ausderfernebetrachtet
ausderfernebetrachtet
vakantio.de/geschichtenvonunterwegs
Zuletzt in Alt-Guatemala

Quito

Veröffentlicht: 21.01.2025

Sehenswert
Quito
Quito, Ecuador
Attraktion
Calle La Ronda
Quito, Ecuador
Tour
Free-Walking-Tour durch das Stadtzentrum
Tour
Attraktion
Iglesia de San Francisco
Quito, Ecuador
Attraktion
Iglesia de Santo Domingo
Quito, Ecuador
Attraktion
Iglesia de la Compañía de Jesus
Quito, Ecuador
Sehenswert
Quito Metro
Quito, Ecuador
Essen
Süßigkeiten-Manufaktur in Quito
$ · Snack

Nach den entspannten Tagen in der Einöde mit Sack und Pack an die Panamericana gestellt und nach nicht einmal 30 Sekunden hält der erste Bus und kutschiert einen die 1,5 Stunden weiter nach Quito, der Hauptstadt von Ecuador. An der Busstation am Stadtrand von Quito angekommen, kann man direkt in die nagelneue U-Bahn der Stadt steigen (nicht mal ein Jahr in Betrieb) und sich für nicht mal 50 Cent ins historische Zentrum der Stadt gondeln lassen. Die U-Bahn und die gesamte Infrastruktur sind wie geleckt und man sieht überall, dass das Prestigeobjekt der Stadt noch nicht sehr lange in Funktion und in einem absolut makellosem Zustand ist. Im Zentrum ausgestiegen führt der Weg direkt durchs historische Zentrum ins Viajero-Hostel. Auf dem Weg dahin bekommt man einen direkten Eindruck, wie hier der Hase läuft: alles ist etwas wilder und rauer als auf den Stationen in Ecuador bevor. Die Aussage soll absolut keinen negativen Touch widerspiegeln aber Quito ist eine Nummer für sich und das merkt man unmittelbar. Im Hostel angekommen, bin ich wieder mit noch einer anderen unbekannten Person (lediglich die Schuhe machen auf den Schlafgast aufmerksam) der einzige Besucher im 10-Bett-Zimmer, auch hier macht sich der ausbleibende Tourismus bemerkbar. Die Zimmer sind vom allerfeinsten und die Betten absolut top. Auch das Haus, ein altes Regierungsgebäude, komplett restauriert, besticht durch seinen rustikalen Charme. Bis hierher alles bestens und auch der Blick durch die Straßen der Altstadt verspricht so einiges. Wunderschöne koloniale Bauten, wohin das Auge reicht und am Horizont thront eine riesige Kathedrale am Rande der Altstadt. Am Tag meiner Ankunft hat Quito mit einem fürchterlichen Waldbrand zu kämpfen, der sich bis in die Ausläufer der Stadt reingefressen hat. Es herrscht Ausnahmezustand und in einigen Stadtteilen eine Ausgangssperre. Angeblich Brandstiftung und absolut keine schöne Sache, glücklicherweise bekommen die Feuerwehrleute den Brand innerhalb der nächsten 2 Tage unter Kontrolle und bis auf den Geruch von verbranntem Holz bleibt das der einzige Kontakt mit diesem Ereignis. Die riesige Kathedrale wird direkt nach der Ankunft von mir besichtigt. Zu markant prangt das Bauwerk über dem Stadtzentrum und zieht neugierige Besucher magisch an. Steht man einmal davor, so staunt man über die Größe. Ein absoluter Koloss, der vor einem steht, die Basilica Sagrado Corazon de Jesus, Patrono des Ecuador (Basilika des heiligsten Herzens Jesus, Schutzpatron von Ecuador) – wie sie mit kompletten Namen heißt – ist die größte neugotische Basilika Amerikas. Nach kurzen Staunen wird für 4 Euro der Eintritt in höhere Sphären der Kathedrale erworben und ich bin gespannt, was das Gebilde im Inneren so zu bieten hat. Es geht hoch hinaus und zwar erstmal bis in die Türme, in denen ein paar Souvenirshops und tatsächlich eine Bar untergebracht sind. Eine Bar in einer Kirche, hatte ich zwar schonmal in Dublin gesehen, ist aber tatsächlich recht ungewöhnlich. Der Hintergrund dazu wurde mir später bei einer Free Walking Tour erklärt: die Kirche vermietet die imposanten Gemäuer an die Betreiber der Shops und generiert somit ein zusätzliches Einkommen. Vom Balkon der Türme hat man einen wunderbaren Blick über das Stadtzentrum und kann auf der einen Seite den gegenüberliegenden Cerro Panecillo mit der Jungfrauenstatue sehen, die die Altstadt von der anderen Seite überblickt. Über eine Wendeltreppe gelangt man eine Etage höher direkt in den Uhrenturm und befindet sich sozusagen hinter den weit sichtbaren Uhren. Die Uhrwerke sind nicht in Funktion und beide Türme zeigen mit ihren Uhren auch unterschiedliche Zeiten an. Eine genaue Erklärung dazu habe ich leider nicht bekommen. Manche Leute sagen, es sind die Zeiten von Quito und dem Vatikan, andere wiederum erzählen, es soll die Ungleichheit der Irdischen und der göttlichen Welt widerspiegeln. Auch könnte es ein symbolischer Hinweis für die Gegensätze und Widersprüche des Landes sein bzw. das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne und die unterschiedlichen Sphären, in denen die Menschen leben, darstellen. Was auch immer der Grund dafür sein mag, der Raum im Turm hinter den riesigen Uhren ist auf jeden Fall beeindrucken.

