Coastal Nomads - Suzi, John & Betty
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Zuletzt in Frankreich

Von Andalusien bis nach Teneriffa - und dann ein drastischer Einschnitt

Veröffentlicht: 17.01.2025

Radtour
Buena Vista → … → Garachico
40 km · Küstenwanderweg
Attraktion
Piscines Naturales
Garachico, Spanien
Attraktion
Orotava
La Orotava, Teneriffa, Spanien
Sehenswert
Playa de Jover
Teneriffa, Spanien
Attraktion
San Cristobal De La Laguna
Teneriffa, Spanien
Essen
Kaffeestand der Marktbeschicker in der historischen Markthalle von La Laguna
$$ · Frühstück
Sehenswert
Industriehafen von Granadilla
Granadilla de Abona, Teneriffa, Spanien
Tour
Wingfoilen im Industriehafen von Granadilla
Wassersport
Attraktion
Krankenhaus Candelaria
Santa Cruz de Tenerife, Spanien
Unterkunft
Parkplatz in der Nähe des Krankenhauses Candelaria
Frei­camping · Santa Cruz de Tenerife

Persönlicher Logbucheintrag vom Wohnschiff Betty HH-VX 717: Wir schreiben das Jahr 2024, 2. Dezember, 00:15 Uhr.

Kurz nach Mitternacht am 2. Dezember laufen wir nach einer ruhigen Überfahrt über die Straße von Gibraltar in den Hafen von Algeciras ein. Obwohl es schon so spät ist, nehmen wir noch die 40 Minuten Fahrt nach Tarifa in Kauf. Unser Kapitel im Marokko ist damit zunächst beendet (siehe Reiseblog Marokko Au revoir). Hier auf dem spanischen Festland haben wir jetzt fünf Tage Zeit, bevor am 7. Dezember die Fähre von Huelva in Richtung Teneriffa ablegt.

In Tarifa sind die üblichen Parkplätze für Wohnmobile sehr gut belegt. Wie die Zugvögel trudeln nun aus ganz Europa die Überwinterungsgäste ein, um den Winter entweder hier in Andalusien oder auch in Marokko zu verbringen. Die Temperaturen in Andalusien haben hier natürlich nicht das Niveau von Marokko, aber es ist sonnig und trocken und es reicht für die kurze Hose! Nach einem Kaffee in unserem Lieblingscafé Surla fahren wir zum Mietlager "Tarifa Box". Wir haben dort einen Teil unseres Surfmaterials eingelagert und bestücken den Van jetzt für die Kanaren neu. Am Strand sieht es sogar etwas windig aus, aber ein Spot Check an verschiedenen Spots ergibt keine brauchbaren Bedingungen zum Wingfoilen. Wir reisen daher weiter nach Los Canos de Meca, wo wir zwei Tage verbringen wollen. Obwohl wir meistens frei stehen, gehört der Stellplatz in Canos zu unseren Lieblingsplätzen aufgrund der sehr entspannten Atmosphäre dort, für die der herzliche Besitzer Raphael verantwortlich ist. Auch der Ort Canos selbst strahlt eine unglaubliche Ruhe aus.  Canos ist auch von historischer Bedeutung: hier vor der Küste fand 1805 die Seeschlacht von Trafalgar statt. Hier auf dem Stellplatz wird der Van aufgeräumt, die Wäsche wird gewaschen, Papierkram erledigt, was man so erledigen muss... Für Sport und schöne Spaziergänge am Strand bleibt trotzdem noch Zeit.

Wir hatten unseren englischen Bekannten, Sarah und David, die wir in Marokko kennengelernt haben, sehr von Canos vorgeschwärmt. Die beiden haben auch den Rückzug von Marokko angetreten und trudeln nun auch mit ihrem Hymer 4 × 4 Wohnmobil in Canos ein. Es gibt viel zu erzählen und Erfahrungen aus Marokko auszutauschen. Das machen wir in der liebevoll weihnachtlich geschmückten Outdoor Sitzecke vom Stellplatz mit einem Becher original Christkindl Glühwein in der Hand. Den konnte man bei Lidl in Tarifa kaufen! Abends wird es schon empfindlich kalt und wir tragen alle unsere warmen Jacken, so dass tatsächlich ein bisschen Weihnachtsmarkt Atmosphäre entsteht.

