Inselhopping Part #3 - Fuerteventura: Finale, Family und beinahe ein Feuer
Langsamer Abschied vom Gefühl der grenzenlosen Freiheit


Veröffentlicht: 17.05.2025






















































Persönlicher Logbucheintrag vom Wohnschiff Betty HH-VX 717: Wir schreiben das Jahr 2025, 8. März, 18:00 Uhr
Pünktlich um 19:00 Uhr legt die Armas Fähre vom Kai des Fährhafens von Puerto de Rosario ab. Für uns beginnt das letzte Kapitel unserer Auszeit und wir befinden uns auf dem "Long Way Home"! Vor uns liegen noch ungefähr 4.000 km Fahrtstrecke, für die wir uns vorgenommen haben, viele alte und neue Freunde und die Familie zu besuchen. Doch zunächst gilt es, den Atlantik zu bezwingen. Die Vorhersage verspricht eine stürmische Überfahrt nach Cadiz. Die Fähre macht gegen Mitternacht noch einen Zwischenstopp in Arrecife auf Lanzarote. Dann verlassen wir den Wind-und Wellenschatten der kanarischen Inseln und geraten in die Dünung des Atlantiks. Wind und Wellen kommen von schräg hinten, die Fähre macht dadurch eine korkenzieherähnliche Schaukelbewegung. Da wir zwei Nächte unterwegs sind, haben wir eine Kabine gebucht. Im Kabinenpreis ist Vollverpflegung inkludiert. Das lassen wir uns nicht entgehen, man muss nur aufpassen, dass einem im Speisesaal Teller und Getränke nicht vom Tisch schliddern! Zwischendurch genießen wir auf dem Achterdeck den Blick auf den wilden Atlantik, sogar die Sonne lässt sich ab und zu mal blicken. In der Nacht zum 10. März lässt der Sturm nach und als wir morgens in den Hafen von Cadiz einlaufen ist die See so ruhig, als wenn nichts gewesen wäre.
Das andauernde Schlechtwettersystem über dem Atlantik bestimmt auch das Wetter in Andalusien. In den vergangenen Tagen hat es hier viel geregnet und es hat zahlreiche Überschwemmungen gegeben. Auch für die nächsten Tage soll das Wetter wechselhaft bleiben, so dass wir unseren Aufenthalt in Andalusien auf das notwendigste beschränken. Auf der Fahrt von Cadiz nach Tarifa sehen wir grüne, fette Weiden mit glücklichen Rindern. Das war letzten Herbst noch nicht so, da standen die Rinder auf vertrockneten, braunen Böden. Jetzt ist ein Teil der Wiesen überschwemmt und die Gräben am Straßenrand am Überlaufen. In Tarifa steuern wir zunächst das Selfstorage Lager Tarifa Box an, wo ein Teil unseres Surfmaterials eingelagert ist. Die sehr nette Inhaberin Dona hat gut auf unser Material aufgepasst. Nach einem Abschiedsspaziergang durch Tarifa, was wir sehr in unser Herz geschlossen haben, geht es weiter entlang der Mittelmeerküste in Richtung Heimat.
Wir übernachten in Almeria rund 350 km nordöstlich von Tarifa auf einem großen Parkplatz am Ortsrand, der auch von zahlreichen Wohnmobilen genutzt wird. Wie immer versuchen wir, möglichst unauffällig zu sein. Das ist unser Glück, denn morgens kommt die Policia Local und verscheucht einige Camper, die auf normalen PKW Parkplätzen allzu sehr Campingleben betreiben. Auch in Almeria ist es wettertechnisch ungemütlich und wir brechen nach dem Frühstück auf. Während der Mittagspause, die wir in Puerto Lumbreras verbringen, habe ich ein geplantes Interview mit einem Recherche Unternehmen zu Fragestellungen im pharmazeutischen Markt. Diese Interviews sind sehr gut honoriert, aber viel zu selten, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Unser nächstes Tagesziel ist Castello de la Plana nördlich von Valencia gelegen. Die Fahrt führt vorbei an Murcia. Von den schweren Überschwemmungen in den letzten Tagen in dieser Gegend , die sogar ein Todesopfer gefordert haben, ist von der Autobahn aus nichts zu erkennen. Wir waren im letzten Jahr schon einmal in Castell0 de la Plana. Rund um den völlig überfüllten Wohnmobilstellplatz gibt es mittlerweile zahlreiche Verbotsschilder für Wohnmobile. Schade, aber wir können die Gemeinde verstehen, es sind einfach zu viele Wohnmobile. In einer ruhigen Seitenstraße, unweit vom Strand finden wir trotzdem einen schönes Plätzchen für die Nacht. Für den nächsten Tag verspricht die Wettervorhersage Sonnenschein pur, so dass wir einen Ruhetag einlegen wollen.