Hinter dem Uhrwerk

Die Wendeltreppe führt danach noch ein Stück weiter nach oben und wenn man den Kopf einzieht gelangt man über eine Luke in einen kleinen Raum über den Uhren und hat im Endeffekt einen ähnlichen Ausblick wie eine Etage weiter unten. Reicht mir dann auch mit der Höhe hier, so ganz wohl ist mir in diesen Sphären nicht mehr und ich steige den Turm wieder hinab. Über den Souvenirshop des anderen Turms gelangt man auf einem hölzernen Steg über das Kirchenschiff und befindet sich dann in der Mitte des Bauwerkes, von wo aus man auf den spitzen Turm über dem hinteren Teil der Kathedrale gelangen kann. Dies ist der höchste Punkt, der auf dem Bauwerk begangen werden kann. Also rein theoretisch, denn in der Praxis ist dies einfach nur irre. 2 freistehende Treppen mit einem Podest im 180°-Winkel aneinander gebaut ermöglichen den weiteren Aufstieg und man schaut von den steilen Treppen direkt ins Nichts. Auch wenn man vom höchsten Aussichtspunkt der Kathedrale einen wunderbaren 360°-Blick haben soll, so muss ich hier leider den Rückzug antreten. Das geht echt einfach gar nicht, wenn man nicht absolut schwindelfrei ist, geht’s hier dann halt nicht weiter. Von den Besuchern auf dem Dach der Kirche bin ich aber bei Weitem nicht die einzige Person, die den kontrollierten Rückzug antritt. Und da man ja vorab auch schon grandiose Aussichten genießen durfte, ist dies auch halb so wild. Beim Weg hinunter gelangt man über einen Balkon noch in das Kirchenschiff und kann von oben herab einen Blick in das riesige Innenleben des Bauwerkes werfen. Zahlreiche bunte Darstellungen von Heiligen zieren die Fenster und die Kirche wirkt sehr aufgeräumt, ohne größeren Kitsch, wie man ihn auch gern mal in anderen Kirchen findet. Am Ausgang angekommen findet man noch eine Staute von Johannes Paul dem II., der ja bereits in Peru allgegenwertig war und der das Bauwerk 1985 gesegnet hat. Außerdem befinden sich an der Außenfassade allerlei Figuren und Wasserspeier allerdings handelt es sich hierbei nicht um Gargoyles, wie man sie beispielsweise an der weltberühmten Pariser Notre Dame findet, sondern um die Darstellung von einheimischen Tieren, wie Leguanen, Gürteltieren oder der Galapagosschildkröte. Schon recht beeindruckend die Tour durch die riesige Kathedrale, die sich deutlich von anderen Bauwerken dieser Art abhebt (allein schon durch ihre Größe). Unter den über 100 Kirchen, die das Stadtbild von Quito prägen, wohl auf jeden Fall das optische Highlight, zumindest von außen betrachtet. Im Übrigen gibt es eine Legende, die besagt, dass die Kirche nie vollständig fertiggestellt werden darf, da das Ende des Baus gleichbedeutend mit dem Ende der Welt wäre oder zumindest in einer unvorstellbaren Katastrophe der Stadt Quito enden würde. Vielleicht steckt der Grund dahinter auch einfach in der Tatsache, dass unvollendete Bauwerke viel niedriger besteuert werden und die Fertigstellung eine höhere Belastung des Kirchenhaushaltes darstellen würde. Ist aber nur eine Vermutung. ;)

