Auf dem Salkantay Trek zum Machu Picchu
Seit ein paar Wochen nun befinde ich mich bereits in Peru und habe allerlei kulturellen Background dieses von Inka-Kultur triefenden Landes aufgesaugt. Einzig das Highlight von...


Veröffentlicht: 24.12.2024
































Nach Cusco, dem Machu Picchu und der langen Zeit in den Höhenlagen sollte es nun weiter nach Norden gehen, und endlich wieder in Gefilde mit normalem Sauerstoffanteil. Die Freude war groß und fast schon routinemäßig wurde ein Ticket für den Nachtbus gekauft. Das Zwischenziel sollte die Wüstenstadt Ica sein, in der ich auch William, meine schwedische Bekanntschaft aus Cusco wiedertreffen sollte. Der Straßenweg nach Ica führt großteils auf der Panamericana entlang und nach dem Verlassen des Altiplano wechselt die Landschaft beim Blick aus dem Fenster schlagartig. Die trockene, karge Schönheit der Hochanden weicht nach Tagesanbruch staubigen Straßen und trockenen Ebenen. Die Vegetation wird spärlicher und steinige Hügel kündigen die nahende Wüstenregion an. Wenige Stunden vor Ica durchqueren wir die Nazca-Region mit den weltbekannten Nazca-Linien. Über 1.500 teils überdimensionale und fast 3000 Jahre alte Scharrbilder ziehen sich kilometerweit durch die Landschaft. Hauptsächlich Abbilder von Tieren und Pflanzen finden sich hier in der staubigen Landschaft wieder. Erst in den 20er-Jahren nach der Inbetriebnahme einer Flugverbindung zwischen Lima und Arequipa aus der Luft entdeckt, ist die genaue Bedeutung bislang noch immer ein Rätsel. Man weiß, dass es sich bei den Erdskizzen um ein Vermächtnis der Nazca handelt, einer alten peruanischen und in dieser Region beheimateten Kultur. Alles Andere sind Theorien der Wissenschaft, zum Beispiel werden die Linien als Geoglyphen angesehen: Erdzeichen zur Bestimmung der Sonnenposition, um so einen günstigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte festzulegen. Einige Forscher gehen von einem religiösen Hintergrund aus. Auch gibt es Erklärungsversuche im Zusammenhang mit Bewässerungssystemen in dieser trockenen Gegend. Bei meiner Durchreise konnte ich das Geheimnis um die Linien leider nicht lüften allerdings hatte ich einen astreinen Blick auf Einige der Darstellungen. Zwar kann man sich in der Umgebung auch ein Flugzeug inklusive Piloten chartern, um einen Gesamtüberblick über die Scharrbilder zu bekommen, allerdings sieht man am Rande der Straße und an den umliegenden Hängen ein paar dieser Bilder hervorragend aus dem Bus und es ist nicht weniger beeindruckend als aus der Luft, so schätze ich. Gegen Mittag erreiche ich Ica und treffe auf William, es ist angenehm warm und Zeit auf kurze Kleidung umzusteigen - das erste Mal seit dem bolivianischen Dschungel und eine behagliche Abwechslung. Wir verlassen Ica umgehend und fahren mit dem Taxi in die direkt am Rande der Stadt befindliche Wüstenoase Huacachina. Nach nicht einmal 20 Minuten erreichen wir diesen kuriosen Ort und checken (erstmal für eine Nacht) ins Wild Rover Hostel ein. Die als Party-Hostels bekannte Kette unterhält Hostels an verschiedenen Orten in Peru und Bolivien und die ein oder andere legendäre Geschichte hat man schon von anderen Reisenden über die Wild-Rovers gehört. Viel Auswahl gibt es hier im Ort auch nicht, denn bei gerade mal 100 Einwohnern und dem vollends auf Tourismus ausgelegtem Ort gibt es insgesamt 2 Hostels und ein paar Hotels im höherpreisigen Segment, die für die Individualreisenden eher nicht in Frage kommen. Direkt nach Check-In gibt es kühles Bier und einen Logenplatz am Pool. Wir tauschen uns über die Erlebnisse der letzten Wochen aus und beobachten das illustre Treiben der anderen Gäste. Kurz vor Sonnenuntergang machen wir uns auf, die direkt hinter dem Hostel massiv aufsteigende Düne zu erklettern. Sieht natürlich von unten aus betrachtet viel einfacher aus als es dann tatsächlich ist. Im tiefen Sand bergauf zu stiefeln ist tatsächlich nicht so easy und wir kommen ordentlich ins Schwitzen bevor wir rechtzeitig zum Spektakel der untergehenden Sonne den Kamm der Düne erreichen. Ein paar andere Reisende haben sich hier oben