Quito
Nach den entspannten Tagen in der Einöde mit Sack und Pack an die Panamericana gestellt und nach nicht einmal 30 Sekunden hält der erste Bus und kutschiert einen die 1,5 Stunden...


Veröffentlicht: 22.01.2025













































Colin, mit dem ich längere Zeit in Bolivien und Chile verbrachte, befand sich für eine Weile in Guatemala und nach etwas Chatterei und der Flugroutenrecherche nach Zentralamerika, entschied ich mich für eine kurze Unterbrechung meiner Südamerikareise gen Norden und einen zweiwöchigen Aufenthalt in El Salvador und Guatemala. Für einen Flugpreis von knapp 100 Euro für die Strecke Quito – Bogota – San Jose und nach einer Nacht Aufenthalt weiter nach San Salvador muss man hier nicht zweimal nachdenken und der Stopp in Costa Rica wurde natürlich von mir so gewählt bzw. gelegt, um noch das Pokalhalbfinale von Alajuelense gegen den Rivalen aus Herediano (2 der großen Vereine aus Costa Rica) anzuschauen und am nächsten Tag entspannt weiter nach El Salvador zu fliegen. So zumindest in der Theorie.
Also in Quito am Vorabend noch einen Rucksack im Handgepäckformat für 25 USD erworben (meinen großen Rucksack wollte ich nicht mitschleppen und der Daypack, den ich in Santiago erstand war leider zu klein), den größeren Rucksack gratis im Viajero-Hostel deponiert (Top-Service!!), Ticket erworben und früh am Morgen per Uber zum Flughafen außerhalb Quitos kutschieren lassen. Dass sich mein Uber-Fahrer bei einem wilden Fahrmanöver die komplette Heckpartie inklusive Stoßstange aufriss, bleibt bei der Anreise nur eine Randbemerkung. Ich blieb höflich dem Fahrer gegenüber und tat so als ob ich nichts bemerkte – Haha!
9:15 Uhr sollte Abflug sein und als ich 30 Minuten vorher am Gate ankam, bemerkte ich, dass der Flug auf 10:30 Uhr verschoben wurde. Bei einer Flugdauer von 1,5 Stunden und dem Weiterflug um 13:35 Uhr von Bogota also immer noch genügend Puffer. Zudem beide Flüge über Avianca als Connection gebucht und somit muss sich die Airline im Worst Case um den Weiterflug kümmern. Das Spiel war Abend um 21:00 Uhr und ich hatte im Prinzip alle Zeit der Welt.
Als sich gegen 11:00 Uhr noch immer nix tat und noch nicht mal der Eisenvogel zum Weiterflug bereit stand, wurde ich langsam etwas nervös, ob denn mein Plan so aufgehen würde. Nach einer Dreiviertelstunde weiterem Warten ging es dann endlich los und der Flieger hob ab. Der Puffer in Bogota war allerdings nun auf unter 30 Minuten geschwunden und ich fragte während des Fluges die Flugbegleiterinnen, ob es möglich sei, auf Grund des nun äußerst knappen Anschlusses als Erstes das Flugzeug zu verlassen. Die äußerst netten Damen halfen mir direkt, setzten mich auf einen der freien Plätze in den vorderen Reihen, holten meinen Rucksack nach vorn und meinten, ich soll direkt nach Andocken am Terminal ganz nach vorn kommen, damit ich unmittelbar den Flieger verlassen kann. Richtig gut, gesagt – getan und ich verließ unmittelbar nach dem Öffnen der Tür die Maschine. Noch kurz freundlich bei den Damen bedankt und losgerannt – Restzeit bis Abflug waren 15 Minuten. Natürlich befand sich das Abfluggate am anderen Ende des nicht gerade kleinen Airports in Bogota. Also im Vollsprint einmal über das komplette Gelände gerannt, an der Schlange der nochmaligen Sicherheitskontrolle vorbeigequatscht und völlig durchgeschwitzt am Abflugsgate angekommen, an dem sich genau noch eine Person am Einstieg zum Weiterflug nach San Jose befand. Punktlandung – so dachte ich. Der Dame kurz mein Ticket unter die Nase gehalten und direkt ein „Gate Closed“ entgegnet bekommen. What?! Der andere Passagier befand sich noch direkt neben mir und das Gate war offensichtlich noch geöffnet. Ich fragte freundlich, wo das Problem sei und erklärte meine verspätete Ankunft mit dem Verschulden des Arbeitgebers der grantigen Dame. „Gate closed“ entgegnete Sie mir abermals. Boah was für