Lima
Mit zu vielen anderen Menschen und Gepäckstücken in einen Kleinbus gequetscht ging es die 300 Kilometer nach Lima - Bewegungsfreiheit nicht vorhanden. Ungefähr 5 Stunden braucht...


Veröffentlicht: 25.12.2024























Die Geschichte beginnt wieder mit der Schwedisch-Deutschen Connection. Aber diesmal trennen sich die Wege erstmal für eine längere Zeit. Während mein nächstes Ziel Trujillo sein würde, so sollte Williams Reise nach Huaraz gehen, Ausgangspunkt für wohl eine der schönsten Wanderrouten der Welt (so sagt man). 6 Tage Trekking in der Einöde Perus und mit gigantischen Bergpanoramen und das alles ohne Guide. Klingt spannend und absolut beeindruckend aber ich hatte von dem ganzen Trekking erstmal genug und somit entließ ich meinen schwedischen Freund in den Bus Richtung peruanische Einöde. Am Busbahnhof eine kurze Verabschiedung und die Verabredung für ein Wiedertreffen in ein paar Wochen in Kolumbien. Ob das alles so geklappt hat, dazu mehr dann später im kolumbianischen Teil der Reiseberichte. Ich persönlich wollte noch ein paar Tage am Meer im Norden Perus verbringen, bevor es dann über 2 kurze Zwischenstopps weiter nach Ecuador gehen sollte. Routiniert wurde wieder einmal der Nachtbus bestiegen. Der ungewöhnliche Part spielte sich in den Morgenstunden ab. Nachdem es hell wurde, beugte sich meine peruanische Sitznachbarin, die schon die komplette Fahrt neben mir verbracht hatte, zu mir rüber und mit einem lauten „HI! wurde eine längere Fragerunde eingeläutet. Nach der Beantwortung ihrer Fragen wurde ich zu einer kurzen Fotosession gebeten und ich musste mich für zahlreiche Selfies zur Verfügung stellen. So weit, so gut – die Nummer rief allerdings andere Fahrgäste auf den Plan und nach und nach kamen mehrere Peruaner zu unseren Sitzen, um sich mit mir ablichten zu lassen. Kenn ich zwar aus Asien, solche Shootings, hier in Südamerika aber eher nicht so gewöhnlich, deswegen kann ich nicht genau sagen, was eine Ablichtung mit mir so besonders machte. Da aber alle sehr freundlich waren, stand ich gern kurz Modell für die interessierten Einheimischen, bevor der Bus in der Großstadt Trujillo einfuhr. Von hier aus ging es dann nochmal 15 km weiter in den Küstenort Huanchaco. Der Ort gilt als Hotspot für Surfer aus aller Welt, da die Wellen hier wohl besonders konstant und perfekt brechen. Ich wollte hier einfach nur ein paar Tage abschalten bevor es weiter in ein neues Land und eine neue Kultur gehen sollte.
Nach meiner Ankunft noch recht früh am morgen war der Ort recht leer und das sollte sich während meines Aufenthaltes auch nicht ändern. Zwar ist Huanchaco ein recht beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner der nahen Großstadt Trujillo, allerdings hält sich der Zustrom in Grenzen und es ist im Allgemeinen ruhig und entspannt. Man könnte auch sagen, dass Huanchaco ein kleines Kaff am Meer ist, in dem sich nicht wirklich viel abspielt. Ideal zum Abschalten also. Die Luft hier ist auch recht klar und man merkt deutlich den Unterschied zum stickigen Lima. Einzig der Strand ist nicht besonders schön, es überwiegen Staub und Steine, dazu jede Menge Müll. Kein so erfreulicher Anblick und auch mehrere Einheimische scheinen kein großes Interesse an einem gepflegten Stadtbild zu haben und entsorgen ihren Müll kurzerhand am Meer. Traurig anzusehen aber auch nichts Neues auf meiner Reise durch Südamerika. Die Einheimischen haben oftmals andere Probleme und es fehlt das Bewusstsein für Umweltschutz.
