vogel-fliegt-aus
vogel-fliegt-aus
vakantio.de/vogel-fliegt-aus
Zuletzt in Kota Mataram

Von Bali nach Lombok

Veröffentlicht: 13.08.2026

Fahrt
Balian Beach → … → Mataram
90 km · 4h · Horror-Highway
Fähre
Padang Bai → Bangsal
Indonesia
Taxi
Bangsal → Mataram
1h 30m
Unterkunft
Mataram
Hotel · Mataram
Essen
Roemah Langko
Indonesian · $$$ · Abendessen
Essen
Lombok Epicentrum Mall
Japanese · $$ · Abendessen
Attraktion
Masjid Hubbul Wathan
Mataram, Indonesia
Attraktion
Pura Meru
Cakranegara, Indonesia
Sehenswert
Lombok Epicentrum Mall
Mataram, Indonesia

Weil ich zwei Monate in Indonesien bleiben will und nicht nur einen, den das Visum am Flughafen gewährt, musste ich eine Immigrationsbehörde finden, bei welcher, gegen eine Gebühr von 500.000 Rupiah (24 Franken oder knapp 25 Euro) die Verlängerung arrangiert werden kann; online ist das nicht möglich. Diese Behörden sitzen in den grossen Städten, und ich hatte keine Lust, von meinem Refugium an Balis Westküste auf dem Hor-ror-Highway zurück nach Denpasar zu fahren.

Also beschloss ich, auf die Nachbarinsel Lombok auszuweichen, in deren Hauptstadt Mataram ein solches Büro existiert. Und da ich schon mal auf Lombok war, hängte ich eine Woche an der Südküste an.

Zwar sind die Gili-Inseln für Badeferien bekannter, aber ich wollte danach weiter nach Osten, nach Labuan Bajo auf der Insel Flores und zum Komoä-do-Nationalpark. Und Lomboks Flughafen liegt im Süden der Insel, die Gili-Inseln hingegen im Nordwesten. Dreimal die Insel rauf- und run-terzufahren, wollte ich mir nicht zumuten.

Chaos am Hafen

Ich liess mich also am 14. Juli 2026 zum balinesischen Fährhafen Padang Bai fahren, rund 90 km östlich der Balian Beach, wo ich eine Woche ver-bracht hatte. Auch diese Fahrt dauerte bei den balinesischen Verkehrs-verhältnissen gute drei Stunden. Ab Padang Bai verkehren diverse Fähren und Schnellboote zur Insel Penida, zu den drei touristisch erschlossenen Gili-Inseln und nach Bansal im Nordwesten von Lombok.

In Padang Bai herrscht pures Chaos: Mehrere hundert Leute warten auf demnächst abgehende Schiffe; Informationen, wann welche Fähre oder welches Schnellboot anlegt und beladen wird, gibt es nicht, von elektro-nischen Anzeigetafeln ganz zu schweigen. Also stolpern drängelnde Passag-iere über die herumliegenden Koffer zum Gate vor, und von dort, auf später vertröstet, wieder zurück.

Ich habe im Vorfeld viel über das Organisationstalent der Indonesier gelesen, das nicht unseren Idealvorstellungen entspricht, über Verspätung und Chaos – hier, endlich, sind sie. Dass wir mitten auf dem Meer vom be-quemen Schnellboot auf einen offenen, müden Kahn ohne richtige Sitz-gelegenheiten umgeladen werden, ohne dass uns jemand informiert hätte, reicht nur noch für ein fatalistisches Schulterzucken. Wenn man das Bild von abgesoffenen oder brennenden indonesischen Fähren und um ihr Le-ben ringenden Passagieren vor Augen hat, ist das eine geringfügige Unan-nehmlichkeit.

Bei der Ankunft im Hafen Bangsal auf der Insel Lombok wird der Reisende (wie in fast jedem Hafen und jedem Flughafen) sofort von Leuten um-zingelt, die ihm eine Taxifahrt aufdrängen wollen. Für solche Fälle ist es nützlich, sich im Voraus über die Fahrpreise zu informieren, um nicht gna-denlos über den Tisch gezogen zu werden. Ich bezahle schliesslich 250.000 Indonesische Rupiah für die eineinhalbstündige Fahrt nach Mataram, um-gerechnet zwölf Franken oder gut zwölf Euros. Die Fahrer hatten zuerst eine halbe Million gefordert.

Keine Touristen

Mataram ist die Hauptstadt der Provinz West-Nusa Tenggara; dazu gehö-ren neben Lombok auch das dreimal grössere Sumbawa (gut 15.000 Qua-dratkilometer) und rund 400 kleinere Inseln.

Nein, eine Touristendestination ist Mataram nicht. Dafür ist die Grossstadt mit rund 450.000 Einwohnern zu rigid. Dass hier der Islam herrscht (al-lerdings nicht zu vergleichen mit jenem in der Provinz Aceh, siehe meine Beiträge «Banda Aceh – nach dem Tsunami die Scharia» vom 22. Mai 2026 und «Aceh – wie die Scharia durchgesetzt wird» vom 24. Mai) erfährt man spätestens im Restaurant: Wein oder Bier zum Essen – Fehlanzeige!

Dabei wäre das Roemah Langko («Haus an der Langko-Strasse») prä-destiniert für ein gediegenes Diner. In diesem rekonstruierten nieder-ländischen Herrenhaus aus den 1920er-Jahren werden hervorragende in-donesische Spezialitäten serviert. Der Kellner namens Benedictus, ein Ka-tholik von der Insel Flores, versteht auch nicht, wieso er mir dazu kein Glas Wein servieren kann.

