Veröffentlicht: 30.12.2024









































































Persönlicher Logbucheintrag vom Wohnschiff Betty HH-VX 717: Wir schreiben das Jahr 2024, 23. November, 11:00 Uhr.
Am 23. November brechen wir in Aglou auf. Ein kleines Stück soll es noch weiter in Richtung Süden gehen, bevor es endgültig nordwärts in Richtung Straße von Gibraltar und zurück nach Europa geht. Unser nächstes Ziel ist Mirleft, auch einer der vielen unter Wellenreitern sehr bekannten Spots rund um Agadir.
Gegen Mittag treffen wir in Mirleft ein und finden nach kurzer Suche das Wohnmobil unserer Bekannten Mike und Maki mit ihren beiden Kindern an einem der Surfspots von Mirleft. Nach gut sechs Wochen "Lieferzeit" können wir Ihnen endlich das uns mitgegebene Paket aus Spanien (mit Harry Potter Büchern, wir wir jetzt erfahren) übergeben. Die Übergabe des Paketes unter dem Srf_Ex Logo wird natürlich für deren Insta Account 3littlespirals mit fast 5.000 Followern professionell dokumentiert! Da sich über den Tag ein Sandsturm aufbaut und es am Strand langsam unerträglich wird, fliehen wir alle nach einer Weile notgedrungen vom Strand. Im Ortskern von Mirleft lässt es sich gut aushalten und wir verbringen einen netten Tag zusammen. Die "3littlespirals" sind gerade am Planen für die Zukunft, im nächsten Jahr soll es entweder nach Mittelamerika oder nach Japan gehen. Wahre Globetrotter! Leider trennen sich unsere Wege an diesem Tag schon wieder, da wir jetzt noch ein strammes Programm in Marokko haben und Mike in Mirleft noch besonders hohe Wellen abwarten möchte, die der Wetterdienst angekündigt hat. Mirleft gefällt uns übrigens sehr gut. Die kleine Stadt ist aufgeräumt und sauber. Es gibt nette Restaurants und Cafes und beim flanieren durch die Straßen wird man weitestgehend in Ruhe gelassen.
Am späten Nachmittag fahren wir noch die kurze Strecke zum nächsten Wellenreitspot Sidi Ifni weiter. Dies wird jetzt der südlichste Punkt unserer Reise in Marokko. Sidi Ifni liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Tanger Med, unserem Ankunftsort in Marokko, und Dakhla, unserem ursprünglichen Ziel. Dakhla befindet sich nochmal ca. 1.000 km südlich von hier und ist nur über eine endlose Wüstenpiste zu erreichen. Das ist in den verbleibenden Tagen nicht mehr zu schaffen. Also ist dieser Programmpunkt gestrichen! Als wir in Sidi Ifni ankommen, hat der Sandsturm noch mehr zugenommen. Die Luft ist durch den aufgewirbelten Staub und Sand gelblich trübe und es ist sehr warm. Wir übernachten auf dem örtlichen, sehr einfachen Campingplatz (CP) vor dem Strand und schlafen bei hohen Temperaturen von nachts um die 30° C mehr schlecht als recht. Morgens bekomme ich noch eine kurze Wellenreitsession hin, bevor der ablandige Wind endgültig auf Sturmstärke aufdreht und das Wellenreiten unmöglich macht. Auch der Aufenthalt auf dem CP ist im Sturm sehr ungemütlich.
