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Zuletzt in Iloilo City

Iloilo pflegt die Vergangenheit und baut die Zukunft

Veröffentlicht: 27.09.2026

Sehenswert
Jaro Cathedral
Iloilo City, Philippines
Sehenswert
Jaro Belfry
Iloilo City, Philippines
Sehenswert
Ledesma Mansion
Iloilo City, Philippines
Sehenswert
Casa Mariquit
Iloilo City, Philippines
Sehenswert
J.M. Basa Street
Iloilo City, Philippines
Sehenswert
Goldberry Lite Hotel
Iloilo City, Philippines
Sehenswert
Regent
Iloilo City, Philippines
Museum
Museum of Philippine Maritime History
Iloilo City, Philippines
Sehenswert
Iloilo Central Market
Iloilo City, Philippines
Essen
Alicia
$ · Abendessen
Sehenswert
Iloilo River Esplanade
Iloilo City, Philippines
Spaziergang
Jaro → City Proper
4.0 km

Die Überfahrt von Bacolod auf der Insel Negros über die Strasse von Guimaras nach Iloilo auf der Insel Panay am 19. September 2026 ist in weniger als einer Stunde erledigt. Das ist umso erfreulicher, als Oceanjet, die Firma, die auf den Philippinen zahlreiche Destinationen miteinander verbindet, auf dieser Strecke ein älteres Schnellboot ohne Klimaanlage einsetzt. Es wird heiss; der Fahrtwind, der durch die geöffneten Fenster hereinströmt, kühlt kaum; Filipinas zücken ihre Fächer.

Iloilo wirkt auf den ersten Blick moderner und sauberer als Bacolod, und Moi, eine freundliche Einheimische, die ich in einem Frühstückscafé angesprochen habe, erklärt das mit dem Willen der Stadt, Altes zu bewahren, aber gleichzeitig moderne Infrastruktur zu schaffen und das Abfallproblem zu managen.

Volle Kirchen

Es ist Sonntagvormittag. Der Stadtteil Jaro empfängt mit Glockengeläut. Hier gehen die Menschen noch zur Kirche, und zwar in solcher Zahl, dass nicht alle in der Jaro Metropolitan Cathedral Platz finden. Viele drängen sich draussen unter die schattenspendenden Vordächer, oder sie haben Schirme aufgespannt, um sich gegen die brennende Sonne zu schützen. Der Andrang ist nicht nur bei der katholischen Kirche gross. Jenseits des Jaro Plaza, eines kleinen Parks, ist auch die Evangelical Church rappelvoll.

Die Kathedrale, der Heiligen Elisabeth von Ungarn geweiht, Sitz des Erzbischofs von Jaro, fertiggestellt 1874, ist eine eklektische – andere würden sagen: kuriose – Mischung aus filipinisiertem Barock für die Fassade und zwei pseudogotischen Türmen. Diese wurden erst aufgesetzt, nachdem ein verheerendes Erdbeben die Kathedrale 1948 schwer beschädigt hatte; sie musste bis 1956 wieder aufgebaut werden.

Der freistehende Glockenturm jenseits der Strasse ist älter als die Kathedrale und wurde auch öfter durchgeschüttelt: Augustinermönche errichteten ihn 1744; Erdbeben in den Jahren 1787, 1868 und 1948 setzten ihm zu. Zuletzt restaurierte ihn die National Historical Commission; vor vier Jahren wurde er in der heutigen Pracht wieder eröffnet.

Gleich neben der Kathedrale und dem mächtigen Glockenturm bietet sich ein Bild des Zerfalls: die Ledesma Mansion. 1928 liess der Zuckerbaron Don Joaquin Ledesma die prachtvolle Villa errichten. Einst fanden hier rauschende Bankette und Empfänge für die bessere Gesellschaft statt; heute steht das Haus leer, die Balkone hängen schief, das Tor ist mit Blech vernagelt.

Viel besser erhalten ist, ebenfalls im Stadtteil Jaro, die Casa Mariquit. Sie wurde 1803 gebaut und ist das älteste noch bestehende Wohnhaus in Iloilo.

Eine königliche Strasse

Von Jaro nach City Proper , wie sich das Stadtzentrum nennt, legt man vier Kilometer im unbequemen Tricycle zurück und gerät in eine andere Welt. Die frühere Calle Real, heute zu Ehren des Revolutionärs José María Basa offiziell J.M. Basa Street genannt, war schon während der Zeit der spanischen Kolonisation die zentrale Achse der Stadt mit zahlreichen Geschäften, die lokale, aber auch importierte Waren anboten und meist aus Holz gebaut waren. 

