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Bali oder das Gesetz der Masse

Veröffentlicht: 07.08.2026

Unterkunft
Pondok Pitaya
7 Nächte · Resort · Balian Beach, Bali
Flug
SUB → DPS
Economy
Fahrt
Denpasar → Pondok Pitaya
60 km · 4h · Jalan Raya Denpasar–Gilimanuk
Attraktion
Pura Tanah Lot
Bali, Indonesien
Attraktion
Jatiluwih-Reisterrassen
Tabanan, Bali, Indonesien
Attraktion
Pura Luhur Petali
Gunung Batukaru, Bali, Indonesien

Ich muss auf meinen Reisen oft an den deutschen Schriftsteller Hans Mag-nus Enzensberger (1929-2022) denken. In seinem Essay «Vergebliche Brandung der Ferne. Eine Theorie des Tourismus» formulierte er 1958 – also vor fast 70 Jahren, als noch keine Menschenmassen in Billigfliegern um den Erdball geschippert wurden – einen beinahe prophetischen Satz: «Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet.» Auf wenige Or-te trifft dieser Satz so präzise zu wie auf die «Götterinsel» Bali. Ich wollte Bali auf meiner Reise durch Indonesien deshalb ebenso umgehen wie den grossstädtischen Moloch Jakarta.

Dewi und Felix, ein indonesisch-schweizerisches Paar auf der Insel Samosir im Tobasee auf Sumatra, stimmten mich um. Sie gaben mir einen Geheim-tipp für einen Bali-Aufenthalt ausserhalb der Touristenströme: Das Resort Pondok Pitaya an der Westküste. Ich buchte eine Woche und fuhr am 9. Juli 2026 ab Surabaya auf der Hauptinsel Java nach Denpasar.

Der erste Schock

Leider kam der erste Schock fast sofort: Pondok Pitaya liegt 60 Kilometer nordwestlich von Denpasar, der Hauptstadt der Provinz Bali, und ich rech-nete mit höchstens anderthalb Stunden Fahrzeit. Was mir nicht bewusst war (weil ich mich ungenügend vorbereitet hatte – selber schuld!): Die Hauptstrasse von Denpasar hinauf nach Gilimanuk, von wo die Fähren nach Java im Zwanzigminutentakt rund um die Uhr verkehren, verläuft exakt entlang dieser Westküste – 125 Kilometer pures Elend.

In beiden Richtungen bewegt sich eine fast ununterbrochene Blechschlange von Autos, Bussen und vor allem Lastwagen, die keuchend und rauchend die Steigungen empor- und mit quietschenden Bremsen wieder hinun-terkriechen. Umschwirrt werden die unablässigen, zähen Verkehrsströme von Myriaden von Motorrädern und Motorrollern. Kurz: Für die 60 Kilo-meter brauchten wir nicht eine, sondern vier Stunden.

Vom gemütlichen Resort Pondok Pitaya direkt am Meer ist die Haupt-strasse zwar ein paar Kilometer entfernt. Doch wenn man irgendwohin will, kommt man an dieser nicht vorbei. Das betrifft auch mich. Ich will ja nicht eine Woche im Resort festkleben. An der Balian Beach, wo Pondok Pitaya liegt, ist Baden im Meer wegen der stetig heranrollenden, hohen Wellen ohnehin schwierig, während für Surferinnen und Surfer paradie-sische Zustände herrschen.

Also mietete ich einen Roller und mischte mich waghalsig in das Ver-kehrsgewühl, wo jeder versucht, noch ein wenig schneller zu sein als der andere; wo links und rechts überholt wird, auch bei Gegenverkehr, und man gleichzeitig den Schlaglöchern ausweichen muss, den Minibussen, die plötzlich und ohne zu blinken am Strassenrand stoppen, den Lastwagen und den anderen Zweirädern, die einen überholen und einem den Weg ab-schneiden.

Ein Tempel im Meer

Mein erstes Ziel, für das ich etwa eine Stunde auf der Horror-Hauptstrasse fahren musste, bevor ich abzweigen konnte, war Pura Tanah Lot, ein hin-duistischer Tempel auf einem Felsen im Meer. Bei Flut steht er wie eine Insel im Wasser; im Sonnenuntergang leuchtet er in goldenen Farben.

