Arequipa & Colca Canyon
Von Cusco aus unternahm ich einen 3-tägigen Ausflug nach Arequipa. Der recht bequeme Nachtbus braucht für die 510 km ungefähr 12 Stunden – wir befinden uns im unwegsamen...


Veröffentlicht: 24.12.2024

















































































































































Seit ein paar Wochen nun befinde ich mich bereits in Peru und habe allerlei kulturellen Background dieses von Inka-Kultur triefenden Landes aufgesaugt. Einzig das Highlight von Peru und der wohl bekannteste Spot Südamerikas sollte noch anstehen: Machu Picchu und natürlich der Weg dahin. Bereits im frühen Stadium meiner Reise hatte ich allerlei Reisende getroffen, die zuvor an dieser heiligen Stätte waren und mir immer wieder Infos dazu eingeholt. Recht schnell war mir klar, dass eine komfortable Anreise mit der Eisenbahn für mich nicht in Frage kommen sollte und dass der Weg dahin auf einem der beiden bekannten Pfade stattfinden sollte. Da der Inka-Trail nur recht teuer mit Guide begehbar ist, wollte ich auf dem Salkantay-Trek anreisen. Insgesamt 5 Tage und auf eigene Faust. Die Meisten der Reisenden, die diesen Trek wählen, buchen eine Tour mit Guide. Völlig in Ordnung aber für mich keine Option. Da Nim und Colin, die mich eine längere Zeit in Bolivien begleiteten bereits ein Stück weiter gereist sind und der Besuch des Machu Picchu bereits abgehakt war, hieß es für mich nach der Rückkehr von Potosi, ein paar Dinge in Cusco zu organisieren und dann den Weg zu dieser so bekannten und mystischen Stätte anzutreten. Ich checkte am Vortag für eine Nacht in ein Hostel ein, kaufte mir ein paar Snacks für den ersten Tag (Brot, Avocados, Bananen, Wasser und ein paar Riegel), packte meine Sachen für die nächsten Tage in meinen kleinen Rucksack, gönnte mir in der Stadt noch eine riesige Pizza und ging etwas aufgeregt ins Bett.
Tag 1:
Am nächsten Morgen ging es gegen 9:00 Uhr zu einer Art Terminal für Colectivos, welches ich mir vorab herausgesucht hatte und von dort sollte die Fahrt raus aus der großen Stadt erfolgen. Für 25 Soles (etwa 5 Euro) wurde der Rucksack aufs Dach gepackt und der Wagen fuhr vollgepackt nach Mollepata, einem kleinen Ort etwa 2,5 Stunden von Cusco entfernt und der Startpunkt für den Weg zum Machu Picchu. Im Wagen machte ich Bekanntschaft mit 2 Franzosen, Viktor und Felix, die einen ähnlichen Plan wie ich hatten und die Fahrt gestaltete sich durch interessante Unterhaltungen sehr kurzweilig. Bis kurz vor Ankunft am Ziel lief auch alles sehr entspannt, der wirklich „interessante“ Teil der Fahrt spielte sich ganz am Schluss der Anreise ab: ein sehr enger und staubiger Weg schlängelte sich an einer Schlucht entlang und unser Fahrer war durch ständigen Gegenverkehr dazu genötigt, den Kleinbus in faszinierender Detailarbeit an den anderen Fahrzeugen vorbei zu manövrieren. Prinzipiell kein Problem, wenn sich nicht rechterhand ein fast senkrecht zur Schotterpiste verlaufender und steil abfallender Abhang befinden würde. Mein Fensterplatz an der abschüssigen Seite war hierbei Fluch und Segen. Zwar konnte ich die zentimetergenauen Manöver des Fahrers ziemlich genau verfolgen, allerdings hatte ich auch mehrfach eine regelrechte Schockstarre, weil die blecherne Außenhaut unseres Kleinbusses und die unter uns abfallende Kante eine einheitliche Linie bildeten. Erinnerungen an die Death Road in Boliven wurden wach, mit dem Unterschied, dass man sich nicht auf einem Fahrrad bequem die Straße herunter bewegte, sondern Passagier in einem Colectivo war und keinerlei Einfluss auf den Abstand zum Abgrund hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit auf Grund des erhöhten Adrenalinpegels und einer latenten Unsicherheit kamen wir endlich an einer kleinen Ansiedlung an und machten uns auf den Weg. Es war bereits kurz nach Mittag, wir folgten einem Schotterweg und man erkannte in der Ferne bereits die massiven Gipfel, die die ersten beiden Tage die Kulisse des Treks bilden sollten. Gegen späten Nachmittag erreichten wir das Ende der Schotterpiste und von hier aus sollte es über einen steilen Anstieg zum Humantay Lake gehen von dessen Ufer wir einen atemberaubenden Blick auf den gleichnamigen Berg erhaschen wollten. Vorab suchten wir eine kleine Anlage mit mehreren Hütten auf, denn dieser Ort sollte auch unser erstes Nachtlager sein. Die Nachfrage nach einer Schlafmöglichkeit wurde von dem griesgrämigen Inhaber sehr einsilbig bejaht und gleichzeitig wurden wir darauf hingewiesen, dass wir um 05:30 Uhr unsere Betten räumen müssten, um nach dem im Preis enthaltenen Frühstück direkt zu verschwinden. Da wir 3 uns vorab einig waren, dass wir der Rush-Hour auf dem Trek durch einen späteren Start aus dem Weg gehen