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Zuletzt in Castiliscar

¡Viva la panadería!

Veröffentlicht: 30.09.2026

Der Abend am Fluss Aragon ist angenehm warm und sternenklar. Wir sitzen bei 27 Grad vor dem Wohnwagen, bestaunen unendlich viele Satelliten und eine kleine Sternschnuppe. Erst als der Vollmond über die Baumwipfel blinzelt, vertreibt uns der kühle Wind aus den nahen Pyrenäen ins Château Mistral. 
¡Buenos días!
Der Morgen ist mit acht Grad dann aber doch recht frisch, der Ofen muss einheizen, der importierte französische Käse und die Brause sind gut gekühlt und wir nutzen die angenehme Temperatur für die Fortsetzung der Reise ins spanische Inland.
Viele gibt es nicht mehr...
Gegen Mittag zeigt das Thermometer wieder kuschelige dreißig Grad im Schatten und es ist Zeit für die Siesta.
Wir brauchen noch dringend Brot und Wasser.
Nachdem der Stausee des Aragon beinahe leer ist, haben wir kaum Hoffnung, eine Trinkwasserquelle aufzuspüren. Doch kaum gedacht, verweist ein Schild an der kurvigen Straße auf einen Brunnen.
Doppelt hält besser
Der Held schnappt sich die Kanister, während ich unser Gespann mit den Wertgegenständen bewache.
Der Parkplatz dient gerade als Bauschuttdeponie und der diensthabende Baggerfahrer winkt mir fröhlich zu.
Bei seiner zweiten Runde erklärt er mir sehr zuvorkommend, dass ich doch bitte die Türen des Autos und des Caravans schließen soll, weil es sehr staubt, wenn er die Ladung abkippt.
Ich bedanke mich für den freundlichen Hinweis und bin sehr stolz, Señor so gut verstanden zu haben. Und das, wo mein letzter Spanischkurs mindestens zwanzig Jahre her ist.
Berdún
Von diesem positiven Erlebnis ermutigt, habe ich keine Scheu und erkundige mich im nächsten Dorf nach einer Panaderia. 
Zwei ältere Damen stehen am Gartenzaun und tauschen Neuigkeiten aus. Die Señoras schütteln synchron die Köpfe und überschütten mich ebenso gleichzeitig mit dem ratternden Schwall einer Wegbeschreibung in Hochgeschwindigkeitsspanisch, dass mir ganz schwindlig wird.
Ich verstehe nur einzelne Brocken wie "aqui no" und "a la tienda".
So erkläre ich dem Helden, dass wir nach La Tienda müssen.
Embalse de Castiliscar
In der örtlichen Bar ist schon die erste Straßenbaumannschaft zur Mittagspause eingetroffen und hat an den Tischen im Schatten der bunten Markise Platz genommen. Fröhlich winken die Jungs uns zu, während ich im Navi nach dem Ort mit der Backware suche.
Angeln in der Wüste mit Briefzustellung!
Zappa nimmt die Abzweigung ins nächste Dorf. Mir kommen langsam Zweifel an der Richtigkeit, denn dieser Weiler ist noch viel kleiner. Nach acht Kilometern an endlosen abgeernten, gelben Feldern ohne Baum oder Schatten vorbei, landen wir in engen, menschenleeren Gassen. Hier herrscht schon absolute Siestaruhe.
Gibt es hier das Brot?
Mir fällt nun auch wieder ein, dass la tienda Laden heißt und der Held scheißert klug, dass er gleich vermutet hat, dass sich das Geschäft im ersten Ort befindet.
Schon gruselt es mich vor dem Wendemanöver an der nächsten Weggabelung. Doch der Held steigt aus, kontrolliert, überprüft, schätzt ab. Ich biete mich als Einweiserin hinter dem langen Gefährt an, bekomme aber nur eine brummelige Antwort, der ich etwas wie "Vorfahren, geradeziehen, rückwärts um die Ecke reindrücken" entnehme. 
Bardenas Reales
Ich schaue nach hinten und sehe eine ultraschmale und steil den Berg hinaufführende Gasse. Der will doch nicht etwa...? 
