Am Fuße der Pyrenäen angelangt, schauen wir auf die majestätischen Gipfel um uns herum und der Held hat die Idee, die Route des Cols des französisch-spanischen Grenzgebirges zu bereisen. Eine Strecke von mehr als neunhundert Kilometern über die Pässe beider Länder, vorbei an Naturwundern, spektakulären Aussichten und phantastischen Sehenswürdigkeiten. Beginnend in der Mitte Richtung Westen und dann von der Atlanktikküste aus nach Osten an das Mittelmeer und dann zurück zum Ausgangspunkt, so die Idee. Nach etwa zweitausend solchermaßen gefahrenen Kilometern und vierundsiebzig passierten Gipfeln würden wir die Heimreise antreten.
Richtung Col de Marie blanche
Dieser Plan hat uns alle Touren nach Andalusien vergessen und von romantischen Abendessen bei Pyrenäen-Glühen, Schafblöken und Kuhglocken im Sonnenuntergang träumen lassen.
Pastorale Kühe
Nachdem der Kangoo jedoch am Puy Mary beinahe schlapp macht, müssen wir schauen, wie wir mit dem Wohnwagen im Gepäck überhaupt die hohen Pässe überwinden können, ohne einen Motorschaden zu riskieren.
Nun studieren wir Straßenkarten, befragen Navigations-Apps und durchforsten alte Reiseaufzeichnungen.
In den Pyrenäen
Letztendlich gibt uns die KI Auskunft über mögliche Wege mit dem Gespann. Wir erfahren, welche Routen wie viel Prozent Steigung aufweisen, welche Serpentinen lebensgefährlich sein können und auf welchen Pisten gigantische Felsüberhänge den Durchgangsverkehr von Bussen, LKWs oder Wohnwagen nicht zulassen.
Unglaublich! Wie konnten wir nur jemals ohne diese künstliche Intelligenz reisen? Die sagt mir sogar, an welcher Stelle ich vor zehn Jahren ein Foto von einer grünen Wiese im Kantabrischen Gebirge gemacht habe, im Parque Natural de Somiedo.
Im Parque Natural de Somiedo 2018
Die Route des Cols ist jedenfalls auf eine Sommertour ohne das Schwergewicht Château Mistral im Schlepptau verschoben.
Wir wählen für den Grenzübertritt auf Empfehlung der KI den sicheren Tunnel am Col de Somport. Nicht ohne vorher aber noch eine Testfahrt über den Col de Marie blanche zu unternehmen, ganz entgegen den guten Rat derselben.
Richtung Col de Marie blanche
Die Steigung auf eine Höhe von 1035 Metern ist gering.
Wie gemacht für Rennradfahranfänger, wie wir unterwegs feststellen und eine Krisensituationen für den Kangoo.
Wir starten in den frühen Morgenstunden, um auf der Fahrt während der überraschend heißen Nachmittagsstunden nicht im Auto schwitzen zu müssen.
Schlafplatz
Einzelne Radler begegnen uns in den Kurven zum ersten Gipfel. Pastorale Kühe blockieren hier und da die Durchfahrt und die Campergemeinde trinkt am Picknickplatz den Frühstückskaffee.
Langsam wird die Straße steiler und der Held schaltet zur zusätzlichen Motorkühlung die Heizung auf höchste Stufe.
Das ist sehr angenehm, denn wir haben beide kalte Morgenfüße, die nun schön warm werden.
Blick vom Col
Bei moderaten fünf Prozent Steigung tuckern wir im Pferdekutschenmodus im ersten oder zweiten Gang den Buckel nuff. Ab der Hälfte der Strecke weisen zumindest meine Füße Betriebstemperatur auf, doch wir müssen weiter und die Heizung brummt und brummt und brummt bei mittlerweile weit offenem Fenster.
Pastorale Kühe auf der Piste
Nach einer Stunde haben wir den Gipfel erreicht, alle Signallämpchen des Autos sind still geblieben. Nicht nur meine Füße kochen und panisch nach Luft schnappend reiße ich die Tür auf.
Der Held wirft einen prüfenden Blick unter die Motorhaube, stellt fest, dass der Ventilator der Kühlung noch nicht mal angesprungen ist und dann geht die wilde Fahrt weiter.
Mit eingeschalteter Heizung, jetzt bergab.
Auf dem Col de Marie blanche
Wie gut, dass wir die Piste bergauf aus der anderen Richtung genommen haben, denn nun geht es mit sportlichen zehn bis fünfzehn Prozent wieder runter. Hinauf ist das nur was für die Bergspezialisten unter den Radsportlern und nicht gesund für unser Reisegespann.
1035 Meter überm Meeresspiegel
Nach 1,5 Stunden haben wir die fünfzehn Kilometer bewältigt. Jetzt gehts weiter zum Tunnel.
Ich schwitze aus allen Poren, meine Beine glühen krebsrot und bewundernd staune ich den Helden an, der keine Miene verzieht und das Auto tapfer durch die immer enger werdenden Straßen, Kurve um Kurve, Höhenmeter um Höhenmeter, Kilometer um Kilometer im heißen Luftzug der bollernden Kangooheizung unbeeindruckt weiter chauffiert.
Nur der Crocs hat er sich entledigt, aus Angst, das Gummi könnte an seinen Zehen festschmelzen.
Nach erfolgreicher Durchquerung des acht Kilometer langen Grenztunnels, bei Ankunft im dreißig Grad heißen spanischen Schatten frage ich, restlos am Ende meiner Kräfte, ob die Heizung nun langsam ausgeschaltet werden kann. Der Held schaut mich verwundert an und antwortet: "Ach, ist dir warm? Das hätte ich schon schon vor einer halben Stunde oben auf dem Pass machen können. Ich wollte nur mal gucken, wie schnell sich das Kühlwasser wieder abkühlt."
8 Kilometer Tunnel
Am heutigen Ziel angelangt, springen wir in die Reste des Flusses Aragon, der hier noch mit erfrischendem Nass aus den Pyrenäen vorbeiplätschert.
Am Aragon...
Welche Höhen und Tiefen uns nun noch bevorstehen?
Wie wir die Gipfel auf dem Weg nach Andalusien meistern werden?
Wir halten euch auf dem Laufenden!
Auf einen Blick
Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Sommer · 30°C
Begleitung
In der Gruppe
Stimmung
AbenteuerlichAbseits der Pfade
Highlights
Fahrt über den Col de Marie Blanche
Grenzübertritt durch den acht Kilometer langen Tunnel am Col de Somport
Kühe auf der Piste
Ankunft am Fluss Aragon
Ausrüstung
KangooWohnwagenNavigations-AppsStraßenkarten
Themen
RoadtripNaturAbenteuerTransit
châteaugeschichtenWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.