Angeles City – provinzieller Sündepfuhl
Am 1. Juni 2025 flog ich auf den Philippinen von Cebu nach Angeles City. Die Stadt gilt, ähnlich wie Pattaya, als Sündenbabel, ist aber viel schäbiger und provinzieller.

Veröffentlicht: 29.05.2026
Nach den Erlebnissen in den philippinischen Städten Davao, Cebu und Angeles brauchte mein von Eindrücken vollgeladenes Gehirn einen Reset. Ich flog deshalb am 6. Juni 2025 mit Cebu Pacific vom Clark International Airport in Angeles City nach Bangkok und nahm dort einen Überlandbus. Denn mein Rückzugsort für solche Situationen heisst Hua Hin. Hier, zweihundert Kilometer südlich der aufreibenden und aufregenden Metropole, findet sich ein Ort, der genau die richtige Mischung von Landschaft und Strand, Kultur, Kulinarik und Vergnügen bietet.
Golfer, zu denen ich nicht gehöre, finden zudem in der Umgebung fünf Golfplätze, von denen einige, wie mein Freund Christoph aus Bern begeistert vermeldet, durchaus Klasse haben. Sie schleppen dafür umfangreiche und schwere Ausrüsten rund um den Planeten. Der erste Golfplatz, der Royal Hua Hin Golf Course, wurde 1924 eröffnet, das legendäre «Railway Hotel» (heute «Centara Grand Beach Resort & Villas») schon zwei Jahre vorher. So verwandelte sich das einstmalige kleine Fischerdorf in ein mondänes Seebadeort.
Königliche Residenzen
Doch Hua Hin ist kein Ort geworden wie Pattaya, Patong oder Koh Samui, kein Magnet für die Massen, keine Hochburg der schnellen Reize, der kurzlebigen Vergnügungen und der eitlen Strandpromenaden. Es hat eine gewissen Gelassenheit bewahrt, einen Rest von Anmut und Würde.
Das liegt vielleicht daran, dass thailändische Könige Hua Hin Anfang des 20. Jahrhunderts als Standort für ihre Sommerresidenzen auswählten. Schon König Chulalongkorn, Rama V., der 1910 starb, hatte in Hua Hin ein Strandhaus auf exakt dem Grundstück besessen, auf dem heute das «Hilton Hua Hin Resort and Spa» steht. Doch die eigentlichen Palastbauten folgten erst in den 1920er-Jahren.
König Vajiravudh, Rama VI., liess 1923 den Maruekatayawan-Palast bauen, den er selber zusammen mit einem italienischen Architekten entworfen hatte. Rund zwanzig Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Hua Hin fand Rama VI. seinen Rückzugsort. Der in Sandhurst und Oxford ausgebildete Monarch hatte unter anderem einen Putsch junger Militärs überstanden, die ihn absetzen und die Monarchie abschaffen wollten.
Der König konnte seinen Holzpalast nur kurze Zeit nutzen: Zum ersten Mal verbrachte er den Sommer 1924 im neuen Palast, der für seine drei zweistöckigen Holzpavillons mit Meerblick bekannt ist und auch «Palast der Liebe und Hoffnung» genannt wird. 1925 kam er wieder, doch schon im November desselben Jahres starb Rama VI., erst 44 Jahre alt, an einer Darm- oder Blinddarmentzündung mit Blutvergiftung.
Vajiravudhs Bruder und Nachfolger, König Prajadhipok, Rama VII., gab kurz darauf einen neuen Palast in Auftrag, diesmal im eleganten Stil einer spanischen Villa mit thailändischen Elementen. Dieser Palast, Klai Kangwon («Fern der Sorgen»), direkt am Meer gelegen und in eine weitläufige Gartenanlage eingebettet, kann nicht besucht werden, im Gegensatz zum unwesentlich älteren «Holzpalast» von Rama VI., welcher für das Publikum geöffnet ist.
Von Hua Hin nach Bayern
Wegen der royalen Residenzen gilt Hua Hin bis heute als Sommerfrische des Königshauses. Dies, obwohl der gegenwärtige, 1952 geborene Monarch Maha Vajiralongkorn oder Rama X. Bayern bevorzugt. Er besitzt in Tutzing am Starnberger See die Villa Stolber; sein Hauptwohnsitz ist jedoch das «Grand Hotel Sonnenbichl» in Garmisch-Partenkirchen, von wo aus er einen grossen Teil seiner Regierungs- und anderen Geschäfte tätigt. Der König bewohnt das gesamte Haus zusammen mit seiner vierten Ehefrau, Königin Suthida, ehemalige Kommandantin seiner Leibgarde, seinem Hofstaat und seinen rund 30 Luxus-Pudeln.
