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Dank Bertold Brecht in Surabaya

Veröffentlicht: 05.08.2026

Zug
Bahnhof Yogyakarta → Bahnhof Surabaya
Indonesische Eisenbahn
Unterkunft
Grand Inna Tunjungan
Hotel · Surabaya
Attraktion
Hotel Majapahit
Surabaya, Indonesien
Attraktion
Siola-Gebäude
Surabaya, Indonesien
Tour
Fußtour durch das historische Surabaya und die Chinatown
Tour · GetYourGuide
Attraktion
Zigarrengebäude
Surabaya, Indonesien
Attraktion
Internatio-Gebäude
Surabaya, Indonesien
Attraktion
Rote Brücke
Surabaya, Indonesien
Attraktion
Chinatown
Surabaya, Indonesien
Sehenswert
Pasar Pabean
Surabaya, Indonesien
Essen
Locaāhands
$ · Abendessen

Von Yogyakarta fahre ich am 6. Juli 2026 weiter in die Stadt Surabaya im Nordosten von Java. Im Bahnhof von Yogyakarta drängelt eine Menschen-masse; ein paarmal ist kein Durchkommen mehr. Doch die «Exekutiv-klasse» der Indonesischen Eisenbahn erweist sich als bequem. Und der Zug fährt auf die Minute pünktlich ab, was deutsche Mitreisende in Erstaunen versetzt, die sich solches von der Deutschen Bahn nicht gewöhnt sind.

Für Surabaya hatte ich mich spontan wegen eines Songs von Bertold Brecht und Kurt Weill entschieden. «Surabaya Johnny» ist ein bitteres Liebeslied einer Frau an ihren liederlichen und treulosen Johnny, der als Seemann von Surabaya aus die Meere bereist. Sie schildert, wie sie von Johnny verführt, ausgenutzt und verlassen wird und ihm trotzdem verfallen bleibt. Die unvollständige Aufzählung der Interpretinnen ist eine Liste der Super-stars vergangener Zeiten: Lotte Lenya, Marlene Dietrich, Milva, Bette Mid-ler, Marianne Faithfull, Nina Hagen, Ute Lemper.

Art-déco trifft auf Wolkenkratzer

Ich komme nach vierstündiger Fahrt mit dem Zug an und steige im Hotel «Grand Inna Tunjungan» ab, einem eleganten Viersternehaus, das trotz-dem nur 26 Franken (gut 26 Euro) pro Nacht kostet. Tunjungan ist ein Quartier nach meinem Geschmack: Im Viertel kann man die sorgfältige Architektur vieler Gebäude im Art-déco- und Kolonialstil bewundern, darunter Wahrzeichen wie das «Hotel Majapahit», eröffnet 1911, oder das Siola-Gebäude von 1877.

Das «Majapahit» hiess ursprünglich «Hotel Oranje» zu Ehren des nieder-ländischen Königshauses Oranien. Später wurde es mehrmals umgetauft; der heutige Name soll an das Reich Majapahit erinnern, ein mächtiges hindu-buddhistisches Königreich, das von Ende des 13. bis ins frühe 16. Jahrhundert Ostjava und später auch Teile von Mitteljava beherrschte und ein weites Netz von Vasallenstaaten aufbaute, das ihm den Einfluss auf Sumatra, die Malaiische Halbinsel, Borneo, Sulawesi und Teile der Philippinen sicherte. (Die Geschichte Südostasiens ist extrem komplex, ich weiss. Und hier ist nur Platz für summarische Darstellungen.)

Das auffällig gestreifte Siola-Gebäude, das die Tunjungan-Strasse im Nor-den abschliesst, gebaut 1877 von einem Briten als Kaufhaus, das von den Niederländern «Het Engelsche Warenhuis» genannt wurde, ist heute ein Museum. 

Die Stadt hat das Quartier in einem Grossprojekt revitalisiert. Abends flanieren Tausende durch die Tunjungan-Strasse, obwohl sich, im Gegen-satz zu Yogyakarta, kaum ausländische Touristen hierher verirren. Es gibt Cafés, Musiklokale und schicke Restaurants. Mein Lieblingslokal wäre das «Locaāhands» an der Jalan Tunjungan 39. 

Den seltsamen Namen erklärt Citra, meine Fremdenführerin, mit der ich hier zu Abend esse, so: Locaāhands ist ein Kunstwort; es soll auf die «local hands» («lokalen Hände») hinweisen, welche in der Region die Zutaten produzieren, die von den einheimischen Köchinnen und Köchen verarbei-tet werden. Das ist auch für Surabayer offenbar zu kompliziert, weshalb sie das Restaurant einfach «Tunjungan 39» nennen. Es befindet sich in einem markaten Eckhaus, das 1925 für die Buchhandlung J.W.F. Sluyter erbaut worden war. Wandhohe, wenn auch leere Regale im Lokal erinnern an die frühere Karriere des Hauses.

