ausderfernebetrachtet
ausderfernebetrachtet
vakantio.de/geschichtenvonunterwegs
Zuletzt in Alt-Guatemala

Cuenca

Veröffentlicht: 17.01.2025

Unterkunft
Herberge in Cuenca
Hostel · Cuenca
Attraktion
Neue Kathedrale von Cuenca
Cuenca, Ecuador
Attraktion
Altstadt von Cuenca
Cuenca, Ecuador
Attraktion
Mirador de Turi
Cuenca, Ecuador
Sehenswert
Flussufer im neuen Teil von Cuenca
Cuenca, Ecuador
Sehenswert
Stadtzentrum von Cuenca
Cuenca, Ecuador

Informiert man sich vorab über die aktuelle Situation in Ecuador, so kann das durchaus von einer Reise in das (im Verhältnis zu den Nachbarn) recht kleine Land abschrecken. Vom Blick auf die Seite des Auswärtigen Amtes ganz zu schweigen hört man von einigen Reisenden wildeste Geschichten: Drogenkrieg, Busüberfälle, sogenannte No-Go-Areas und was weiß ich nicht alles. Nicht unbedingt einladend, solche Infos. Da ich aber vorab auch auf Leute traf, die absolut keine Probleme in Ecuador hatten und die Schönheit des Landes explizit empfahlen, war für mich relativ schnell klar, dass es keine Option war, diesen Fleck Erde auszulassen. Der erste Stopp sollte die Stadt Cuenca sein und ich muss zugeben, dass ich vor meiner Reise Nichts bzw. sehr wenig über diese Stadt wusste. Das erste Mal, dass ich bewusst auf Cuenca aufmerksam gemacht wurde, war ganz im Süden von Argentinien. Einer der Motorradreisenden in El Chalten erzählte von seiner Durchreise durch Ecuador und empfahl ausdrücklich einen Besuch der Stadt. Entspannt und sehr sehenswert sollte sie sein – soviel war mir noch in Erinnerung geblieben und jetzt, ein paar Monate nach dieser Information sollte ich endlich in den Genuss kommen, dies zu überprüfen. Nach einer erneuten Nacht im Bus, recht entspanntem Grenzübertritt und unproblematischer Weiterreise erreichte ich in den Mittagsstunden Cuenca. Stiefelt man nach Ankunft durch die Busstation, so fällt zu aller erst die Anzahl der stark bewaffneten Personen im Staatsdienst auf, die hier anscheinend die öffentlichen Plätze absichern. Militär oder irgendwelche Sondereinheiten der Polizei stehen vermummt in der Gegend herum und mustern die Umgebung. Ob notwendig oder nicht, kann ich nicht einschätzen, mit Sicherheit auch als abschreckende Wirkung. Auf jeden Fall erstmal ein krasser Unterschied zu Peru, denn da hab ich derart aufmunitionierte Staatsdiener überhaupt nicht wahrgenommen. Nach Ankunft in meinem bei Booking gebuchten Zimmer eingecheckt und meine Sachen abgeladen. Dass ich die nächsten Tage Teil einer chinesischen Familie sein werde, wusste ich hier noch nicht aber dazu später mehr. Beim Erkunden der Stadt wirkt alles auf den ersten Eindruck etwas moderner und europäischer als in Peru, zumindest was das Stadtbild und die Architektur betrifft. Was sich hingegen nicht ändert, sind die vielen Indigenen, die auf dem Markt oder auf fahrbaren Ständen allerlei Waren des täglichen Bedarfs anbieten, auch wenn sich Kleidungsstil und Erscheinungsbild natürlich schon ein wenig zu den Indigenen Perus unterscheidet. Auch fällt einem direkt die Fülle an prachtvollen und einzigartigen Gebäuden auf, die das Stadtbild prägen – und auch Kirchen scheint es hier jede Menge zu geben. Macht auf jeden Fall einen entspannten und sehenswerten Eindruck – genau wie es der Franzmann berichtete. Die Altstadt von Cuenca scheint wie eine Art Freilichtmuseum: Kopfsteinpflasterstraßen führen an eleganten Balkonen, charmanten Innenhöfen und prächtigen Kolonialbauten vorbei. Die überdimensionalen parkähnlichen Plätze der Stadt laden mit ihren schattigen Bäumen umrahmt von historischen Fassaden zum Verweilen ein.