Wir fliehen vor dieser Wetterlage in Richtung Inland, in der Hoffnung auf weniger Staub in der Luft und nachlassenden Wind. Über die Provinzhauptstadt Guelmin geht es die rund 150 km östlich in Richtung Amtoudi. Den bekannten und größten Kamelmarkt am Rand der Westsahara in Guelmin verpassen wir leider um einen Tag. Angeblich werden die verkauften Kamele dort ganz neuzeitlich mit Gabelstaplern verladen! Je weiter wir in das Inland kommen, desto mehr lässt der Sturm nach und die Luft wird wieder klarer. Also richtige Entscheidung! Unsere Reisebekannten Silke und Tim hatten uns sehr ans Herz gelegt, die Schlucht vom Amtoudi zu besuchen. Amtoudi selber ist ein kleines Dorf am Rande der Schlucht, zu der sich offensichtlich nur wenige Touristen verlieren. Auf dem örtlichen CP sind wir fast die einzigen Gäste. Vom fast leeren Campingplatz wandern wir in die berühmte Amtoudi Schlucht. In der Schlucht befindet sich ein fast trockener Wadi. Bei den katastrophalen Regenfällen im vergangenen September schwoll dieser Fluss auf über 10 m Höhe an. Fast die gesamte Palmenoase und einige Häuser in Flussnähe wurden zerstört. Zum Glück gab es keine Opfer zu beklagen. Streckenweise fühlt man sich an das Ahrtal erinnert. Trotzdem gewinnt man einen Eindruck, wie schön diese Gegend ist. Über der Schlucht thronen malerisch zwei Agadire. Agadire sind Bergfestungen. Am Ende der Wanderung treffen wir noch zwei einheimische Frauen, die am Fluss sitzen und aus Palmenblättern und bunten Fäden hübsche Schalen anfertigen. Wir kaufen eine Schale und waren bestimmt die einzigen Kunden heute.
Nachdem wir am Vortag durch die Amtoudi Schlucht gewandert sind, wollen wir heute einen der Agadire besichtigen. Agadire sind antike Speicherfestungen auf Bergen, in denen früher Nahrung vor Feinden geschützt aufbewahrt wurde. Bei Angriffen haben sich dort auch die Dorfbewohner versteckt. Zwei kleine Jungs aus dem Dorf führen uns den steilen Pfad hinauf. Wir beide tragen Bergstiefel und Wanderstöcke, die beiden Jungs nur abgewetzte Sandalen. Oben auf dem Agadir empfängt uns ein alter Berber und gibt uns eine Privatführung durch den Agadir. Unter anderem wurde dort viel Honig gelagert. Es gibt im Agadir auch ein kleines Museum mit antiken Gegenständen aus dem Agadir. Unter anderem Koranverse auf Palmenholz geschrieben und eine uralte Muskete. Vor dem Agadir warten die beiden Jungs auf uns (sie durften nicht mit rein) und führen uns wieder ins Tal. Dafür bekommen sie eine kleine Belohnung in Form von Bonbons und Kugelschreibern.Ein unter Vanlifern hochgelobtes Reiseziel steht noch aus: Tafraoute! Tafraoute ist eine Kleinstadt im westlichen Anti-Atlas, die sich in einem imposanten Talkessel aus Granitfelsen befindet. Kurz vor Tafraoute befinden sich die "Blauen Steine". Ein belgischer Künstler hat 1984 von der Erosion rundgeschliffene Granitblöcke mit vielen Tonnen zumeist blauer Farbe bemalt. Das Kunstwerk ist unstritten, wir finden es gut und für Betty ist es eine fotogene Kulisse. Auf der Suche nach einem CP haben wir mal wieder ein für Marokko leider typisches Erlebnis: Wir halten an der Straße mit den meisten CP kurz an, um uns zu orientieren. Sofort stoppt neben uns ein Mofafahrer, der uns in gutem Deutsch inbrünstig "seinen" CP anpreist. In der Tat sehen die Bewertungen im Netz für diesen Platz wirklich gut aus und wir wir folgen seinem Rat, obwohl er uns etwas zu aufdringlich erscheint. Er zischt auf seiner Mofa von dannen und wir machen uns auf den Weg zum CP. Kurz vor dem nächsten Kreisel etwas außerhalb von Tafraoute überholt uns ein Mann im Geländewagen und hält gestikulierend an, so dass der Kreisel fast blockiert ist: Wir könnten nicht auf den CP, den uns der Mofafahrer empfohlen hätte, der hätte ein Problem mit der Wasserversorgung, redet der Fahrer heftig auf uns ein. Stattdessen sollten wir hier rechts abbiegen und ihm folgen. Auf so etwas haben wir nun so gar keine Lust! Ich gebe Gas, umkurve die "Strassensperre" und wir zischen ab. Zurück in der Stadt gehen wir auf den kleinen, örtlichen, netten CP und sind stinksauer über das Geschehene. Ob die beiden jetzt Konkurrenten oder Komplizen waren, keine Ahnung, verschiedenste Szenarien sind denkbar. Wir gehen abends noch in Tafraoute essen, Stimmung mag aber nicht aufkommen.