Reise gerettet

Dasselbe gilt für die vielen internationalen Restaurants in der weitläufigen Lombok Epicentrum Mall. Dorthin bin ich gepilgert, um erstens wieder einmal Sushi statt der lokalen indonesischen Kost zu geniessen und zwei-tens meine Reise zu retten.

Denn auf der Fähre von Bali hatte ich zu meinem Schrecken festgestellt, dass sich mein Handy nicht mehr laden liess, und ohne Handy ist der Rei-sende komplett aufgeschmissen, denn das flache Ding in der Gesässtasche ist ein Instrument für alles: Flugtickets und Hotelbuchungen speichern; in Läden, Restaurants und Hotels bezahlen; Mails abrufen; Kontakt mit der Bank; 6547 Fotos (Stand 14. Juli 2026); 45 Reise-Apps; ein halbes Dutzend KI-Apps; Google Maps; das NZZ-Abo; das Abo der New York Times; usw. pipapo. (Unheimlich, wie überlebenswichtig dieses Ding inzwischen gewor-den ist.)

Es gab zwei mögliche Gründe für die Panne: einen simplen, dass das Ladegerät kaputt war; einen schwerwiegenden, dass die Ladehemmung am Handy selber lag. Eine freundliche Verkäuferin in der Epicentrum Mall half mir aus der Patsche: Es war nur das Ladegerät. Meine Erleichterung dürfte hör- und sichtbar gewesen sein.

Moschee und Hindu-Tempel

Mit wiederhergestelltem Optimismus machte ich mich auf die Erkundung von Mataram. Die Grosse Moschee im Stadtentrum, die Masjid Hubbul Wathan, auch bekannt als das Islamische Zentrum Nusa Tenggara Barat, wurde im Dezember 2013 eröffnet.

Das voluminöse Gebetshaus schräg gegenüber der Immigrationsbehörde bietet Platz für mehr als 10.000 Gläubige. Die Kuppeln sind mit bunten Batik-Mustern verziert. Das Haupt-Minarett, das als Solitär neben der Mo-schee steht, ist imposante 99 Meter hoch. Vier schlankeren Türme, je 66 Meter hoch, markieren die Ecken des Gebäudes.

Bei einer Serie von Erdbeben im Juli und August 2018, die vor allem Nord-Lombok und die Gili-Inseln trafen, wurde auch die Grosse Mosche, damals erst fünf Jahre alt, erheblich beschädigt: Teile das Daches stürzten herab; die Minarette bekamen Risse; bei einem von ihnen war die Kuppel stark ge-neigt und drohte abzustürzen.

Von der Immigrationsbehörde übrigens war ich angenehm überrascht: Ein Beamter in schwarzer Uniform und eine Beamtin mit Kopftuch nahmen sich sofort meiner an, behändigten mein Handy und vollzogen für mich den relativ komplizierten Vorgang – kein Papierkram; der Kram ist in den vir-tuellen Raum umgezogen. Dann wurde ich fotografiert, und fertig war der Behördengang.

Zuvor hatte ich Zustände erwartet, wie ich sie von afrikanischen oder ara-bischen Behörden kannte: stundenlanges Warten in feuchtheissen Räumen zusammen mit hundert anderen Bittstellern; unendliches Hin und Her zwi-schen verschiedenen Amtsstuben; Dutzende Formulare ausfüllen; hier an-stehen, um zu bezahlen, dort, um befragt zu werden; hier einen Stempel holen, dort eine Fotografie abliefern. 

Manchmal hat Pessimismus auch Vorteile: Man kann dann angenehm überrascht werden wie ich in Mataram.

Als Bali Lombok beherrschte

Matram besteht aus vier unterschiedlichen Vierteln; Cakranegara, einst von balinesischen Königen geprägt, die im 18. und 19. Jahrhundert Teile Lomboks beherrschten, ist das geschichtsträchtigste. Besonders eindrucks-voll ist der 300 Jahre alte Pura Meru in Cakranegara.

Die drei hohen, mehrstufigen Schreine des Tempels, die von weitem aus-sehen, als ob sie gedrechselt wären, sind den hinduistischen Gottheiten Brahma, Vishnu und Shiva gewidmet. Direkt neben Pura Meru liegt der ehemalige königliche Garten mit einem grossen, künstlichen Teich, der das Blau des Himmels widerspiegelt, in dessen Mitte der Bale Kambang, ein Pavillon im Wasser, der zum königlichen Palastkomplex gehörte.

Mataram wird nie zu meinen Lieblingsstädten gehören; dafür ist es mir zu puritanisch. Aber die zwei Tage, die ich hier verbrachte, boten ein paar interessante Einblicke, und die Verkäuferin in der Epicentrum Mall ebenso wie die Beamtinnen und Beamten der Immigrationsbehörde behalte ich in bester Erinnerung.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
2 Tage
Budget
500.000 IDR gesamt
KulturellAbseits der Pfade
  • Visaverlängerung in Mataram
  • Fahrt über Padang Bai und Bangsal
  • Roemah Langko
  • Lombok Epicentrum Mall
  • Masjid Hubbul Wathan
  • Pura Meru
HandyLadegerät
TransitStadtEssenKulturGeschichte
  • Visaverlängerung500.000 IDR
  • Fahrt von Bangsal nach Mataram250.000 IDR
vogel-fliegt-ausFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Antworten

Indonesien
Reiseberichte Indonesien
#bali#lombok#faehre#visum#moschee#tempel#hindutempel#islam#westnusatenggara#indonesien