Blick von der Basilica

Der Weg zurück durch die Altstadt bietet wirklich wunderschöne Ausblicke und man wird regelrecht erschlagen durch die Fülle der sehenswerten Gebäude. Allerdings habe ich auch gleichzeitig (wie schon vorab erwähnt) ein anderes Gefühl beim Spazieren durch die Gassen als beispielsweise noch in den Städten in Peru. Im Grunde ist alles entspannt aber irgendwas sagt mir, dass man hier seine Sinne wieder etwas mehr schärfen sollte und bislang konnte ich mich auf mein Gefühl recht gut verlassen. Noch mehr als zuvor schon in Cuenca steht fast an jedem der Hotspots im Zentrum schwer bewaffnetes Militär und auch wenn das ein Gefühl von Sicherheit vermitteln soll, kann dies auch eher als unangenehm wahrgenommen werden. Während tagsüber in den Gassen und auf den Plätzen des Centro Historico ein quirliges Treiben herrscht, so wandelt sich dieses Bild schlagartig mit Einsetzen der Dämmerung und nach Einbruch der Dunkelheit gleicht das Zentrum einer Geisterstadt. Die Einheimischen und auch der Staff vom Hostel empfehlen ausdrücklich, in der Dunkelheit nicht draußen rum zu laufen und sich per Uber von A nach B zu bewegen. Dass Innenstädte gerade in Südamerika des Nachts auch auf Grund der Sicherheitslage verwaisen, ist nicht unbedingt was Neues, in der Dimension wie in Quito hatte ich das allerdings vorher noch nicht festgestellt. Befolgt man den Rat der Einheimischen und bewegt sich per Fahrdienstleister durch die Stadt, so sieht man teilweise in einigen Ecken keinen einzigen Menschen auf der Straße. Ein ziemlich bedrückendes Gefühl und auch die Fensterläden, Türen und sonstige Eingänge sind alle verbarrikadiert oder durch Gitter gesichert. Ob sich das nur aktuell bezüglich der nicht ganz so optimalen Sicherheitslage etwas extrem darstellt, kann ich nur vermuten. Die Einheimischen sagen, dass es momentan eine Mischung aus der verschärften Situation in Punkto Sicherheit und die ständigen Stromausfälle sind, die das Stadtzentrum nachts teilweise wie ausgestorben wirken lässt. Apropos Stromausfälle: was sich vorab schon in Cuenca und auch am Cotopaxi angekündigt hat, stellt sich hier als echtes Problem heraus. Während meines Besuchs gab es in Quito teilweise 12 – 14 Stunden keinen Strom. Die anhaltende Dürre sorgt dafür, dass in der Hauptstadt des Landes mit Energie so sensibel gehaushaltet werden muss, dass für mehrere Stunden ganze Stadtviertel vom Netz gehen müssen. Lediglich die Krankenhäuser, einige staatliche Institutionen und bessere Hotels sind mit einer Notstromversorgung ausgestattet. Für den Touristen ist das sicherlich nervig und führt zu teilweise bizarren Situationen, wie zum Beispiel dass man zur Bargeldbeschaffung in einen anderen Stadtteil (der gerade nicht von der Abschaltung betroffen ist) fahren muss, weil einfach die Geldautomaten gerade nur da funktionieren. Für die Bewohner hingegen ist das ein echtes Problem, die Restaurants können nicht oder nur sehr beschränkt Speisen zubereiten, kleine Gewerke können ihre Dienstleistungen nicht ausführen und auch sonst ist fast alles in den betroffenen Stadtteilen ohne Strom auf ein Minimum heruntergefahren. Die Leute tun einem schon Leid, als ich einmal meine Wäsche aus der Wäscherei abholen wollte, hab ich insgesamt 3 Anläufe gebraucht, da die Dame erst nicht waschen und dann nicht trocknen konnte. Im Endeffekt hat die Dame mir die Wäsche halb trocken zurückgegeben, sich tausendmal entschuldigt und wollte mir auch nichts berechnen. Bezahlt hab ich sie trotzdem, die Menschen können schließlich am Wenigsten dafür und man kann sich nur vorstellen, was das bedeutet, wenn aus einem kleinen Einkommen tageweise dann gar kein Einkommen wird. Traurig aber auf Grund der Dürre eben Realität. Glücklicherweise hat sich die Situation wohl ein paar Wochen später nach und nach etwas entspannt und die Stromversorgung wurde komplett wieder hergestellt. Dennoch einfach unvorstellbar in unseren Breiten: die Hauptstadt des Landes ist einfach fast den halben Tag gestaffelt ohne Stromversorgung.