wollten, startete Viktor die Anfrage, ob es möglich sei, einfach ohne Frühstück etwas länger zu schlafen und uns dann gegen 07:30 Uhr auf zu machen. Wie von der Tarantel gestochen, lief der schlecht gelaunte Besitzer als Antwort zur Anfrage zu dem bereits bereit gelegten Buch für unsere Namen und Passnummern zu Registrierung, nahm es an sich und signalisierte uns, dass wir uns doch bitte verpissen sollten. Was für ein Freak. Wir schauten uns verdutzt an, besänftigten den impulsiven Peruaner, bestätigten den von im gewünschten frühen Check-Out, trugen uns brav ins Buch ein und zahlten die 60 Soles für die Nacht. Danach folgte Teil 2 der Freakshow: Der Herr zeigte uns unser Nachtlager. Eine aus Sperrholz zusammengeschusterte Hütte mit ca. 15 Betten, jeweils ein etwas größeres Bett unten und ein viel zu kleines Bett oben. Er signalisierte uns, dass das untere Bett (ca. 1,20 m breit) für jeweils 2 Personen sei und wies eines davon den beiden Franzosen zu. Mir wurde eines der oberen Betten zugeteilt und alles war in Butter. So dachte ich zumindest. Nachdem ich meine Sachen verstaut hatte und die Hütte verließ, stürmte der Herr heran und bat mich, mein Bett wieder zu beräumen. Ich sollte in eines der unteren Betten umziehen und dort mit der neu angekommenen wildfremden männlichen Person nächtigen. Hmm, ok. Prinzipiell für eine Nacht wohl kein Problem, allerdings war ich durch den Auftritt zuvor schon etwas angesäuert und schaltete ad hoc in den Diskussionsmodus. Auf meine Nachfrage hin, was der Grund für die Umbettung sei, rannte der Mann wild gestikulierend davon und erschien kurz darauf hin mit meiner bereits getätigten Barzahlung, warf das Geld aufs Bett und zeigte lautstark fluchend auf die Tür. Jetzt war auch meine Geduld am Ende und ich stieg in den Fluch-Reigen mit ein. Eine lautstarke Konversation aus Beschimpfungen füllte den Raum und ich machte dem aufbrausenden und wohl vom Touristengeld völlig versauten Herren unmissverständlich klar, was ich von seinem ganzen Auftritt hier halte. Was für ein Vollidiot und die absolute Ausnahme bei all den netten Menschen, die man tagtäglich so trifft. Aber nichtsdestotrotz, die Tür zu dieser Herberge hatte sich nun für mich geschlossen und das war auch gut so. Ich hatte absolut keine Lust mehr, diesen Kasper in irgendeiner Form zu unterstützen und machte mich aus dem Staub, auch wenn dies für mich einen recht großen Mehraufwand bedeutete, da dies im direkten Umkreis die einzige Übernachtungsmöglichkeit war. Naja egal, Rucksack wieder aufgesattelt und auf den Weg zur Lagune gemacht. Rund eine Stunde dauerte der Aufstieg auf recht solidem Untergrund bis auf 4.300 m und von hier hatte man einen wundervollen Blick auf das hinter uns liegende Tal und den aus der Lagune aufsteigenden 5.473 m hohen Humantay. Grandios wie das Gestein des Riesens direkt in das glasklare Wasser der Lagune überging. Wir stiefelten noch ein Stück um den See, verweilten, genossen den Ausblick und die Vorfreude auf die nächsten Tage. Nur eine kleinere Gruppe Wanderer säumte die Ufer des Sees und es war ein super entspannter Ausklang des ersten Tages. Allerdings stand mir noch die Suche nach einer neuen Unterkunft bevor und kurz vor Sonnenuntergang machten wir uns wieder auf den Rückweg. An der Herberge des Irren angekommen, trennte ich mich von meinen beiden französischen Kumpanen und wir vereinbarten für den nächsten Tag den Start zum Trek an selbiger Stelle für 7:45 Uhr. Für mich hieß es, den Weg wieder ein Stück ins Tal zurückzugehen, in ca. 2 km Entfernung befand sich eine weitere kleine Ansiedlung und dort wollte ich die Möglichkeit einer Unterkunft ausloten. Nach ca. 25 Minuten erspähte ich am Rand des Weges eine Art Hof und fragte nach Asyl. Unproblematisch wurde meine Anfrage durch Abnicken bestätigt und für ebenfalls 60 Soles sollte ich Abendessen, Bett, Frühstück und eine heiße Dusche erwerben. Ein fairer Deal und äußerst nette Besitzer. Ein paar andere Individualwanderer hatten es sich bereits in dem rustikalen Gemäuer gemütlich gemacht und ich gesellte mich dazu. In der Küche brutzelte es bereits und nachdem alle Gäste des Hauses an einer großen Tafel platz nahmen, wurde das Abendessen gereicht: eine deftige Suppe als Vorspeise und Hühnchen mit Reis als Hauptgang. Köstlich und ein absolut versöhnlicher Tagesausklang. Dazu eine absolut nette und herzliche Familie, die hier in ihrem Häuschen für zufriedene Wanderer sorgte. Nach dem Essen wurde noch ein wenig geschwätzt und die Herbergsmutter reichte irgendeinen Wässerchen gegen die Höhenkrankheit. Eine absolute Wohlfühlatmosphäre und ich war sehr zufrieden mit meiner Wahl der Unterkunft. Nach einer heißen Dusche ging es ins Nachtlager (ein großer Raum mit 12 Betten) und recht schnell fielen die Augen zu.