Leider trennen sich am nächsten Morgen unsere Wege ein weiteres Mal, wie schon so oft. Sarah und David wollen nach Portugal. Wir wollen weiter nach Cadiz. Von Freunden haben wir gehört, dass Cadiz in der Weihnachtszeit ganz besonders schön geschmückt sein soll. Wir investieren diesmal das Geld für den sündhaft teuren Wohnmobilstellplatz, mitten in der Altstadt von Cadiz. Dafür stehen wir direkt an der Altstadtmauer, unmittelbar am Meer. Die Sonne scheint und die auf einer langen Landzunge gelegene Hafenstadt präsentiert sich von ihrer besten Seite. Abends gehen wir noch einmal in die Altstadt, essen dort in einem der vielen typischen Fischrestaurants und bewundern dann die Weihnachtsdekoration. Die gesamte Altstadt ist festlich beleuchtet. Die Motive sind sehr schön und so ganz anders als in Deutschland. Wir finden, dass Weihnachten und südliche Atmosphäre auch ziemlich gut zusammen passen!

Auf dem Weg zwischen Cadiz und und dem Fährhafen Huelva liegt noch Sevilla. Sevilla hatten wir letztes Jahr auf dem Weg zur Fähre noch links (eigentlich rechts) liegen lassen, aber diesmal wollen wir zumindest den Tag dort verbringen. Also heißt es nach dem kurzen, aber schönen Aufenthalt in Cadiz wieder Abschied nehmen und die 120 km Autobahnstrecke nach Sevilla in Angriff zu nehmen. In Sevilla angekommen, parken wir kostenlos auf dem Parkplatz des ehemaligen Expogeländes der Weltausstellung von 1992. Auch dieser Tipp kommt von unserer App Park4Night, die für Wohnmobil Reisende unverzichtbar ist. Wir packen die Fahrräder aus, denn Sevilla soll sich dank eines Radwegenetzes von 140 km hervorragend für die Erkundung mit Rädern eignen. Wir wundern uns ein wenig, dass die Stadt so voll mit Menschen ist, bevor uns auffällt, dass heute der 6. Dezember ist. Der 6. Dezember ist Nationalfeiertag in Spanien und Tag der Verfassung. Die Spanier nutzen diesen Tag, um mit Kind und Kegel durch Sevilla zu flanieren.

Wir überqueren den Fluss oder besser den Canal de Alfonso XIII mit seinen zahlreichen schönen Brücken und fahren dann entlang des Canal zum Park Maria Luisa und der berühmten Plaza de Espanha. Von dort geht es durch das Kneipen- und Restaurantviertel Barrio de Santa Cruz zum modernen Wahrzeichen von Sevilla: Die auffallenden Setas de Sevilla oder die "Pilze von Sevilla" sind eine über der Stadt aufragende  Holzkonstruktion aus dem Jahr 2011 mit einer Panoramaterrasse, einem Spazierweg und einem archäologischen Museum. In der Stadt sind alle Restaurants und Bars gepackt voll (Feiertag!). Uns bleibt nur ein Cafe für die Mittagspause, was aber auch sehr lecker ist. Wir rollen noch an der Kathedrale vorbei, vor der gerade eine Prozession stattfindet und dann durch das Szeneviertel Macarena zurück an den Canal. Auf der anderen Seite des Flusses geht es zurück durch das ehemalige Expo Gelände, dass wie die meisten Expo Gelände dieser Welt etwas verlassen und desolat aussieht. Obwohl wir insgesamt nur wenige Stunden Zeit für Sevilla hatten, hat uns diese Stadt sehr gut gefallen und wir beschließen, eines Tages mit mehr Zeit wieder zu kommen!

Am später Nachmittag brechen wir auf in Richtung Huelva, am Rio Odiel gelegen. Die Nacht auf den 7.12 verbringen wir mit vielen anderen Wohnmobilen, die offensichtlich auch auf die Fähre warten, auf einem Strandparkplatz in Mazagon dicht am Fährhafen. Mittags legt unsere Fähre ab. Die  Überfahrt nach Teneriffa verläuft ruhig, der Atlantik zeigt sich von seiner zahmen Seite. Da wir uns das Geld für eine Kabine (über 400 €!) gespart haben, "schlafen" wir die Nacht in den Schlafsesseln mehr schlecht als recht. Nach rund 36 Stunden Überfahrt rollen wir kurz nach 0:00 Uhr morgens am 9. Dezember von der Fähre und fahren noch die kurze Strecke zu unserem bekannten Übernachtungsplatz in Las Teresitas.