Hinweise im Hostel zu den Stromausfallzeiten

Nach ein paar Tagen weilte ein weiterer Alman aus Wolfsburg bei mir im Hostel-Zimmer. Wir kamen ins Gespräch und verabredeten uns zu ein paar Aktivitäten. Unter anderem wurden wir von Einheimischen in einen Salsa-Club eingeladen nur um Festzustellen, dass man als Mitteleuropäer in diesem Etablissement völlig fehl am Platz ist. Das Level der Tanzaktivitäten ist hier einfach sehr sehr hoch und dem ungeübten Betrachter bleibt beim Anblick der Bewegungsabläufe einfach nur der Mund offen stehen. Es scheint so als ob einfach ein Jeder hier ein Tanzprofi ist, die unterschiedlichsten Paare legen hier eine allerfeinste Sohle aufs Parkett und zahlreiche Schiedsrichter benoten die Performance. Kurz hatte ich überlegt, mich auch mal zu probieren, unter diesen Voraussetzungen allerdings bleibt nur das Glotzen und Staunen.

Prinzipiell ist das Ausgehviertel von Quito am Wochenende auch Nachts recht gut besucht und man hat im Gegensatz zum Centro Historico nicht das Gefühl, in einer Art Geisterstadt zu sein. Allerlei Bars und Diskotheken reihen sich hier aneinander und die Preise bewegen sich hier dann auch auf mitteleuropäischem Niveau.

Mit ein paar der Einheimischen besichtige ich an einem der nächsten Tage den Mitad del Mundo (die Mitte der Welt) etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt. Für 5 USD kann man hier den Ort besichtigen, an dem eine französische Expedition 1736 als Erstes eine genaue Position des Äquators bestimmte. Zumindest fast genau, denn die exakte Position des Äquators befindet sich ca. 250 Meter entfernt vom Mitad del Mundo und somit dient das Bauwerk heute eher symbolischer Natur. In einem großen Park im Kolonialstil voller Souvenir- und Fressbuden (es wird auch wieder Meerschweinchen serviert – diesmal aber vom Spieß) steht das ca. 30 Meter hohe Monument als Zentrum der Anlage. Oben aufgesetzt befindet sich eine Kugel mit einem Metallring, die Erde und Äquator symbolisieren soll und in Ost-West-Richtung verläuft eine gelbe Linie durch den kompletten Park, die die Mitte der Erde darstellt. Alles in allem recht unspektakulär aber wenn man einmal in der Nähe ist, sollte man sich den Mitad des Mundo schon mal anschauen.