Tag 2:
Um 6:30 Uhr klingelte der Wecker, es war bitterkalt und ich schälte mich mit Mütze, Schal und Jacke bewaffnet aus dem Bett. Frühstück gab es für mich nicht (das war auch so geplant) und nach kurzer Orientierung startete ich etwas nach 7 Uhr zum Treffpunkt mit Viktor und Felix. Am Vortag hatten wir bereits Avocados und Brot für den Tag an einem kleinen Hof eingemarktet und somit sollten wir gut „bewaffnet“ starten. Ziemlich genau zur vereinbarten Zeit traf ich die beiden Franzosen und wir liefen langsam los. Der erste Abschnitt sollte es in sich haben, von 3.900 m sollte es bis auf 4.600 m hinauf zum Salkantay-Pass gehen und dies ziemlich steil. Ein echtes Brett zum Einstieg. Durch den recht späten Start waren wir beim Anstieg die einzigen Personen auf dem Trek und wir arbeiteten uns langsam aber stetig den steilen Weg hinauf. Nach einer Stunde erreichten wir ein Plateau auf dem sich allerlei Alpakas, Pferde, Esel und Maultiere zu uns gesellten und von hier aus hatte man einen atemberaubenden Blick zurück ins Tal und auf den sich vor uns befindenden schmalen und steinigen Pfad hinauf zum Pass. Im Hintergrund thronte der Salkantay mit seinen 6.264 m und man bekam jetzt ein recht gutes Gefühl dafür, in was für Gefilden man hier herumwanderte. Kurz vor dem Einstieg in den Pass sah ich 2 Mädels auf einem Stein sitzen und nach kurzem Blickkontakt traute ich meinen Augen kaum. Lautes Gelächter brach aus, eines der Mädels war Aneli, eine Deutsche, die ich bereits in Santa Cruz und La Paz getroffen hatte und die ein Teil der äußerst angenehmen Community in Bolivien war. Die Welt ist eben echt ein Dorf und nach kurzem Helau und großer Freude über das unerwartete Wiedersehen machten wir uns auf den Weg hinauf zum Pass. Die nächsten 45 Minuten sollten es echt in sich haben. Man merkte jetzt schon ziemlich, in was für Höhen man sich befindet und die kleine Karawane schlich mit reichlich kurzen Pausen den Pass hinauf. Ein kontinuierlich schneller Schritt war nicht mehr möglich, der Schwierigkeitsgrad an dieser Stelle war auf jeden Fall recht hoch und ein Mix aus Erschöpfung und Glückseligkeit erfüllte jeden Schritt. Am Scheitelpunkt des Passes angekommen trafen wir das Erste mal auf eine größere Ansammlung an Menschen, die hier pausierten und Fotos schossen. Durch den späteren Start kann man recht gut den Gruppen aus dem Weg gehen und bis zu diesem Punkt realisierte man kaum dass sich noch eine größere Anzahl an anderen Wanderern auf dem Pfad befinden. Nach kurzer Rast auf fast 4.700 m und einer kleineren Stärkung ging es auf der anderen Seite wieder hinab ins Tal. Der bis dato klare Himmel verdichtete sich durch allerlei Wolken und man hatte kurzzeitig das Gefühl, dass das Wetter umschlagen könnte. Dies war aber nur eine Momentaufnahme und trockenen Fußes marschierten wir ins Tal hinunter. Immer wieder mussten wir kurz stoppen, weil allerlei Esel und Maultiere unseren Weg kreuzten. Absolut beeindruckend, wie sich die Huftiere hier mit einer Leichtigkeit in diesem Terrain bewegen. Als Mensch zieht man in diesen Gefilden definitiv den Kürzeren, allein schon der Kondition wegen. Auf halbem Weg ins Tal beschloss die Deutsch-Französische Reisegruppe einen Stopp für das Mittagessen einzulegen und wir ließen uns windgeschützt auf einer kleinen Wiese zwischen ein paar Felsen nieder. Der kurze Stopp gestaltete sich schlussendlich als längere Rast, auch weil sich nach kurzer Zeit ein paar Wildpferde zu uns gesellten, um unser Nahrungsangebot zu inspizieren. Einer der Kollegen traute sich fast direkt in unsere Mitte und wurde mit Avocadoschalen und Brotresten belohnt. Ein wundervoller Anblick, wie unsere Essensreste laut schmatzend von den behuften Freunden verzehrt wurden. Irgendwann stellten wir fest, dass wir wohl schon viel zu lang den Gaumenfreuden fröhnten und machten uns wieder auf den Weg, schließlich stand noch ein recht ordentlicher Marsch vor uns. Am anderen Ende der Talsohle auf ca. 3.800 m warteten wir, bis sich die komplette Reisegruppe durch unterschiedliches Tempo getrennt wieder zusammengefunden hatte und liefen weiter. Die Vegetation wechselte nun vollständig, Gestein und Geröll in der lebensfeindlichen Hochgebirgszone switchte nun langsam aber stetig zu üppiger Bewaldung und grünen Wiesen. Immer wieder stoppten wir für entgegenkommende Gruppen von Huftieren und gegen 17 Uhr erreichten wir eine kleine Ortschaft, die das Ziel unseres anstrengenden Tagesmarsches sein sollte. Im Ort gab es allerlei Unterkünfte und wir wählten die erste Option, ein kleines Anwesen, familiengeführt, bot wie bereits am Vortag, Abendessen, Bett und Frühstück zum Preis von 60 Soles (ca. 15 Euro) an. Ich gönnte mir mit Felix und Viktor ein Bier und wartete auf das Abendessen, während die 2-jährige Tochter der Familie ihre komplette Puppenstube auf dem Tisch vor mir aufbaute und sichtlich Spaß dabei hatte, sich von dem fremden Gast bespaßen zu lassen. Eine herrliche Form der Völkerverständigung auch wenn das Ganze kurz vor dem Abendessen unter Tränen, von der Mutti der Kleinen unterbrochen wurde. Das Abendessen war einfach aber köstlich und man teilte den Tisch mit ein paar Wanderern, die man bereits in der Herberge am Vortag getroffen hatte, bevor es nach heute insgesamt 23 zurückgelegten Kilometern erschöpft aber äußerst zufrieden ins Bett ging.
