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Zuletzt in Frankreich

Tanz auf dem Vulkan

Veröffentlicht: 21.09.2026

Fahrt
Auvergne → … → Puy Mary
France
Attraktion
Puy Pariou
Auvergne, France
Attraktion
Puy Mary
Cantal, France
Sehenswert
Col de Serre
Cantal, France
Ein tiefes donnerndes Grollen lässt mich hochschrecken, doch der Blick in den Himmel offenbart keine dunklen Gewitterwolken, die sich über unseren Köpfen zu einem Unwetter zusammenbrauen.
Eine mächtige, schwarze Rauchwolke nähert sich unerbittlich. Stinkende schweflige Dunstschwaden erreichen meine Nase und erinnern mich an den endlosen und scheinbar aussichtslosen Kampf gegen gefräßige Kleidermotten, die sich in meinem wunderbaren, gemütlichen, maigrünen Bürosofa breit gemacht haben. Gelbe Pupswolken wabern um mich herum und nehmen jeglichen Atem.
Jetzt merke ich auch, dass die Temperatur in den letzten Augenblicken unaufhörlich ansteigt, mir wird heiß und heißer.
Die Erde bebt, schaukelt und wackelt, dass es mich beinahe aus den voltschockgrünen Chucks haut.
Grauer Ascheregen fällt auf mich nieder.
Auf dem Weg zum Krater

Suchend schaue ich nach dem Helden und entdecke ihn, als er sich eilig daran macht, auf das Wohnwagendach zu klettern, die Reisebande schützend im Arm haltend. 
Er schreit mich an, es ihm gleich zu tun und reicht mir mit wildem Blick die Hand.
Erst jetzt nehme ich das lärmende Getöse wahr. Nur wenige Meter entfernt schiebt sich ein rotglühender heißer Lavastrom den Hügel hinunter und hält unaufhaltsam direkt auf uns zu!
Panisch versuche ich, Zappas rettende Hand zu erreichen, aber so sehr ich mich auch anstrenge, meine Arme sind zu kurz, meine Beine knicken weg, ich schaffe es einfach nicht, zu ihm zu gelangen!
Auf dem Weg zum Krater

Plötzlich berührt mich etwas an der Schulter und als ich schon glaube, von der dampfenden Lava gekocht zu werden, erwache ich aus dem Mittagsschlaf. 
Ich wische mir den Schweiß von der Stirn und schaue dem Helden in die verwunderten Augen. 
Das Grollen kommt aus der Espressokanne und es duftet köstlich nach frischem Kaffee und überhaupt kein bisschen nach Schwefel. 
Gleich wollen wir auf den Puy Pariou klettern, um in dessen tiefen Vulkanschlund zu schauen. 
Blick in den Krater

Vor einigen Jahren nahmen wir auf Fuerteventura sehr schlau eine Abkürzung hoch hinauf zum Rand eines schwarzen Inselkraters. Der Weg wurde immer steiler, das Gestein immer lockerer und am Ende konnten wir die letzten Meter nur noch auf allen Vieren, auf Händen und Knien bewältigen. Zappa hatte zusätzlich eine 10 Kilo schwere Kamera auf der Schulter, die kostbare analoge Sinar und ich sah uns jeden Moment in den tiefen Abgrund stürzen. 
Vulkan auf Fuerteventura 2014
Aus diesen Erinnerungen entstand wohl der verstörende Siesta-Traum. Seitdem folgen wir brav den ausgewiesenen Wanderschildern. Und wenn ich diese nicht mit den Markierungen für Holzfällerarbeiten verwechsele, kommen wir ans Ziel.
Auf dem Weg zum Krater

So erreichen wir auch heute sicher den Vulkangipfel und werden mit einer grandiosen Aussicht in den Krater, auf den Puy de Dôme und die unzähligen anderen erloschenen Feuerberge der Auvergne belohnt.
Blick vom Puy Pariou über die Chaîne des Puys
Die Châine des Puys ist eine Kette von etwa 80 Vulkanen im französischen Zentralmassiv, die sich auf einer Strecke von 35 Kilometern von Nord nach Süd erstreckt. Entsprechend beeindruckend ist der Blick vom 1200 Meter hohen Puy Pariou. Auch wenn sich gerade dicke Wolken versammeln und ein paar Tröpfchen auf uns herunter fallen lassen. Der Weg hat sich wirklich gelohnt.
Wie übrigens auch die Kletterei auf der spanischen Kanareninsel.
Blick zum Puy de Dôme

