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Tonle-Sap-See – Schleswig-Holstein unter Wasser

Veröffentlicht: 02.07.2026

Attraktion
Tonle Sap
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Kampong Phluk
Siem Reap, Kambodscha
Essen
schwimmendes Restaurant auf dem Tonle-Sap-See
$$ · Abendessen
Sehenswert
Krokodilgehege neben dem schwimmenden Restaurant
Tonle Sap, Kambodscha

Ein beliebter Ausflug von Siem Reap aus geht an den Tonle-Sap-See. Ich fuhr schon Ende 2024 über den See, um mit Schweizer Freunden per Schiff die Stadt Battambang zu erreichen (in meinem Blog «Tempel und schwimmende Dörfer» vom 24. Dezember 2024 nachzulesen). Die Luftlinie zwischen den beiden Städten beträgt knapp 80 km, aber da die Strasse in einem weiten Bogen im Norden um den See herumführt, ist die Strecke im Auto mehr als doppelt so lang.

Der Tonle Sap ist ein wirklich kurioser See, und der gleichnamige Fluss, der in Phnom Penh direkt vor dem Königspalast in den Mekong mündet, ebenso. Denn der Fluss fliesst während der Regenzeit rückwärts: Dann führt der Mekong so viel Wasser, dass er den Tonle Sap flussaufwärts drückt. Der See wird dann aufgefüllt; sein Spiegel steigt um mehrere Meter, und die Fläche vergrössert sich um ein Mehrfaches.

Schon in der Trockenzeit ist der Tonle-Sap-See ziemlich weitläufig: etwa 2500 bis 3000 Quadratkilometer, das heisst fünf-, sechsmal so gross wie der Bodensee. Zum Höhepunkt der Regenzeit im August und September kann er sich auf bis zu 16.000 Quadratkilometer ausdehnen. Er setzt dann das ganze Bundesland Schleswig-Holstein unter Wasser oder die Schweizer Kantone Bern, Waadt und Wallis zusammen.

Die Menschen die am und auf dem See leben, haben sich entsprechend adaptiert: Entweder schwimmen ganze Dörfer auf dem Wasser. Die haben wir im Dezember 2024 vom Schiff aus beobachtet und fotografiert und uns in einem schwimmenden Supermarkt mit Sandwiches und Bier eingedeckt.

Häuser auf Stelzen

Oder sie machen es wie in Kampong Phluk: Während der Regenzeit kann man im Schiff mitten durch das Dorf fahren. Es steht dann vollständig unter Wasser; die einzelnen Häuser, die Schule, der Tempel ragen wie kleine Inseln daraus hervor. Denn alle Gebäude in Kampong Phluk stehen auf meterhohen Pfählen, meist aus Holz, manchmal aus Beton. Ihre Höhe ist der sommerlichen Flut angepasst: Je tiefer die Lage, desto länger die Stelzten.

Wir wissen von Youtube-Videos, wie es in der Monsunzeit in Kampong Phluk aussieht. Doch jetzt, im April 2026, ist alles trocken und der See auf sein Minimum geschrumpft. Statt im Boot durch die Dorfstrasse zu gondeln, laufen wir über den staubigen, ausgetrockneten Grund. Es sind jetzt keine Boote an den Stützen angebunden; stattdessen stehen Motorräder und Tuk-Tuks bei den Häusern oder im Freiraum unter ihnen. Und statt direkt vom Schiff ins Haus zu gelangen, müssen es die Bewohner über lange, steile Holztreppen erklimmen.

Unser Guide ist in dem Dorf aufgewachsen und kennt jedes Haus und fast alle seine Bewohner. Und er beantwortet geduldig alle aufkommenden Fragen: Wo sind die Motorräder in der Regenzeit? Sie werden direkt im Haus abgestellt und erst wieder hervorgeholt, wenn das Wasser abgezogen ist. Und wie machen es die Alten, die nicht mehr genug Kraft für die steilen Treppen haben? Sie bleiben zu Hause und lassen sich von der Familie versorgen. Wo sind eigentlich die Toiletten in diesen Pfahlbauten? Sie sind hinten; das Abwasser fliesst durch ein Rohr ab – wohin, wollen wir irgendwie gar nicht wissen.

Das Seeufer ist also weit vom Dorf weggerückt; nur ein Flussarm reicht immer noch an die Nähe von Kampong Phluk heran. Dort angekommen, sehen wir eine ganze Reihe von vertäuten Ausflugsbooten aus Holz, alle blau angestrichen, die meisten zweistöckig mit einem überdachten Aussichtsdeck. «Jedes Boot gehört einer Familie», erklärt der Guide. «Das Dorf organisiert sich so, dass jede Familie abwechslungsweise zum Zug kommt: Sind mehr Touristen da, gibt es häufigere Einsätze, sonst weniger.»

Wir tuckern jetzt auf dem altmodischen Holzkahn auf den See hinaus, der trotz Trockenzeit immer noch so gross ist, dass die Ufer bald am dunstigen Horizont verschwinden und ein Feeling wie auf dem Meer aufkommt. Wie Inselchen schwimmen einzelne Restaurantschiffe auf dem See; kunstvoll vertäut, damit sie nicht wegdriften. Wir werden auf einem dieser Schiffe bei einem kühlen Bier den Sonnenuntergang abwarten und uns dem Müssiggang hingeben.

Eingepferchte Krokodile

Eines nur irritiert die Besucher aus Europa: In einem Gehege direkt neben dem schwimmenden Restaurant, versehen mit einem hohen Drahtzaun und Warntafeln, dümpeln drei grosse Krokodile, die das Gehege fast ausfüllen. Platz zum Schwimmen gibt es hier keinen. Das Krokodil, erklärt der Guide, spiele im Mythos der Khmer und in der buddhistischen Tradition zwei divergierende Rollen: Einerseits verkörpere es Gier, Verführung und die Gefahr des Wassers; anderseits stelle es die Verbindung des Menschen mit dem Wasser als Quelle des Lebens und der Nahrung her.

Früher wurden in Kambodscha jedes Jahr Menschen von Krokodilen attackiert und getötet; besonders gefährdet waren Kinder, die an Fluss- und Seeufern spielten. In den 1980er- und 1990er-Jahren gab es eine Reihe von Kampagnen zur Ausrottung freilebender Krokodile, sehr erfolgreich, wie der Guide erzählt, denn heute gebe es bedeutend weniger Vorfälle.

Kein Wunder: Nur noch um die 1000 Exemplare des Siam-Krokodils sollen auf freier Wildbahn leben. Dieses Süsswasser-Krokodil, das früher weite Teile Südostasiens bevölkerte, gilt als vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Deshalb gibt es Bestrebungen, das Siam-Krokodil wieder auszusiedeln. Die Menschen am Tonle-Sap-See und -Fluss halten das für keine gute Idee. Sie mögen Krokodile nur in sicheren Gehegen, nicht am See- und Flussufer, wo sie ihre Kinder gefährden.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Trockenzeit
Begleitung
Mit Freunden
KulturellAbenteuerlich
  • Kampong Phluk mit Stelzenhäusern
  • Bootsfahrt auf dem Tonle-Sap-See
  • schwimmende Dörfer
  • schwimmendes Restaurant
  • Krokodilgehege neben dem Restaurant
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