Äquator

Nach einer leckeren Mahlzeit in einem einheimischen Lokal (auch in Ecuador gibt es echt leckere Ceviche, wenn auch in der Zubereitung komplett anders als in Peru, mehr in Marinaden oder Soßen eingelegt und eher mit Garnelen oder Shrimps serviert) ging es zum zweiten Teil des Tages auf den El Panecillo, den markanten Hügel am Rande der Altstadt und ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Prinzipiell kann man auf den Hügel hochwandern, da uns die Einheimischen allerdings davor warnten (der Weg führt wohl durch eine nicht so sichere Gegend und Überfälle seien nicht unüblich) entschieden wir uns für die motorisierte Variante. Oben angekommen bieten zahlreiche Geschäfte Canelazo (das einheimische Heißgetränk aus Zimt und Zuckerrohrschnaps) und zahlreiche weitere Spezialitäten an und man hat einen guten Blick über die Stadt und die umliegenden Hänge in denen sich in einfachsten Behausungen die ärmeren Bewohner der Stadt niederlassen. Auf dem Hügel befindet sich die Virgen de Quito (Jungfrau von Quito), eine Statue aus 7.000 Aluminiumplatten, was die Statue zu einem der größten Aluminiumdenkmälern der Welt macht. Außerdem ist die Jungfrau mit einer Höhe von 45 Metern die höchste Statue Ecuadors und überragt sogar die Christusstatue in Rio.

Die Darstellung der Figur ist die Jungfrau Maria, allerdings mit Flügeln ausgestattet. Zu ihren Füßen tritt sie eine Schlange nieder, was symbolisch für den Sieg des Guten über das Böse stehen soll. Die Jungfrau ist auch ein Symbol für den Schutz Quitos und von vielen Bewohnern wird sie als die Wächterin der Stadt angesehen. Böse Zungen behaupten, dass der Schutz hauptsächlich den reicheren Vierteln von Quito dienen soll, da ihr Blick in Richtung Norden (dem wohlhabenderen Teil der Stadt) gerichtet ist, während sich in ihrem Rücken der „ärmere“ Teil Quitos befindet.

Nach all der Kultur hab ich mit Themba (dem Wolfsburger) ein bisschen Fußball geschaut. Die Stadien in Ecuador mit ihren riesigen Terrassen sind schon sehr beeindruckend und auch die Fankultur kann sich hier sehen lassen, auch wenn man das sicherlich nicht mit Argentinien vergleichen kann. Das angenehme in Ecuador ist, dass hier im Gegensatz zu den anderen Ländern kein Alkoholverbot im Stadion herrscht und somit kann man zum Spielchen und beim Anblick der schönen Stadionarchitektur ganz wunderbar ein Bierchen genießen.

Mit 2 weiteren Besuchern des Hostels haben wir zu viert auch nochmal eine Free-Walking-Tour durch das Stadtzentrum unternommen, um noch ein bisschen mehr über die Bauwerke und die Kultur zu erfahren. Bei bestem Wetter erkundeten wir ein paar Ort, die man vorab zwar schon gesehen hatte, ohne aber irgendwelche Hintergrundinfos dazu zu genießen. Direkt hinter dem Hostel startete die Tour auf der Calle La Ronda, früher ein kleiner Weg entlang eines Baches und heute eine der ältesten und charmantesten Straßen in Quitos historischer Altstadt. Die enge Kopfsteinpflasterstraße schlängelt sich mehrere hundert Meter durch bunte Häuschen mit schönen Balkonen und viele traditionelle Handwerksbetriebe, prachtvolle Innenhöfe, Cafes und Restaurant säumen die Peripherie. Tagsüber ist es hier ganz entspannt und nachts auch belebter als der Rest der Altstadt allerdings ranken sich auch zahlreiche Geschichten um die Calle La Ronda, unter anderem die Legende von Catuña, einem indigenen Handwerker, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben soll, um die anliegende Kathedrale von San Francisco in einer einzigen Nacht fertigzustellen. Als Austausch dafür hat er dem Teufel seine Seele angeboten, die Nachts als Geist noch immer durch Ronda wandeln soll.