eingefunden und man hat einen wunderbaren 360 Grad-Blick über die umliegende Peripherie. Hinter der Düne kann man Ica überschauen und es ist ein recht bizarrer Anblick, wie sich die Großstadt in die Wüste und inmitten von Dünen einfügt. Beim Blick die Anstiegsseite hinunter hat man jetzt außerdem Huacachina einmal komplett auf der Linse und man sieht wie winzig der Ort eigentlich ist. Huacachina ist die einzige Oase auf dem südamerikanischen Kontinent, umgeben von bis zu 100 m hohen Dünen. Die Oase wird durch einen unterirdischen Fluss mit mineralhaltigem Wasser aus den Anden gespeist und wurde lange Zeit als Heilbad genutzt. Ende der 80er-Jahre schließlich trocknete der See auf Grund des erhöhten Wasserverbrauchs fast vollständig aus uns seitdem wird dieser über Rohrleitungen mit zusätzlichem Wasser aus Ica gespeist. Lässt man seinen Blick zwischen Oase und Großstadt in die Ferne schweifen, so sieht man nichts als Sand. Die Wüste zieht sich von hier ohne Unterbrechungen bis zum Pazifik hin und der vom menschlichen Auge zu überblickende Teil gibt nur einen Teil des enormen Ausmaßes dieser Sandfläche wieder. Ein spektakulärer Anblick und da in diesem Moment die untergehende Sonne den Horizont und die Dünenlandschaft in ein Farbenbild aus verschiedenen Orange- und Gelbtönen wirft, bleibt für kurze Zeit der Mund offen stehen. Einfach nur hammergeil und ein absolut würdiges Szenario für unsere Ankunft an diesem besonderen Ort. Wir genießen den Moment bei einem kalten Dosenbier und aus einer Musikbox dröhnt „Take on me“ von Aha. Wilde Kombination aber irgendwie auch ganz passend und bei dem Blick über die Dünenkämme in die Ferne hat man das Gefühl, dass die Welt unendlich ist. Das sind so absolute Glücksmomente, die man am allerliebsten einfrieren und konservieren möchte. Da dies aber nicht möglich ist, so bleibt zumindest die Erinnerung und die ist mindestens genauso wertvoll. Nach dem Abstieg zurück ins Hostel gönnen wir uns noch ein paar Drinks und lassen den Tag mit ein paar netten internationalen Bekanntschaften und illustren Gestalten an der Bar ausklingen.
Die erste Tageshälfte des nächsten Tages wird überwiegend mit Müßiggang verbracht und es wird außerdem die Entscheidung gefällt, noch ein bisschen hier zu verweilen. Der Wohlfühlcharakter ist einfach zu groß, als direkt wieder aufzubrechen. Gegen Nachmittag machen wir uns auf den Weg in die Dünen, um uns wie vorab im Ort gebucht, von einem Buggy durch die hügelige Landschaft düsen zu lassen. Hinter der Oase stehen die Fahrzeuge schon bereit und wir schlendern durch den vierradbetriebenen Fuhrpark. Ein Buggy fasst bis zu 12 Personen und in diesem recht engen Stahlkäfig eingepfercht fühlt man sich eher wie in der Gondel einer Achterbahn als in einer Art Automobil. Bequem ist es auch nicht aber das ist nicht der Zweck dieses Ausfluges, denn es soll eher wild und schnell zugehen und dafür sind die Buggys in der sandigen Umgebung wohl Bestens geeignet. Nach ewigem Warten ohne Grund (ganz Südamerika-Like :)) geht’s dann endlich los und mit ordentlich Zug nach vorn brausen wir in die riesige Sandfläche. Nachdem der Start recht geruhsam erfolgt, so bekommen wir direkt nach kurzer Zeit ein Gefühl dafür, zu was die Fahrzeuge in der Lage sind. Unser Fahrer braust von einer Düne herunter mit Vollgas in die Talsohle und ich frage mich kurzzeitig, ob das tatsächlich noch im Rahmen des Möglichen ist, oder ob wir nicht einfach im nächsten Moment abheben und über irgendeinen Kamm hinausfliegen. Aber ja, es funktioniert, mit voller Geschwindigkeit geht’s die nächste Düne wieder hinauf um kurz vor der Kuppe mit einem brutalen 90 Grad-Schwenker am oberen Rand des Sandberges entlangzugleiten. Absolut irre, was hier für Kräfte wirken und unser Fahrer scheint wohl in solchen Manövern absolut erprobt zu sein. Jetzt ist mir auch klar, wieso die Passagiere hier so in das Fahrzeug gepfercht sind, der Vergleich zum Rollercoaster ist absolut treffend und auch das Gefühl im Magen, wenn es hier mit höchster Geschwindigkeit durch und über die Dünen geht, mit dem einer Achterbahnfahrt vergleichbar. Mehrfach besticht