In der amerikanischen Ära kamen die Geschäfts- und Kaufhäuser, Kinos und Hotels hinzu, deren Fassaden bis heute das Bild der Strasse prägen: Neoklassizismus, Beaux-Arts, Art-déco, gebaut mit dem Geld aus dem Zuckerhandel oder von chinesischen Unternehmern und amerikanischen Firmen, die hier Geschäfte machen wollten.

Gebäude wie das ehemalige Villanueva Building, 1936 im Stil des Art-déco als «neuer Basar» gebaut, prägen die «Königliche Strasse». Ebenso das Ng Chin Beng Building von 1922, benannt nach einem Kaufmann aus Xiamen, dessen Firma zum grössten Handelshaus der Provinz wurde: Das relativ kleine Gebäude besticht durch seine filigrane Fassade, die den neoklassizistischen Kolonialstil mit chinesischen Einflüssen paart.

Das gelbe, neoklassizistische Javellana-Gebäude aus dem Jahr 1922 wurde als Geschäftshaus errichtet. Heute ist unter anderem das alteingesessene Unternehmen Sarabia Optical hier eingemietet. Besonders dominant ist die dreigeschossige, blaue Fassade des früheren Luxushotels «Washington International».

Neuer Glanz in alten Mauern

In einer Nebenstrasse ist dafür in strahlendem Glanz ein neueres Hotel in alten, denkmalgeschützten Gemäuern entstanden: das «Goldberry Lite Hotel» mit seiner auffälligen Stirnseite, die von einer riesigen Uhr gekrönt wird. Es wurde 1933 von Eugenio Lopez Sr. gebaut, dem späteren Gründer des wichtigsten philippinischen Medienimperiums ABS-CBN. Der nannte es, nach dem Namen seiner Frau, Doña Pacita Building. 

Später war das Doña Pacita Building Sitz der Universität von Iloilo. 2008 sollte das Gebäude abgerissen werden, doch ein städtisches Förderprogramm für Denkmalschutz rettete es: 2018 eröffnete es neu als Hotel.

Am unteren Ende der Calle Real stehen einander, getrennt durch einen kleinen Park, das ehemalige Kino Regent und das alte Zollhaus gegenüber. Im schattigen Park treffen sich Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten der nahegelegenen höheren Bildungsanstalten. Sie essen aufgewärmte Nudeln aus Pappbechern. Zu Madonnas «Material Girl» studiert eine Gruppe aufgekratzter junger Frauen Tanzschritte ein.

Das «Regent» ist ein Prachtbau aus dem Jahr 1928 mit neoklassizistischer Fassade. Im Gebäude, längst kein Kino mehr, findet man heute Geschäfte, Schönheitssalons und Fast-Food-Restaurants.

Die alte Aduana, das Zollhaus von 1916, neoklassizistisch, mit Turm, beherbergt seit 2023 das Museum of Philippine Maritime History. In zwei Galerien wird die Tausende von Jahren alte Geschichte der philippinischen Seefahrt von den ersten Einbäumen bis zur heutigen Kriegsmarine, Personen- und Handelsschifffahrt nachgezeichnet. 

Zwei Beispiele: Auf dem Deckel des fast 3000 Jahre alten Manunggul-Gefässes sitzen zwei menschliche Figuren in einem Boot; der hintere rudert den vorderen auf dessen Reise ins Jenseits. Oder die berühmten spanischen Galeonen: Filipinos mussten sie für die Kolonialherren in sklavenähnlicher Arbeit in mehreren Schiffswerften, unter anderem bei Manila, bauen.

Die maritime Tradition des Landes mit mehr als 7600 Inseln wirkt bis heute ungebrochen nach: Rund ein Viertel aller Seeleute auf Passagier- und Cargoschiffen weltweit – schätzungsweise eine Viertelmillion Menschen – kommt von den Philippinen. Ein Land von gut 117 Millionen Einwohnern bildet das personelle Rückgrat der Weltschifffahrt. Die (oft mageren) Heuern dieser Männer und Frauen zählen zu den wichtigsten Devisenquellen des Landes.

