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Kambodscha - Phnom Penh

Unsere Reise in Kambodscha startete in der Hauptstadt Phnom Penh.

In Kambodscha gibt es zwar die Währung Riel, aber überall zahlt man in USD und es sind auch alle Preise in USD ausgeschrieben. Teilweise werden Riel sogar gar nicht angenommen. Verrückt, fanden wir.


Was in Kambodscha auch gleich extrem auffällt, ist, dass hier eine wahnsinnige Armut herrscht. Eine endlose Anzahl an Kindern, die betteln oder Krimskrams verkaufen wollen. Den großen Kulleraugen zu widerstehen, fällt immer wieder wahnsinnig schwer. Das hatten wir in Vietnam oder Laos bis jetzt gar nicht.


In Phnom Penh warteten ein paar geschichtsträchtige und sehr nachdenkliche Tage auf uns.

Kambodscha hat eine wahnsinnig grausame und schreckliche Geschichte. Noch dazu kommt erschreckenderweise, dass all die grausamen Dinge noch gar nicht all zu lange her sind. Ein großes Rätsel, wie der Rest der Welt zugeschaut hat, bei dem was hier passiert ist.


Da viele traurigerweise nicht wissen, welche Geschichte Kambodscha hat, hier nun erst einmal mehr dazu.

1975 begann in Kambodscha die Diktatur der Roten Khmer. Das Ziel der Roten Khmer war es, einen Agrarstaat aufzubauen. Das heißt, Bildung war in deren Augen eine absolute Verschwendung. Frei nach dem Motto "Ein dummes Volk regiert sich besser"! Daher wurden alle, in den Augen der Roten Khmer, "Intellektuellen" grausam ermordet. Intellektuell hieß hier: Alle die lesen konnten, alle die eine Brille trugen, alle Lehrer, alle Ärzte - und und und. An klitzekleinen Dingen wurde festgemacht, wer einen grausamen Tod sterben musste.

Millionen von Menschen wurden gequält und ermodert! Und das Schlimmste, das Ganze zog sich noch bis 1998. Ist das nicht der Wahnsinn?


Als erstes besuchten wir in Phnom Penh die Killing Fields.

Mit einem Audio Guide ging es über das Gelände, wo die Massengräber waren. Auch hier sind einfach grausame Dinge passiert und die Menschen, Kinder und Babys sind unter Qualen getötet worden. Es wurde einem ein wahnsinnig tiefer, interessanter und erschreckender Einblick in die Geschichte und die Geschehnisse gewährt. Man kann die Massengräber sehen, wo teilweise noch immer Knochen in der Erde stecken und ab und an mal wieder eine Textilie auftaucht. Der Weg führte auch vorbei an einem Baum, dem Killing Tree, an welchem Kleinkinder und Babys ermodert wurden, indem sie mit dem Kopf gegen den Baum geschleudert wurden. Leider ist das die grausame Wahrheit. Außerdem gibt es am Ende eine Gedenkstätte, in welcher die geborgenen Schädel aufgetürmt sind. Sortiert nach Alter der Opfer.

Die Zeit auf den Killing Fields war wahnsinnig interessant, bewegend und man hat sich in seinen Gedanken verloren.


Eine weitere Gedenkstätte in Phnom Penh ist Toul Sleng.

Toul Sleng ist ein Ort zum Gruseln und vielleicht auch ein wenig mit den deutschen KZ-Gedenkstätten zu vergleichen. Dort wird einem noch einmal und endgültig die Grausamkeit und Gefühllosigkeit bewusst, mit der die Roten Khmer beinahe ein Drittel der kambodschanischen Bevölkerung ausgelöscht haben.

Toul Sleng ist eine alte Schule, welche zu einem fürchterlichen Foltergefängnis umgebaut wurde. Auch hier wird man mit einem Audio Guide durch die Gebäude geführt und die grausamen Geschichten lassen einen Gänsehaut bekommen.

Betritt man die Räume, sieht man ehemalige Klassenzimmer. Heute stehen dort nur noch Bettgestelle, an denen Ketten befestigt sind. Auch einige Blutspuren sind an den Wänden und auf dem Boden noch zu sehen. An den Wänden hängen Bilder von halbtoten Menschen, gefesselt und gefoltert. Im nächsten Haus sind die Zimmer unterteilt in winzige Zellen, wo nur spärlich bis gar kein Licht einfällt. Im Untergeschoss hängen Bilder von verschiedensten Foltermethoden.

Es sind Foltergeräte ausgestellt, Bilder der Opfer aber auch der Wärter und derjenigen, die die vielen Menschen gequält, getötet und die Frauen auch nicht selten vergewaltigt haben. 

Diese Ausstellung ist nichts für schwache Nerven und man denkt noch lange über all das Geschehene nach. Unglaublich, was man für einen Hass empfindet, wenn man gerade die Bilder von Pol Pot, dem Machthaber sieht.


In Phnom Penh hatten wir wieder einen wahnsinnig lieben Tuk Tuk-Fahrer, Donh. Ein Kambodschaner in unserem Alter, welcher eigentlich Friseur ist. Allerdings hat er einen Herzfehler und kann dadurch nun einen Arm nicht mehr komplett bewegen. Er musste also seinen Job aufgeben und fährt jetzt 7 Tage die Woche, so oft es irgendwie geht, Tuk Tuk, um seiner Tochter die Schule und das Leben zu finanzieren. Bald hat er wieder eine Herz-OP, welche ihn 4.000€ kosten soll. Da er die OP unbedingt braucht, muss er sparen. Aber wie sparen, wenn man so wenig hat? Mit einem Lächeln im Gesicht meinte er: "Im Notfall verkaufe ich mein Tuk Tuk". Donh hat eine wahnsinnige Lebensfreude ausgestrahlt und war immer für einen Plausch zu haben. Toll und prägend, welche Menschen man auf einer Reise kennenlernt.

#kambodscha#phnompenh#killingfields
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