Wie das so ist, lernt man beim Vanlife immer schnell jemanden kennen, so auch in Las Teresitas. Diesmal ist es Roman aus der Schweiz, der das fifty-fifty Modell lebt. "Fifty-fifty" heißt, die Hälfte des Jahres in der Schweiz arbeiten, die andere Hälfte reisen. Mit den in der Schweiz gezahlten Löhnen geht das locker. Roman hat seinen Minicamper mit vielen tollen Ideen ausgebaut und seine Idee mit den weiß folierten Fenstern merken wir uns für unseren Van. Auch eine "Flockenmaschine" hat er dabei; Wir gucken etwas fragend? Mit der Flockenmaschine mahlt er aus einer riesigen Anzahl verschiedener Getreide die Zutaten für sein Frühstücksmüsli. Nach dem Frühsport und dem Anbaden im herrlich warmen Atlantik geht es nachmittags gleich zum Surfen, genauer zum Wingfoilen. Am Industriehafen von Granadilla gibt es einen sehr guten Spot zum Üben! Durch die weit ins Meer reichende Hafenmole gibt es dort so gut wie keine Wellen, was in der Anfangsphase des Wingfoilens sehr hilfreich ist. Am nächsten Tag sind wir gleich wieder am Spot und lernen dort zwei alleinreisende Frauen, Claudia und Barbara (mit ihrer Hündin Ramba) kennen, die ebenfalls wingfoilen und mit ihren Wohnmobilen auf Reisen sind. Claudia ist schon seit mehreren Jahren mit dem Wohnmobil unterwegs und Barbara hat ihre Physiotherapiepraxis für einige Monate an ihre Mitarbeiterinnen übergeben. Lustigerweise kommen beide auch aus Norddeutschland, aus der Gegend um Flensburg. Barbara hat für ein paar Tage noch Bruce im Schlepptau, den sie in El Medano kennengelernt hat. Bruce ist ein über 80 Jahre alter, zu jedem Scherz aufgelegter Engländer, der jetzt gerade vom Windsurfen auf das Wingfoilen umgestiegen ist. Eine lustige Truppe, bei der keine Langeweile aufkommt!

Wenn mal kein Wind ist, besuchen wir unsere Lieblingsstrände auf der Insel. Allerdings rückt auch das Thema Jobsuche 2025 immer mehr in den Vordergrund. Unter anderem muss das etwas veraltete Porträtbild auf LinkedIn und Xing dringend erneuert werden. Da es auf der Insel kaum Fotostudios gibt, macht Susi die Bilder mit dem iPhone und der Portraitfunktion selber. Wir finden, die Bilder sind ihr  wirklich gut gelungen. Am nächsten Tag ist relativ wenig Wind und Claudia motiviert Susi, es doch auch mit dem Wingfoilen zu probieren. Gesagt, getan. Susi dreht einige Runden auf dem Wasser und ist hinterher sehr zufrieden mit sich. Als Gegenleistung für die Motivationsleistung krabbele ich unter das Wohnmobil von Claudia und suche die Ursache für die öligen Flecken unter dem Auto. Anscheinend ist der Starter halb abgerissen und Diesel läuft auch noch aus. Das Auto ist kaum noch fahrbereit und so beschließen wir, zusammen am Spot zu übernachten, da es Samstag ist und keine Werkstatt mehr auf hat.

Am Sonntag bleibt der versprochene Wind aus, beziehungsweise weht zu ablandig, verbunden mit ein wenig Nieselregen ab und an. Susi sitzt mit Claudia und Barbara (und natürlich Ramba) bei uns im Van, es wird eifrig gequatscht. Ich gehe derweil spazieren... Zum Mittagessen brate ich Riffbarsche für uns alle. Die Riffbarsche haben uns nette einheimische Speerfischer geschenkt, weil wir sie mit Plastiktüten für ihren Fang versorgt haben.

