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Zuletzt in Indonesien

Will Lombok Bali imitieren?

Veröffentlicht: 16.08.2026

Fahrt
Mataram → … → Kuta
Indonesien
Attraktion
Desa Adat Sade
Lombok, Indonesien
Sehenswert
Mandalika
Lombok, Indonesien
Unterkunft
3 Nächte · Hotel · Kuta, Lombok
Sehenswert
Kuta
Kuta, Lombok, Indonesien
Attraktion
Tanjung Aan
Lombok, Indonesien
Attraktion
Mawun Beach
Lombok, Indonesien
Sehenswert
Sportbar
Kuta, Lombok, Indonesien

Die Strasse von Bansal im Nordwesten der Insel Lombok nach Mataram führt durch bergige Ausläufer, die bis ans Meer reichen. Auf den Leitplanken sitzen Makakken und knabbern an irgendwas. Nach drei Nächten in Mataram fahre ich am 17. Juli 2026 weiter in den Süden der Insel. Die Landschaft wird jetzt immer flacher; es geht durch Reisfelder, Dörfer und vorbei an Hügeln, die dürr und braun in der brennenden Sonne liegen.

Der wichtigste Ferienort an der Südküste ist Kuta, und weil es auf Bali einen gleichnamigen Ort gibt, hätte ich meine Unterkunft beinahe auf der falschen Insel gebucht.

Starke Kontraste

In Lomboks Süden sticht der Kontrast zwischen traditionellen Lebensweisen und der touristischen Erschliessung besonders ins Auge. Be-vor wir nämlich in Kuta ankommen, besuchen wir Desa Adat Sade. Sade ist ein traditionelles Sasak-Dorf, und weil es an der Hauptstrasse zwischen dem Flughafen und dem Ferienort Kuta liegt, treten Touristen einander hier auf die Füsse.

Die Sasak sind die indigene Mehrheitsbevölkerung Lomboks und pflegen eine Kultur, die den vorherrschenden sunnitischen Islam – dies ein ent-scheidender Gegensatz zur hinduistisch geprägten Nachbarinsel Bali – mit älteren Adat-Traditionen verbindet. «Adat» sind mündlich überlieferte Regeln für den Alltag, für Landwirtschaft und Gewerbe, für Zeremonien, für Heirat, Erbfolge, Konfliktlösung, die noch heute parallel zum staat-lichen und zum islamischen Recht praktiziert werden.

In Sade finden wir, wie in anderen hergebrachten Siedlungen auf der Insel, Häuser mit Bambuswänden, Lehmfussböden und hohen Reetdächern so-wie kleine Reisspeicher. Hier werden auf altmodischen Handwebstühlen farbenfrohe, manchmal aufwendig gemusterte Textilien gewoben: Sarongs und Stoffbahnen für den eigenen Gebrauch, Schals und Tücher für Tou-risten.

Unweit von Sade, nur zwölf Kilometer südlich, herrscht eine ganz andere Zeit: In Mandalika heulen die Motoren; auf einer Rennstrecke werden Motorrad-Rennen und andere Sportveranstaltungen abgehalten. Es wer-den Hotels gebaut, Restaurants eröffnet, moderne Infrastruktur erstellt. Mandelika gehört zu Indonesiens Programm der «10 New Balis». Damit will die Regierung bewusst einen Teil der Touristenströme von Bali auf an-dere Regionen um umlenken. Mandalika wurde dabei als eines der wich-tigsten neuen internationalen Zentren ausgewählt. Es soll, so die offizielle Werbung, zu einer «World Class Sportainment and Lifestyle Destination» werden Ich habe keine Lust, mir diese Grossbaustelle anzuschauen, und kann deshalb nicht darüber berichten.

Kuta wird zum Zentrum der Südküste

Stattdessen fahre ich weiter nach Kuta. Der Ort liegt an einer zerklüfteten Küste mit sichelförmigen Buchten, steilen Hügeln und zahlreichen Stränden. Kuta selbst ist die übliche Ansammlung von Cafés, Warungs und Restaurants, Hotels und Homestays, Barber Shops und Massagesalons. Bis Kuta schick wird, braucht es aber noch ein paar Jährchen. Nur ein kleines, aber abstossendes Detail: Durch den Ort fliesst ein kanalisierter Bach, des-sen Wasser nicht sichtbar ist, weil der Plastikmüll flächendeckend darauf schwimmt. Und offenbar nicht nur Plastik: Der Bach riecht auch ent-setzlich.

Ich habe mich im Dream CoWorking Hotel installiert. Der Preis von 30 Euro pro Nacht schien gerechtfertigt, denn erstens habe ich einen «traditionellen Bungalow» für mich; zweitens gibt es, zwischen den Bungalows und dem Hoteltrakt eingebettet, einen Pool; und drittens hat es mir der Co-Working-Space angetan, denn ich möchte hier ein paar Artikel schreiben.