Tag 3:
Selbiges Spiel am dritten Tag: Weckerklingeln um 6:30 Uhr und nach einem einfachen aber schmackhaften Frühstück wurde die Verpflegung für den Tag eingekauft und während ich auf die anderen wartete, beobachtete ich noch einen der Einheimischen, wir er ein Ferkel in einen Stoffbeuten verstaute, um es mit allerlei Strick umwickelt an einem der Pferde befestigte. Das Schweinchen fand das Ganze eher weniger lustig, musste sich laut grunzend aber seinem Schicksal ergeben. Der heutige Tag sollte seine Tücken erst ganz am Ende aufzeigen, die ersten 20 Kilometer sollte es überwiegend flach zugehen, stetig dem Canyon des Rio Santa Teresa folgend, bevor die letzten 5 km über einen sehr steilen Anstieg hinauf zu einem Plateau die eigentliche Herausforderung darstellen sollte. Auf dem ersten Abschnitt sah man allerlei alte Inka-Brücken, die halbverfallen den Fluss überbrückten. Sehr interessant, wie sich die Bauwerke über die Jahre, immer noch mehr oder weniger intakt in die Landschaft einfügten. Zur Reisegruppe hat sich mittlerweile ein dritter Franzose gesellt. Malo, ein Freund von Felix und Viktor hat in der selben Unterkunft genächtigt und ist nun Teil unserer 6-köpfigen Expedition. Der Pfad führte mit ein paar kleinen Anstiegen immer den Lauf des Flusses entlang, man sah allerlei wilde Wasserfälle und ein Reigen aus Orange-Schwarzen Schmetterlingen (wohl Monarchfalter) begleitete uns in kleineren und größeren Gruppen fast den kompletten Tag. Durch das unterschiedliche Tempo trennte sich die Gruppe allmählich und ich schritt mit Viktor voran, der Ausblick nach vorn, das grüne Tal überblickend war fast den ganzen Vormittag absolut beeindruckend. So langsam merkte man auch immer mal wieder, dass man einen (wenn auch kleinen) Rucksack mit sich schleppte, denn die Schultern fingen an, die Last zu spüren und schmerzten, wenn auch nur leicht. Nach 4,5 Stunden dem Tal folgend, erreichten wir die kleine Siedlung Lucmabamba, gute 23 Kilometer standen auf der Uhr, der bisher zurückgelegte Weg war doch von der Schwierigkeit her recht entspannt und wir entschieden uns im Ort eine kurze Pause für ein Mittagsmahl einzulegen, bevor das Schwierigkeitslevel nach schon recht langem Weg noch einmal deutlich ansteigen sollte. Für einen schmalen Taler wurde der Klassiker Huhn mit Reis vertilgt und eine ausgiebige Rast eingelegt, um auf den Rest der Reisegruppe zu warten. Als nach 1,5 Stunden noch immer kein vertrautes Gesicht zu sehen war, entschieden Viktor und ich uns dazu, allein aufzubrechen, um dann am Tagesziel auf die Anderen zu warten. Der Weg führte hinaus aus dem Dorf den Berg hinauf und wir wanderten komplett auf der Sonnenseite. Es war unfassbar heiß und man hatte kaum eine Möglichkeit, der knallenden Sonne zu entgehen, was neben dem steilen Anstieg eine zusätzliche Schwierigkeit bedeutete. Während wir den ersten Teil des finalen Parts noch mit einer recht hohen Geschwindigkeit im Duo hinaufstiegen,wurde es im Verlaufe der letzten 5 km immer steiler und wir mussten in immer regelmäßiger werdenden Abständen eine Pause einlegen. Die Sonne knallte, der Anstieg bearbeitete unsere bereits müden Beine und wir schnauften irgendwann wie Lokomotiven. Der Ausblick vom Berghang war zwar äußerst beeindruckend, allerdings wechselte der Weg irgendwann in unfassbar steile und bereits ordentlich erodierte Treppenstufen und man konnte die Peripherie nur noch bedingt genießen. Mit beachtlichen 25 Tageskilometern in den Beinen wollte man einfach nur noch ans Ziel kommen. Auf den letzten Kilometern stoppte ich gefühlte einhundertmal, schaute immer wieder auf den Streckenmesser und schwitzte