Am nächsten Tag wachen wir mit strahlendem Sonnenschein auf. In dem langgestreckten schönen Park zwischen Strand und unserem Parkplatz können wir unser morgendliches Workout machen. Das ist in den letzten Tagen eindeutig zu kurz gekommen. Danach brechen wir zu einem Strandspaziergang auf, der uns bei bestem Wetter bis nach Benicasim und zurück führt. Benicasim besteht im wesentlichen aus Apartmenthochhäusern, die um diese Jahreszeit ziemlich verlassen sind. Die Restaurants und Cafes sind auch noch fast alle zu, so dass wir Schwierigkeiten haben, unseren Kaffeedurst zu löschen. Am Ende wird es ein Eiskaffee aus dem Plastikbecher vom kleinen Minimarkt. Das hilft aber, die insgesamt 15 km Strecke zu "überleben".
Die folgenden zwei Nächte verbringen wir in der Nähe von Barcelona auf dem luxuriösen Wohnmobilstellplatz "Barcelona Beach", den wir schon von der Hinfahrt kennen. Der Name "Barcelona Beach" ist ein bisschen geschummelt, der Platz liegt weder direkt am Strand (ca. 500 m Luftlinie) noch in Barcelona sondern 30 km nördlich in Vilassar de Mar. Trotzdem ist es der beste Platz, um das Wohnmobil sicher zu parken und Barcelona zu besuchen. Aufgrund des wechselhaften Wetters verzichten wir aber auf einen erneuten Besuch von Barcelona und beschränken uns auf eine Wanderung und eine Joggingrunde an der langen Strandpromenade. Hier in Vilassar de Mar verbringen wir auch unsere "letzte" Nacht in Spanien, dass wir in den vergangenen 14 Monaten so lieb gewonnen haben!
Am Vormittag des 13. März überqueren wir die spanisch-französische Grenze bei Le Perthus in den Pyrenäen. Das ungemütliche Wetter in der Mittelmeerregion macht sich auch hier bemerkbar. Auf über 600 m Höhe sinkt die Außentemperatur auf unter 6° C. Heute haben wir gleich zwei Verabredungen: In Perpignan wollen wir Jean-Louis und Martine treffen, die wir im letzen September im Riff-Gebirge in Marokko (Siehe Reiseblog Marroko) kennengelernt haben. Die beiden haben damals darauf bestanden, dass wir sie auf unserer Rückfahrt in Perpignan besuchen. Die beiden haben lecker für uns gekocht und wir haben uns viel zu erzählen. Die Zeit vergeht leider wie im Fluge, da wir für unsere zweite Verabredung heute noch bis nach Montpellier weiterreisen müssen. In Montpellier haben wir ein blind Date: wir sollen dort einen Surfboard Shaper und seine Frau treffen, die ebenfalls vor der Herausforderung stehen, einen Iveco Daily zum Surf Wohnmobil umzubauen. Der Kontakt ist über die japanisch-australische Surfer Familie zu Stande gekommen, die wir in Spanien und Marokko getroffen haben. Chris und Sophie empfangen uns überschwänglich und wir dürfen gleich an der kleinen Party teilnehmen, die heute abend bei Ihnen im Garten stattfindet. Unser Van steht derweil sicher bei Sophies Eltern innerhalb einer gated community, denn in Montpellier gibt es leider sehr viele (Auto-)Einbrüche. Chris und Sophie bestehen darauf, uns am nächsten Morgen Montpellier zu zeigen. Im Gegenzug wird unsere "Betty" besichtigt und wir können den beiden noch viele Tipps für ihren geplanten Ausbau ihres Vans geben. Obwohl wir uns noch keine 24 Stunden kennen, verabschieden wir uns wie alte Freunde, denn für uns geht die Reise schon wieder weiter. Am kommenden Samstag müssen wir bereits in Aachen sein, vorher wollen wir uns noch ein wenig die französische Mittelmeerküste ansehen.