eine bescheuerte Nummer. Ich könnte dies ja irgendwie noch verstehen, wenn ich das alles mein eigenes Verschulden wäre aber mit der Verspätung der Airline sollte das Verständnis und die Bereitschaft doch vorhanden sein, den verschwitzten und aufgebrachten Passagier noch passieren zu lassen. Aber nein – die olle Hexe blieb konsequent und lies mich tatsächlich nicht mehr boarden. Aufgebracht äußerte ich lautstark meinen Unmut während sie mir ein Weiterflugticket für 22 Uhr in die Hand drückte, inklusive 2 Verpflegungsgutscheine für je 20.000 Pesos (ca. 4 Euro). Was für eine Frechheit. So sieht also Kundenservice bei Avianca aus. Drecksairline. Und jetzt stand ich hier mit 2 Gutscheinen in der Hand und durfte mir den gesamten Tag auf diesem sinnlosen Flughafen um die Ohren schlagen. Und das Spiel, für das ich den Stopover in San Jose eingeplant hatte, fiel natürlich auch ins Wasser. Richtig top! Genervt ohne Ende setzte ich mich in eines der Restaurants, nur um natürlich festzustellen, dass die von Aviance ausgehändigten Gutscheine natürlich nicht im Ansatz ausreichten um sich an einem Flughafen mit der für den Tag benötigten Nahrung auszustatten. Der Tag war im Sack aber ich akzeptierte und schlang den viel zu teuren Flughafenfraß herunter, für den ich auch noch draufzahlen musste. Alles in allem natürlich in der Abwicklung eine absolute Frechheit der Airline, die ich aber wohl oder übel akzeptieren musste. Den Rest des Tages noch am Airport rumgelungert und wenigstens ein paar nette Gespräche geführt bevor ich dann für eine kurze Nacht nach San Jose weiterflog.
Am nächsten Morgen lief dann glücklicherweise alles nach Plan und um kurz nach dem Mittag landete ich dann endlich in El Salvador und es war heiß. Sauheiß sogar, also erstmal auf kurze Klamotten umgekleidet und im Chicken Bus vom Flughafen ins Zentrum der Hauptstadt gefahren. Chicken Bus halt einfach das Beste Transportmittel in Zentralamerika – spottbillig kann man sich hier in ausgemusterten amerikanischen Schulbussen für einen schmalen Taler in die entlegenste Ecke fahren lassen. In El Salvador heißt das, für einen Dollar. Jede Fahrt im Chicken Bus kostet irgendwie einen Dollar. Um genau zu sein, 97 Cent oder 1,04 Dollar oder irgendwas in den Sphären aber man gibt immer den glatten Betrag. Einfach herrlich und auch wenn der Dampfer gefühlt alle paar Minuten anhält, um Leute auf- oder abzuladen, so ist das für mich hier in der Ecke definitiv das Beste Transportmittel. Die Busse sind zudem immer schön dekoriert – von innen und von außen und so wird auch die kürzeste Fahrt irgendwie zu einem Erlebnis. In San Salvador angekommen wird zu Fuß die Stadt erkundet und das Hostel bezogen. Die Stimmung ist entspannt und das Hostel wild. Eine absolute Freakshow, wie sich später noch herausstellen sollte. Hatte irgendwie was von einem Irrenhaus und ich fühlte mich ein bisschen wie im Klassiker „Einer flog übers Kuckucksnest“ mit Jack Nicholson. Eine absolut wilde Ansammlung verrückter Gestalten. Einfach herrlich. Während meiner 2 Nächte hier musste ich mich mehrfach kneifen, ob sich das jetzt wirklich so abspielte oder ob das alles einfach eine Kulisse ist. Teils wunderbare Situationskomik und nur schwer für den Unbeteiligten wiederzugeben. Die Gäste im Hostel waren unter anderem eine ältere Dame aus Jamaika, die gefühlt den ganzen Tag im Liegestuhl saß, eine fette Zigarre nach der anderen rauchte und währenddessen auf ihrem Tablet 24-7 Geld auf irgendwelchen Slotmachinen im World Wide Web verzockte. Auch gab es einen älteren Russen, der mit offenem Hawaii-Hemd bewaffnet sich schon früh am Morgen Vodka aus Flaschen verabreichte und wohl einen guten Draht zum Betreiber des Hostels hatte, der wiederum der ganzen Geschichte beiwohnte und mehrfach am Tag mit dem Auto stockbesoffen zusammen mit Sergej Nachschub aus dem nur 200 Meter entfernten Kiosk einholte. Ob die ganzen Scharten