Am nächsten Morgen machen wir noch einen Stadtrundgang in Tafraoute, kaufen ein wenig
ein und brechen dann mittags in Richtung Taghazoute auf. Eine wunderschöne, kaum befahrene Strecke führt durch den Anti-Atlas in Richtung Nordwesten auf Agadir zu. Wir können uns gar nicht sattsehen an diesem beeindruckenden Bergpanorama. Für die rund 180 km benötigen wir knapp 4 Stunden, durchschnittlich mehr als 50 km pro Stunde sind auf marokkanischen Landstraßen nicht erreichbar. Gegen Abend erreichen wir Taghazoute, die letzte Surferhochburg auf unserem Zettel. Etwas oberhalb der Stadt gibt einen Parkplatz mit Blick auf den Atlantik , auf dem man mit dem Wohnmobil übernachten kann. Chef ist hier Mohammed, der für "offiziellen" Dienste als Parkwächter 30 DH einfordert. Aber Mohammed ist nett und wir unterhalten uns noch eine Weile mit ihm. Der Nachtwächter des Parkplatzes schläft nachts in einer Konstruktion, die eher wie eine Hundehütte aussieht. Abends gehen wir noch einmal ans Meer und in die Stadt runter, die sich im Dämmerlicht mit ihren vielen Surfercafes und Restaurants am Strand ganz hübsch präsentiert.
Den nächsten Morgen beginnen wir mit einem langen Strandspaziergang. Unsere übliche Morgengymnastik vor dem Van fällt, wie so oft in Marokko, aus. Susi hat doch - nachvollziehbar - Hemmungen, in diesem Umfeld gymnastische Übungen zur Schau zu stellen. Nach dem Frühstück schauen wir uns Taghazoute bei Tageslicht an und sind entsetzt, wie vermüllt und dreckig dieses kleine, an sich hübsche Städtchen ist. Warum kümmert sich hier keiner der Verantwortlichen der Stadt um das Problem? Anscheinend scheint es die vielen Touristen, hauptsächlich junge Surfer, aber nicht besonders zu stören. Vielleicht empfinden sie das Ambiente als "exotisch reizvoll"? Übrigens ist das nur wenige Kilometer entfernte Agadir blitzeblank sauber. Es geht also! Die Wellen rufen und ich stürze mich mit meinem Board in die Wellen, während Susi sich eine Sonnenliege nimmt. Leider kommt sie hier nicht zur Ruhe und wird ununterbrochen von Tee- und Gepäckverkäufern und Kamelhirten belagert. Als ich vom Wasser komme, ist sie ziemlich genervt. Ein Geschäft haben wir dann doch für einen der Kamelhirten: Schon lange wollte ich ein Foto von mir auf einem Kamel mit einem Surfboard unter dem Arm haben. Der Kamelhirte fängt bei exorbitanten 300 DH an, ich kann ihn aber auf 50 DH runterhandeln, was für ein Foto sicherlich ein angemessener Preis ist.