Als wir aus Montpellier aufbrechen, ist es bereits relativ spät und wir schaffen es nur bis Aigues-Mortes, keine 40 km entfernt von Montpellier. Aigues-Mortes ist einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Festungsstädte mit einer komplett umlaufenden vollständigen Festungsmauer. Ganz früh morgens wandern wir durch die noch leere Stadt und schlendern dann über den wunderbaren Wochenmarkt, auf dem wirklich alles angeboten wird, was zu einem französischen Gaumenschmaus gehört. Gut ausgestattet geht es weiter an der Küste entlang durch die Camargue in Richtung Marseille. Von Marseille aus führt die Straße durch den Nationalpark Sainte-Baume in Richtung Toulon. In dieser Berglandschaft liegt auch die (ehemalige Formel 1) Rennstrecke Le Castellet. Die Nähe zur Rennstrecke nehmen anscheinend Horden vom Motorradfahrern zum Anlass, sich auf der Straße zu benehmen, als wenn sie ein Rennen fahren würden. Wir kommen kaum dazu, die Landschaft zu genießen, so sehr müssen wir auf die lebensmüden Biker achten, die wie die Irren fahren.
Wir passieren Toulon und nähern uns Hyeres. An der Küste vor Hyeres liegt die Halbinsel Giens. Giens ist durch eine breite Salzwasser Lagune und zwei Straßen mit dem Festland verbunden und ist bekannt für seine guten Wassersportbedingungen. Hier befindet sich auch der ehemalige World Cup Strand Almanarre als Windsurfen mit Helden wie Robby Naish und Björn Dunkerbeck noch ganz groß war. Hier wollten wir schon immer mal hin. Zweimal hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber jetzt soll es soweit sein! Wir mieten uns auf dem bei Surfern bekannten Camping International ein. Große Teile der französischen Mittelmeerküste sind zum Freistehen leider nicht geeignet, da so ziemlich jeder Parkplatz am Wasser mit einem stabilen Balken in 2 m Höhe versehen ist. Außerdem wird uns von mehreren Seiten bestätigt, dass die Aufbruchgefahr wirklich sehr groß ist, wenn man sein Fahrzeug alleine lässt. Auf dem Camping International ist noch Vorsaison. Wir finden problemlos einen Platz zwischen den anderen Campern, die fast alle zum Wassersport hierhergekommen sind. Der Campingplatz hat sogar einen gut ausgestatteten Fitnessraum, den wir jeden Morgen belegen.
Hier werden wir einige Tage verbringen und ich hoffe natürlich auf guten Wind zum Windsurfen und/oder Wingfoilen. Am nächsten Tag, es ist mittlerweile der 17. März schwingen wir uns erst mal auf die Bikes. Auf einer 40 km langen Rundtour erkunden wir die Halbinsel Giens, die Salzwasserlagunen mit den rosa Flamingos und Hyeres mit seiner großen Marina. Es gefällt uns hier ausgesprochen gut, das finden nicht nur wir. Der Nobelort Saint-Tropez ist nicht weit entfernt. Einen Tag später ist der Wind da und zwar nicht zu knapp. Zeit zum Windsurfen. Allerdings haben die kleinen Segel bereits die Rückreise nach Deutschland angetreten. Also muss mein 5,0er Segel herhalten, das eigentlich ein bisschen zu groß ist. Meine linke Hand wird ganz schön beansprucht, es ist das erste Mal Windsurfen nach meinem Unfall am 22. Dezember. Aber ich freue mich sehr, wieder auf dem Wasser zu sein! Susi macht derweil eine 30 km Tour mit dem Bike nach Hyeres. In Hyeres gibt es Steigungen bis zu 20 %, zum Glück hat sie eine E-Mountainbike!
