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Sihanoukville bestätigt Vorurteile

Veröffentlicht: 11.05.2026

Fahrt
Kampot → Sihanoukville
75 km
Sehenswert
Sihanoukville
Sihanoukville, Kambodscha
Strand
Serendipity-Strand
Sihanoukville, Kambodscha
Unterkunft
Hotel Legend
1 Nacht · Hotel · Sihanoukville
Essen
Jinbei Casino
$$ · Abendessen

Am 2. April 2025 bin ich von Kampot 75 km nach Westen gefahren, in eine Stadt namens Sihanoukville. Wenn es, wie im vorherigen Blog gesagt, Orte gibt, die einen unmittelbar anziehen, so gibt es andere, die einen sofort abstossen. Ich gebe zu, dass ich schon mit Vorurteilen hingereist bin (die sich bestätigt haben). Dass es bei der Ankunft in Sihanoukville stark regnete, verbesserte den Eindruck nicht.

Gegründet wurde die Stadt Mitte der 1950er-Jahre von Franzosen, die hier einen Tiefseehafen bauten. Benannt wurde sie nach Norodom Sihanouk (19222012), der von 1941 bis 1955 und von 1993 bis 2004 König war, dazwischen auch Regierungschef, und der im Kambodscha des 20. Jahrhunderts eine dominante (und umstrittene) Rolle spielte. 

Reiseberichte aus den frühen 1990er-Jahren schreiben von einem entspannten Badeort mit vielen Grünflächen, kleinen Häusern und unendlich langen, fast unberührten Sandstränden für Ruhesuchende und Rucksacktouristen. Bei einem Besuch am Serendipity-Strand ist von dieser bIdylle nichts übrig: Riesige Bauten verschandeln ihn, und er scheinbt seit Tagen nicht gereinigt worden zu sein, des es sammelt sich der Müll.

Allerdings War es schon früher in Sihanoukville nicht ganz geheuer: Schon vor dreissig Jahren sollen sich hier zwielichtige Russen aufgehalten und untereinander einige blutige Fehden ausgetragen haben.

An die Chinesen verkauft

Im neuen Jahrtausend nisteten sich chinesische Unternehmen ein, vor allem, nachdem die kambodschanische und die chinesische Regierung 2006 ihr Projekt einer Sonderwirtschaftszone umgesetzt hatten. 2013 integrierten die Chinesen diese in ihre «Belt and Road Initiative» (BRI), auch «Neue Seidenstrasse» genannt. 

Chinesische Propaganda verkauft die BRI als Beitrag zur Förderung von Welthandel und wirtschaftlicher Entwicklung; Skeptiker sehen dahinter den Plan der Volksrepublik, mit friedlichen Mitteln die Welt zu erobern.

In Sihanoukville entstanden Dutzende neuer Fabriken; Zehntausende Arbeitsplätze wurden geschaffen. Es wurden Hotels und Restaurants, Bürogebäude, Wohnblöcke mit Eigentumswohnungen und eine Reihe von Spielcasinos gebaut. Einst soll es rund 100 bereits aktive und geplante Casinos gegeben haben. Alles ist auf den chinesischen Markt ausgerichtet; als Europäer ist man ein Exot; in den meisten Restaurants wird nur Mandarin gesprochen und die Speisekarten sind ausschliesslich in dieser Sprache gehalten; man kommt sich als Europäer ziemlich fehl am Platz vor.

Legale und illegale Geschäfte

Um 2017 kamen auch die Anbieter von Online-Glücksspielen. Die bereits bestehende Glücksspielindustrie, die lokale Führungsschicht, die dank den Chinesen unermesslich reich wurde, und eine sehr lasche Strafverfolgung trugen das Ihre zur Entwicklung bei. Die Stadt veränderte sich dramatisch. In aller Eile wurden riesige Betonblöcke hochgezogen, oft von zweifelhafter Bauqualität. Drastischer Beweis dafür war der Einsturz eines Rohbaus im Stadtzentrum am 22. Juni 2019. 28 Arbeiter und ihre Familien, die auf der Baustelle lebten, starben.

Die Wende kam wenige Monate nach dem tödlichen Unglück: Am 18. August 2019 verbot Hun Sen, Kambodschas Langzeit-Regierungschef (von 1985 bis 1993 und von 1998 bis 2023 im Amt) die Online-Glücksspiele. Da diese zuletzt die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle Sihanoukvilles waren, begann nun der Niedergang. Die Corona-Pandemie gab der Stadt den Rest. Drastische Reisebeschränkungen in der Volksrepublik führten dazu, dass chinesische Spieler, chinesische Angestellte und chinesische Mafiosi nicht mehr reisen konnten.

Viele Betriebe wurden geschlossen, Personal abgezogen oder entlassen. Hunderttausende Chinesen verliessen das Königreich; in Sihanoukville wurden über Nacht mehr als 7000 Kambodschaner arbeitslos; rund 800 Restaurants gingen bankrott. Die Immobilienblase platzte; Baulöwen schrieben ihre Verluste ab, stellten die Bautätigkeit ein und machten sich aus dem Staub. Arbeiter wurden nicht mehr entlöhnt, Mieten und Rechnungen blieben unbezahlt. Im Juli 2022 zählte man in der Stadt mehr als 1150 unvollendete Bauten.

Cyber-Kriminalität statt Glückspiel

Einige Bauwerke sind inzwischen fertiggestellt worden; die Mehrheit nicht. Ich bin im Hotel «Legend» abgestiegen, einem glitzernden Neubau, dessen Casino im Erdgeschoss offenbar den Hotelbetrieb querfinanziert, denn mein ausgesprochen luxuriöses Zimmer kostet nur 14 Euro die Nacht. Pool und Bar auf dem Roof Top sind ebenfalls von erster Güte.

Und doch herrscht auch hier Tristesse, und ich reise trotzdem budgetfreundlichen Preis schon nach einer Nacht ab: Aus meinem Zimmer im 14. Stock blicke ich auf einen vergammelnden Rohbau, auf dessen Dach sich Wasserpfützen gebildet haben. Im Hintergrund sind weitere grosskalibrige Bauruinen auszumachen. Die Chinesenmafia hat den einst idyllischen Ort verwüstet hinterlassen.

Es gibt Berichte, wonach sich inzwischen in vielen Hotels, Bürogebäuden und Casinos Online-Betrugsunternehmen eingenistet haben. In diesem Zusammenhang fällt auch der Begriff «Menschenhandel». Denn die Cyber-Kriminellen arbeiten offenbar zum Teil mit Angestelltenm, die mit falschen Versprechen angelockt wurden und nun wie Sklaven gehalten werden.

Natürlich kann ich diese Informationen nicht überprüfen. Sihanoukville ist mir einfach zutiefst unsympathisch; das muss für einen Reisebericht reichen.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Budget
14 € gesamt
Wetter
Regenzeit
Begleitung
Allein
Abseits der PfadeSparsam
  • Sihanoukville bei starkem Regen
  • Serendipity-Strand
  • Hotel Legend mit Casino
  • Jinbei Casino
StadtRoadtrip
  • Hotel Legend, eine Nacht14 €
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