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Angeles City – provinzieller Sündepfuhl

Veröffentlicht: 27.05.2026

Flug
CEB → CRK
Cebu Pacific · 3h 30m · Economy
Unterkunft
Hotel Devera
Hotel · Angeles City
Essen
German Angels Bakery and Dining
German · $ · Frühstück
Sehenswert
Fields Avenue
Angeles City, Philippines
Sehenswert
Red Street
Angeles City, Philippines
Sehenswert
Sensation’s
Angeles City, Philippines
Essen
bayrischer Biergarten
German · $ · Abendessen
Attraktion
Holy Rosary Parish Church
Angeles City, Philippines
Museum
Museum für Sozialgeschichte der Philippinen
Angeles City, Philippines
Sehenswert
Pamintuan Palace
Angeles City, Philippines
Sehenswert
Clark Air Base
Angeles City, Philippines
Sehenswert
Hensonville Jeepney-Terminal
Angeles City, Philippines

Ich gehöre zu jener allmählich verbleichenden Generation, die sich noch an den Vietnamkrieg, die traumatischen Bilder aus dem Dschungel, die schamlosen Lügen der Präsidenten Kennedy, Nixon und Johnson und ihres Strategen Kissinger und die Massenproteste gegen das sinnlose Gemetzel erinnern können. Angeles City auf den Philippinen, knapp hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila, ist ein Relikt aus dieser Zeit.

In Angeles befand sich die Clark Air Base, einer der grössten US-Luftwaffenstützpunkte in Asien. Die Subic Bay ist auch nur 70 km entfernt. Die U.S. Naval Base Subic Bay war der logistische Dreh- und Angelpunkt für die 7. Flotte der US-Marine. Die 7. Flotte war das maritime Rückgrat der amerikanischen Kriegsführung in Vietnam und von Beginn der Eskalation 1965 bis zum dramatischen Ende zehn Jahre später im Einsatz. Vietnam liegt, quer über das Südchinesische Meer, 1200 km westlich von Clark und der Subic Bay.

Am 1. Juni flog ich mit Cebu Pacific von Cebu nach Angeles City. Wenn man sich nach den Nutzerkommentaren im Netz richtet, dürfte man die Billig-Airline nicht buchen: notorisch unpünktlich, schlechter Service, viele Ausfälle. Ich bin dreimal mit Cebu Pacific geflogen, zuerst von Davao nach Panglao, dann von Cebu nach Angeles und schliesslich weiter nach Bangkok.

Dieser Flug war besonders günstig: Die dreieinhalb Flugstunden kosteten 95 Euro inklusive meines schweren Reisekoffers, und ich ergatterte einen Sitz in der ersten Reihe und konnte mich bequem installieren. Alle Flüge waren pünktlich, die Flugzeuge von Airbus neu und sauber, der Service nicht schlechter als in den meisten Billig-Airlines, und ich erlebte weder Verspätungen noch Ausfälle.

Überbleibsel des Vietnamkriegs

Die Rolle, die Angeles City spielt, reicht zurück in die Zeit des Vietnamkriegs. In den 1960er und 1970er Jahren operierten Zehntausende von Soldaten von Clark und Subic Bay aus, und sowohl wenn sie kaserniert waren als auch wenn sie von Kriegseinsätzen zurückkamen, wollten sie sich austoben.

So formte die Militärpräsenz die lokale Wirtschaft. Einheimische Unternehmer öffneten Bars, Bordelle, Massagesalons, Nachtclubs. 1991 zogen die Amerikaner ab, nachdem der Ausbruch des Pinatubo-Vulkans mit seiner massiven Aschewolke die Basis schwer beschädigt hatte. Doch auch nach dem Abzug der letzten Amerikaner 1991 blieb diese Infrastruktur bestehen. Nur wurden jetzt ausländische Touristen und später auch Filipinos von den sündigen Verheissungen der Stadt angelockt.

