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Einmal um den Globus

Nationalpark Torres del Paine

Nach unserem - zugegeben sehr kurzen - Aufenthalt im heißen und trockenen Norden Chiles machen wir uns per Flugzeug auf in den Süden, um Chiles Patagonien zu entdecken. Wir hatten schon von Deutschland aus die Tickets und Zeltplätze im Torres del Paine Nationalpark gebucht, daher ist unser Eintrittsdatum fest. (Als Tipp für alle, die diesen Park besuchen möchten: Das Buchen aus Deutschland ist ein Graus, da drei verschiedene Anbieter die Zeltplätze verwalten, aber doch notwendig. Wir wurden zwar nicht ausgiebig kontrolliert, waren aber auch noch kurz vor der Hauptsaison dort. Es ist aber wohl auch möglich, die Treks vor Ort zu buchen, allerdings würden wir uns nicht darauf verlassen. Und Tagesausflüge sind zumindest in unsern Augen keine wirkliche Alternative!).

Auf dem Weg zum Nationalpark haben wir noch zwei kleine Zwischenstationen. Die erste ist Punta Arenas, wo wir landen und noch den Vormittag verbringen. Die Zeit nutzen wir für ein ausgiebiges Frühstück und einem Spaziergang entlang der Strandpromenade. Das Gepäck können wir glücklicherweise im Busterminal lassen. Wirklich viel gibt es in der 130.000 Einwohner großen Stadt nicht zu sehen, sodass die paar Stunden durchaus reichen. Rund um den Plaza de Armas gibt es einige Paläste von einstigen Schafsbaronen zu betrachten. Von der Uferpromenade kann man die Magellanstraße und Nordküste Feuerlands erblicken. Die Stadt ist zudem Ausgangspunkt für alle Exkursionen nach Feuerland und zum Kap Hoorn. Politisch erlangte die Stadt Bedeutung im Wettstreit mit Argentinien um die Erstbesetzung der Südspitze des Kontinents.

Blick auf Feuerland von der Uferpromenade aus

Die nächsten drei Stunden verbringen wir im Bus nach Puerto Natales. Dort angekommen kaufen wir nur noch eine Kleinigkeit zu Essen und dann geht es ab ins Bett, da wir aufgrund des 5-stündigen Aufenthaltes am Flughafen in Santiago letzte Nacht nur sehr wenig Schlaf bekommen haben. In Puerto Natales verbringen wir noch den nächsten Tag und die nächste Nacht. Den Tag nutzen wir wieder, um den kleinen Ort (rund 25.000 Einwohner) ein bisschen zu erkunden und um uns für den Trek vorzubereiten – also hauptsächlich Essen einkaufen. Der Ort an sich ist sehr verschlafen. Die Touristen kommen eigentlich ausschließlich um von dort aus den Nationalparks Torres del Paine zu besuchen. So tummeln sich viele Hostels und Restaurants in den kleinen Straßen der Provinzstadt, der Supermarkt hat alle erdenklichen Sorten an Tütensuppen und Instantnudeln im Regal und an der Hostelrezeption sind Bustickets zum Park und Gaskartuschen zu erwerben.

Altes Schiffswrack am Hafen von Puerto Natales

Am nächsten Morgen geht um halb 8 der Bus zum Nationalpark. Es entsteht ein bisschen Hektik, da vier Mädels seit 6 Uhr die beiden Bäder blockiert haben und meinen sie müssten alle noch ausgiebig heiß duschen -.- das Hostelleben kann so schön sein.

Im Park angekommen geht es mit einem Katamaran weiter zum Ausgangspunkt der Wanderung. Es gibt drei Möglichkeiten den Park zu erkunden: den W-Trek, den O-Trek und Tagesausflüge. Wir haben uns im September, als wir die Campingplätze gebucht haben, dazu entschlossen den W-Trek zu machen. Da schon einige Zeltplätze nicht mehr verfügbar waren, sind wir nun sechs statt der vorgeschlagenen vier Tage im Park um das „W“ zu gehen. Es sollte unser Schaden nicht sein, aber dazu später.

Am ersten Tag stehen ca. 9km auf dem Programm, denn wir wandern vom Paine Grande Camp, an dem die Fähre anlegt, zum Refugio Grey nah des gleichnamigen Gletschers. Die erste Nacht verbringen wir gezwungenermaßen in dem sehr luxuriösen, aber auch sehr teurem Refugio Grey. Gezwungenermaßen, da der Campingplatz im September schon nicht mehr verfügbar war, luxuriös, da mit Kamin und edler Bar im Eingangsbereich. Trotz der 80$, die uns diese mit Abstand teuerste Übernachtung auf unserer Reise bisher kostet, teilen wir unser Zimmer mit zwei weiteren Gästen.