Bei meinem Besuch herrschte Ebbe. Auf der Seite zum Meer brandeten Wel-len gegen den Felsen; auf der Landseite konnte man über den mat-schigen Sand zum Tempel hinüberlaufen. Ihn über die beiden Treppen links und rechts betreten darf man allerdings nicht; er ist betenden Hindus vorbehalten. Und weil der Tempelberg mit Bäumen bewachsen ist, sind die Gebäude fast verdeckt. Bis zum Untergang der Sonne warten mochte ich ebenfalls nicht, denn auf das zusätzliche Handicap, im Dunkeln auf der Jalan Raya Denpasar–Gilimanuk fahren zu müssen, verzichtet ich. Irgend-wo hat die Abenteuerlust Grenzen.

Zwischen dem grossen Parkplatz und dem Tempel hat sich ein gross-flächiger Touristenort breitgemacht: Souvenirstände, Kleiderläden, Super-märkte, Restaurants. Sogar einen Shop von Polo Ralph Lauren gibt es hier; ob echt oder Fake, ist allerdings in diesen Breitengraden nie sicher. Auf einer Anhöhe mit direktem Blick auf den Tempel haben sich, wie auf einer Zinne, eine Reihe von Gartenlokalen eingenistet. Sie sind halb leer, denn es bleiben nur Einzelreisende zum Lunch; die Gruppen ziehen weiter, sobald die Fotos geschossen und die Souvenirs gekauft sind.

Symbiose von Natur und Agrikultur

Am nächsten Tag fuhr ich ins Inselinnere. Die Region Tabanan mit dem in-aktiven Vulkan Batukaru (2276 müM) gilt als «Reiskammer» Balis. Auf 850 Metern Höhe, mit Sicht auf den Vulkan, breiten sich die Jatiluwih-Reisterrassen wie ein grünes Amphitheater aus. Diese spektakuläre Sym-biose von Natur und Agrikultur, von der Unesco ins Verzeichnis des Welt-kulturerbes aufgenommen, ist keine Inszenierung für Touristen. Die äl-testen Terrassen von Jatiluwih sind vermutlich rund 1200 Jahre alt, wur-den seither laufend vergrössert und von Generationen von Bauernfamilien bearbeitet.

Ich beobachte Bauern, die mit Harken oder mit altmodischen, von Hand gesteuerten Motorpflügen in den abgezirkelten Reisfeldern arbeiten. Abge-erntete Abschnitte werden abgebrannt, liegen geschwärzt vor einem. Viele Feuerchen lassen Rauch zum Himmel steigen.

Und doch gilt auch hier, wie fast überall auf Bali, das Primat der tou-ristischen Erschliessung: Man bezahlt Eintritt, um durch die Terrassen wandern zu dürfen. Durch die Landschaft führen Wanderwege, an jeder Kreuzung ausgeschildert. Am Wegrand stehen nicht nur kleine Schreine und Tempel, sondern auch so genannte Warung, das heisst Imbisse, in de-nen Snacks, Kokoswasser, Nasi Goreng und Bintang-Bier angeboten wer-den. Und zuoberst auf dieser Arena, jenseits der Strasse, thronen im Halbkreis touristische Etablissements – Hotels, Gästehäuser, Restaurants und Läden.

Heiliger Ort im Wald

Nur wenig entfernt von den Reisterrassen steht in den Wäldern am Ost-hang des Gunung Batukaru der Pura Luhur Petali. Der Tempel geht auf das 13./14. Jahrhundert zurück; Balinesen gilt er als heiliger Ort; Gläubige pilgern hierher, um für Gerechtigkeit, Ausgleich und innere Stabilität zu beten. Auffällig ist die terrassenförmig aufsteigende Stufenanlage, hinter der drei Höfe, durch Tore und Mauern voneinander getrennt, ineinander übergehen. Natürlich wird auch dieser Tempel von hinduistischen Mon-stern und Fabelwesen bevölkert.

Im Gegensatz zum Pura Tanah Lot unten am Meer habe ich im Pura Luhur Petali doch noch einen stillen Ort gefunden, fast ohne Touristen, ohne Souvenirstände und aufdringliche Händler, und vor allem ohne Verkehr. In diesen muss ich mich allerdings wieder stürzen, um in mein Resort zurückzukehren. 

Auf einen Blick

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Dauer
7 Tage
Abseits der PfadeKulturell
  • Pondok Pitaya
  • Pura Tanah Lot
  • Jatiluwih-Reisterrassen
  • Pura Luhur Petali
Roller
KulturNaturRoadtrip
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Antworten

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