Vergleich mit Pattaya

Ein Vergleich mit Pattaya in Thailand drängt sich auf. Auch Pattaya entwickelte sich ursprünglich wegen einem bedeutenden US-Stützpunkt, dem U-Tapao Royal Thai Navy Airfield, meist einfach «U-Tapao» genannt. Die Basis befand sich etwa 45 Kilometer südlich des damaligen Fischerdorfes Pattaya. Von U-Tapao aus flogen die amerikanischen B-52-Bomber einen Grossteil der verheerenden Bombenangriffe gegen Nordvietnam, Laos und Kambodscha. Zudem waren dort Tankflugzeuge stationiert. Direkt neben der Air Base bauten die Amerikaner Sattahip Port, einen riesigen Tiefwasserhafen und Logistikkomplex, über den tonnenweise Munition, Treibstoff und Nachschub für den gesamten Krieg importiert wurden.

Pattaya übernahm eine ähnliche Rolle wie Angeles City; als Vergnügungsstätte der Amis. Allerdings ist Pattaya viel grösser und fraglos integriert ins thailändische Tourismusangebot, während Angeles City den Ruf einer eher schmuddeligen Destination hat. Pattaya bietet eine vielfältige Palette touristischer Angebote auch ausserhalb der Sexindustrie: Strände, Luxushotels, Restaurants, das spektakuläre Sanctuary of Truth («Heiligtum der Wahrheit»). Im Vergleich wirkt Angeles City etwas schäbig und provinziell.

Zwischenbemerkung: Beide ehemaligen US-Basen, U-Tapao in Thailand und Clark auf den Philippinen, sind heute zivile Flughäfen. Jener von Clark ist modern, sauber und effizient, was man von Angeles City selber nicht sagen kann. Ich liebe solche Provinz-Flughäfen, wo man nicht in Menschenmassen erstickt, keine nervenaufreibenden Wartezeiten vor Check-in-Schaltern, Passkontrolle und Security absolvieren muss, sondern sich noch als reisendes Individuum fühlen darf.

Rotlicht in der «Red Street»

Ich stieg im Hotel Devera schräg gegenüber dem Hensonville Jeepney-Terminal ab. Das Hotel war ganz in Ordnung und mit 28 Euro pro Nacht auch nicht allzu teuer. Seine Lage hatte zwei Vorteile: Erstens gibt es gleich daneben ein deutsches Restaurant, German Angels Bakery and Dining, in dem man ausgezeichnet frühstücken kann. Und zweitens liegt das Devera Hotel in Fussdistanz zur Fields Avenue.

Ein Teil dieser Avenue, lokal zutreffend «Red Street» genannt, wird abends für den Verkehr gesperrt. Grelle Neonschilder lassen sofort erkennen, dass sich hier, mitten in der Stadt, das Revier der Nacht befindet.

Ich ging schon am ersten Abend hin und erlebte gleich einen Krimi: Mit Sturmgewehren bewaffnete Polizisten, einige von ihnen vermummt, überfielen gerade den Nachtklub «Sensation’s». Eine dichtgedrängte Menge schaute zu. Ich fragte eine Frau, worum es gehe. Sie zuckte mit den Schultern: «Drogen oder Minderjährige». Beides sind drängende Probleme in Angeles City (und anderen Rotlichtvierteln Südostasiens), und beides wird theoretisch mit langen Gefängnisstrafen geahndet, doch Behörden drücken vielerorts beide Augen zu.

In den Nachtklubs tanzen Frauen in Bikinis auf einer Bühne. Ich traf Marbie, eine etwa 35-jährige Frau. Sie war von der kleinen Insel Dinagat im Norden der Insel Mindanao nach Angeles City gekommen, um hier Geld zu verdienen.

Ich spielte Pool-Billard mit ihr, verlor die meisten Spiele, und sie erklärte mir das System: Wer sich im Nachtklub mit einer Frau unterhalten will, bezahlt ihr sogenannte Lady Drinks, die teurer sind als das normale Angebot, weil die Frau einen Teil der Einnahmen erhält. Wer sie mitnehmen will, bezahlt eine Bar Fine, eine Ablösesumme sozusagen, normalerweise etwa 50 Euro. Anders als in Thailand oder Kambodscha sind darin auch die weiteren Dienste der Frau enthalten. Die Bar behält 20, die Frau bekommt 30 Euro.

