Baden auf Bohol
Zwischen den philippinischen Städten Davao und Cebu habe ich im Mai 2025 eine Woche Inselferien auf Bohol und Panglao eingeschoben.

Veröffentlicht: 23.05.2026




















Die Ankunft in Cebu City am 29. Mai 2025 war chaotisch. Ich hatte das Schnellboot namens Oceanjet 988 von Tagbilaran auf der Insel Bohol quer über die Meeresstrasse von Cebu genommen, ein gut zweistündiger, rasanter Wellenritt. Beim Ausladen der Koffer im Hafen von Cebu entstand ein unglaubliches Tohuwabohu; zeitweise fürchtete ich, in der drängenden Masse von Menschen erdrückt zu werden, die ihre Koffer aus einem amorphen Haufen von Gepäckstücken herauszufischen versuchten.
Die Ankunft war irgendwie symbolisch: Cebu, die Hauptstadt der gleichnamigen Insel und der ebenfalls gleichnamigen Provinz, die noch 167 weitere Inseln umfasst, ist die zweitgrösste Stadt der Philippinen. Cebu ist geschäftig und laut, in gewissen Quartieren schmutzig, von Motorfahrzeugen, vor allem Rollern, Jeepneys, Motorradtaxis und Tuk-Tuks verstopft und verpestet. Die Metropolitanregion ist rasant gewachsen, von rund 1,5 Millionen im Jahr 1990 auf inzwischen gegen drei Millionen.
Seit 500 Jahren katholisch
Cebus Geschichte ist dafür, wie so oft, äusserst spannend. (Leserinnen und Leser werden bereits bemerkt haben, dass ich gern in die Geschichte hinabsteige.) Schon vor 1521, als der Entdecker Ferdinand Magellan (der selber Portugiese war) im Auftrag der Spanier erstmals versuchte, das Gebiet zu erobern, war Cebu ein bedeutendes Handelszentrum namens Kangdaya gewesen. Hier lebten die indigenen Cebuano, und es herrschten die Rajahs (Fürsten) von Kangdaya.
Magellan scheiterte; er wurde in der Schlacht von Mactan getötet. Doch hinterliess er ein Erbe, das die Philippinen bis heute prägt: Rajah Humabon und seine Frau Hara Humamay, die den Namen Carlos und Juana annahmen, und rund 500 Einheimische liessen sich am 14. April 1521 von Magellans Kaplan katholisch taufen.
Dass sie den christlichen Glauben angenommen hatten, nützte weder ihnen noch den Spaniern: Nach dem Sieg über Magellan liess Humabon alias Carlos die überlebenden Spanier massakrieren. 44 Jahre später, 1565, kamen die Konquistadoren unter der Führung von Miguel López de Legazpi zurück, töteten etwa 500 Einheimische und brannten 1500 Häuser nieder.
Die Spanier gründeten ihrerseits eine Siedlung. Die Einheimischen hatten ihren Hafen «Sigu» genannt, «Ort des Handels», und die Ortschaft «Sugbo». Die Spanier verballhornten diese Namen zu «Cebú», womit sie fortan die Insel und die Provinz bezeichneten. Ihre Siedlung nannten sie «Villa del San Miguel de Cebu», das «Dorf des Heiligen Michael von Cebu». St. Michael war Legazpis Schutzheiliger.
Am 1. Januar 1571 änderte der Gouverneur den Namen der Stadt in «La Villa del Santísimo Nombre de Jesús» («Dorf des Heiligsten Namens Jesu»). Bei der Eroberung durch die Spanier 1565 wurde nämlich mitten in der abgebrannten Siedlung in einer intakten Holzkiste eine Figur des Kindes Jesus, «Santo Niño», entdeckt. Diese Statue war 1521 von Magellan der Königin von Cebu geschenkt worden, als sie sich taufen liess.
Die Kirche auf dem Platz, wo die Jesus-Figur gefunden wurde und heute aufbewahrt wird, die Basílica Minore del Santo Niño, ist die älteste römisch-katholische Kirche der Philippinen und die Wiege des Katholizismus im Land. Entsprechend spielt sie für philippinische Katholiken eine herausragende Rolle. Massen von Gläubigen pilgern zum Santo Niño, wie ich selber sehen konnte. Die Kirche ist voll; der Glaube wird intensiv zelebriert. Zudem steht Santo Niño im Mittelpunkt des jährlichen Sinulog-Festivals, das Millionen von Pilgern anzieht. Leider habe ich dieses farbenfrohe, laute, intensive Fest verpasst; es findet im Januar statt.
Im Zweiten Weltkrieg zerstört
Nur wenige Strassen weiter steht die Cebu Metropolitan Cathedral, Sitz des Erzbischofs. Nach Kriegen, Bränden und Erdbeben wurde die Kathedrale immer wieder aufgebaut. Die erste Kirche aus dem 16. Jahrhundert war ein einfaches Gebäude aus Holz, bedeckt mit Palblättern. Der Bau einer Steinkirche begann 1689, wurde aber erst in den 1780er-Jahren fertiggestellt, weil der spanischen Krone immer wieder das Geld ausging. Der Glockenturm kam 1864 hinzu.
1944 wurde die Kathedrale durch Bombenangriffe der Alliierten schwer beschädigt; nur die Fassade, der Glockenturm und einige Aussenmauern blieben stehen. Der heutige Zustand geht zu grossen Teilen auf die 1950er-Jahre zurück, als das Gebäude nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wieder aufgebaut wurde.