Im gleichen Augenblick rollt das Gespann ein Stück nach vorn, wird gebremst, der Gang eingelegt und wir zirkeln rückwärts bergauf in das schmale Sträßchen. Hoffentlich gibt es dort keine Katzen!
Schweißperlen tropfen mir von der Stirn. 
Bardenas Reales
Der Held legt entspannt den Vorwärtsgang ein rollt gemütlich um die Kurve aus dem Dorf, das wie ein Schwalbennest am Hügel klebt zum Ausgangspunkt zurück.
Und jetzt kommt selbstverständlich der Klassiker: "Wo der Kangoo durchpasst, passt auch der Wohnwagen."
Gänsegeier
In der Bar werden kalte Getränke gereicht und ein Lebensmittelladen ist nirgends zu entdecken.
Vor jedem zweiten Haus sitzen zwei bis drei alte Herren auf Bänken im Schatten, halten den Durchgangsverkehr im Auge und winken und lachen uns munter zu.
Bardenas Reales
Kurz vor dem Ortsausgang entdecke ich im Navi bei Extremvergrößerung das Zeichen für Supermercado. Neben der Bar.
Also umdrehen. Dieses Mal ist viel Platz, denn hier muss der Bauer auch mal mit dem Trecker wenden.
An den Bänken mit den Opas vorbei. Winken und lachen.
Bardenas Reales
Wir parken am Straßenrand und wandern zu der Bar. Die Bauarbeiter winken, lachen und freuen sich. 
Ein junger Mann trinkt Kaffee, blickt von seiner Zeitung auf, lacht und nickt uns erleichtert zu. 
Die beiden Senioren auf der Bank gegenüber winken, lachen und zeigen auf das Gebäude neben der Bar. 
Eine Señora mit Einkaufstasche überquert die Straße, winkt, lacht und bedeutet uns, ihr unauffällig zu folgen.
Oder hier?
Sie öffnet eine Tür zum Hintereingang und siehe da! La tienda ist gefunden! 
In einem kleinen Lagerraum findet sich alles, was man zum Leben braucht. Neben Kartoffeln, riesigen Cebollas und großen grünen Salatköpfen stehen in Regalen bunte Konserven jeglicher Geschmackssorte aufgereiht. Klopapier und Zahnpasta gibt es zu erwerben und auch Brot, Kekse und süße runde Kuchen.
Bardenas Reales
Hinter der Kasse steht ein kleiner pummliger Mann mit roter Schürze winkt, lacht und begrüßt uns überschwänglich. 
Nachdem er bei Senñora Butter, Milch und Mehl abkassiert hat, widmet sich Señor unseren Wünschen. 
Wir erwählen eine Megapackung SuperXXL-Eier und ich ordere noch dos panes. Der Chef erklärt uns, dass er nur ein Brot hat, das big ist, das andere ist leider nur little.
Dann freut er sich über die Gelegenheit, mit uns englisch zu sprechen, weil er das nicht so gut kann und üben muss. Mein spanisch ist auch muy mal und wir antworten lachend in der jeweiligen Sprache, die wir beide nur wenig beherrschen.
Bardenas Reales
Glücklich verlassen wir den kleinen Supermercado, die Herren auf den Bänken sind begeistert, winken, lachen und freuen sich, dass wir endlich etwas zu essen haben.
Inzwischen hat sich das ganze Dorf Sorgen gemacht, dass zwei blinde deutsche Touristen mit Wohnwagen la tienda nicht finden, irgendwann völlig verhungert in den Straßen umherirren und Unglück und Verderben über das Dörfchen hereinbricht.
Bardenas Reales
Etwas entkräftet nehmen wir den nächstenFeldweg zum kleinen Stausee, den wir auf der Irrfahrt entdeckt haben. 
Das Thermometer steht bei zweiunddreißig Grad in den mageren Schatten der kleinen Bäumchen. 
Wir öffnen weit die Caravanfenster, damit uns der Wind ein bisschen Kühlung verschafft und die lästigen Fliegen möglichst zur anderen Seite wieder rauspustet. 
¡Buenas noches!
Jetzt halten wir erst mal Siesta mindestens bis siebzehn Uhr. Und Andalusien? ¡Mañana!
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Antworten (1)

châteaugeschichtenvon châteaugeschichtenvor etwa 6 Stunden
😂

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