dabei wie ein Schwein. Irgendwann ging es nur noch in Zeitlupe nach oben und ich war heilfroh als das Terrain etwas flacher wurde und das Ziel nur noch einen Steinwurf entfernt war. Schwierigkeitslevel hier ganz klar HOCH und die Kombination aus bereits zurückgelegter Strecke, Gepäck, Beschaffenheit und Anstieg des Weges und der Hitze machten sich deutlich bemerkbar. Nach 2 Stunden erreichten wir das Plateau und fielen uns glücklich aber erschöpft in die Arme. Zu unserer Überraschung waren kaum andere Menschen hier oben, der eigentliche Salkantay-Trek führt vor dem Anstieg zu diesem Ort weiter am Berg entlang und die meisten Wanderer entscheiden sich wohl für den direkten Weg ohne zusätzliche Strapazen. Schade eigentlich, denn nach kurzem Verschnaufen realisierte ich die Magie dieses Ortes: auf einem überschaubaren Hochplateau mit einer herrlichen grünen Wiese hatte man einen absolut atemberaubenden Ausblick über die komplette umliegende bergige Landschaft und als Highlight konnte man in einiger Entfernung den Machu Picchu sehen. Was für eine geile Scheiße, ich war absolut beeindruckt und war mir direkt und zweifelsfrei sicher, dass sich für diesen Anblick der steinige Weg gelohnt hat. Zudem gab es an diesem Ort auch Infrastruktur für Übernachtung und ein netter Peruaner betrieb hier ein Nachtlager mit Zelten, Verpflegung und kaltem Bier. Auch wenn der Franzose eher dem Wein zugeneigt ist, gönnten Viktor und ich uns 2 eiskalte Gerstensäfte aus der Dose und genossen den spektakulären Ausblick. Wenn Glücksgefühl eine Situation widerspiegelt, dann war es definitiv die Jetzige. Alles war perfekt und der Grad der Erschöpfung trug das passende Körpergefühl bei. Knapp 30 Kilometer sollten es heute gewesen sein und jeder einzelne davon war diese Szenerie einfach nur wert. Nach einer gefühlten Ewigkeit gesellten sich die anderen beiden Franzosen mit einem ähnlichen Gefühl zu uns, einfach alle hier oben waren absolut glücklich. Die beiden Mädels entschieden sich, im Tal zu bleiben und erst am nächsten Tag den Aufstieg in Angriff zu nehmen, auf Grund der äußeren Gegebenheiten eine absolut nachvollziehbare Entscheidung. Nach ausgiebigem Genießen und Freude über das Erreichen des Tageszieles schlugen wir 2 Zelte auf. Analog zu den anderen Tagen war der Preis für das Nachtlager und Verpflegung ebenfalls wieder 60 Soles. Der nette Herr managte das komplette Business hier oben in Personalunion aus Herbergsvater, Barkeeper und Koch allein und wir bezogen unsere Zelte jeweils zu Zweit, bevor unser Host sich aufmachte, ein äußerst leckeres Abendessen zu präparieren. Die Zelte waren mit bequemen Matratzen ausgestattet und insgesamt befanden sich mit uns noch 2 Pärchen aus Deutschland den Niederlanden plus ein Typ aus England mit auf dem Plateau. Eine sehr beschauliche und chillige Gruppe an diesem exklusiven Ort und ansonsten keine Menschenseele. Einfach herrlich. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde das Abendessen serviert: Eine Art peruanischer Quiche mit Reis und Pommes plus selbstgemachte gefüllte Pfannkuchen. Meine Fresse, was für ein hammergeiles Mahl. 10 von 10 Sternen für diesen unfassbar coolen Typen, der das hier alles so selbstverständlich managte. Beim Essen herrschte komplette Stille, ein Jeder genoss diesen Moment und das so köstliche und unerwartete Mahl. Man vernahm lediglich ab und an ein leichtes Schmatzen aus den Mundhöhlen der erschöpften Wandergruppe. Kurz nach 21 Uhr bezogen wir unsere Zelte, genossen die Stille der Nacht und schliefen erschöpft ein. Ein anstrengender, aufregender und so wundervoller Tag neigte sich dem Ende entgegen.
