft auf Siquijor mit dem Schnellboot von Oceanjet
  • Fünf Nächte im Tahanan Resort & Sunset Beach Club in San Juan
  • Paliton-Strand bei Sonnenuntergang
  • Lugnason-Wasserfall
  • Old Enchanted Balete Tree
  • Kirche San Isidro Labrador und Lazi-Konvent
  • Salagdoong-Strand
  • Schnorcheln an der Nordküste
MotorollerPulloverSchnorchelausrüstung
StrandNaturKulturGeschichteAbenteuer
  • Tricycle nach San Juan400 PHP
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