Huacachina
Nach Cusco, dem Machu Picchu und der langen Zeit in den Höhenlagen sollte es nun weiter nach Norden gehen, und endlich wieder in Gefilde mit normalem Sauerstoffanteil. Die...


Veröffentlicht: 24.12.2024


































Mit zu vielen anderen Menschen und Gepäckstücken in einen Kleinbus gequetscht ging es die 300 Kilometer nach Lima - Bewegungsfreiheit nicht vorhanden. Ungefähr 5 Stunden braucht man für die Strecke. Also zumindest bis zu den Ausläufern der Großstadt. Wenn man Pech hat, dann in der Riesenmetropole nochmal so lange, der Verkehr ist zu den Stoßzeiten eine Katastrophe. Glücklicherweise war nach 2 Stunden innerstädtischem Rumgegondel die Reise beendet und ich wartete im vorab gebuchten Appartment auf meinen schwedischen Kollegen, der noch mit Hangover irgendwo zwischen Paracas und Lima steckte. Eine Woche lang sollten wir uns hier im Südwesten der Stadt, im Viertel Miraflores, direkt am Pazifik einquartieren. Miraflores ist recht europäisch angehaucht und mit seinen zahlreichen Bars und Restaurants aber auch einem gehobenerem Preisniveau beliebte Absteige für zahlreiche Touristen. Lässt man diesen Fakt als Nachteil mal außer Acht, so ist es tatsächlich ganz nett und angenehm hier. Nicht weit von unserer Unterkunft erstreckt sich ein an den Steilhängen zum Meer entlang gezogener grüner Gürtel mit zahlreichen Parks. Parque Chino, Parque Salazar, Parque Letonia und Parque del Amor (um nur einige zu nennen) gehen direkt ineinander über und laden zum bummeln und verweilen ein. Eine sehr entspannte Atmosphäre herrscht hier, man hat einen wunderbaren Ausblick und überhaupt nicht mehr das Gefühl, dass man sich in einer Stadt mit 10 Millionen Einwohnern befindet. Das Naherholungsangebot wird auch von den Großstädtern rege angenommen, zwischen zahlreichen sportlichen Aktivitäten kann man hier auch an Kaffeebuden entspannen oder einfach nur am Pazifik sitzen und ein Buch lesen, während eine erfrischende Brise über die Hügel weht.
In den zahlreichen Restaurants in Miraflores (und Lima generell) kann man die wohl beste Ceviche des Landes finden. Für mich sogar die beste Ceviche, die ich bisher gegessen habe. Und zwar nicht nur auf eine bestimmte Gastwirtschaft in Lima beschränkt, sondern gefühlt flächendeckend. Egal wo in der Großstadt man die Speise aus rohem Fisch bestellt, es ist einfach immer ein absoluter Gaumenschmaus. Ich bin generell nicht der große Meeresfrüchtefan aber diese peruanische Spezialität hatte es mir echt angetan und ich hab während der Tage in der Großstadt fast jeden Tag erneut größere Portionen davon in mich reingefuttert. Dass die Kulinarik in Peru sehr besonders und gut ist, hatte ich bereits in vorangegangenen Einträgen erwähnt, die Ceviche in Lima ist für mich aber definitiv noch die sprichwörtliche Kirsche auf der Torte des Gaumenschmauses und ein absoluter Genuss.
Mit Lima verhält es sich für mich wie mit Sao Paulo. Anfangs etwas verstört von der Größe dieser urbanen Ansiedlung, so entdeckt man die wahre Schönheit Stück für Stück, denn auch Lima hat zahlreiche interessante und lebenswerte Ecken, die Step by Step bei Spaziergängen aufploppen. Natürlich kann man in einer Woche nur einen Bruchteil der Stadt entdecken und unsere Exkursionen führten uns hauptsächlich in die umliegenden Viertel und ins historische Zentrum von Lima. Mit meiner schwedischen Reisebegleitung gestaltete sich die Zeit relativ kurzweilig und außerdem traf ich für 3 Tage Christian aus Buenos Aires wieder, der sich hier auf eine Tour mit einer Reisegruppe in Peru und Bolivien vorbereitete. Mit Christian durch die Stadt zu spazieren hat natürlich nochmal einen ganz anderen Charakter, da sich jeder Spaziergang durch sein geballtes Fachwissen in lateinamerikanischer Geschichte wie eine geführte Tour anfühlt.