Iglesia Santo Domingo

Zahlreiche Werkstätten, Galerien und kleine Shops säumen das Stadtzentrum und es herrscht ein reges treiben. Perfekt, um sich einfach irgendwo niederzulassen und für einige Zeit die Umgebung und die Menschen zu beobachten. Nach den ersten Erkundungstouren kehre ich zurück zur Herberge und bekomme einen Eindruck vom chinesischen Familienleben. Das Zimmer ist recht spartanisch eingerichtet und hat ein bequemes Bett. Allerdings ist die Tür nur ein besseres Holzbrett und durch den riesigen Spalt unter der „Tür“ fühlt man sich eher als Teilnehmer des spätabendlichen Familiendinners, welches direkt in der anliegenden Küche stattfindet als ein Gast im privaten Zimmer. Auch wenn ich durch die Sprachbarriere (keiner der Bewohner hier spricht auch nur ein Wort Englisch oder Spanisch) die aktuell vorherrschenden Themen der Familienbande nur erahnen kann, so gibt die Lautstärke der Konversation einen ungefähren Einblick darüber, dass hier wohl noch Einiges im Detail und mit Nachdruck ausdiskutiert werden muss. Kann Anfangs recht lustig sein, aber nach einiger Zeit und zu spätabendlicher Stunde auch recht anstrengend. Kurz nach 23 Uhr kehrt dann Ruhe am Tisch ein und den Rest der Nacht werde ich vom viel zu lauten chinesischen Fernsehprogramm beschallt, während der Familienvater offenbar kurz nach Mitternacht am Volksempfänger eingeschlafen ist. Und so geht das tatsächlich die ganze Zeit während meines Aufenthaltes. Es ist im Rahmen des Erträglichen aber immer wenn ich zugegen bin, geht es einfach unfassbar laut zu und das nervt dann irgendwann schon – vor allem wenn man eigentlich das Privatzimmer gebucht hat, um seine Ruhe zu haben. Direkt vor meiner Zimmertür steht ein kleiner Tisch in der Ecke an dem der schätzungsweise 10-jährige seine Hausaufgaben machen soll. Und obwohl dies mehrfach lautstark vom Hausherren so aufgetragen wurde, so war der Junge die ganze Zeit damit beschäftigt auf seinem Handy irgendwelche Spiele zu spielen, wenn der Vater nicht zugegen war. Mehrfach stand der kleine Mann ganz aufgeregt oben auf der Treppe, nachdem ich unten die Tür aufgeschlossen hatte, nur um sich abzusichern, dass es sich um den fremden Gast und nicht um seinen stressigen Vater handelte, und um dann in aller Seelenruhe weiter auf seinem Bildschirm rumzutippern. Ausgang unklar – ich konnte mir hingegen ein Schmunzeln nicht verkneifen – haha. Die Kochkünste, die hier täglich zum Besten gegeben wurden, konnte ich leider nicht probieren allerdings konnte man noch weit nach den Mahlzeiten ungefähr erahnen, was auf der Speisekarte stand und der „Duft“ hatte sich bis weit in die letzten Ecken meines Zimmers verteilt. Ja ich muss zugeben, dass mich die ganze Nummer irgendwann in ihrer Fülle ziemlich abgenervt hat aber da die Leute ziemlich nett und die Unterkunft günstig war ließ ich das Ganze mehr oder weniger über mich ergehen.

Aber zurück zur Stadt: auffällig im Bereich des Stadtzentrum sind vor allem die vielen Kirchen mir ihrer doch auch unterschiedlicher Architektur. Über 50 dieser prachtvollen Gebäude sind in der Stadt verteilt und tragen dazu bei, dass Cuenca als die wohl schönste Stadt Ecuadors gilt. Auf Grund des außergewöhnlich gut erhaltenen historischen Stadtzentrums wurde die Altstadt 1999 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes mit aufgenommen – und das absolut zurecht, wie ich finde.

Obwohl jede der Kirchen in der Stadt eine eigene Geschichte zu erzählen hat, so ist wohl am imposantesten und beeindruckendsten die neue Kathedrale von Cuenca, die erst 1975 nach fast genau 90 Jahren Bauzeit fertig gestellt wurde. Die „Kathedrale der unbefleckten Empfängnis“, wie sie auch genannt wird, ist eines der markantesten Bauwerke Ecuadors und ein Symbol der Stadt. Die Kathedrale wurde errichtet, um die ursprüngliche Kathedrale (oder heute auch alte Kathedrale genannt), die sich direkt gegenüber befindet, zu ersetzen, da diese mit dem Wachstum der Stadt zu klein geworden ist. Highlight dieses Bauwerks ganz klar die drei riesigen blauen Kuppeln, die aus azurblauen Kacheln aus Tschechien gefertigt wurden. Die Kuppel sind von schon von Weitem gut sichtbar und so etwas wie die „Skyline“ der Stadt. Für mich auf jeden Fall optisch ansprechender als so manche Skyline modernerer Städte. Bis zu 10.000 Menschen fasst die riesige Kathedrale und ist damit eine der größten Kirchen Südamerikas. Über eine Treppe kann man auf eine Art Aussichtsplattform auf der Kathedrale (hat bei mir erst beim zweiten Anlauf geklappt, da die Plattform nicht jeden Tag geöffnet ist) und hat von da aus einen noch besseren Blick auf die Kuppeln, die Altstadt und die umliegenden Berge.