und Dellen an der Limousine in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den Sufffahrten stehen, lässt sich nur vermuten. Weitere Gäste des Hostels waren ein ca. 150 Kilogramm schwerer El Salvadorianer, der den halben Tag im Bett verbrachte und irgendeine einheimische Cola in größeren Mengen aus 3-Liter-Flaschen trank und ein französisch-bolivianisches Gespann Individualreisender. Der recht junge Franzose und der 55-jährige Bolivianer waren ein echt sehr abenteuerliches Paar. Lustige Typen, eigentlich den ganzen Tag betrunken und der Bolivianer wohl ein Film-Regisseur angeblich mit einem Auftritt bei den Filmfestspielen in Cannes. Verifizieren konnte ich das nicht, der Herr besaß allerdings einen außergewöhnlich schwarzen Humor und hatte während meines Aufenthalts nur ein T-Shirt an, mit der Aufschrift: „I am not Gay, but 20$ is 20$“ - ein herrlicher Typ. War auf jeden Fall, umgeben von den ganzen Freaks, ein wirklich sehr kurzweiliger Aufenthalt hier im Herzen von San Salvador. Allgemein ist die Hauptstadt sehr entspannt und man kann sich recht sicher frei bewegen. Und das ist neu in El Salvador. Vor ein paar Jahren noch galt das Land als eines der gefährlichsten Länder der Welt und San Salvador als das Epizentrum des Ganzen. Einfach so durch die Stadt wandeln unmöglich, so berichten mir die Einwohner. Das komplette Land war jahrelang in Geiselhaft von Straßengangs, den sogenannten Maras. Durch jahrelangen Bürgerkrieg in vielen lateinamerikanischen Ländern flüchteten zahlreiche Lateinamerikaner in die USA. Dort machten die Immigranten Erfahrungen mit den dortigen Gangs. Um sich gegen die Gewalt der vorherrschenden Gangs zu schützen, gründeten die oftmals noch Jugendlichen und Kinder ihre eigenen Gangs, ausschließlich aus Latinos. Hauptsächlich durch Armut, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und die schlechten Zukunftsaussichten schlug die anfängliche Intention, sich zu schützen, in offensive Gewalt und Terror um. Die ersten der sogenannten Maras wurden in den 80er-Jahren im Großraum Los Angeles gegründet und sorgten schon bald für Angst und Schrecken unter der einheimischen Bevölkerung. Bedingt durch die schlechter werdende Situation in den USA verfolgte die Regierung der Vereinigten Staaten Mitte der 90er-Jahre ein Null-Toleranz-Strategie und es wurden tausende Jugendliche bei dem kleinsten Vergehen in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Das Problem der Gangs verlagerte sich nun hauptsächlich auf den zentralamerikanischen Raum und in kürzester Zeit vervielfachten sich die Mitgliederzahlen. Man kann sich das wohl als Außenstehender kaum vorstellen, wie hier das Leben für normale Bürger für viele Jahre ausgesehen hat aber die Maras bestimmten in großem Maße den Alltag der Menschen und der bedeutete Gewalt, Terror und Mord & Totschlag. Die verfeindeten Banden (hauptsächlich Mara 18 und MS-13) bekämpften sich mit roher Gewalt im öffentlichen Raum. Neben Kollateralschäden kam es auch zu ständigen Übergriffen gegenüber den Sicherheitskräften und der Bevölkerung. Der Staat wahr machtlos oder unternahm nichts. Teils aus Angst vor den Gangs, teils weil selbst mit in die Geschäfte verstrickt. Eine Frau in Santa Ana berichtete mir davon, dass die Gangs aktiv Nachwuchs aus der Bevölkerung rekrutierte und es an der Tagesordnung war, dass wenn der eigene Nachwuchs das Teenager-Alter erreichte, es irgendwann an der Haustür klingelte und die Gangs um die Mitgliedschaft der Hernwachsenden buhlte. In dem Fall gab es nur genau zwei Optionen: Man stimmte zu und verlor seine Kinder an die brutalen Gangs oder man lehnte ab, mit dem Resultat, dass die Maras komplette Familien auslöschten. Und das ist nicht übertrieben sondern war wohl noch bis vor kurzer Zeit gängige Praxis in El Salvador. Da bleibt einem der Mund offen stehen, wenn man solchen Storys aus erster Hand lauscht. Ein absoluter Wahnsinn.