Nach Ronda ging es in eine der zahlreichen Manufakturen für Süßigkeiten in der Stadt und wir kosteten ein paar der angebotenen Köstlichkeiten. Quito hat eine lange Tradition in der Herstellung von Süßigkeiten, die nicht nur lecker sind sondern auch eine kulturelle Bedeutung haben. Die süßen Speisen waren auch schon immer ein Symbol für den Wohlstand, den die höheren Schichten und die Kolonialherren genossen. Besonders bekannt in der Stadt sind die Cabezonas oder Cabezitas. Die Bonbons bestehen aus einer festen Hülle (oft aus Zucker oder Schokolade) und sind mit einer kleinen Menge Alkohol gefüllt, meist Rum oder Aquardiente. In den Manufakturen gibt es die fragilen Bonbons in allen möglichen Ausführungen und Füllungen. Ganz lecker zum Probieren, in größeren Mengen könnte der Verzehr allerdings wohl auf Grund der Füllung problematisch werden. In früheren Zeiten strengerer gesellschaftlicher Normen oder Regeln wurden die Bonbons daher auch genutzt, um heimlich Alkohol zu genießen bzw. versteckt zu sich zu nehmen.

Neben den Süßigkeiten spielt auch Kakao eine äußerst bedeutende Rolle im Land. Ecuador ist einer der größten Kakaoproduzenten der Welt und gilt als Herkunft des „feinsten Kakaos“. Als zentraler Bestandteil der Landwirtschaft sind Millionen von Kleinbauern direkt oder indirekt an der Produktion des Kakaos beteiligt und dieser dient als die wichtigste Einkommensquelle in ländlichen Regionen. Neben dem Rohkakao wird daraus auch äußerst schmackhafte und hochwertige Schokolade hergestellt. In einem der Shops wurden verschieden Kakaosorten mit unterschiedlichem Kakaoanteil und verschiedensten Geschmacksrichtungen verköstigt und wir sollten nach der Verkostung die Geschmackssorte zum Kakao erraten. Das war echt interessant aber auch nicht so einfach. Orange, Chili, Ingwer, Minze oder Zitronengras wurden dem Kakao beigemischt und auch wenn das in der Theorie recht simpel klingt, so war es uns nur vereinzelt möglich, die richtige Sorte zu benennen. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht und bis auf die brutal bittere und fast ungenießbare Schokolade aus 100prozentigem Kakao war der Rest auch äußerst lecker.

Nach den kulinarischen Höhepunkten schlenderten wir noch in die Eine oder Andere Kirche in der Altstadt und jede davon ist auf ihre Art besonders. Koloniale Fassaden und vor allem prunkvolle Inneneinrichtungen zieren diese markanten Bauwerke der Stadt. Neben der Iglesia de San Francisco (die älteste Kirche von Quito – Baujahr 1535) und der Iglesia de Santo Domingo mit ihrem prächtigen Holzaltar, ist die wohl bekannteste davon die Iglesia de la Compañía de Jesus. Diese Jesuitenkirche wurde im 17. Jahrhundert erbaut und besticht durch ihre reich verzierte Fassade. Der wahre Glanz dieser Kirche entfaltet sich jedoch erst im Inneren, denn fast der komplette Innenraum ist mit vergoldeten Holzschnitzereien bedeckt. Dünne Goldblätter wurden auf die Holzstrukturen aufgetragen und verleihen der Kirche beim Betreten einen fast magischen Glanz. Schon echt ein verrückter Anblick, wenn man seinen Kopf nach oben streckt und seinen Blick durch die Kirche wandeln lässt und einfach alles in goldenen Farbtönen erstrahlt. Allein der Aufwand für die Beschichtung muss enorm gewesen sein.