Zappa will auf dem Weg nach Andalusien unbedingt noch einen Abstecher auf den Puy Mary machen. Mit 1783 Metern Höhe ist das der höchste Berg im Cantal. Der erloschene Vulkan hat einen unvorstellbaren Durchmesser von 80 Kilometern und rund um seinen Gipfel erstrecken sich sternförmig sieben Gletschertäler.
Hier fielen uns vor ein paar Jahren beinahe die Kaffebecher aus der Hand, als zwei Jagdbomber mit tosendem Lärm aus gewaltigen Turbinen auf Armeslänge urplötzlich und aus heiterem Himmel über unsere Köpfe donnerten.
Da will der Held noch einmal hoch.
Vulkankette

Wir gondeln mit dem Wohnwagen im Schlepptau gut gelaunt und sorgenfrei durch die grüne Landschaft der Auvergne. Kühe stehen glücklich am Wegesrand, Vulkane formen die friedliche Landschaft, vom azurblauen Himmel strahlt die warme Spätsommersonne. 
Der Weg ist steil und kurvig. Plötzlich blinken hektisch rote Lämpchen in der Armatur der Räuberhöhle, die schrill warnend Stopp und ein Thermometer zeigen. Auf den letzten Metern vor dem Col de Serre ist der Kangoomotor heiß wie ein Vulkan. 
Blick ins Cantal

Ohnein-ohnein-ohnein! Sollen diese roten Lichter wieder das Ende einer Reise bedeuten, wir mit einem Mietwagen nach Hause fahren müssen, in einer wilden Rettungsaktion Château Mistral aus den Bergen heimholen und die Räuberhöhle Wochen später mit dem ADAC in die deutsche Werkstatt des Vertrauens gebracht werden?

Ohnein-ohnein-ohnein!

Vulkangestein

Mit letzter Kraft schafft das Auto die finalen 400 Meter auf den Parkplatz am Col de Serre. Der Held stellt die Heizung auf volle Pulle und reißt die Motorhaube auf, der Trick führte schon vor drei Jahren zum Erfolg. Die Hitze macht sich auch heute aus dem Staub und das grelle Blinken endet so abrupt, wie es gekommen ist. Puh! Fürs erste haben wir Entwarnung.
Kangookühlung

An die Weiterfahrt auf den noch fünf Kilometer entfernten Vulkangipfel ist jedoch gerade nicht zu denken. 
Das wäre aber sowieso nicht gegangen, wie uns ein Schild verheißt. Ab hier ist Schluß für Caravans und Gespanne.
Große Enttäuschung, lange Gesichter, todtraurige Blicke, maulige Schnuten. Sollten wir den langen und beschwerlichen Umweg etwa umsonst gemacht haben? 
Für Caravan IN-TER-DIT!
Doch nein! Der Kangoomotor hat sich abgekühlt, den Wohnwagen koppeln wir ab, lassen ihn kurzerhand auf dem Parkplatz zwischen den dicken Luxuscampern stehen, die sich sicher mit dem Zweitwagen aus der Wohnmobilgarage auf den Weg gemacht haben und rollen leichten Sinns nach oben.
Hier empfängt uns der Samstagsnachmittagsauflugsverkehr. Wir machen schnell unsere Beweisfotos und dann gehts fix wieder zurück zum rollenden Zuhause.
Radler auf der Puy Mary
Beim Ankoppeln nähert sich ein Seniorenpärchen neugierig und der Herr fragt im perfekten Englisch, ob wir Hilfe brauchen. Ich bemühe mein bestes Französisch und erkläre ihm, dass wir den Wohnwagen lediglich wieder anspannen, um unsere Reise fortzusetzen. Beruhigt nimmt er Madame bei der Hand und ich höre ihn im schönsten Schwäbisch sagen: "Ha-noi, die hän koi Problem..." 
Sehr beeindruckend, diese Dreisprachigkeit. 
Umleitung!?
Was mich jedoch nur kurzzeitig von den Grübeleien ablenkt, ob der Kangoo die bevorstehende Überquerung der Pyrenäen wirklich meistern kann.

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
Begleitung
Zu zweit (2)
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Puy Pariou
  • Chaîne des Puys
  • Puy Mary
  • Col de Serre
  • Wanderung durch die Auvergne
WohnwagenKangoo
NaturBergeAbenteuerRoadtrip
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