Doch die historischen Bauten in Tunjungan sind nur Tupfer in der Stadt-landschaft. Denn Tunjungan ist auch das zentrale Geschäftsviertel der Fünfmillionenmetropole Surabaya. Die Gebäude aus der Kolonialzeit ducken sich zwischen gigantische Büro-, Apartment- und Einkaufskom-plexe. In der Tunjungan Plaza, die sich als zweitgrösste Mall Indonesiens brüstet, verlaufe ich mich eines Tages komplett und finde kaum mehr zum Ausgang.

Erinnerungen an die Befreiung

Citra, eine junge Frau im Hijab, habe ich kennengelernt, als ich bei «Get-YourGuide» eine Tour zu Fuss mit einer Geschichtenerzählerin durch das historische Surabaya und die Chinatown buchte. Unser Rundgang (zur «Gruppe» gehört neben mir nur noch eine Studentin aus Jakarta) beginnt in einem kleinen Park. Er ist von massiven Kolonialbauten wie dem «Zigar-rengebäude», so genannt wegen seines zigarren- oder auch lippenstiftför-migen Eckturms, und dem 1929 erbauten Internatio-Gebäude, dem ehe-maligen Sitz der «Internationale Credit en Handelsvereeniging Rotterdam» umzingelt.

Auf dem Platz fällt die Replika eines Autowracks aus den 1940er-Jahren auf. Citra erzählt: In diesem Amerikanerwagen kam der britische Brigade-general A.W.S. Mallaby ums Leben. Mallabys 49. Indische Infanterie-Bri-gade war nach Surabaya verlegt worden, um die Kapitulation japanischer Truppen abzusichern. Längerfristig sollten auch die Niederländer unter-stützt werden, die sich, nach Abzug der Japaner, wieder der Kolonie Java bemächtigen wollten.

Mallaby fuhr am Abend des am 30. Oktober 1945 unter weisser Flagge durch Surabaya, um seine Truppen über das gerade ausgehandelte Waffen-stillstandsabkommen zu informieren. Sein Auto wurde vor dem Internatio- Gebäude, in welchem britische Soldaten Stellung bezogen hatten, von indo-nesischen Milizen umringt. In der angespannten Situation feuerten die Briten Warnschüsse ab; die Milizen schossen zurück. Granaten explodier-ten, und in dem Tohuwabohu ging Mallabys Limousine in die Luft. Wer für seinen Tod verantwortlich war, die Milizionäre oder Mallabys eigene Leute, konnte nie geklärt werden.

Dieser Vorfall war einer der Anlässe für die Schlacht um Surabaya im No-vember 1945, in der britische und britisch-indische Truppen auf indone-sische Nationalisten losgingen. Es gab Tausende von Toten, Zehntausende Flüchtlinge und schwere Zerstörungen in der Stadt. Die Briten siegten, aber langfristig setzte sich die Unabhängigkeitsbewegung durch; Surabaya wur-de zu einem Symbol des Befreiungskampfs.

Ein chinesisches Tor und ein stinkender Markt

Wir gehen hinüber zur Roten Brücke über den Fluss Kalimas. Sie heisst nicht nur wegen ihrer Farbe so, sondern auch wegen des vielen Blutes, das hier während der Revolution 1945 floss. Jenseits der Brücke verändert sich das Stadtbild. Ein rotes Eingangstor markiert die Chinatown. Enge Gassen, vorbei an alten chinesischen Geschäftshäusern und traditionellen Tempeln, führen uns zum Pasar Pabean. Im engen, jahrhundertealten Markt werden Früchte, Gemüse und Gewürze gehandelt; im hinteren Teil befindet sich, von weitem zu riechen, ein Fischmarkt.

Unmittelbar neben dem Tor zur Chinatown werde ich an meinen früheren Beruf erinnert: In einem eleganten kolonialen Bau wird die lokale Tages-zeitung «Radar Surabaya» produziert. Ein so gediegenes Redaktions-gebäude habe ich während meiner journalistischen Laufbahn nie erlebt.

Auf einen Blick

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Begleitung
Mit Freunden
Kulturell
  • Zugfahrt von Yogyakarta nach Surabaya
  • Übernachtung im Grand Inna Tunjungan
  • Art-déco- und Kolonialarchitektur in Tunjungan
  • Fußtour durch das historische Surabaya und Chinatown
  • Abendessen im Locaāhands / Tunjungan 39
StadtKulturGeschichteArchitekturEssenTransit
  • Hotel Grand Inna Tunjungan pro Nacht26 €
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