Seltsame Symbiose von Mall und Markt

Wenige Schritte von der Calle Real entfernt, an der Ecke Iznart und Rizal, steht ein Komplex, den viele Ilonggos als Missgeburt betrachten: Der Iloilo Central Market, eröffnet 1912, mit einer Art-déco-Fassade von 1938, war das Gegenstück zu den edlen Kaufhäusern der Calle Real: ein Ort der täglichen Versorgung mit frischen und getrockneten Fischen und anderem Meeresgetier, mit Reis, Früchten, Gemüse.

2022 beschloss die Stadt, den Markt gemeinsam mit dem Immobilienkonzern SM Prime neu zu bauen. Die historische Fassade wurde demoliert, was Denkmalschützer erboste. Ende 2025 öffnete der Komplex wieder – nun mit angeschlossenem Einkaufszentrum, «SM at Iloilo Central Market» genannt.

Der Kontrast ist sofort spür- und riechbar: In der modernen, sauberen Markthalle reiht sich wie eh und je Fleischtheke an Fleischtheke, über denen grosse Stücke geschlachteter Tiere baumeln; Gemüsestand reiht sich an Gemüsestand; Fisch-Shop reiht sich an Fisch-Shop, und danach riecht es hier auch. Die Luft ist schwül.

Durch eine Glastür betritt man, gemustert von einem uniformierten Wachmann, den Mall-Trakt mit den üblichen Boutiquen und Ablegern von Ladenketten. Hier präsentieren sich unter einem Dach zwei grundverschiedene Iloilos: das eine feucht, ungeschminkt, für den täglichen Einkauf der einfachen Leute; das andere hell, kalt, steril und mit fast jeder anderen Mall zwischen Davao, Cebu und Manila austauschbar.

Ein Teil der Geschäftstätigkeit hat sich in den letzten Jahren von Iloilo Proper ins Quartier Mandurriao verlagert. Der Legende nach sollen hier einst zwei Krokodile namens Mandu und Riao um ihr Revier gekämpft haben. Mandurriao bestand einst aus Salzmarschen und Fischgründen; heute ist es Iloilos schickste Adresse mit Bürotürmen, modernen Hotels, Bars und Restaurants.

Eine Schweinerei zum Schluss

Bevor ich nach vier Tagen Richtung Boracay weiterreise, stürze ich mich in ein kulinarisches Abenteuer, das weder koscher noch halal ist, sondern im Gegenteil eine einzige Schweinerei: Im Restaurant Alicia in Mandurriao wird das klassische Batchoy serviert, eine Brühe aus ausgekochten Knochen mit Nudeln, Innereien vom Schwein und knusprigen Chicharrones, das sind in heissem Öl frittierte Schweineschwarten mit einer dünnen Fettschicht darunter.

Wenn das Chicken Inasal Bacolods Beitrag an die regionale Kulinarik ist, dann ist es in Iloilo das Batchoy. Doch während ich Iloilo als Stadt vorziehe, ist mir das Bacolod-Huhn eindeutig sympathischer.

Nach der Völlerei bei Alicia drängt sich ein Verdauungsspaziergang auf. Gut, dass die Esplanade nur wenige Meter entfernt ist. Die Iloilo River Esplanade ist mehr als neun Kilometer lang und verbindet auf ideale Weise das Nützliche mit dem Angenehmen: Sie wurde gleichzeitig als Hochwasserschutz und als Flaniermeile konzipiert und 2012 eröffnet.

Der gepflasterte, breite Weg für Spaziergänger, Familien, Jogger und Radfahrer, überschattet von Bäumen, eingebettet in Grünanlagen, ist ein städtisches Naherholungsgebiet par excellence. Die Flusssanierung, die dem Bau vorausging, hat Fischerei und Mangroven zurückgebracht. «Vor zwanzig Jahren hielt man die Nase zu, wenn man an den Fluss kam», sagt Moi lachend. «Heute sitzen wieder Angler an seinem Ufer.»

Wenn ich noch ein Argument gebraucht hätte, um Iloilo definitiv in die Rubrik der angenehmen Provinzstädte einzureihen, dann wäre es dieser langgezogene Park gewesen, eine Errungenschaft der Moderne, die für die Menschheit genauso bedeutend ist wie alte Kathedralen und koloniale Kontore.

Auf einen Blick

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Dauer
4 Tage
Wetter
Sommer
KulturellKulinarisch
  • Kathedrale und Glockenturm in Jaro
  • Calle Real / J.M. Basa Street
  • Museum of Philippine Maritime History
  • Iloilo Central Market
  • Batchoy bei Alicia
  • Iloilo River Esplanade
StadtKulturEssenGeschichteArchitektur
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