Tag 4:
Um kurz nach halb 7 öffnete ich den Reißverschluss des Zeltes und streckte meinen Kopf heraus. Nebel umhüllte das komplette Tal, Stille umhüllte das Plateau und unser Gastgeber hatte bereits das Frühstück gezaubert. Wir fanden uns an der Tafel ein und stärkten und für den Tag. Kurz nach 8 zog der Nebel auf und eröffnete uns erneut einen Blick auf das Ziel der Reise. So nah und doch noch so fern zeigte sich uns der Machu Picchu und es war Zeit aufzubrechen. Ein noch langer Weg lag vor uns und noch bevor allerlei anderer Wandergruppen das Plateau erreichten und unserer exklusiven Runde hier oben beiwohnten machten wir uns auf hinunter ins Tal auf der anderen Seite des Hochplateaus. Vorbei an einer verfallenen Inka-Siedlung ging es stetig bergab, die Vegetation war üppig und es war heiß. Diese urwaldähnliche Szenerie war schon ein krasser Kontrast zu den steinigen Gipfeln a den ersten Tagen des Treks. Nach 2 Stunden durch den Dschungel erreichten wir Hidroelectrica, der letzte Ort vor dem Machu Picchu, dem man mit dem Auto anfahren kann. Von hier aus gibt es keine Möglichkeit mehr, auf einer Straße weiterzufahren, der einzige Weg, wenn man nicht zu Fuß unterwegs ist, ist die Eisenbahn. Wahrscheinlich wäre es recht einfach, von hier aus die Straße weiter nach Aguas Calientes, den Ort zum Einstieg des Machu Picchu zu bauen, allerdings würden dann wohl auch die Einnahmen der tausenden Touristen flöten gehen, die täglich die recht teure Bahnverbindung von Hidroelectrica oder auch komplett von Cusco aus wählen. Ist aber nur eine Vermutung, dass der Grund der nicht vorhandenen Straße darin liegt. Der Fakt ist aber nun mal, dass man von hier nur auf dem Fußweg oder mit der Bahn weiter kommt. Nach fast 4 Tagen Fußweg und all den Strapazen erübrigt sich allerdings die Frage nach dem weiteren Transportmittel, denn dies kann nur der Fußbus sein. An der Bahnstation in Hidroelectrica gibt es allerlei Verpflegungsbuden und man deckt sich nochmal mit Proviant ein. Die letzten 12 Kilometer sollten dann entlang der Gleise bis nach Aguas Calientes gehen. 2,5 Stunden dauert der Marsch nochmal, der Weg wird touristischer und man trifft auf allerlei anderer Wanderer, die den Weg entlang der Gleise wählen. Dennoch ist es relativ entspannt, lediglich kleinere Gruppen trifft man, die Meisten auf dem Rückweg von Aguas Calientes. Nach den letzten Tagen macht sich vor allem die Last bemerkbar, die man auf den Schultern trägt, bei jeder Rast versucht man sich möglichst schnell dem Rucksack zu entledigen, der Rücken und die Schultern schmerzen und dass, obwohl man mit der leichtmöglichsten Zuladung läuft. Ein weiteres Problem an diesem Tag ist die Beschaffenheit des Untergrundes. Die losen Steine des Gleisbettes auf dem man überwiegend läuft, bohren sich kompromisslos in die vom Marsch der letzten Tage übersensiblen Fußsohlen hinein. Teilweise hat man das Gefühl, barfuß über die Steine zu laufen, jeder Schritt schmerzt und der Versuch, dauerhaft auf den Baken der Gleise zu laufen,scheitert an den unterschiedlichen Abständen. Ein homogener Schritt ist unmöglich. Auch wenn die Strecke hier nur noch flach verläuft, ist der Weg recht anstrengend. Gegen frühen Nachmittag erreichen wir Aguas Calientes, völlig durchgeschwitzt, vom Weg gemartert und verdreckt trifft man hier das erste Mal in Größenordnung auf die Touris, die sich bequem mit der Bahn hier herfahren lassen. Schon ein lustiger Anblick, wenn man völlig räudig an diesem Ort ankommt, während irgendwelche Mitfünfziger mit rosafarbenden Pollundern über den Schultern und völlig vital und erholt an einem vorbei schreiten um den Ort zu erkunden. Aber das ist Teil des Games. Neben allerlei Hostels und Backpackerunterkünften gibt es in Aguas Calientes auch 5-Sterne-Hotels und für jede Art von Reisenden ist hier gesorgt. Der Ort an sich ist wohl hauptsächlich des Machu Picchu wegens existent. Klar leben hier auch Einheimische, die Infrastruktur und fast alles hier sind allerdings vollends dem Tourismus gewidmet und zwar in allen Facetten. Schon ein krasser Kontrast nach der bisherigen Wanderung und auch der komplette Wiedereintritt in die Zivilisation. Zwischen allerlei Souvenirbuden und Restaurants schallt laute Popmusik aus den Bars um die gut betuchten Besucher mit mitteleuropäischen Preisen zu konfrontieren. Wir lassen den Touriwahn links liegen und betreten ein Restaurant für Einheimische, in dem man für nicht einmal 4 Euro ein ausgezeichnetes Mittagessen mit Getränk bekommt. Ja auch sowas findet man hier, für jeden Gusto ist sozusagen etwas dabei. Da wir natürlich noch kein Eintrittsticket für den heiligen Ort haben und online alles monatelang ausverkauft ist, betreten wir nach dem Mittag die Touristinfo. Tausend Tickets am Tag werden wohl noch neben dem Vorverkauf herausgegeben. Ob man eins davon bekommt, hängt von der Saison und der Masse der Touris ab, die sich am gewünschten Besuchstag im Ort aufhalten. An der Touristeninfo erhalten wir nach Vorlage unseres Passes eine Nummer und werden gebeten uns Punkt 16 Uhr an der Ticketverkaufsstelle einzufinden. Okay das ist ja schon mal die halbe Miete. Kurz vor dem