Heute am 28.11 verlassen wir die Küste und damit den letzten Surfspot wieder. Nach einem Morgenkaffee in einem der netten Surfercafes in Taghazoute haben wir uns vorgenommen, in Richtung Marrakesch durch das sogenannte Paradise Valley zu fahren. Das Paradise Valley ist ein Ausläufer des Hohen Atlas der nördlich von Agadir bis an die Küste reicht. Durch das idyllische und grüne Tal führt eine kurvige Straße entlang des Flusses Tamraght. Zahlreiche Cafes haben Tisch und Stühle direkt in den seichten Fluss gestellt, so dass man sich beim Kaffeetrinken die Füße kühlen kann. Auch diese ca. 80 km lange Strecke gehört mit zu den schönsten Bergstraßen, die man in Marokko befahren kann. Verkehr gibt es fast keinen. Übrigens war schon Jimi Hendrix Ende der 60er Jahre im Paradise Valley zu Gast. Am Ende des Paradise Valley stoßen wir auf die mautpflichtige Autobahn Richtung Marrakesch und sind froh, endlich Strecke machen zu können. In Marrakesch machen wir auf unserem Weg nach Norden für eine Nacht Zwischenstation auf dem CP Le Relais de Marrakech. Zufälligerweise treffen wir hier diverse Reisende wieder, die wir auf unseren diversen Stationen in Marokko kennengelernt haben. Unter anderem auch die "Englische Truppe", unter ihnen Sarah und David und Julie und Eddie, die wir in Erg Chebbi kennengelernt haben. Am Abend sitzen wir noch nett zusammen und tauschen unsere Marokko Erlebnisse aus. Das haben wir noch in keinem anderen Land erlebt, dass man fortwährend immer wieder aufeinander stößt!
Am nächsten Morgen geht es früh los. Wir haben 400 km Fahrt vor uns und wollen auf der Strecke noch Casablanca und Rabat kurz besichtigen. Casablanca soll bis auf die Moschee Hassan II nicht besonders sehenswert sein, aber die Moschee soll sehr schön und als einzige Moschee Marokkos für Nichtmuslime zugänglich sein. Auf der Fahrt fällt uns leider ein, dass heute Freitag ist. Zum Freitagsgebet ist auch in der Moschee von Casablanca der Zutritt für Nichtmuslime untersagt. Wir beschränken uns auf ein Autosightseeing der Moschee, die direkt am Meer liegt und mit ihrem über 200 m hohen Minarettturm zu den größten Moscheen der Welt zählt. Gebaut wurde sie allerdings Anfang der 1990er und ist damit noch ein sehr junges Bauwerk. Ansonsten ist die 4-Millionen Metropole Casablanca eher uninteressant und wir fahren die rund 80 km weiter nach Norden. Hier liegt Rabat, die Hauptstadt und eine der vier Königsstädte Marokkos. Rabat liegt am Atlantik und an der Mündung des Flusses Bou Regreg. Vom Parkplatz am Meer machen wir einen Spaziergang am Stadtstrand mit den vielen Surfern entlang zur festungsähnlichen und malerischen Kasbah des Oudayas und von dort an der Uferpromenade des Flusses stadteinwärts. Die Szenerie am Fluss kommt uns doch bekannt vor, hier waren wir 1984 schon einmal! In Rabat residiert König Mohammed VI. Die Stadt erscheint (daher) wie geleckt, sogar der feine Flugsand wird mit Besen von der Uferstrasse gefegt. Umso erstaunter sind wir, dass der eigentlich schöne Stadtstrand sehr vermüllt ist.
Von Rabat aus machen wir auf die ca. 50 km lange Strecke zu einem Weingut, dass Übernachtungen für Wohnmobile anbietet. Wir haben uns vorher per mail zur Weinprobe und zum Abendessen angemeldet und sind gespannt. Als wir auf der Hacienda de Cicognges (Hacienda der Störche, die dort tatsächlich nisten) ankommen, sind wir das einzige Wohnmobil weit und breit und es sieht auch sonst sehr einsam aus. Aber nach einer Weile holt uns aber Wafae, die Dame des Hauses ab und wir haben eine leckere Weinverkostung, in der wir viel über die Geschichte des Weinanbaus in Marokko erfahren. Anscheinend trinken doch sehr viele Marokkaner Wein, aber nie zum Essen, wie wir erfahren Aus der Verkostung dürfen wir uns eine Flasche aussuchen, die dann zum Abendessen serviert wird. Der Rotwein der Hacienda ist übrigens köstlich! Und die Tajine, die Wafae für uns zubereitet hat, ist die beste, die wir in Marokko gegessen haben. Satt, zufrieden und etwas weinselig fallen wir in unseren Van und schlafen tief und fest.