Faszinierend in Huanchaco sind auf jeden Fall die „Caballitos de Totora“, traditionelle Schilfboote, die in ihrer Bauweise bereits seit 3000 Jahren so verwendet werden. Die sogenannten Schilfpferdchen haben die Form einer Schote und werden geflochten. Mit einer Länge von bis zu 5 Metern kann das Boot eine Last von bis zu 250 Kilogramm tragen und ist somit ideal geeignet für den Transport einer Person, der Fischereiausrüstung und dem Fang. Angetrieben wird das Boot durch Paddeln und somit durch reine Muskelkraft, ein Motor ist bei den Caballitos nicht vorgesehen. Läuft man an der Promenade entlang, so sind die Boote reihenweise aufgestellt und es bietet sich ein interessanter und einzigartiger Anblick. So eine Art Gefährt hatte ich in dieser Form bislang nicht gesehen.
Viel mehr gibt es zum Aufenthalt in Huanchaco nicht zu erzählen, es war tatsächlich eher langweilig, aber das war auch so beabsichtigt. Bis auf das Beobachten des Meers und der Umgebung und günstigem Essen, hab ich nicht viel gemacht. Zwischen den recht teuren Restaurants kann man hier schon in den Lokalen für Einheimische, eine Hauptspeise und Ceviche plus Getränk für unter 5 Euro erstehen. Zudem gibt es jede Menge Streetfood ebenfalls für einen schmalen Taler. Auf dem Rückweg hab ich noch Trujillo einen Besuch abgestattet, die Großstadt hat bis auf den Plaza de Armas nicht viel zu bieten. Die am Platz anliegenden Kirchen sind allerdings recht sehenswert und dazu Nachts noch recht schön beleuchtet. Außerdem nimmt hier oben die Dichte an Touristen schlagartig ab und man wird wieder mehr als fremdartiger Besucher gemustert, ohne das dies aber als unangenehm oder aufdringlich wahrgenommen wird.
Bei meiner Weiterreise nach Piura, weiter in Richtung ecuadorinischer Grenze passierte mir noch ein Missgeschick, oder zumindest traf mich eine Teilschuld. Beim Kauf des Bustickets ein paar Tage zuvor hatte die Dame noch etwas von kurz20:30 Uhr erzählt, ich dies aber nur am Rande wahrgenommen und da auf dem Busticket Abfahrt 21:15 Uhr stand, machte ich mich am Abfahrtstag auf den Weg zur Busstation und kam eben da kurz vor 21 Uhr an. Da der Schalter der Busgesellschaft gerade nicht besetzt war, wartete ich kurz bevor ich in der Ferne am Abfahrtsort der Busse 2 Damen in meine Richtung winken sah. Ich lief hin und mein Name war bereits in aller Munde. Aufgeregt wurde ich an der Schlange für die Busbahnhofssteuer vorbeigelotst und verdutzt zeigte ich einer der Damen mein Ticket und die aufgedruckte Uhrzeit 21:15 Uhr. Ja tatsächlich war dies ein Fehler der Busgesellschaft auf den mich die Dame beim Verkauf noch aufmerksam machte. Da die Aufmerksamkeit in diesem Moment aber wohl eher einseitig war, nahm ich dies nicht wahr und erschien nun eben eine halbe Stunde nach regulärer Abfahrt am Busbahnhof. Der Bus stand bereits mit laufendem Motor zur Abfahrt bereit und einer der Fahrer nahm direkt meinen Rucksack entgegen. Meine mehrfache Entschuldigung für die unbeabsichtigte Verspätung wurde mit einem Lächeln und einem lauten „Tranquillo“ entgegnet. Alles kein Stress, denn hier ticken die Uhren nunmal etwas anders. Nachdem das Gepäck verladen wurde, stieg ich in den bis auf einen Platz vollständig besetzten Bus und noch bevor ich mich richtig hinsetzten konnte, düste das Fahrzeug los. Die haben also tatsächlich eine halbe Stunde auf mich gewartet, und das, obwohl der Bus komplett voll war. Unglaublich und ziemlich unangenehm. Der Deutsche muss halt wieder negativ auffallen. Die Leute schien es nicht zu stören, denn alle waren entspannt und keiner sagte ein Wort. Sorrrrrrrrrryy!