Am 19. März haben wir wieder eine Verabredung. Wir treffen uns mit Gerd und Renate aus Österreich. Diese hatten wir in Asilah in Marokko kennengelernt, kurz bevor sie ihre Reise krankheitsbedingt leider abbrechen mussten. Jetzt sind sie zum Glück wieder on the road auf dem Weg nach Marokko, wir auf dem Weg nach Hause und die Halbinsel Giens ist ein idealer Treffpunkt. Aber erst mal muss ich wieder aufs Wasser. Heute sind perfekte Bedingungen für das Wingfoilen. Zusammen mit anderen Wassersportlern teilen wir uns heute die große Bucht mit drei Canadair Löschflugzeugen, die hier trainieren. Immer wieder setzen sie in unserer Nähe auf die Wasseroberfläche auf, nehmen Löschwasser auf und entleeren es wieder über dem Meer. Eine unglaubliche fliegerische Leistung! Mittlerweile sind Gerd und Renate eingetroffen. Bei Käse, Baguette und Wein lassen wir die vergangenen Monate Revue passieren und plaudern über vergangene und zukünftige Reisen. Die beiden planen unter anderem mit ihrem Ural Beiwagengespann eine große Reise durch Südamerika bis nach Feuerland, die Ende dieses Jahres beginnen soll! Das Ural Gespann soll im August von Hamburg nach Brasilien verschifft werden und wir hoffen natürlich auf ein Wiedersehen in Hamburg. Wie das so ist mit Reisenden, trennen sich am nächsten Morgen unsere Wege wieder. Für Gerd und Renate geht es weiter in Richtung Marokko und wir verlassen leider und endgültig die Mittelmeerküste in Richtung Norden.
Nach kurzen Abwägen entscheiden wir uns doch, die mautpflichtige Autobahn zu benutzen. Das ist zwar teuer (ca. 10 € auf 100 km), aber auf den Landstraßen kommt man einfach nicht voran und wir haben ja schließlich Termine! An diesem Tag schaffen wir circa 750 km und landen zum Übernachten in Bulgneville auf Höhe von Freiburg. Wir werden allerdings bis Aachen durch Frankreich und Luxemburg fahren. Wir haben einfach keine Lust auf den Stress deutscher Autobahnen. Am nächsten Morgen geht es weiter in Richtung Aachen. In Luxemburg nutzen wir die Gelegenheit (relativ) günstig zu tanken und fahren dann noch ein kleines Stück durch Belgien, bevor wir die deutsche Grenze überschreiten. Es ist Freitag, der 21. März, vor 424 Tagen haben wir Deutschland für unsere große Reise verlassen.
In Aachen wohnt meine Cousine Julia mit ihrem Mann Karsten und ihren beiden Kindern. Zuletzt waren wir zu ihrer Hochzeit in Aachen und das ist (leider) schon einige Jährchen her... Karsten hat sich extra den Nachmittag frei genommen und nachdem die Tochter in die Konformationsfreizeit verabschiedet wurde, geht es in die Aachener Innenstadt zum Sightseeing. Neben dem Aachener Dom sind natürlich die Aachener Printen ein Highlight, die wir vor dem Kauf ausgiebig verkosten. Auch das Aachener Streuselbrötchen ist nicht zu verachten. Im Gasthaus Postwagen zum Ratskeller von 1659 im Aachener Rathaus gibt es dann noch ein schönes Bierchen. Direkt in Aachen gibt es einen tollen Wohnmobilstellplatz der Extraklasse, den wir uns für eine Nacht gönnen, zumal er nur wenige Meter vom Haus von Karsten und Julia entfernt ist. Am nächsten Morgen frühstücken wir noch zusammen. Es gibt so viel zu erzählen, doch wie das bei Reisenden so ist, sie müssen weiter und auch die nächste Verabredung steht an.