Morgens am 30.11 machen wir uns von der Hacienda der Störche auf zum vorletzten Tag unserer Marokkorundreise. Von Tiflet aus führt die Fahrt heute in den Norden in Richtung Rif-Gebirge. Abends haben wir uns ab bei Monim (siehe Reiseblog Marokko #1) auf seinem Bauernhof zum Übernachten angekündigt. Als wir frühabends auf die Farm rollen, trifft uns beinahe der Schlag: Fast jeder verfügbare Platz ist mit Wohnmobilen belegt! Insgesamt befinden sich 12-14 Wohnmobile auf dem kleinen Gelände der Farm, wo wir damals mit dem französischen Ehepaar aus Perpignan alleine standen. Vielleicht hätten wir doch keine 5***** in der Park-4-Night App vergeben sollen? Monim empfängt uns sehr freundlich wie alte Freunde, wirkt aber sehr gestresst. Man merkt sofort, dass die Familie dem Ansturm der Gäste kaum noch gewachsen ist. Er beharrt trotzdem darauf, dass wir ein Abendessen bekommen. Im Endeffekt warten wir dann über zwei Stunden auf etwas zu essen, was seine aktuell mit dem 3. Kind schwangere Frau Hawta noch irgendwie zurecht zaubert (die auch ziemlich gestresst wirkt). Als wir uns abends im Van schlafen legen, fragen wir uns wie lange das noch gutgehen kann und der zusätzliche Campingbetrieb dieser wirklich lieben Familie nicht über den Kopf wächst.
Morgens am 1.12 macht uns die Tante von Monim noch ein leckeres marrokanisches Frühstück und dann, nach einem kurzen, aber herzlichen Abschied von Monim, geht es los in Richtung Chefchaouen, unserem letzten Etappenziel. Bis zum nächsten Ort nehmen wir noch seine Frau und seine Cousine mit, die zum wöchentlichen Markt wollen. Als die beiden Frauen uns vor dem Van, direkt vor dem Markt und vor allen Leuten mit Umarmungen verabschieden, guckt der eine oder andere Marrokaner wohl etwas verdutzt aus der Wäsche. Kurz vor 12 Uhr kommen wir dann in der blauen Stadt Chefchaouen an. Chefchaouen liegt am Rande eines Talkessels des Rifgebirges nur rund 50 km von der Mittelmeerküste entfernt. Von oben kann man schon die vielen blau gestrichenen Gebäude sehen, die in der Sonne leuchten. Wir finden einen Parkplatz mitten in der Stadt und machen einen Spaziergang durch die Medina, die tatsächlich aussieht, wie einen blauen Farbtopf getaucht. Als eines der Hauptreiseziele in Marokko ist der Touristenandrang entsprechend groß und die Medina besteht fast nur aus viel zu vielen Souvenirgeschäften und Restaurants, die entsprechend aufdringlich um Kunden werben. Als wir uns zurückhaltend verhalten, ruft uns ein Händler hinterher, dass wir wohl nicht mit Marokkanern sprechen würden. Wir merken, wie dünnhäutig wir mittlerweile geworden sind und wie uns das Absabbeln und solche Sprüche die Freude an dieser wirklich schönen Stadt verderben. Nach nur knapp anderthalb Stunden starten wir daher den Motor und nehmen die letzten 100 km auf marrokanischem Boden in Richtung der spanischen Enklave Ceuta in Angriff. An der Grenze folgt dann die bekannte Bummelabfertigung durch die marrokanischen Grenzbehörden. Die 2 Stunden Wartezeit sind offensichtlich auch für die vielen Grenzpendler zuviel. Ein wildes Hupkonzert ertönt, was aber gar keinen Effekt auf die Abfertigungsgeschwindigkeit hat. Um 18 Uhr rollen wir dann endlich in das festlich geschmückte Ceuta ein und freuen uns über die schöne Weihnachtsbeleuchtung der Straßen. Unsere Fähre ist erst für den Vormittag des 2.12 gebucht, wir müssten also noch in Ceuta übernachten. Aber irgendwie sind wir durch mit Nordafrika. Im Hafenbüro können wir unsere Fähre noch auf die Nachtfähre umbuchen und am 1. Dezember um 22 Uhr verlassen wir den afrikanischen Kontinent in Richtung Algeciras. Bye bye Marokko!