Nach einer diesmal nur halben Nacht im Bus erreichten wir mitten in der Nacht Piura und ich wandelte durch die ausgestorbene Stadt, um mir für den Tag eine Unterkunft zu suchen, denn am Abend sollte es weiter nach Ecuador gehen und ich hatte keine Lust den ganzen Tag mit meinem Rucksack irgendwo in der Stadt rumzuvegetieren. An der ersten Unterkunft noch auf Grund des für mich unverschämt erscheinenden Preises abgetreten, so machte ich ein paar hundert Meter weiter einen guten Deal und legte mich nochmal für ein paar Stunden aufs Ohr.
Zum Vormittag lief ich ein wenig durch die Stadt, viel zu sehen gibt es hier nicht. Allerdings sind hier wenig bis keine Ausländer mehr unterwegs und man bekommt einen recht guten Eindruck von dieser recht authentischen, rauen und unberührten Ecke von Peru, auch wenn die Sehenswürdigkeiten hier recht rar gesäht sind. Und ja, eine wirkliche Schönheit ist Piura nicht, einen Tag kann man sich hier aber problemlos herumtreiben. Auffällig hier die noch sehr viel höhere Dichte der überall in peruanischen Städten verkehrenden Tuk-Tuks und die peruanischen Nackthunde, die ich zuvor schon vereinzelt in Arequipa und Aquas-Calientes gesehen hatte. Die sogenannten Viringos gibt es wohl schon seit 1000 Jahren, zumindest belegen das Skelettfunde. Schon eine sonderbare Erscheinung die nackten Gestalten, lediglich auf dem Kopf und am Schwanzende befinden sich Haarreste und ich obwohl ich Hunde mag, meide ich den Nahkontakt, denn irgendwie wirkt die Erscheinung und Ausstrahlung dieser Tiere für mich wie: Lass mich in Ruhe! Fass mich nicht an!
Zum Mittag kehre ich in ein Lokal ein, in dem schon ein paar Gestalten bei Bier und lauter Musik in feuchtfröhlicher Atmosphäre Karten spielen. Ein absolut hervorragendes Lomo Saltado und eine super köstliche Ceviche in riesiger Portionierung wandern für nicht einmal 5 Euro in meinen hungrigen Magen und ich erfreue mich vor allem am Fischgericht, da dies wohl in der peruanischen Variante für einige Zeit wohl für mich erstmal der letzte Verzehr einer solchen Delikatesse sein sollte.
Den Rest des Tages sortierte ich meine Sachen und bereitete mich moralisch auf die Busfahrt vor – Ecuador ich komme!
Adios dann Peru. Es war aufregend und spannend. Über die kulturelle Hochburg Cusco, das entspannte Arequipa, den majestätischen Inka-Bauten (allem voran natürlich Machu Picchu) und den atemberaubenden Landschaften. Die Anden, die Wüste oder auch die Küstenregion sind wunderschön und beeindruckend. Allerdings verlasse ich Peru auch mit gemischten Gefühlen. Der Tourismus ist in Größenordnungen allgegenwärtig, natürlich besonders an den Highlights. Manchmal wirkte das alles für mich schon zu perfekt inszeniert und auf die Besucher zugeschnitten. Es fehlte mir hier oftmals die Authentizität, die ich in Bolivien so geliebt hatte. Peru ist in vielerlei Hinsicht perfekt für die Besuchermassen organisiert und sicher haben die Touristenströme einiges verändert – positiv natürlich für die Menschen, nach meinem Geschmack hätte es aber an einigen Orten durchaus etwas ruhiger zugehen können. Natürlich ist das Jammern auf ganz hohem Niveau und ein Besuch dieses Landes kann ich auf jeden Fall uneingeschränkt empfehlen. Mir persönlich fehlte manchmal einfach die echte und rohe Version eines Ortes, eine Eigenschaft, die ich in Bolivien sehr zu schätzen gelernt habe. Und obwohl mich meine Reise durch Peru in vielerlei Hinsicht bereicherte, so hat es mich auch nachdenklich gemacht. Vielleicht ist das der Preis, den ein Land zahlt, was so unfassbar viel zu bieten hat. Alles in Allem bin ich sehr dankbar, für all die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich hier sammeln durfte – und vielleicht komme ich ja nochmal zurück, um noch ein paar der weniger bekannten Ecken im Land zu entdecken.