Am Abend gehen wir noch zum Aussichtpunkt in der Nähe des Refugios. Dort können wir den Grey-Gletscher das erste Mal aus nächster Nähe sehen. Während des Weges zum Refugio konnten wir immer wieder einen Blick auf ihn werfen, doch von nah wirkt er noch viel gigantischer und das tiefe Blau des Eises noch klarer. Der Grey Gletscher kalbt in den Lago Grey, einen der größten Seen im Park. Wie viele andere Eisgiganten schmilzt der Grey seit Jahren und verliert jedes Jahr mehr von seiner Eismasse - der Klimawandel ist hier definitiv nicht zu leugnen.

Ein erster Blick auf den Lago Grey und den Gletscher der ihn speist
Ein erster Blick auf den Lago Grey und den Gletscher der ihn speist
Laurita vorm Gletscher
Laurita vorm Gletscher

Für den zweiten Tag haben wir uns vorgenommen noch ein Stück näher an den Gletscher heranzugehen, bevor wir dann wieder zurück zum Camp Paine Grande für die zweite Nacht gehen. Auf dem Weg dorthin müssen wir zwei Hängebrücken überqueren. Die zweite stellt sich als Endgegner für Laura heraus – zu hoch und zu lang. So mache ich mich allein auf den Weg zum Aussichtspunkt, welcher kurz hinter der Hängebrücke liegt und werde mit einem tollen Blick auf das ganze Eisfeld des Grey Gletschers belohnt.

Hängebrücke Nr. 1 - die kürzere
Hängebrücke Nr. 1 - die kürzere

Das Eisfeld des Gletschers, das sich an dieser Stelle in drei Zungen aufteilt

Abends im Camp wird noch gekocht und geduscht. Die versprochenen warmen Duschen bleiben aus, weshalb sich das Duscherlebnis sehr kurz gestaltet. Immerhin gab es wohl ein paar Damen, die noch heißes Wasser hatten. Also Tipp an alle, die noch gehen wollen: So früh wie möglich duschen!

Das Refugio Paine Grande mit seinem Campingplatz rechts daneben

Abendlicher Blick auf den Pehoé See

Der dritte Tag hält wenig Herausforderndes für uns bereit. Wir haben lediglich eine Strecke von 2,5h zum Campartamento Italiano (eines der kostenfreien Camps im Park) zu wandern. Allerdings ist dies auch gar nicht so verkehrt, denn Laura hat mit einer Erkältung zu kämpfen – nicht die besten Bedingungen für einen 6-tägigen Campingausflug. Es ist ein sehr schöner Tag und wir genießen die freie Zeit, um uns am Ufer des Flusses zu sonnen.

"Waschmöglichkeit“ und Trinkwasser vom Campingplatz – die Aussicht ist jedoch phänomenal

Heute wird eine etwas kürzere Nacht. Wir haben uns entschlossen nachts aufzustehen und uns den patagonischen Sternenhimmel anzuschauen und werden mit einem Blick auf die Milchstraße belohnt. Obwohl es mitten in der Nacht ist (gegen 2 Uhr auf den Foto) ist am Horizont noch immer ein Rest Licht. Die Nächte sind sehr kurz hier im patagonischen Sommer und wirklich finster wird es kaum.

Der nächtliche Himmel über dem Camp Italiano

Am vierten Tag haben wir eigentlich nur 2km zum nächsten Camp zu gehen. Allerdings wollen wir noch zum Aussichtspunkt Valle de Frances, welcher rund 10km von unserem Camp entfernt liegt. Leider ist das Wetter nicht mehr ganz so gut wie am Tag zuvor und einige Wolken trüben den Ausblick vom Aussichtpunkt aus.

Zwei Waldbrände, 2005 und 2011, zerstörten weite Teile des Parks. Heute zeugen noch silbergraue Wälder abgestorbener Bäume davon.
Zwei Waldbrände, 2005 und 2011, zerstörten weite Teile des Parks. Heute zeugen noch silbergraue Wälder abgestorbener Bäume davon.