Von Aachen ist es nur eine relativ kurze Fahrt nach Bornheim bei Köln. Übrigens schaffe ich es auf dieser kurzen Fahrt nach Bornheim zweimal bei einer Radarkontrolle geblitzt zu werden. Wir merken schon, Deutschland wird teuer... In Bornheim wollen wir Inge, ihre Frau Ditsi und Vera aus Köln treffen. 1989 haben Susi, Inge und Vera zusammen in Berlin angefangen, Pharmazie zu studieren, haben dort den Mauerfall und die Wiedervereinigung miterlebt, ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und sind seitdem ganz enge Freundinnen. Die Wiedersehensfreude ist groß. Abends gibt es Raclette und wir haben uns alle gaaaaanz viel zu erzählen. Am nächsten Morgen besichtigen wir zusammen die neue Apotheke von Inge, die sich in der Eifel im Ahrtal befindet. Ihre alte Apotheke in Altenahr wurde tragischerweise beim Jahrhunderthochwasser im Juli 2021 irreparabel beschädigt. Mit unglaublicher Energie hat sie in dieser Zeit mit einer provisorisch aufgebauten Container Apotheke die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung in dieser Gegend sichergestellt. Bei einer kleinen Wanderung durch Altenahr sehen wir zum einen sehr viele Bautätigkeiten, aber auch noch sehr viele Ruinen und Zerstörung. Wir bleiben noch eine Nacht in Bornheim und machen uns weiter auf den long way home, der auf einmal bereits ziemlich kurz wirkt.
Unser nächstes Ziel ist Solingen. Auf dem Weg dorthin machen wir bei bestem Wetter eine Frühstückspause einen kleinen Spaziergang am Rhein. Solingen liegt etwas möglich von Köln und es ist nur eine kurze Fahrt dorthin. Hier wohnen Kiki und Reinhard, die wir in Galicien auf der Halbinsel Illa de Arousa kennengelernt haben (Reiseblog Galicien). Ihre Tochter war damals so nett, einen Teil meines Surfmaterials und meine Gitarre mit zurück nach Deutschland zu nehmen, um Platz im Van zu schaffen. Die lustige Geschichte dahinter ist hier zu lesen (Reiseblog Asturien). Schon bei der Anfahrt sind wir positiv überrascht, wie grün und hügelig es um Solingen herum ist. Am späten Nachmittag satteln wir die Bikes und Reinhard nimmt uns mit auf eine 30 km Power Runde rund um Solingen und entlang dem Tal der Wupper. Natur pur und die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands gibt es dort zu sehen! Abends sitzen wir dann gemütlich zusammen und natürlich gibt es auch hier gegenseitig mehr zu erzählen, als der Abend lang sein kann. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen geht es für uns bereits wieder weiter. Bis Hamburg warten noch zwei weitere Verabredungen auf uns.
Von Solingen bis Oldenburg in Oldenburg sind es knapp 300 km. Hier in Hundsmühlen wohnen Stefan und Beate. Mit Stefan habe ich damals zusammen studiert und zum Glück haben wir uns nie aus den Augen verloren. Jetzt nutzen wir die Gelegenheit, die beiden zu besuchen, da uns unser Weg selten in diese Gegend führt. Nach einem Spaziergang entlang der Hunte kocht Stefan ein leckeres Abendessen und auch hier gibt es natürlich... gaaanz viel zu erzählen. Mittlerweile ist eine unserer Lieblingsfragen "wo war es denn am schönsten"? Wobei es gar nicht wirklich unsere Lieblingsfrage ist, denn wir haben nach wie vor keine richtige Antwort auf diese Frage. Denn wie definiert man "am schönsten"? Natürlich kann man jetzt aufzählen, dass es in Galicien und auf Teneriffa oder vielleicht doch Lanzarote am schönsten war. Doch auch Marokko - was wir sehr differenziert betrachtet haben - hatte seine "schönsten" Seiten. Irgendwann spät abends sinken wir in unser Bett in Betty. Es ist unsere vorletzte Nacht im Van auf dieser Reise.