Termin am vereinbarten Ort angekommen steht schon eine riesige Menschentraube vor dem Gebäude. Wir haben Nummern jenseits der 200, na mal schauen, wie das Prozedure hier abläuft. Kurz nach 4 treten zwei Typen vor die Menschenmassen. Einer macht den Einlass, der Andere fängt an durch ein Megaphon die Nummern in Richtung der Massen zu brüllen. Er startet mit 150 und Jeder, der seine Nummer hört, darf ins Gebäude und an den Ticketschalter. Es ist wie auf einem Basar. Viele der aufgerufenen Nummern werden allerdings nicht abgerufen und nach kurzer Zeit sind wir dran und dürfen eintreten. Bis hier ein recht einfaches Spiel, jetzt ist lediglich noch die Frage, ob man seinen gewünschten Circuit bekommt. Insgesamt gibt es 4 Circuits durch den Machu Picchu (unterteilt in A und B), man hat insgesamt also 8 Möglichkeiten. Jeder Circuit nimmt einen anderen Weg durch die Inkastätte und nicht mit jedem der Circuits hat man auch die Möglichkeit in die Ruinen der Stadt vorzudringen. Nach Vorabrecherche ist wohl Circuit 2 der „Beste“, man hat mehrfach den bekannten Blick über die Stätte und kann komplett durch die Ruinen der Stadt wandeln. Am Ticketschalter angekommen die Frage nach dem gewünschten Circuit. Numero 2 ist noch verfügbar. Da man vorab aber auch einen Timeslot wählen muss, kann es bei so kurzfristigem Kartenkauf auch vorkommen, dass man neben dem Circuit auch einen Slot vorgegeben bekommt. Aber auch hier haben wir Glück (ich bin mit Malo unterwegs) und wir können entspannt Circuit 2 zu unserer gewünschten Zeit um 10 Uhr am nächsten Tag auswählen. Jackpot und alles wie gemalt bis hierher, für 35 Euro wechselt das Ticket den Besitzer. Keine Ahnung woran es bei uns lag, aber ich habe auch schon von Leuten gehört, die mehrere Tage warten mussten, um spontan an ein Ticket zu kommen. Ok, der Pflichtteil war nun getan, jetzt heißt es nur noch Glück mit dem Wetter zu haben. Es ist Regen für morgen gemeldet und es stellt sich eine gewisse Anspannung ein. 4 Tage bis hierher, um am nächsten Tag den Machu Picchu auf Grund von Nebel, Regen und Wolken nicht zu sehen – keine schöne Vorstellung aber eben auch alles im Bereich des Möglichen. Ein paar wenige Leute habe ich auf meinen Reisen getroffen, bei den dieses (glücklicherweise) nicht zu beeinflussende Szenario eingetroffen ist. Bad Luck dann eben – also für morgen Daumen gedrückt. Ändern kann man es sowieso nicht. Den Rest des Tages erkunden wir noch ein wenig die Tourihölle Aquas Calientes, essen günstig in einheimischen Lokalen oder widmen uns der Fußpflege. Meine beiden Sohlen sind von mehreren riesigen Blasen übersäht und es gibt angenehmere Dinge als mit geschundenen Füßen wahllos durch die Gegend zu laufen.
Tag 5:
Um 8 Uhr klingelt der Wecker und nach kurzer Stärkung machen Malo und ich uns auf den Weg. Die anderen beiden Franzosen haben einen Slot eher gewählt und wir vereinbaren ein Treffen gegen Mittag am Ausgang des Berges. Unsere Rucksäcke nehmen wir mit, da wir uns nach dem Highlight der Reise direkt auf den Rückweg nach Hidrolectrica machen wollen, ohne den Umweg über den Ort zu nehmen. Vorbei an den Tourimassen, die gestaffelt auf die ständig den Berg hinaufbrausenden Busse warten, schreiten wir an den Fuß der Treppenstufen über die man auf dem Fußweg den Eingang zur Stätte erreichen kann. Nach unseren Infos kann man hier für ein kleines Entgelt das Gepäck abgeben um ohne Zusatzgewicht den Weg nach oben antreten zu können. Ungefähr eine Stunde braucht man für die rund 1.800 Stufen. Zu unserem Pech hat das Restaurant für die Gepäckabgabe geschlossen und wir müssen den steilen Weg mit unseren Rucksäcken antreten. Naja nach den letzten Tagen macht der letzte Ritt mit oder ohne Gepäck das Kraut auch nicht mehr fett. Kurz geflucht und dann tapfer den Weg ertragen. Es ist schon hundeanstrengend, die steilen Stufen mit schmerzenden Schultern hinaufzuklettern, während man immer wieder die Straße kreuzt und erholte Gesichter aus den vorbeifahrenden Bussen die geschundenen Wanderer begaffen. Fast ziemlich genau eine Stunde dauert der Anstieg und völlig durchgeschwitzt erreichen wir kurz vor 10 Uhr den Eingangsbereich des Machu Picchu. Hier muss man sich erstmal kurz sammeln. Eine riesige Traube Menschen tümmelt sich hier und es ist schon ein witziger Anblick: Während man sich völlig erschöpft und gezeichnet von den letzten Tagen am Eingang einfindet, ist man gesäumt von allerlei illustren Gestalten, die sich hier First Class im High-End-Zug und dann per Busexpress hergondeln lassen haben und ihre exklusive Outdoorkluft inklusive mehrere hundert Euro teurer Wanderschuhe präsentieren, die natürlich in einem makellosen Zustand sind. Das sind Kontraste und ein Blick auf das eigene und völlig verdreckte Schuhwerk lassen einen kurz schmunzeln. Ein faszinierender und grotesker Anblick, aber ja: Jeder, wie er gern mag. :)
Rucksäcke am Eingang abgegeben, öffnet sich nach kurzem Anstehen um kurz nach 10 Uhr die heilige Stätte. Wir schreiten herein und sind aufgeregt, was uns hier erwartet und ob es nach all den anstrengenden und ereignisreichen Wandertagen tatsächlich nun die Kirsche auf der Torte sein sollte.
