Taller de coches
Kilometerstand: 161051 ,Autowerkstatt‘ Der Tag begann mit herrl


Veröffentlicht: 19.09.2026
Kilometerstand: 161136
Wir waren gestern spät ins Bett gegangen und hatten die Nacht beide schlecht geschlafen. Vielleicht lag es daran was für Gruselgeschichten wir über Autowerkstätten gelesen hatten. Oder lag es daran, dass wir nun unser ,Zuhause‘ mit allem drum und dran in fremde Hände legten? Als der Wecker heute Morgen klingelte ließen wir das Frühstück ausfallen, abgesehen vom zwingend nötigen Kaffee. Schließlich wollten wir den Mechaniker, der uns mit viel gutem Zureden einen Termin gegeben hatte, dann nicht warten lassen.
Als wir deutlich vor 9.00 Uhr in der ,Taller‘ ankamen, fragten wir noch einmal nach, ob denn nicht doch Diesel- und Luftfilter mit geprüft werden könnten, aber der Werkstattleiter lehnte ab. Sie würden nur die Kerzen austauschen, sonst nichts. Nada mas!
Nun begann für uns die bange Zeit des Wartens. Würde die Reparatur funktionieren? Würden die Glühkerzen halten oder kaputtgehen? Würden sie Gary überhaupt heute drannehmen? Oder würden wir die nächsten zwei oder drei Wochen hier festsitzen?
Wir versuchten die Bedenken beiseite zu schieben und die Zeit bis zum Anruf halbwegs sinnvoll zu nutzen.
Zunächst setzten wir uns in die Cafeteria eines Bürogebäudes, die wir auf dem Hinweg gesehen hatten, bestellten Kaffee mit Milch und zwei süße Teilchen zum Frühstück.
Dann hatte Ines einen Mode-Outletcenter entdeckt, wo wir vielleicht ein paar günstige Sachen bekommen könnten. Das war unsere nächste Station. Wir waren zwei von vier Kunden im Geschäft, die Mode gefiel uns nicht, war aber wirklich sehr günstig. Ein Blick auf die Wäscheschilder verriet, dass es sich wohl um Rückläufer von den zwei großen chinesischen Billigversendern handelte.
Wir bummelten weiter durch das Industriegebiet. Auf der Suche nach Zeitvertreib entdeckten wir einen kleinen ,Park‘ , ein Stück Land mit ein, zwei Bänken, Gras und Bäumen. Der Teich in der Mitte des Grünlandes war allerdings mit Maschendrahtzaun komplett abgesperrt.
In einem Bau- und Einrichtungsmarkt suchten wir nach einem Stück Schlauch für Garys Kühlwasser-Überlauf. Es war ja nun zum wiederholten Male passiert, dass Gary zu warm wurde und jedes Mal hatte das überkochende Kühlwasser den Motorraum und gezielt die Batterie geduscht, weil am Notüberlauf ein Stück Schlauch fehlte. Wir fanden leider nichts Passendes, dafür aber einen 1/2 Zoll Klick-Anschluss für den Wasserschlauch. Wir waren für eine ganze Reihe von Wasseranschlüssen ausgerüstet, Klick, 3/4 Zoll, 1/1 Zoll, für ganz kleine Anschlüsse ohne Gewinde hatten wir sogar einen verstellbaren Gummianschluss, einen sogenannten Wasserdieb dabei. Bisher waren wir damit gut durchgekommen, aber an einigen Plätzen und Entsorgungsstationen hatten wir schlecht zugängliche 1/2“-Anschlüsse gehabt, sodass wir nicht einmal mit der Gießkanne vernünftig Wasser tanken konnten. Dieses Problem war nun gelöst.
Unsere Suche nach einem Schlauch ging aber weiter. Wir fanden einen Händler für Autoteile, aber nach einem längeren Gespräch, in welches nach und nach alle anwesenden Mitarbeiter eingestiegen waren, stellte sich heraus, dass das Unternehmen ein Großhandel war und man uns Ersatzteile nur im Großgebinde oder palettenweise anbieten konnte. Man gab uns aber eine Adresse zum weiteren Fragen.
Der Händler für Maschinenzubehör bot uns einen Hydraulikschlauch an, der jedoch nicht temperaturbeständig war. Als wir ablehnten, gab auch er uns eine Adresse wo man uns vielleicht helfen konnte.
Das nächste Geschäft bot ebenfalls Maschinenteile an, hatte aber auch Zubehör für Getriebe und Werkzeuge am Lager. Als wir den Laden betraten, wurden wir gleich gefragt, ob wir lieber Englisch sprechen würden. Was wir sehr gerne annahmen. Der Kollege, der fließend Englisch sprach stammte aus Portugal, hatte eine Zeit lang in England gelebt und war nun in Spanien gelandet. Als wir unseren Wunsch äußerten, hatte auch er keine perfekte Lösung, aber nach einigen Minuten brachte er uns einen Hydraulikschlauch. Der war zwar nur bis 70 Grad hitzebeständig, aber wir waren uns einig, dass das Teil als Notreparatur funktionieren würde. Zum Schluss gab er uns noch den Tip für die Filterwechsel mal beim Caravanhändler zu fragen, die würden zwar keine Autoreparaturen machen, aber vielleicht wüssten die eine Werkstatt.
Beim Caravanhändler wurde uns die Werkstatt empfohlen in der Gary gerade war.