Für die nächsten Tage ist gar kein Wind mehr vorhergesagt und wir nutzen die Gelegenheit zu einer Inselumrundung mit Besuch der Nordküste. Unser erster Anlaufpunkt ist Buenavista  del Norte, einer unserer Lieblingsorte auf der ganzen Insel. Buena Vista del Norte liegt ganz im Nordwesten der Insel, ruhig und abgeschieden und inmitten von Bananenplantagen. Am traumhaften, von wilden Felsen umgebenen schwarzen Sandstrand, darf man sogar ganz legal mit dem Wohnmobil übernachten. Am Strand gibt es ein kleines Restaurant und sogar ein kleines öffentliches Schwimmbad. Vor dem Schwimmbad hatten wir bei unserem letzten Aufenthalt im März unsere hochwertige Fitnessmatte liegen lassen. Wir denken uns, fragen kostet nichts und fragen beim Schwimmbad nach, ob die Matte dort abgegeben wurde. Wenige Minuten später haben wir die Matte wieder in der Hand und das nach neun Monaten! Wir lieben Spanien!

Am nächsten Tag satteln wir die Bikes. Wir wollen eine Radtour  zum Punta de Teno machen. Das ist ein Leuchtturm auf einer Landzunge und der westlichste Punkt  von Teneriffa. Leider ist die Zufahrtstraße seit kurzer Zeit aus unbekanntem Grund für den gesamten privaten Verkehr inklusive Fußgänger und Fahrradfahrer gesperrt. Also müssen wir umdisponieren. Wir machen uns in die andere Richtung auf und fahren auf dem Küstenwanderweg nach Los Silos und nach Garachico. In Garachico baden wir in den Piscines Naturales. Das sind natürliche Felsbecken im Meer, die durch Lavaströme geschaffen wurden. Insgesamt eine sehr schöne Radtour von fast 40 km Länge bei bestem Wetter. Abends bekommt unsere gute Laune einen kleinen Dämpfer: die 200 A Sicherung zwischen unserer Aufbaubatterie und dem Wechselrichter brennt durch. Versehentlich gleichzeitig mit 230 V kochen und Haare fönen is too much... Leider haben wir diese Sicherung als Ersatzteil nicht dabei und können damit vorerst den Wechselrichter nicht mehr gebrauchen.

Insgesamt bleiben wir zwei Nächte in Buena Vista, es gefällt uns einfach so gut dort… Am Morgen des 18. Dezember geht es aber weiter nordwärts die Küste entlang. Unser Ziel ist zunächst Orotava. Doch vorher klappern wir noch einige Autowerkstätten ab. Bei einer werden wir tatsächlich fündig und bekommen eine 200 A Sicherung, die aus einer Kramkiste gefischt wird. Die passt zwar nicht in die alte Halterung, aber dafür lässt sich bestimmt ein Provisorium einrichten! In Orotava machen wir einen Spaziergang durch die Altstadt, die malerisch hoch über Puerto de la Cruz liegt und UNESCO Weltkulturerbe ist. Es ist Weihnachtszeit und die Stadt ist weihnachtlich geschmückt. Besonders für die Kanaren ist, dass überall in den Städten liebevoll gestaltete kleine und große  Krippenlandschaften aufgebaut sind. Nach dem Besuch von Orotava übernachten  wir an der North Shore in einem winzigen Ort namens Playa de Jover.  Dieser Ort ist ein kleiner Geheimtipp. Wir stehen mit der Schiebetür direkt am Meer und schauen auf den wilden Atlantik. Am nächsten Tag lassen wir es ruhig angehen und fahren erst nachmittags weiter nach San Cristobal De La Laguna. La Laguna ist Universitätsstadt, Bischofssitz und natürlich auch UNESCO Weltkulturerbe. Abends lassen wir uns durch die Altstadt treiben und genießen die weihnachtliche Stimmung in den festlich geschmückten Straßen. Morgens frühstücken wir zusammen mit Arbeitern und Polizisten am Kaffeestand der Marktbeschicker in der historischen Markthalle von  La Laguna. Wieder einmal fällt uns auf, wie freundlich und herzlich die Spanier miteinander, aber auch mit uns, umgehen.