Alles vergoldet

Auch diese Kontraste sind es, die Quito so beeindruckend erscheinen lassen. Dies Fülle an prunkvollen Bauwerken, eingebettet in die Hügel auf 2.850 m (und damit die höchstgelegene Hauptstadt der Erde). Dazwischen all das Gewusel, die ganzen Straßenhändler und völlig chaotischen Märkte, Armut, die vielen Indigenen und alle anderen Menschen, die sich so durch das Stadtbild bewegen, egal ob auf dem Weg ins Büro oder ins Restaurant. Die Kontraste sind krass und alles ist ein bisschen rauer hier. Sei es die Umgangsform oder die Gesichter der Indigenen. Was nicht heißen soll, dass die Menschen nicht herzlich sind. Aber es es anders als in den südamerikanischen Großstädten zuvor und es macht Quito unfassbar interessant. Und auch wenn mir zielloses Umherlaufen und Entdecken prinzipiell in Städten Freude bereitet, so ist das hier ein anderes Level – weil es (ja vielleicht ähnlich wie in La Paz) einfach so unfassbar viele Details zu entdecken gibt.

Auch Verkehrstechnisch geht es hier recht moderat zu. Ja, es ist ne Großstadt und der Verkehr führt zu gewissen Problemen allerdings finde ich dies hier nicht ganz so schlimm, wie anderen Metropolen auf dem südamerikanischen Kontinent. Vielleicht hat ja auch die schon vorab erwähnte U-Bahn ihren Teil zur Entlastung beigetragen. Mit der Metro kommt man echt schnell und mega günstig durch die Stadt und gefühlt ist die Hälfte der Bevölkerung im Untergrund beschäftigt. Überall wird gewischt und geputzt. Es gibt mehrere Helfer an den Fahrscheinautomaten, dazu noch mit Personen besetzte Schalter. In den Bahnen fahren Angestellte mit, die Fragen beantworten und darauf achten, dass die Leute nicht ihre Füße auf die Sitze legen. Selbst bei der Einfahrt der Bahnen läuft ein Angestellter mit einem riesigen Lollipop und einer Trillerpfeife den Bahnsteig entlang, um die Menschen vor der einfahrenden Bahn zu warnen und darauf zu achten, dass sich niemand zu nah an der Bahnsteigkante befindet. Ein absolutes Hochglanzprodukt, die Metro und ein echt krasser Aufwand, der hier betrieben wird, um dies möglichst lange so zu erhalten. Aber gut, warum nicht, die Stadt Quito ist nicht ohne Grund sehr stolz auf diese Errungenschaft.

In Quito und auch prinzipiell in Ecuador hat es mir sehr gut gefallen. Ja, das Land hat seine Herausforderungen und vielleicht muss man etwas achtsamer sein als sonst aber ich mag die entspannte Atmosphäre des Landes. Und mich hat die Energie und der raue, vielschichtige Charakter von Quito beeindruckt. Sicherlich hätte ich noch ein bisschen länger in Ecuador bleiben können, denn es gibt noch jede Menge zu entdecken. Aber das heb ich mir für ein anderes Mal auf, denn auf dieser Reise gibt es erstmal noch andere Abenteuer zu erleben.  

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Frühling
Begleitung
Mit Freunden (4)
KulturellKulinarisch
  • Calle La Ronda
  • Free-Walking-Tour durch das Stadtzentrum
  • Iglesia de la Compañía de Jesus
  • Quito Metro
  • Süßigkeiten- und Kakaoverkostung
StadtKulturEssenGeschichteArchitektur
ausderfernebetrachtetFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Antworten

Ecuador
Reiseberichte Ecuador