Am Ende des Valle Frances erwartet uns dieses tolle Bergmassiv

Die Aussicht zurück ins Tal ist umwerfend, auch wenn der ewige Westwind pfeift
Der Campingplatz Frances ist sehr schön angelegt. Man bekommt eine Plattform zugewiesen, auf der man sein Zelt aufschlagen kann. Beim Abendessen haben wir das Glück, dass wir einem Magellanspecht bei der Arbeit zuschauen können.
Platform im Camp Frances
Plattform im Camp Frances
Ein Magellanspecht - am roten Kopf erkennt man das Männchen
Ein Magellanspecht - am roten Kopf erkennt man das Männchen

Zu unserem letzten Campingplatz im Park gehen wir rund 6,5h. Am heutigen Tag zeigt uns der patagonische Westwind mal, was er so drauf hat. Sturmböen fegen über den See, an dessen Seite wir entlanglaufen, und wirbeln das Wasser auf.

Der Wind peitscht das Wasser auf und zaubert lauter Regenbögen
Der Wind peitscht das Wasser auf und zaubert lauter Regenbögen

Nicht nur einmal werden unsere Rucksäcke vom Wind erfasst und zwingen uns unfreiwillig 2-3m extra Meter nach links oder vorne zu machen. Gott sei Dank ist der Weg relativ breit und es geht an den Seiten nicht steil bergab.

Für den vorerst letzten Tag beschließen wir zu den Torres, wenn man so will der Hauptattraktion im Park, hochzusteigen. An unserem Zeltplatz strahlt die Sonne und wir sind sehr optimistisch!

Am Torres schneit es und am Zeltplatz ist bestes Wetter
Am Zeltplatz ist bestes Wetter - kaum zu glauben, dass es an den Torres schneit!


Der Aufstieg stellt kein großes Problem dar. Es sind lediglich 800 Höhenmeter zu meistern und nur der letzte Kilometer führt etwas steiler den Berg hinauf, also nicht der Rede wert. Gerade auf diesem letzten Kilometer staut es aber sich auf Grund der vielen Tagestouristen und wir stehen tatsächlich im Stau! Endlich oben angekommen fängt es allerdings an zu schneien-.- Der Wind pfeift eisig um unsere Ohren und zu allem Überfluss sind die Torres komplett in den Wolken verschwunden. Frierend und etwas wehmütig steigen wir wieder zum Camp hinab.


Keine Sicht, aber wir waren da!
Keine Sicht, aber wir waren da!


Da uns noch ein Tag im Park bleibt und das Wetter für den nächsten Tag eine bessere Aussicht auf die drei Türme verspricht, breche ich am nächsten Morgen früh um halb 6 erneut auf zu den Torres. Laura nutzt den Tag, um sich von der Erkältung zu erholen, die letzten Tage waren nicht gerade förderlich für eine schnelle Genesung. Bei den Torres oben angekommen bietet sich ein toller Blick, wenn auch nicht ganz wolkenfrei (der kleinste Turm ist wohl sehr oft in den Wolken). Erfreulicherweise finden sich um die frühe Uhrzeit auch kaum Tagestouristen oben wieder. Maximal 15 Leute sind oben bei den Torres und so genießen wir die schöne Aussicht in kleiner Runde.

Zum Glück haben wir einen Tag länger!
Zum Glück haben wir einen Tag länger!


Nach dem Abstieg zum Camp packen wir dann nur noch alles zusammen und machen uns auf den Weg zurück nach Puerto Natales. Alles in allem waren wir richtig begeistert vom Torres del Paine Nationalpark. Er hat wirklich alles zu bieten: von Gletschern, eisigen und hellblauen Seen und Lagunen, Wäldern und Wiesen über unwirkliche, silbergraue Landschaften voller abgestorbener Bäume und wundervollen Bermassiven ist alles dabei. Wer Abwechslung sucht und gerne wandert, ist hier absolut richtig. Natürlich ist dieser Park schon lange kein Insidertipp mehr und wer Abgeschiedenheit und Ruhe in der Natur sucht, ist hier eher falsch. Die haben wir bisher nur im Huascaran Nationalpark in Peru gefunden. Aber nichts desto trotz, Chiles Patagonien ist wunderschön und artenreich und hält hinter jeder neuen Kurve eine neue, atemberaubende Aussicht bereit!


#chile#patagonien#wtrek#torresdelpaine#wandern

Kommentare

Halmut
Hallo, wie lange dauert denn der Weg vom Refugio Grey bis zu den beiden großen Hängebrücken am Glacier Gray und zurück? Wir haben nur eine bestimmte Zeit, bis unser Boot kommt. Vielen Dank

Dinge, die du vor Ort erleben kannst: