Auf geht’s nach Lille
Neue Tour, gewohnte Route: Es geht wieder los, dieses Mal heißt das Ziel Lille. Und wie sollte es anders sein? Der Weg führt über Köln Der Kölner Hauptbahnhof sieht gefühlt bei...

Veröffentlicht: 20.09.2026

















Von Köln ging es direkt weiter nach Aachen. Dort Begegnung mit der Service-Wüste: Mein Hinterrad braucht ein wenig Zuwendung, genauer gesagt: Die Speichen müssten nachgespannt werden. „Das geht jetzt aber nicht.“ Aha…
In Aachen versammelten sich die Fans zum Allemania-Spiel. Mir drängt sich die Frage auf: Muss man eigentlich eine bestimmte Menge Alkohol trinken, um sich das anzusehen zu können?
Weiter über Verviers und Brüssel. Zwischendurch Liège: Der Bahnhof ist filigran, cool! (Und hat ungefähr doppelt so viel gekostete, wie geplant. Damit ist er im Kostenvergleich geradezu bescheiden: Berlin schafft schließlich das Dreifache.)
Dann Tournai.
Tournai ist ein bisschen wie Brüssel, nur süß und klein. Schöne Häuser, schöne Plätze! Und vor allem: Jeck sing im Sonnensching! Verkleidete Jecken, gute Stimmung, Menschen auf der Straße! Vielleicht sollte man mal im März hinfahren, zum berühmten „echten“ Karneval?
Zwischen Tournai und Lille wird es dann sportlich: Die Strecke besteht aus Pflaster und Schotter. Oder Schotter und Pflaster. Manchmal beides gleichzeitig. Dazu ungefähr 20km/h Gegenwind. Mir fällt die bei Radlern berüchtigte „belgisch Mauer“ ein!
Kurz vor Lille dann die Rettung: Ein freundlicher Franzose nimmt mich ein Stück mit. Also nicht im Auto – sondern mit dem Fahrrad. Ich darf in seinem Windschatten fahren. Drei Kilometer lang ist plötzlich alles leicht. Ein kleiner, völlig uneigennütziger Akt von internationaler Fahrrad-Solidarität. Danke!
Und dann: Lille! Lille ist sehr großstädtisch. Es gibt alte Häuser, durchaus schöne alte Häuser, aber irgendwie will sich bei mir nicht dieses anheimelnde Gefühl einstellen. Die Lille-Stimmung aus den Sch’tis habe ich jedenfalls nicht gefunden.
Dafür gibt es ein bisschen Jazz. Und Jazz geht ja bekanntlich immer.
Am nächsten Tag ist Jour du Patrimoine – der Tag des offenen Denkmals. Und damit gibt es die perfekte Gelegenheit, sich etwas anzusehen, was man sonst wahrscheinlich nicht zu sehen bekommt:
Ich starte mot ser Villa Cavrois - totz Niesel und 10km Umweg. Aber es lohnt sich! Was für ein Haus!
Bauhaus, Mondrian, klare Linien, Geometrie und Funktionalität. Alles wirkt durchdacht. Chrom, Aluminium, farbiges Holz, Leder – eine Kombination, die ich super finde!
Ich hatte früher einmal Kandinsky-Stühle. Natürlich keine echten, sondern Nachbauten – als Student konnte ich mir schließlich auch nur Studenten-Versionen leisten. Aber genau diese Mischung aus Chrom, Aluminium, Holz und klaren Formen hat mich sofort wieder eingefangen!
Die Villa Cavrois ist eigentlich weniger ein „Haus aus den 20gern“ als eine Zeitreise in eine Zukunft…
Und dann noch der Belfried von Lille.
Der steht übrigens erstaunlich weit außerhalb von dem, was man gefühlt als Zentrum von Lille bezeichnen würde. Dafür bekommt man ordentlich Herausforderung: 1,5 Stunden anstehen, dann 326 Stufen.
Oben angekommen gibt es dann natürlich Aussicht. Und das Gefühl, sich die Aussicht redlich verdient zu haben.
Aber das ist eigentlich schon die Reise nach Arras…