Am nächsten Tag, es ist der 26. März haben wir uns für ein bisschen letztes Urlaubsfeeling vorgenommen, die Elbe nicht schnöde über die Elbbrücken zu überqueren oder durch den Elbtunnel zu unterqueren! Wir nehmen stattdessen die Elbfähre von Wischhafen nach Glückstadt. Beim Bezahlen drückt der freundliche Bootsmann ein Auge zu, obwohl wir länger als 7 m sind. Das gesparte Geld investieren wir in die berühmte Bockwurst mit Senf, die es in der Kombüse der Fähre gibt, 70er Jahre Feeling inclusive. Das Wetter lädt allerdings nicht zum Sonnenbaden auf dem Deck ein. Es ist kühl und windig mit einem leichten Nieselregen.
Von Glückstadt aus nehmen wir Kurs auf Nordfriesland. Meine Eltern waren wohl etwas überrascht, als wir vor ein paar Tagen angekündigten, sie auf unserer Heimreise noch zu besuchen. Denn Friedrichstadt ist deutlich nördlich von Hamburg und sie hatten erwartet, dass wir Hamburg direkt ansteuern. Aber was macht schon ein Tag früher oder später in Hamburg? Wir werden nach Abschluss unserer Reise noch genug Zeit in Hamburg verbringen! Als wir auf die Auffahrt meines Elternhauses rollen sind wir doch ein bisschen aufgeregt und bewegt. Meine Eltern haben wir seit April letzten Jahres nicht gesehen. Hier in der Werkstatt haben wir über mehrere Jahre unsere Betty ausgebaut. Und gleichzeitig ist es natürlich auch ein erster Abschluss unserer Reise. Wenn wir morgen nach Hause fahren, ist es ein bisschen wie nach einem normalen Wochenende nach Hause kommen. Aber das ist auch der Plan. Da wir uns in der Familie gegenseitig digital orten können, stehen meine Eltern bereits winkend auf der Auffahrt. Die Haustür ist mit einer bunten Girlande und einen "Welcome Back" Schild geschmückt. Es gibt feste und lange Umarmungen und das eine oder andere Auge ist nicht nur vom kühlen, scharfen Wind etwas feuchtrot...
Wir bleiben eine Nacht bei meinen Eltern. Am Morgen des 27. März geht es dann über die A7 von Nord nach Süd in Richtung Hamburg. Der Kilometerzähler auf dem Tacho bewegt sich langsam in Richtung volle 100.000 km. Extratouren wollen wir aber nicht fahren und als wir in die Josthöhe einbiegen haben wir exakt 99.990 km auf der Uhr. Bei einem Stand von ziemlich genau 70.000 km sind wir am 23. Januar 2024 losgefahren. Vor der Tür nehmen uns unsere Jungs Leon und Tim herzlich in Empfang. "Welcome Home" hängt im Flur. Ist das tatsächlich so? Ist das Haus unser home oder ist unser Van mittlerweile unser home? Auf jeden Fall hat sich unsere Strategie der "gestreckten" Rückreise ausgezahlt. Unsere Reise findet kein abruptes Ende. Über zwei Wochen und zahlreiche Besuche haben wir uns mit dem Gedanken an ein Ende unserer Reise allmählich anfreunden können, haben mit vielen verschiedenen Menschen darüber gesprochen und sind langsam vom ewigen Sommer der Kanaren in den beginnenden Frühling Nordeuropas gezogen. Jetzt haben wir das Gefühl es so genau richtig gemacht zu haben und müssen nicht traurig sondern können dankbar und stolz auf die vergangenen 14 Monate on the road zurückblicken. Dankbar für die vielen Begegnungen und Erlebnisse. Stolz darauf, einfach losgefahren zu sein und unseren Weg gesucht zu haben. Wir haben gelernt (uns) zu entschleunigen, den Moment zu leben und die Vielfalt dieser Reise zu schätzen – von der Sahara bis zu den Pyrenäen, von den Küsten Galiciens bis zu den Stränden Teneriffas.
Fazit: Hat es sich gelohnt? Diese Frage haben wir öfters gehört.
Die Antwort ist ein unbedingtes JA! Wer noch immer zweifelt, nehme sich ein Herz und fahre einfach los!
Übrigens: Wenn euch der Reiseblog gefällt, freuen wir uns sehr über ein "gefällt mir" in dem ihr auf das Herz klickt!
On the road: 430 Tage
Zurückgelegte Strecke: 29.990 km
THE END (OF THIS TRIP)