Cebu City wurde im Zweiten Weltkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogen. Im Mai 1942 wurde die Stadt von den japanischen Truppen fast vollständig zerstört; nur der Hafen blieb intakt. Bei der Rückeroberung der Philippinen durch amerikanische Truppen fanden zwischen März und Mai 1945 weitere schwere Kampfhandlungen statt. Während dieser Befreiungskämpfe starben Hunderte Zivilisten. Am 15. März 1945 traf eine amerikanische Bombe die Kathedrale.
Der erste einheimische Bischof von Cebu war übrigens Juan Bautista Gorordo (1862–1934). Er leitete das Bistum von 1910 bis zu seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 1931.
Wie Bischof Juan Bautista und seine wohlhabende Familie zur spanischen Kolonialzeit lebten, können wir Besucher hautnah im Casa Gorordo Museum erleben. Im Erdgeschoss, ursprünglich Lager und Garage für die Pferdekutschen, finden wir unter anderem eine Ausstellung historischer Transportmittel und landwirtschaftlicher Geräte und einen dreidimensionalen, interaktiven Stadtplan, der die Entwicklung von Cebu City vom 16. Jahrhundert bis 1945 dokumentiert.
Im Obergeschoss befanden sich die Empfangs- und Wohnräume der Familie, ausgestattet mit antiken Möbeln aus Edelhölzern. In der Caida, dem Salon, wurden Gäste begrüsst. Ein Esstisch im Comedor (Speisezimmer) ist gediegen mit antikem Silberbesteck, Porzellan, Kristallgläsern, alten Tonkrügen und Servietten und Tischtuch aus schwerem, weissem Stoff gedeckt. Geschlafen wurde in massiven Betten; kunstvoll geschnitzte Kleiderschränke standen ebenfalls in den Schlafzimmern sowie traditionelle Waschtische mit Spiegeln.
Die Casa Gorordo ist zudem das einzige erhaltene Herrenhaus der Region mit eigener, integrierter Kapelle. Hier hielt Bischof Juan Gorordo einst private Messen ab. Zu sehen sind jahrhundertealte religiöse Reliquien, Kruzifixe und Heiligenfiguren. Eine traditionelle Küche mit offener Feuerstelle, Tongefässen und historischen Back- und Kochutensilien und eine offene Terrasse auf der Rückseite des Hauses, von der man auf einen grossen Garten blickt, runden das Ensemble ab.
Denkmal für die Eroberer
Dass Magellan und die spanischen Konquistadoren trotz ihrer unrühmlichen Rolle bis heute kein negatives Image haben, belegt das Heritage of Cebu Monument. Erschaffen wurde das Tableau aus Beton, Bronze, Messing und Stahl vom renommierten philippinischen Bildhauer Eduardo «Ed» Castrillo.
Die monumentale Skulpturengruppe zeigt Szenen aus Cebus Vergangenheit: Indigene Ursprünge, Magellans Ankunft, die Taufe der ersten Christen, koloniale Kirchen und historische Persönlichkeiten - ein faszinierendes dreidimensionales Geschichtsbuch. An der eher schäbigen Häuserzeile gleich neben dem Monument wird die Gegenwart lebendig: Plakate feiern den Sieg des Ingenieurs Nestor Archival bei den Bürgermeisterwahlen, die bei meinem Besuch erst kurz zurücklagen.
Zur Verteidigung der Stadt und vor allem des Hafens bauten die Spanier noch im 16. Jahrhundert das Fort San Pedro, eine Festung aus Korallenstein. Hinter seinen dicken Mauern liegen heute ruhige Innenhöfe und Ausstellungen über die koloniale Vergangenheit. Kanonen blicken noch immer auf den Hafen. Bei meinem Besuch wurden zur Vorbereitung einer Hochzeitsfeier gerade weisse Baldachine, Tische und mit weissem Tuch verhängte Stühle aufgestellt.
Cebus «Taj Mahal»
Hoch über der Stadt thront der Temple of Leah. Die monumentale Anlage mit ihren Säulen, Löwenstatuen und breiten Treppen ist dem Parthenon in Athen nachempfunden und eine Art moderner Taj Mahal. Denn der reiche Geschäftsmann Teodoro S. Adarna Jr. (1938-2018) liess den Tempel als Denkmal «aus Liebe und Bewunderung für Leah Albino Adarna» errichten lassen, seine verstorbene Frau, mit der er 53 Jahre verheiratet war.
Die Frage, ob es sich beim Temple of Leah um «Grandeur und Schönheit» handelt, die laut Teodoro «hoffentlich für die nächsten 3000 Jahre erhalten bleiben werden», oder eher um monumentalen Kitsch, habe ich für mich noch nicht beantwortet. Was ich davon halte, ist eh unwichtig: Tausende von Besucherinnen und Besuchern jeden Tag sprechen für sich.
Unten am Fluss, zwischen Wolkenkratzern, Shopping Malls und der Küste, drängen sich mehrere Elendsviertel, zum Teil auf und neben Müllhalden. Etwa 300.000 Menschen sollen in diesen «informellen Quartieren» leben, sagt unser Guide.
Doch viel lieber als mit dem Elend lassen wir uns mit dem Reichtum konfrontieren: In den Hügeln oberhalb der Stadt ist ein exklusives, chinesisch geprägtes Villenviertel entstanden. Grosse Anwesen mit üppigen Gärten repräsentieren den Einfluss der chinesischen Gemeinde, die den Handel Cebus seit Jahrhunderten dominiert.
Mitten zwischen den prächtigen Residenzen steht auch der Cebu Taoist Temple mit seinen Drachenfiguren und Pagoden, 1972 von der chinesischen Gemeinschaft erbaut. Wir steigen über lange Treppen hinauf und geniessen die Ruhe und eine Panoramasicht über die ausufernde Metropole, deren Slums von hier aus nicht auszumachen sind.