Beim Bummeln durch das historische Zentrum von Lima (seit 1988 UNESCO-Weltkulturerbe), welches auch als Stadt der Könige bekannt ist, bekommt man einen guten Eindruck von der kolonialen Vergangenheit und der lebendigen Gegenwart der Stadt. Das Herzstück bildet der Plaza Mayor, umrahmt von prächtigen Gebäuden, wie dem Präsidentenpalast, der Kathedrale und dem Rathaus. Beeindruckend hier vor allem die kolossalen Holzbalkone, die einige der Gebäude zieren mit all den opulenten Details der barocken Architektur. Mehr als 1.600 dieser Gitterbalkone wurden aus der Kolonialzeit erhalten und prägen das Bild des historischen Zentrum. Weniger kolossal aber nicht weniger imposant die angrenzende Fußgängerzone, die Jiron de la Union, mit ebenfalls kolonialem Flair und zahlreichen Cafes, Geschäften und allerlei Straßenkünstlern. In einem der Cafes lassen wir uns zu Dritt nieder und genießen einen Pisco Sour, der klassische und so bekannte alkoholische Drink aus Peru. Zwar hab ich hier im Land auf meiner Reise schon einige Pisco verköstigt allerdings eher selten um die Mittagszeit. Hier in Lima kann man das aber stilecht schon mal machen, denn schließlich gilt die Stadt als der Geburtsort des Pisco. Und es schmeckt auch tagsüber ganz gut. Entfernt man sich weiter vom Centro Historico, so könnte der Kontrast nicht größer sein, denn die umliegenden Straßen sind ein wildes Wirrwarr aus viel zu vielen Menschen, verstopften Straßen und unzähligen Shops, in denen wirklich alles und auch der allergrößte Spittel verkauft wird. Ein absolutes Chaos und kein Ort zum entspannen. An einer Ecke fanden wir eine Buchhandlung vor, in der allerdings keine echten Bücher verkauft wurden, sondern nur die Kopien davon. Also auch nicht in einem ordentlichen Einband oder Ähnlichem sondern wirklich wild kopiert und einigermaßen für den Verkauf zusammengeschustert. Wirklich ein witziger Anblick, ob das Ganze einen tieferen Hintergrund hat, konnte mir auch Christian nicht beantworten.
Bewegt man sich die ca. 10 Kilometer vom Centro zurück nach Miraflores, so kann man sich einen wunderbaren Eindruck vom Verkehrschaos verschaffen, denn die Nord-Südverbindung ist eine der Hauptmagistralen der Stadt und zur Rush-Hour regelmäßig völlig verstopft. Die bessere Alternative ist da der Metro-Bus, man nimmt die selbe Strecke allerdings auf einer extra für die Busse vorgesehenen Spur, die für Autos auch nicht befahrbar ist. So kommt man günstig und schnell von A nach B, allerdings muss man den Körperkontakt und die stickige Luft in den recht vollen Gefährten auch mögen. Pläne, die Stadt mit einer U-Bahn auszustatten wurden verworfen, da der Untergrund einfach zu instabil und sandig ist und somit wird wohl dieses Verkehrschaos noch recht lang Bestand haben. Neben Bus oder Auto bleibt dann wohl nur das Fahrrad als Alternative, auch wenn hierfür keine direkte Infrastruktur vorhanden ist.
Mit Christian unternahm ich außerdem noch einen ausgiebigen Spaziergang durch Barranco, ein an Miraflores anliegendes Viertel - allerdings nicht ganz so hip und schick. Das Künstlerviertel ist für seine boheme Atmosphäre bekannt und mit der zahlreichen Street-Art und den kleinen Bars sehr entspannt und perfekt zum umherspazieren. In Barranco befindet sich auch die Puente de los Suspiros (Brücke der Seufzer) – eine Legende besagt, dass ein Wunsch wahr wird, wenn man die Brücke überquert ohne dabei zu atmen. Da diese Info erst im Nachgang an mich herangetragen wurde, konnte ich dies leider nicht ausprobieren.
Fußball wurde in Lima natürlich auch geschaut, unter anderem mit William zusammen das Quali-Spiel zur nächsten WM, Peru gegen Bolivien. Und obwohl sich Peru aktuell auf dem letzten Platz der Tabelle des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONMEBOL befindet, schlug man sich hier gegen den Favoriten Kolumbien beachtlich und man trennte sich 1:1. Stimmung war auch gut, einzig die Preise im Stadion waren zu bemängeln, umgerechnet 4 Euro für einen kalten und ekelhaften Burger werden der peruanischen Küche natürlich in keinster Weise gerecht.
Lima bietet auf jeden Fall recht viel mehr als es auf den ersten Blick scheint, die Mischung aus all dem urbanen Trubel, die kolonialen Bauten und all der kulturelle Reichtum gestalten den Aufenthalt hier recht kurzweilig und ich denke gern an die Tage hier zurück.