Die Frage stellt sich, was hat sich geändert in den letzten Jahren in El Salvador und die Antwort darauf hängt mit dem aktuellen Präsidenten zusammen. Nayib Bukele scheint wohl alles andere als ein lupenreiner Demokrat, hat sich aber zu seinem Amtsantritt 2019 beim Thema Bandenkriminalität einen Sicherheitsplan zur Bekämpfung der Gewalt auf die Fahnen geschrieben. Durch eine Politik der harten Hand sank die Mordrate bereits kurz nach seinem Amtsantritt erheblich und nachdem im März 2022 durch das Aufbegehren der Maras an einem Tag im Großraum San Salvador 62 Morde gezählt wurden, verhängte Bukele den Ausnahmezustand und intensivierte das Vorgehen gegen die Gangs. Im weiteren Verlauf des Jahres eskalierte die Lage weiter und die Staatsmacht ließ bis November 2022 bis zu 60.000 mutmaßliche Gangmitglieder festnehmen. Etwa 75 km außerhalb der Hauptstadt wurde zudem ein neues Supergefängnis eröffnet, mit Platz für bis zu 40.000 Häftlinge, streng bewacht vom Militär und ein Großteil der Kriminellen wurde in diesem Knast inhaftiert. Zur Festnahme reicht manchmal das bloße zur Schau stellen von Tattoos (ein Markenzeichen der Maras) und mit Sicherheit sind auch einige Unbeteiligte mit ins Gefängnis gewandert, was auch von Menschenrechtsorganisationen kritisiert wird. Mit Hilfe des Militärs wurden Großrazzien durchgeführt und das Parlament legitimierte Prozesse für bis zu 900 Personen gleichzeitig. Bis Oktober 2023 wurden insgesamt über 100.000 Menschen inhaftiert, was ungefähr 1,6 % der gesamten Bevölkerung entspricht. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Im Verhältnis gesetzt zur deutschen Bevölkerung würde das bedeuten, dass 1,3 Millionen Menschen ins Gefängnis wandern. Ein Wahnsinn aber anscheinend das richtige Mittel, wenn man die Menschen im Land befragt. Diese sprechen ausschließlich positiv über ihren Präsidente und natürlich kann ich das absolut nachvollziehen. Wie krass zum positiven sich doch das Leben hier im Land gewandelt hat. Ganz normal bin ich bei jeder Tages und vor allem auch Nachtzeit durch die Straßen von San Salvador gewandelt, ohne auch nur den Hauch eines Gefühls von Unsicherheit. Das war wohl auch am Tage teilweise bis vor ein paar Jahren noch absolut unmöglich. Irgendwo im Park sitzen und mit Freunden oder Nachbarn einen Kaffee in der Sonne genießen – ebenfalls unmöglich. Das freie Bewegen im Land ist komplett neu und man merkt den Einwohnern das neue Lebensgefühl spürbar an. Die Menschen sind unfassbar freundlich und erfreuen sich an den Besuchern und dass es für Touristen neuerdings möglich ist, ihr Land zu erkunden. Man merkt die Freude und den Stolz in den Gesichtern und nur noch vereinzelte Relikte, wie völlig vergitterte Restaurants, Shops und Kioske und schwerbewaffnetes Sicherheitspersonal vor den Tankstellen und Geschäften (man kann ein illustres Arsenal an allerlei großkalibrigen Waffen bewundern, von der Uzi bis zur Schotflinte ist alles mit dabei) erinnern an die dunkle Zeit im Land. Auf meinem Weg durch Santa Ana (einer Stadt im Westen des Landes) nach ein paar Tagen San Salvador wurde ich auf einer Gehstrecke von ca. 10 Minuten zum Hostel von insgesamt 5 verschiedenen Personen angesprochen, die sich einfach nur ganz herzlich und ehrlich daran erfreuten, dass ich als Tourist ihr Land erkunde und die mir dies auch in einer unfassbar positiven Weise einfach nur mitteilen wollten. Ein schönes Gefühl, hat mir mehrfach ein richtig fettes Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Santa Ana war auch der nächste Zwischenstopp für mich im Lande. Die zweitgrößte Stadt im Lande besticht ebenfalls durch eine entspannte Atmosphäre und von hier aus kann man einen Ausflug zum Vulkan Santa Ana unternehmen, was am nächsten Tag auch auf meiner Agenda stehen sollte. Aber erstmal am Abend dem lokalen Erstligaverein