Mein knappes Fazit: Der Co-Working-Raum – teils offen, teils geschlossen und klimatisiert, ausgestattet mit richtigen Bürostühlen, Stromversorgung für jeden Tisch und einem funktionierenden WLan, in Indonesien eher die Ausnahme als die Norm – ist einer der besten, die ich auf meiner Reise ge-funden habe. Der Bungalow ist einigermassen gross; die elektrischen Installationen sind abenteuerlich und wirken zusammengeschustert; Klo und Dusche befinden sich im Freien, von Blicken abgeschirmt, wirken aber ziemlich schmuddelig. Und das Dach hat offenbar dem Wetter nicht stand-gehalten: Die Bungalows sind mit blauen Plastikplanen abgedeckt.

Die grösste Enttäuschung in Kuta ist der Strand, unaufgeräumt, dicht bevölkert nicht nur von Einheimischen und Touristen, sondern auch von Hühnern, Ziegen und Hunden. Davor liegen Hunderte kleiner Boote ver-ankert im Wasser. Der Sand ist grob und grau, das Wasser trüb. Es gibt kei-ne Strandbars, sondern nur improvisiert und nicht sonderlich proper wir-kende Warungs, in denen man sich nicht niederlassen will.

Wer richtige Strände wie in den Prospekten erleben will, muss sich ein Mo-torfahrzeug beschaffen. Acht Kilometer östlich von Kuta, vorbei an der Rennstrecke und der Entwicklungszone von Mandalika, liegt Tanjung Aan, eine weit geschwungene Bucht mit hellem Sand und türkisfarbenem Was.-ser. An windstillen Tagen, wenn die Wellen nicht zu heftig sind, ist sie zum Baden geeignet.

Zehn Kilometer westlich von Kuta folgen weitere Buchten: Mawun Beach liegt geschützt und malerisch zwischen grünen Landzungen. In Selong Be-lanak, das ich nicht besucht habe, 20 Kilometer westlich von Kuta, soll es einen breiten, hellen Sandstrand und vergleichsweise sanfte Wellen geben, ideal für alle, die Surfen lernen wollen.

Balis Fehler nicht wiederholen

Lombok soll gross und international werden, ohne die Fehler Balis zu wiederholen. In weiten Teilen, vor allem im Norden, existiert noch das alte, kaum touristisch entwickelte Lombok. Der Süden jedoch wird gerade mas-siv umgebaut. Deshalb stelle ich mir hier in Kuta die Frage, wie weit diese Entwicklung gehen wird, und ob wir hier live die Entstehung eines neuen Balis mitverfolgen können. Die Behörden versichern, dass man die Fehler nicht mehr machen wird, die Bali zu einem abschreckenden Beispiel des Overtourism werden liessen.

Bali hat einen entscheidenden Fehler gemacht: Tourismus hat sich nahezu unkontrolliert über zusammenhängende Räume ausgebreitet. Lomboks Plan hingegen ist die Konzentration des Tourismus auf klar definierte Zo-nen. Ob das so stattfinden kann, ist eine andere Frage. Denn sobald eine Strasse gebaut wird, kommen die Inverstoren; die Grundstückspreise stei-gen; es entsteht das, was man «Fortschritt» nennt: Verkehrskollaps, Prob-leme mit der Wasserversorgung und der Müllabfuhr, Luftverschmutzung und so weiter.

In zehn, zwanzig Jahren wissen wir, ob Lombok die Ambitionen hat ver-wirklichen können, ohne sich dabei zu zerstören. Aber ich werde dann nicht mehr dabei sein.

Momentan haben wir allerdings ein ganz anderes Anliegen: Es ist Montag, der 20. Juli, morgens um drei. Wir sitzen in einer vollgepackten Sportbar, mehrere überdimensionierte Bildschirme flimmern an der Wand. Zwar gibt es in einer Ecke eine kleine argentinische Fan-Zone, aber die Mehrheit ist klar für Spanien.

Danach wissen wir, dass sich das Ausharren bis zum Morgengrauen nicht gelohnt hat. Das uninspirierte, von den argentinischen Fussballrüpeln torpedierte Spiel endet – alles andere wäre ein Hohn gewesen – mit dem Sieg der spanischen Mannschaft. Wie Trump und Infantino bei der Sieges-zeremonie ausgebuht werden, ist dann wieder absolut sehenswert. 

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
KulturellAbseits der Pfade
  • Desa Adat Sade
  • Kuta an der Südküste von Lombok
  • Dream CoWorking Hotel
  • Tanjung Aan
  • Mawun Beach
  • Sportbar am 20. Juli um drei Uhr morgens
Motorfahrzeug
StadtKulturRoadtripEssenNachtleben
  • Dream CoWorking Hotel30 €
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