Da wieder Wind angesagt ist, geht es vom Norden der Insel zurück in den Süden zum Industriehafen von Granadilla. Die Bedingungen sind gut zum Wingfoilen und ich drehe so einige Runden (beziehungsweise Hin- und Herfahrten, denn Halsen kann ich noch nicht) übers Wasser. Nachmittags stößt noch Christian zu uns. Christian ist der Bruder von meinem ältesten Freund Oliver und hat ein Segelboot im Hafen von Santa Cruz liegen. Auf dem Boot haben wir uns auch schon im März getroffen. Christian ist wie ich  auf der Suche nach einer neuen Wassersportart und macht schon mal einige Trockenübungen an Land mit meinem Wing. Er ist sehr angetan und will gleich einen Kurs buchen (nicht bei mir, dazu reicht mein Können nicht). Der Wind macht erstmal aber eine kleine Pause, die wir benutzen, um einige Bilder von Betty mit weihnachtlicher Deko zu schießen.

Zwei Tage vor Heiligabend bläst es wieder ordentlich und wir sind wieder im Industriehafen zum Wingfoilen. Mit meinem kleinen 4er Wing fliege ich ordentlich über das Wasser und denke, dass ich mich jetzt mal an die Halsen ran trauen kann. Das ist beim Wingfoilen gar nicht so einfach, da man relativ viele Parameter gleichzeitig unter Kontrolle behalten muss. D.h. die ersten Versuche sind zu 100 % auch immer mit Stürzen verbunden. In einer Halse verliere ich komplett den Schwung. Das Board stellt sich auf, kippt zur Seite und ich falle in Richtung der scharfkantigen Foils (der Tragflächen). Instinktiv strecke ich meine linke Hand aus, um nicht auf den Foil zu fallen und merke, wie sich die Hinterkante des Foils  in meinem Mittelfinger schneidet. Als ich wieder aus dem Wasser auftauche, merke ich sofort, dass da etwas  ganz und gar nicht in Ordnung ist. Zwischen Mittelfinger und Zeigefinger habe ich eine tiefe, klaffende Wunde, aus der das Blut in Strömen fließt.

Zum Glück bin ich nicht weit vom Ufer entfernt. Ich gestikuliere wild zu Susi, die am Ufer sitzt und eigentlich tolle Fotos von mir schießen soll. Zuerst versteht sie gar nicht, was los ist. Unter dem Adrenalinausstoß bin ich schnell zurück an Land und gemeinsam wuchten wir das Material die steile Böschung hinauf. Ich presse irgendwie die Finger zusammen und halte die Hand so hoch wie möglich, trotzdem ist alles voller Blut. Von überall bekommen wir Hilfe. Eine Surferin ist Krankenschwester und legt mir einen Druckverband an. Ein anderer Surfer hilft Susi das ganze Material zum Van zu bringen, was wir einfach nur hinten rein schmeißen. Wie man unschwer nachvollziehen kann, ist Susi ziemlich flatterig (sie dachte zuerst, der Finger wäre ab). Anscheinend habe ich wohl ziemlich viel Adrenalin im Blut und merke von der Verletzung relativ wenig. Ich schaffe es sogar, mich irgendwie aus meinem Neoprenanzug zu befreien. Durch den Druckverband scheint die Blutung zunächst gestoppt und wir beschließen (nach einer kurzen Internetrecherche), zum Krankenhaus nach Santa Cruz zu fahren, was circa eine Dreiviertelstunde Fahrt bedeutet.

Kurz vor 18:00 Uhr erreichen wir das öffentliche Krankenhaus Candelaria in Santa Cruz. In der Notaufnahme kümmert man sich relativ schnell um mich. Als der provisorische Druckverband abgenommen wird, spritzt das Blut erst mal bis an die Decke und ich höre den Arzt nur "Arteria, Arteria" rufen. Der Arm wird erst mal abgebunden, die Wunde provisorisch zugenäht und dann soll ich in der Nacht noch operiert werden. Mittlerweile weiß ich, dass neben der tiefen Fleischwunde ein Nerv und eine Arterie durchtrennt sind. Die Sehnen sind zum Glück aber noch heil. Vor der OP muss ich alles private ausziehen und zusammen mit dem Handy Susi mitgegeben, so dass ich bis auf das Krankenhaushemd komplett "nackt" bin. Susi hat in der Nähe des Krankenhauses einen Parkplatz gefunden, wo sie übernachten kann. Um 23:00 Uhr geht es in den OP, wo ich unter Vollnarkose operiert werden soll. Morgens um 3:30 Uhr wache ich im Aufwachraum ziemlich matschig von der Narkose wieder auf. Der Arm ist bis knapp unter den Ellenbogen eingegipst. Es ist der 23. Dezember, ein Tag vor Weihnachten.