Für die Königsfamilie wurde in Hua Hin ein Bahnhof gebaut, der regelmässig auf den Listen der weltweit schönsten Bahnhöfe auftaucht. Genutzt wird er aber nicht mehr, weil das Trassee der Bahn auf eine höhere Ebene verlegt wurde und Hua Hin eine moderne, zweckmässige Station bekam.
Wer den Hauptstrand von Hua Hin betritt, spürt nichts mehr von diesem königlichen Erbe. Der Sand ist hell und zieht sich kilometerlang an der Küste entlang. An gewissen Stellen wird er von abgerundeten Felsbrocken unterbrochen. Das erwähnte «Centara Grand» duckt sich diskret hinter einer Mauer und hinter Bäumen. Das 1993 erbaute «Hilton» hingegen dominiert mit seinen 18 Stockwerken weit herum sichtbar den Strand.
Thaifood und Pferdeäpfel
Am Morgen kommen die ersten Jogger und Schwimmer. Später besetzen thailändische Familien und Touristen die eher abgewetzt wirkenden Stühle und Strandliegen unter Sonnenschirmen, die sich an die Strandmauer vor dem «Hilton» ducken. Man kann hier in etwa 20 Abschnitten, die je von einer Familie betrieben werden, thailändisches Essen und Getränke bestellen. Es riecht nach gebratenem Knoblauch, Grillfleisch und frittiertem Reis. Wenn die Flut steigt, baden die vordersten Gäste ihre Füsse im Wasser; der Strand verschwindet dann fast komplett.
Wer hier promeniert, muss auch den Pferden und Ponys ausweichen, die, von ihren Treibern geführt, über den Strand trotten. Vor allem Kinder reiten im Schritttempo aus; Eltern machen begeistert Fotografien; manchmal hält ein Treiber einen Sack unter das Hinterteil seines Tieres, damit keine Pferdeäpfel auf den Sand fallen.
Etwas weiter südlich werden die Strände breiter und weniger bevölkert. Der Nuea Khao Takiab Strand zum Beispiel. Er wird von einem riesigen Felsenhügel dominiert. Ein steiler Weg führt hinauf zum Tempel, der von Hunderten von Makaken bevölkert wird. Die Affen sind flink und frech und haben es auf Essbares und Sonnenbrillen abgesehen. Oben steht eine riesige, weit herum sichtbare Buddha-Statue, die in der Sonne golden glitzert. Der Blick schweift über das Häusermeer von Hua Hin und die Hotel-Burgen an den Stränden.
Nach einer zwanzigminütigen Fahrt mit einem Tuk-Tuk aus Hua Hin erreicht südlich des Felsens mit der Buddha-Statue einen fast zehn Kilometer langen, sehr breiten Strand. Ein Abschnitt heisst ebenfalls Khao Takia; er geht nahtlos in den Khao-Tao-Strand über. Dieser wird vom gleichnamigen Fischerdorf begrenzt, das an einer Lagune liegt. Im Wasser dümpeln die grün und rot gestrichenen Kutter, mit denen Tintenfische gefischt werden. Ihre hölzernen Ausleger sind mit Glühbirnen bestückt. Nachts kann man sie vom Strand aus als glitzernde, grüne Lichtpunkte am Horizont beobachten; sie locken so die Beute an.
Über dem Meer, am Fuss eines weiteren Hügels, krallt sich ein verschachtelter Tempelkomplex an den bewaldeten Abhang, der Wat Tham Khao Tao. Der Name «Khao Tao» bedeutet «Schildkrötenhügel» und bezieht sich auf die Schildkröten, die einst in dieser Region heimisch waren. Rund um den Tempel entdecken wir künstlerische Darstellungen dieser faszinierenden Tiere.
Wer mehr über die Tempel in und um Hua Hin lesen möchte: ich habe in meinem Blog «Bars und Tempel in Hua hin», der sich auf Januar 2025 bezieht, ausführlich darüber geschrieben.