Mittlerweile war es 13.00 Uhr, wir hatten das Industriegebiet ausgiebig durchwandert und dabei sehr viele, sehr hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Nun waren wir asphaltlahm und es wurde immer wärmer. Wir gingen zurück zur Cafeteria und bestellten frisch gepressten Orangensaft. Am Tisch nebenan ließ sich eine Gruppe aus zehn Geschäftsleuten groß auftafeln und gleich zu Beginn vier bis fünf Flaschen Rotwein servieren, zum Mittag. Wir bekamen zu unseren Säften einen kleinen Salat mit Kartoffeln und Hühnchen oder Tunfisch, einfach so. Als die Gruppe nebenan ihre Vorspeisensalate serviert bekam, konnten wir nicht widerstehen und bestellten einen großen ,Ensalada tropical‘ mit Ananas und Pfirsichen. Auch wenn Sebb, wegen der Ungewissheit über den Ausgang der Reparatur gar keinen Appetit hatte, ließ er sich von Ines etwas abgeben.
Inzwischen war es deutlich nach 13.00 Uhr, die Werkstatt würde um 15.00 Uhr für das Wochenende schließen. Wir besprachen, dass wir spätestens 14.30 Uhr dort nachfragen müsste, wie es aussähe. Sollten wir die Mechaniker nicht mehr antreffen, stünde Gary sonst vielleicht über das Wochenende mit all unseren Sachen unzugänglich in der verschlossenen Halle.
13.48 Uhr, das Telefon klingelte.
Sofort war Sebb am Telefon.
Der Werkstattleiter hatte gute Nachrichten, es war alles nach Plan gelaufen, die Ersatzkerzen seien eingebaut und die alten würden als Erinnerung im Auto liegen. Sebb fragte nach, wieviel wir zu bezahlen hätten und wurde von der Antwort überrascht. Die Rechnung blieb deutlich unter 100 € und damit weit unter unseren Erwartungen. Wir sagten zu das Auto in den nächsten Minuten abzuholen, wir waren ja nur wenige Schritte entfernt.
Als wir die Werkstatt erreichten, war es kurz nach 14.00 Uhr und man war schon dabei zusammenzuräumen, 15.00 Uhr wäre hier sicher niemand mehr gewesen.
Wir bezahlten und bedankten uns noch einmal ausdrücklich für die Hilfe, dann erhielten wir die Schlüssel zurück. Gary stand an der selben Stelle, wo wir ihn am Morgen abgestellt hatten, wir konnten nicht sagen, ob er überhaupt bewegt worden war. Hatten die Mechaniker die Kerzen etwa auf der Straße gewechselt? Sebb öffnete die Motorhaube und sah nach wie es im Motorraum aussah. Es war alles wie erwartet, die frisch eingeschraubten Kerzen waren wo sie hingehörten. Als wir die Tür öffneten lagen auf der Schwelle die zwei alten, stark verrußten Glühkerzen, man hatte sie offensichtlich ohne Schaden wechseln können. Als wir den Motor anließen, lief alles wieder wie es sollte, uns fiel ein Stein vom Herzen. Die finale Bestätigung der erfolgreichen Reparatur würden wir dann morgen oder übermorgen bekommen, wenn wir das Auto nach einer kühlen Nacht morgens starten würden, aber da waren wir zuversichtlich.
Wir fuhren einen Supermarkt in der Nähe an und kauften noch einmal in Spanien ein, wir würden ja heute noch bis nach Portugal fahren und dort war nicht nur der Diesel um einiges teurer als im Nachbarland. Übermengen und schwere Einkäufe verkniffen wir uns jedoch, denn die Berge waren noch nicht ganz geschafft. Nun hatten wir zwar neue Glühkerzen, aber Garys Problem mit starken Steigungen war noch nicht untersucht worden. Deshalb steuerten wir auch noch vor der Grenze eine Entsorgungsstation an, um unser Abwasser los zu werden, das waren wieder etwa zwanzig Kilogramm, die wir nicht die Berge hoch ziehen mussten, das Nachfüllen ließen wir aus, wir würden die nächsten Nächte ja auf einem Campingplatz schlafen.
Weil die Temperaturen die 30 Grad bereits wieder überschritten hatten und wir nach der ganzen Aufregung der letzten Stunden ziemlich kaputt waren, machten wir es wie die Spanier und legten eine Siesta ein. Später konnten wir ja immer noch fahren.
Nach 1/2 Stunde Pause waren schon 1,5 Stunden vergangen…hm… hatten wir uns in der Zeit vertan? Wahrscheinlich hatten wir auf der Landstraße schon PortugalZeit (-1) gehabt und als wir für Entsorgung und Pause abfuhren, waren die Handys unbemerkt wieder auf SpanienZeit zurückgesprungen (+1). Wir hatten ganz plötzlich eine Stunde Zeit für unsere Pause gewonnen.
So kam es, dass wir 18.00 Uhr in Spanien wieder starteten und nach 50 Minuten Fahrt um 17.50 Uhr am Campingplatz eintrafen.
Hier begrüßte uns, an der Rezeption, Fernanda in fließendem Englisch und mit so viel Freundlichkeit, dass wir uns sofort wohl fühlten. Wir bekamen einen Platz und richteten uns für das Wochenende ein.
Als Nächstes wollten wir duschen, endlich wieder duschen. Dann setzten wir uns zu Gary und aßen Abendbrot. Wir gingen heute früh ins Bett, denn wenn die Uhrzeit eine Stunde vorging, dann wurde es eben schon 20.00 Uhr dunkel.