Am nächsten Tag hatte Marbie frei, und ich traf sie ausserhalb des Klubs. Sie zeigte mir ihr Quartier, wo sich das normale Leben abspielt: kleine Supermärkte, Strassenküchen, Friseure, kleine Kleiderläden. Abends wollte sie in einem bayrischen Biergarten essen, dessen Besitzer sich zu uns setzte und seine Geschichte erzählte. Seinen Namen habe ich vergessen, die Schweinehaxe und den Kartoffelsalat nicht .

Was es sonst zu tun gibt

Es gibt auch ein paar Sehenswürdigkeiten in Angeles City, dünn gesät allerdings: Die Kirche des Heiligen Rosenkranzes (Holy Rosary Parish Church) sieht aus wie ein italienischer Dom aus der Renaissance, wurde aber Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Gestiftet wurde die Kirche posthum von Don Angel Pantaleon de Miranda und seiner Frau Rosalia. Don Angel war 1829 an der Gründung der Stadt beteiligt gewesen. Diese wurde offiziell zu Ehren der Schutzengel benannt, doch vermutet man, dass darin auch eine Ehrerbietung an Don Angel enthalten war.

Das Palais Pamintuan wurde 1890 von einer anderen noblen Familie der Stadt erbaut: Mariano Pamintuan und Valentina Torres liessen es als Hochzeitsgeschenk für ihren Sohn Florentino errichten. Dieser wurde später Bürgermeister von Angeles. Nach einer bewegten Geschichte ist in der Villa seit 2015 beherbergt seit 2015 das Museum für Sozialgeschichte der Philippinen. Traditionelle Kleidung, Spiele, Musik und die philippinische Küche werden hier plastisch dargestellt.

Angeles City ist ein lebendes Erinnerungsstück an geopolitische Verwerfungen und Entscheidungen, die anderswo getroffen wurden. Während die spanische Kolonialzeit von 1565 bis 1898 in gewissen philippinischen Städten wie Cebu noch stark präsent ist, findet man in Angeles nur noch Spuren davon. Angeles hat seine heutige Form den Amerikanern zuzuschreiben, die sie nach ihren Bedürfnissen formten.

1898, nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, verkaufte Spanien die Philippinen nach 333-jähriger Kolonialzeit für 20 Millionen US-Dollar an die USA, nach heutiger Kaufkraft knapp 800 Millionen. Die Filipinos akzeptierten diesen Deal nicht und riefen die Unabhängigkeit aus. Doch nach einem neuen Krieg, diesmal Filipinos gegen Amerikaner, übernahmen die USA 1902 definitiv die Kontrolle über das Land und legten schon 1903 die spätere Clark Air Base als amerikanisches Militärgelände an.

In vielen philippinischen Gegenden gibt es sehr konkrete Erinnerungsstücke an die Präsenz der US-Truppen: Jeepneys. Diese äusserst unbequemen Kleinbusse wurden einst auf der Basis von zurückgelassenen US-Jeeps zusammengeschweisst. Sie sind bis heute im Einsatz und erinnern noch immer an den originalen Militär-Jeep – auch wenn auf vielen Kühlergrillen zusätzlich ein Mercedes-Stern prangt.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Budget
95 € gesamt
Begleitung
Allein
KulturellAbseits der Pfade
  • Flug mit Cebu Pacific von Cebu nach Angeles City
  • Hotel Devera nahe Hensonville Jeepney-Terminal und Fields Avenue
  • Red Street und Nachtklubs in Angeles City
  • Holy Rosary Parish Church
  • Pamintuan Palace / Museum für Sozialgeschichte der Philippinen
StadtKulturEssenGeschichteArchitekturTransit
  • Flug Cebu nach Angeles City95 €
  • Hotel Devera28 €
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