CD FAS einen Besuch abgestattet und bei günstiger Verpflegung in der richtig geilen Bruchbude (ein Traum von einem Stadion) ein richtig gutes Fußballspiel in absoluter Top-Atmosphäre genossen. Auch hier alle Menschen absolut korrekt und relaxed und mehrfach durfte ich Auskunft über meine Herkunft und den Grund meiner Reise nach El Salvador geben. Einfach unfassbar schön, wie sich die Menschen an den Gästen erfreuen. Nach dem Spiel wurde noch die anliegende Pupuseria ausgiebig inspiziert. Pupusas sind das Nationalgericht El Salvadors und die mit allem möglichen gefüllten Teigtaschen werden für maximal 1 USD pro Stück an den Mann gebracht. Mehrere Damen formen den Teig mit ihren Händen zu den wohlschmeckenden Fladen und schmeißen die Pupusas auf die heißen Grillplatten Der Verzehr ist ein absoluter Genuss und hauptsächlich mit Hühnchen, Rind oder Meeresfrüchten gefüllt, hab ich eine größere Menge dieser köstlichen Teilchen verköstigt. Pupusas sind das absolute Nationalheiligtum des Landes, Pupuserias gibt es an jeder Ecke und einem jeden El Salvadorianer leuchten beim puren Erwähnen des Begriffes die Augen. Kann ich absolut und uneingeschränkt empfehlen. Von Santa Ana aus erkundete ich mit dem Chicken Bus in den nächsten Tagen die Stadt Sonsontate, wo es außer einem Zweitligakick nicht besonderes zu sehen gab und natürlich den Vulkan Santa Ana. Im örtliche Hostel lernte ich am Vorabend einen Brasilianer und eine US-Amerikanerin kennen und gemeinsam sollten wir am Vormittag des nächsten Tages zum Krater des auch unter dem Namen Ilamatepec bekannten Vulkans aufbrechen. Mit 2.381 Meter ist dies der höchste Feuerberg des Landes und mit der letzten großen Eruption im Jahre 2005 noch immer aktiv.
Die Fahrt zum Vulkan führt durch wunderschöne grüne Landschaften und die Straße windet sich an Hügeln entlang, während man eine großartige Aussicht in die umliegenden Täler genießen kann. Der Aufstieg ist recht einfach und unspektakulär und führt nach einer Art Nebelwald über ein Steinfeld hinauf zum Krater. Als wir diesen erreichen, ist die Wolkendecke geschlossen aber mein schier unglaubliches Band mit dem Wettergott lässt erneut nach wenigen Minuten die Wolken verziehen und gibt den Blick auf das Innere des Kraters frei. Ein türkisgrüner See, gefärbt durch die hohe Schwefelkonzentration und andere Mineralien zieht die Blicke der neugierigen Besucher auf sich. Schön ists hier und ich genieße die Aussichten und das Schauspiel aus vorbeiziehenden Wolken bevor es nach einer halben Stunde auf dem Gipfel wieder zurück ins Tal geht.
Auf dem Rückweg nach Santa Ana stoppen wir noch an einem Aussichtspunkt und genießen den Blick über den Lago Coatepeque, einem See vulkanischem Ursprungs bevor wir den Tag bei einem Stadtspaziergang ausklingen lassen. Santa Ana hat ein paar schöne Gebäude im kolonialen Stil und eine wunderschöne Kathedrale, die sich an den Hauptplatz der Stadt schmiegt. Zudem gibt es einen „schönen“ oder sagen wir eher „recht wilden“ Markt im Zentrum der Stadt, auf dem alle möglichen und unmöglichen Waren angeboten werden. Den Marktbesuch nehme ich zum Anlass um mir ein recht ansehnliches Shirt für 2 Euro zu erstehen. Solche Preise liebe ich mir doch.
Fürs Erste sollte es das dann gewesen sein mit El Salvador und die Zeit war auch durchaus ausreichend um mir einen ersten und äußerst positiven Eindruck dieses in Vergangenheit oft verschmähten Landes zu genehmigen. Auf meiner Reise weiter nach Norden sollte später El Salvador nochmal einen Besuch abstatten, um auch den Osten und ein paar Strände des Landes zu erkunden. Für den jetzigen Besuch sollte es dies erstmal gewesen sein. Es sollte von Santa Ana aus weiter nach Guatemala gehen, Colin wartete schon sehnsüchtig auf meine Ankunft und ja – ich konnte ihn nun nicht wirklich länger warten lassen. ;)