Unser Fazit zu Marokk0: Zweimal waren wir in Marokko, 1984 und jetzt und damit - mit unseren beiden Ägyptenurlauben - insgesamt viermal in Nordafrika. Wir verlassen Marokko diesmal mit sehr gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite erleben wir ein Land mit einer fazinierenden Vielfalt an wunderschönen Landschaften. Die Marokkaner sind in der Regel sehr gastfreundlich und den Besuchern sehr aufgeschlossen. So viel wie in diesem Land wurde uns noch nie auf unseren Reisen vom Straßenrand zugewunken. Die Marokkaner sind sehr stolz auf ihr Land und möchten immer wissen, woher man kommt, wohin es geht und wie es einem hier gefällt. Es gibt unglaublich viele Kinder im Land, die sehr fröhlich wirken, obwohl die meisten sicherlich in relativ armen Verhältnissen leben. Auch haben wir uns hier sehr sicher gefühlt. Von Gewaltkriminalität, Raub oder Autoeinbrüchen haben wir in unseren fast 7 Wochen hier nichts gehört. Technisch ist das Land sehr fortschrittlich. Das Internet ist besser als in Deutschland, die Infrastruktur ist gut und wird stetig weiter ausgebaut. Viele Marokkaner haben mittlerweile einen gewissen Wohlstand erreicht.
Und dann gibt es das andere Marokko: Es gibt arme Menschen, sehr arme Menschen. Gleichzeitig gehört König Mohammed VI zu den reichsten Menschen der Welt. Müll verschandelt Städte und Landschaften und keinen scheint es zu kümmern. Wir denken, tolles Internet, aber keine Mülltonne in Sicht... Das ewige Abwehren von sehr hartnäckigen Versuchen uns etwas zu verkaufen oder uns sogar über den Tisch zu ziehen, hat andauenden Stress in uns ausgelöst. Wir wurden immer befangener, wenn sich sich jemand uns mit einem besonders freundlichen „Bon jour, ca va?“ näherte, weil wir wussten, gleich wieder „Nein, nein und nochmals nein“ sagen zu müssen. Oftmals endete die (übertriebene) Freundlichkeit nach vollzogenem Geschäft abrupt. Einfach mal allein für sich zu sein ist in Marokko schwer möglich. Susi litt besonders unter der Männerdominanz in diesem Land. In Geschäften und Restaurants ist die Bedienung rein männlich. In den Cafés sitzen fast ausschließlich Männer, während oftmals die Frauen die harte Arbeit verrichten und schwere Lasten tragen. Es gibt aggressiv bettelnde Kinder, die gerne mal einen Stein in die Hand nehmen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.
Kommen wir irgendwann wieder? Ganz ehrlich, wir wissen es nicht. Wir möchten unsere Zeit und die tollen Erfahrungen in Marokko nicht missen, haben uns aber in dieser Kultur in Summe nicht wohl gefühlt. Den aus unserer Sicht verklärten Blick, den viele Reisende auf das "exotische" Marokko haben, können wir nicht nachvollziehen. Unsere Entscheidung, nach knapp sieben Wochen vorzeitig nach Europa zurück zu kehren, haben wir als eine Art Befreiung empfunden. Im Augenblick würde die Antwort wohl lauten: So schnell nicht wieder. Ausschließen wollen wir es nicht, dazu muss das in Marokko Erlebte aber erst mal in Ruhe verarbeitet werden.
On the road: 314 Tage
Zurückgelegte Strecke: 21.200 km
Übrigens: Wenn euch der Reiseblog gefallen hat, freuen wir uns über ein "Gefällt mir" in dem ihr auf das Herz klickt!
Fortsetzung folgt
