Von Lille nach Arras
Muss man Arras gesehen haben? Jain! Doch der Reihe nach. Nach den Kilometern auf dem Rad ist der Weg nach Arras zunächst einmal erstaunlich unspektakulär: flach. Richtig flach....

Veröffentlicht: 22.09.2026
Der Start in Arras war eigentlich super: entspanntes Radeln auf einer alten Bahntrasse.
Doch die Idylle war plötzlich vorbei. Die Bahntrasse endete, und damit kamen Laster, Hügel und Rübenberge.
Ab und zu tauchte immerhin mal eine Ruine am Wegesrand auf.
Und dann war auch noch Spinnen-Erstflugtag! Überall hingen Spinnenfäden – an Rad, Helm und Kleidung. Eine unfreiwillige Dekoration für die Weiterfahrt.
Dann endlich: Amiens!
Schon von weitem ist die Kathedrale zu sehen. Und damit beginnen die Parallelen zu Köln: Der Kölner Dom wurde nach dem Vorbild der Kathedrale von Amiens geplant – deren Bau immerhin schon ein paar Jahrzehnte früher begonnen hatte.
Auch Notre-Dame (der offizielle Name) wurde wegen einer Reliquie zu einem bedeutenden Wallfahrtsort: dem angeblichen Schädel von Johannes dem Täufer.
Köln hat mit den Heiligen Drei Königen ja ebenfalls eine ziemlich prominente Reliquien zu bieten.
Mit gut 200.000 Kubikmetern Innenraum ist die Kathedrale von Amiens die größte gotische Kathedrale Frankreichs. Der Kölner Dom ist zwar noch etwas größer – aber Amiens hat einen entscheidenden Vorteil: Hier war man nach rund 50 Jahren fertig! In Köln dauerte es bekanntlich etwa 600 Jahre. Und während der Kölner Dom eigentlich nur von den Rheinbrücken oder der A4 so richtig majestätisch ins Auge fällt, ist Notre-Dame von Amiens gefühlt von überall zu sehen.
Und dann gibt es noch den heiligen Martin. Der soll hier in Amiens seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt haben. An der Stelle steht heute der Justizpalast. Ob Jura und Barmherzigkeit wohl etwas miteinander zu tun haben?
Bezug zu Köln: St. Martin wird in Köln so enthusiastisch gefeiert wie kaum sonst!
Wo die Preußen dem Dom die Türme aufgesetzt haben, hat Amiens sich auch einen gebaut. Wozu weiß ich nicht…
Und noch eine moderne Parallele: Bald fahren in Köln 78 futuristische E-Gelenkbusse rum, wie jetzt schon in Amiens!
Und Amiens ist wie Köln Universitätsstadt: Die Uni ist nach Jules Vernes benannt, der hier geboren ist. Und auch schon die Kleinen werden daran erinnerten:
Was Köln allerdings nicht hat: die schwimmenden Gärten.
Die Hortillonnages sind ein einzigartiges Paradies aus kleinen Inseln, Kanälen und Gärten. Quasi eine riesige Schrebergartensiedlung – nur dass hier die Zäune durch Wasser ersetzt werden.
Amiens, du hast mich überrascht. Ein bisschen Köln, ein bisschen Frankreich – und dazu noch schwimmende Gärten.
Auf Wiedersehen, Amiens!