Auf dem Dach der Kathedrale

Im Übrigen sind die Kuppeln der Kathedrale unvollendet und nur ein Planungsfehler ist für das heutige Design verantwortlich. Ursprünglich sahen die Pläne des Architekten viel höhere Türme mit aufgesetzten Kuppeln vor. Während des Baus stellte es sich jedoch heraus, dass das Fundament der Kathedrale nicht stark genug war, um das Gewicht der geplanten Türme zu tragen und das Bauwerk somit bei planmäßiger Bauweise einzustürzen drohte. Also musste das ursprüngliche Design angepasst werden und die Türme wurden lediglich mit einer reduzierten Höhe und ohne Kuppeln fertiggestellt. Trotz des Planungsfehlers und der somit unvollendeten Bauweise fügt sich die Kirche harmonisch in das beeindruckende Altstadtbild ein. Einige Interpretationen sehen in den unvollendeten Türmen auch eine symbolische Bedeutung, die die Unvollkommenheit menschlicher Werke darstellt und daran erinnert, dass spirituelle Schönheit nicht immer mit physischer Perfektion einhergehen muss.

Nach ausgiebiger Inspektion der Kathedrale und einiger der Kirchen von Cuenca verschlug es mich auch mal in den neuen Teil der Stadt, der durch einen Fluss von der Alstadt abgetrennt ist. Entlang des Flusses befinden sich allerhand Bars und Restaurants und man kann wunderbar bei entspannten Außentemperaturen flanieren, ohne dass diese Idee auch tausende andere Menschen haben. Allgemein macht Cuenca einen super chilligen Eindruck und so richtiges Großstadtflair kommt trotz der 600.000 Einwohner nicht auf.

Insgesamt ist die Dichte der Bars hier am Rande der Altstadt recht auffällig und man kann neben dem wirklich sehr guten einheimischen „Club“ auch allerhand Craft-Biere genießen. Wie schon oben beschrieben, fühlt sich das alles etwas europäischer als der Norden Perus an, was auch die Gestaltung und Dichte der Kneipchen hier widerspiegelt. Nach ein paar Tagen lerne ich in einer Bar ein paar Locals kennen und die Einheimischen zeigen mir noch ein paar vorher nicht gesehene Ecken der Stadt. Unter anderem statten wir dem Turi-Mirador hoch oben auf einem Berg am Rande der Stadt einen Besuch ab, von wo aus man einen wunderbaren Panoramablick über Cuenca hat, gerade Nachts ist das sehr beeindruckend. Am Aussichtspunkt ist ebenfalls alles mit Gastro und Bars bestückt, es wird gegessen, getrunken, gesungen und getanzt.

Mirador de Turi

Vor der Weiterreise nach Norden wird natürlich auch hier noch Fußball geschaut und nachdem ich am Vortag zu geizig war, 2 USD mehr für die überdachte Haupttribüne zu zahlen (bis dato hatte es hier auch noch nicht geregnet) durfte ich das Spiel zwar bei Bier aber auch fast 70 Minuten lang im Starkregen stehend genießen – Fußballherz was willst Du mehr?!

Insgesamt war das entspannte Cuenca der perfekte Einstieg für Ecuador und auch wenn man spürbar wahrnimmt, dass aktuell nur sehr wenige Touristen hier unterwegs sind, hab ich mich zu keinster Zeit in irgendeiner Art und Weise unsicher gefühlt. Das erste Mal wurde ich hier aber auch mit einem anderen Problem konfrontiert, welches während meines Aufenthaltes recht akut war: durch den trockensten Sommer seit 65 Jahren und dem Fakt, dass Ecuador seine Energie zu großen Teilen aus Wasserkraft erzeugt, gab es in Cuenca über die Nacht mehrfach Stromabschaltungen für bestimmte Stadtteile. Nicht weiter dramatisch für den Reisenden aber ein erster Eindruck, wie vollumfänglich dieses Problem das Land noch betreffen sollte.  

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Trockenzeit
Begleitung
Allein
KulturellEntspannendAbseits der Pfade
  • Neue Kathedrale von Cuenca mit den blauen Kuppeln
  • UNESCO-geschützte Altstadt
  • Mirador de Turi mit Panoramablick über Cuenca
  • entspannte Bars und Restaurants am Fluss
  • chinesische Herberge mit sehr einfachem Zimmer
StadtKulturGeschichteArchitekturEssen
ausderfernebetrachtetWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.
Antworten

Ecuador
Reiseberichte Ecuador