Fazit: Die vergangenen Wochen unserer Reise waren geprägt von unserem Abschied von Marokko und unserem "Wiederankommen" in Andalusien und Teneriffa. Besonders wertvoll waren die spontanen Bekanntschaften und der Austausch mit anderen Reisenden, die das Vanlife so einzigartig machen.

Gleichzeitig zeigten sich auch die unerwarteten Seiten des Lebens: ein kleiner Unfall beim Wingfoilen endete in einem Krankenhausaufenthalt mit OP – eine Erinnerung daran, dass Abenteuer nicht immer reibungslos verlaufen. Doch die Hilfsbereitschaft der Menschen und die professionelle Betreuung vor Ort haben uns tief beeindruckt!

Dieser Vorfall hat uns gelehrt, dieses freie Leben, die das Vanlife bietet, zu noch mehr zu schätzen und Herausforderungen als Teil des Erlebnisses anzunehmen.

On the road: 336 Tage
Zurückgelegte Strecke: 22.500 km

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Fortsetzung folgt


Auf einen Blick

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Wetter
Winter
Begleitung
Zu zweit (2)
AbenteuerlichKulturell
  • Radtour von Buena Vista über Los Silos nach Garachico
  • Besuch von Orotava und San Cristobal de La Laguna
  • Wingfoilen im Industriehafen von Granadilla
  • Verletzung beim Wingfoilen und OP im Krankenhaus in Santa Cruz
BikesWingfoil-EquipmentNeoprenanzugFitnessmatte
StrandStadtTransitAbenteuerKultur
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Antworten (13)

Katrin und Maxvor mehr als 1 Jahr
Hallo ihr 2, eure Berichte sind immer eine Inspiration. Vielen Dank für das Teilen eurer Erlebnisse! Wir drücken die Daumen für eine gute Heilung💪😇

Stefanvor mehr als 1 Jahr
Wie immer eine Freude, eure Berichte zu lesen. Weiterhin gute Besserung👍

Heikevor mehr als 1 Jahr
Gute Besserung und noch eine tolle Zeit! 🙋🏼‍♀️

Alexandra vor mehr als 1 Jahr
Es macht mir immer wieder Eure Erlebnisse zu lesen!Weiterhin viel Sonne und Spaß bei Euren Aktivitäten!Passt auf Euch auf

Paddy, Boomer und Nettivor mehr als 1 Jahr
Mensch, John, du machst Sachen. Gute Besserung für dich! Der Reisebericht war wieder Mega interessant, danke dafür. Haltet durch und passt auf euch auf! Wir lieben euch! 🩷🩷🩷

Andreas vor mehr als 1 Jahr
Oh 😯 Gute Besserung John! 💪🍀Trotzdem wünschen ich Euch weiterhin eine gute Reise 🚐 Viele liebe Grüße 🙋‍♂️

John und Susivor mehr als 1 Jahr
Danke für eure lieben Kommentare!

Karinvor mehr als 1 Jahr
Mensch, das hört sich wild an. Gute Besserung ❤️‍🩹 und viele liebe Grüße an euch beide.

nadjavor mehr als 1 Jahr
folge euren geschichten zu gern

Frankvor mehr als 1 Jahr
Schön, dass der Gips wieder ab ist! Bericht wie immer nice, danke!!! Viel Spaß beim Island Hopping.

Katjavor mehr als 1 Jahr
Es macht so viel Spaß, Eure Reiseberichte zu lesen. Dein Unfall scheint zum Glück recht gut ausgegangen zu sein und toll, die Hilfsbereitschaft! Interessant auch, wie ihr die weihnachtliche Stimmung im Süden erlebt habt, irgendwie unvorstellbar für uns Nordländer in der Kälte. Nun wünsche ich Euch eine schöne Weiterreise und gutes Gelingen bei den Bewerbungen, kann nur erfolgreich werden mit dem tollen Bild.

vor mehr als 1 Jahr
Danke für euren Reisebericht...habe Euch gerade entdeckt und werde dran bleiben und noch viiiiiel lesen...glg. und viel Spaß weiterhin...Ulli und Freddy 1world1000places

John und Susivor mehr als 1 Jahr
Danke für eure lieben Kommentare!

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