unser Pilot mit spektakulären Fahrmanövern, es knallt und kracht, man wird wie eine Flunder durch die Fliehkräfte in den Sitz gepresst und teilweise frage ich mich, ob das tatsächlich alles so safe ist, was wir hier machen. Der Spaß überwiegt und so wird der Gedanke recht schnell wieder verworfen, bei unserem Ausflug geht auch alles gut. Einheimische erzählen mir später, dass dies wohl nicht immer der Fall gewesen sei und dass wohl tatsächlich schon das ein oder andere Fahrzeug ungewollt über die Dünenkämme geflogen ist. Ausgang unbekannt. Zwischen den wilden Manövern stoppen wir immer mal wieder, um mit boardähnlichen Holzbrettern bäuchlings die Dünen hinunterzubrausen. Macht echt Laune und man bekommt teilweise eine ordentliche Geschwindigkeit aufs Brett, während man mit den Füßen versucht irgendwie das Gefährt zu steuern. Im Grunde ist das aber nicht möglich und auch nicht notwendig, einmal aufs Board gelegt, düst man einfach volle Kanone gerade nach unten, solange bis die Neigung wieder ins Flache fällt. Eine schöne Abwechslung zur wilden Fahrt im Buggy und ne spaßige Angelegenheit. Gegen frühen Abend und nach ein paar weiteren sandigen Achterbahnfahrten stoppen wir mitten in der Wüste und genießen erneut einen absolut spektakulären Sonnenuntergang, nur diesmal ohne Stadt und Oase sondern ausschließlich mit der gefühlt unendlichen Weite der Wüste vor unseren Augen. Ein spektakulärer Ausflug und wenn man bedenkt, dass dies nicht mal 15 Euro gekostet hat, auf jeden Fall ein absoluter Schnapper im Preis-Leistungs-Vergleich. Zum Abend gibt’s noch Karaoke im Hostel und die flüchtigen Bekanntschaften vom gestrigen Tag werden intensiviert. Bester Mann und einer dieser Charaktere, die man auf Reisen kennenlernt und nicht wieder vergisst, ist hier eindeutig Teb, ein gesprächiger und trinkfreudiger Kanadier, der eine interessante Story nach der anderen auspackt und ein absoluter Experte in untergegangenen Kulturen ist. Teb glänzt mit Fachwissen über die Inka und ist auf seiner Reise die nächsten 3 Monate ausschließlich damit beschäftigt, sich sämtliche in Peru befindlichen Ruinen der versunkenen Hochkultur anzuschauen. Außerdem erzählt er mehrfach von einer lebensverändernden Schamanenzeremonie irgendwo in den Staaten, wo irgendein Sekret von einer Kröte verköstigt wurde und er laut eigener Aussage in Sphären jenseits des bekannten Bewusstseins wandelte. Klingt für den gemeinen Leser wohl etwas verstörend, scheint wohl aber tatsächlich für Teb ein prägender Moment gewesen zu sein und mit seiner ruhigen und charismatischen Art ist unsere kanadische Bekanntschaft ein äußerst angenehmer Zeitgenosse.
Auch der dritte und letzte Tag in Huacachina beginnt wieder entspannt und mit rumlümmeln am Pool bevor zum Abend hin die wöchentliche Hostel-Party eingeläutet wird. Für ungefähr 20 Euro erwirbt man eine Getränke-Flatrate für die nächsten Stunden und sämtliche Gäste scharren sich um die schon um 20 Uhr proppenvolle Bar. Bei „Drink for your Country“ kann das internationale Publikum Punkte je Drink sammeln, auf Grund der zahlreichen Gäste aus UK, landet Team Alman jedoch nur auf Platz 2. Sorry dafür – Haha. Auf jeden Fall eine feucht-fröhliche Fatsche und das Wild Rover macht seinem Namen hier alle Ehre.Wild wars auf jeden Fall und als ich am Nächsten Morgen in meinem Bett aufwache, um die Weiterfahrt des Deutsch-Schwedischen Gespanns nach Lima zu koordinieren, ist William verschwunden. Statt auf direktem Wege nach Lima zu gondeln, hat er sich in den Kopf gesetzt, nach Paracas (halber Weg nach Lima) zu fahren, um irgendwelche Pinguine zu beobachten. Wenigstens hat er dies noch vorab per Nachricht angekündigt und während ich mich auf den Weg nach Ica mache um mich in den völlig überbesetzten Kleinbus quetsche, bekomme ich Nachrichten aus Paracas, die von Hangover und ausbleibender Pinguinsichtung erzählen. Da ich selbst noch mit mir und den Platzverhältnissen in meinem Transportmittel zu kämpfen habe, hält sich mein Mitleid in Grenzen. Am selbigen Abend noch sollten wir uns in der Hauptstadt von Peru wiedertreffen und über die letzten Tage schmunzeln.