Direkt am Anfang ist man gesäumt von zahlreichen Reisegruppen und Guides, die Touris durch die Stätte führen. Als wir nach kurzer Zeit einen ersten Ausblick auf die weltbekannten Ruinen erhaschen, fällt mir tatsächlich die Kinnlade herunter. Es ist unfassbar beeindruckend und atemberaubend und es ist tatsächlich einer der Orte, die man tausendfach auf Bildern und in Dokus gesehen hat und wo man, wenn man einmal selbst vor Ort ist, einfach nur überwältigt ist. Was für ein Anblick und was für ein Ausblick. Ich bin total überwältigt und muss mich erstmal kurz hinsetzen. Es ist wunderschön und viel besser als all das was man vorab schon so oft gesehen hat. Boah was für ein Gefühl, endlich hier zu stehen und das alles live mit eigenen Augen zu sehen. Ich stehe einfach nur minutenlang da und glotze. Glotzen und Staunen. Weltklasse. Man kann entweder seinen Blick direkt über die so bekannte Attraktion schweifen lassen oder sich an der atemberaubenden Szenerie erfreuen. Die umliegenden Berggipfel sind mindestens genauso beeindruckend wie die eigentliche Hauptattraktion und auch der Wettergott ist wieder gnädig zu mir. Es ist bewölkt aber die Wolken verziehen sich zusehend und man hat einen wunderbaren und uneingeschränkten Blick über dieses Meisterwerk der Inkakultur. Am Eingang zum Circuit 2 bekommt man ein rotes Halsband umgelegt, mit dem man zu dem weltbekannten Hauptfotospot schreitet. Der tausendfach gesehene Blick von schräg oben auf die verlorene Stadt. Danach gibt man brav die Bändchen ab und geht seines Weges. Hiermit soll wohl an diesem Punkt sichergestellt werden, dass Leute von anderen Circuits nicht den Weg wechseln. Nachvollziehbar und auch recht strikt kontrolliert. Danach allerdings ist das Wechseln innerhalb der Circuits recht unkompliziert. Zwar stehen überall Wächter allerdings sind die einzelnen Circuits eng miteinander verbunden und manchmal wechselt man auch versehentlich den Circuit. Alles überhaupt kein Problem und die Wächter mit ihren Trillerpfeifen sind auch alle recht umgänglich. Was hat man vorab nicht alles gelesen: man darf nicht stehen bleiben und nicht zurückgehen, alles ist streng kontrolliert und überwacht. Bullshit. Klar gibt es ein paar Regeln beim Begehen der Stätte und dies ist auch völlig nachvollziehbar aber Keiner wird hier angeraunzt, weil er mal ein Stück zurück läuft oder versehentlich den Circuit wechselt. Alles super entspannt. Und auch wenn die Stadt natürlich recht stark frequentiert ist (ist ja auch völlig logisch bei der Top Sehenswürdigkeit in Südamerika), kann man den Tourimassen recht gut entgehen und sein eigenes Ding machen. Die Stadt ist riesig und alles verläuft sich recht gut. Und wenn man doch mal in eine Gruppe gerät, kann man auch super entspannt ein paar interessanter Infos der Guides aufschnappen. Es ist so unfassbar beeindruckend und man wechselt immerzu seinen Blick zwischen den Ruinen und der Umgebung. Beides für sich unverwechselbar und jeden einzelnen Schritt hier hoch wert. Überhaupt fühlt sich das Ganze noch tausendmal wertvoller an, durch den Weg, den man bis hierher zurückgelegt hat. Für mich definitiv als Gesamtpaket eine 10 von 10 und ich weiß nicht, ob ich mich genauso überwältigt fühlen würde, wenn die Anreise bequem per Zug erfolgt wäre. Der Weg als Ziel und das Ziel als Endpunkt dieser beeindruckenden Wanderung lassen ein so unfassbares Gefühl der Zufriedenheit aufkommen. Einfach nur schön. Insgesamt 4 Stunden wandern wir durch die Stadt. Background-Infos zum Machu Picchu werde ich hier jetzt nicht thematisieren, dazu gibt es tausendfache Artikel im Netz. Beeindruckend ist die ganze Geschichte auf jeden Fall und einmal im Leben durch diese so bekannten Bauwerke zu wandeln ein sehr besonderes Gefühl. Klischeehaft gesellen sich irgendwann Lamas zu der eh schon beeindruckenden Szenerie und man ist nun vollends angekommen im Machu Picchu, dem „alten Gipfel“, der wohl bedeutendsten Stätte der Inka. Nach ausgiebiger Inspektion und ungläubigem Staunen über die Baukunst der Inka verlassen wir diesen magischen Ort und treten den Rückweg an. Am Fuße der Treppen treffen wir auf Viktor und Felix, die ebenfalls noch die Faszination für diesen Ort im Gesicht stehen haben. Da es von hier keine Möglicheit außerhalb der teuren Eisenbahn zurück nach Cusco gibt, müssen wir den ganzen Weg an den Gleisen entlang nach Hidroelectrica laufen. Auf dem Weg zurück treffen wir all die Leute, die das Erlebnis noch vor sich haben. Einige davon völlig erschöpft mit riesigen Rucksäcken. Puh, das ist echt ne harte Nummer. Vor allem wenn man die Strapazen mit kleinem Backpack schon kennt. Sollte man die Wanderung über mehrere Tage wählen, empfiehlt sich ausdrücklich leichtes Gepäck – alles andere ist echt Folter und auch unnötig. Gegen 16:30 Uhrund nach 20 Tageskilometern erreichen wir Hidroelectrica. Zwei Colectivos warten am Ende der Bahnlinie und wir besteigen völlig fertig aber zufrieden eines der Fahrzeuge zu Viert. Nach endlosem Gegurke über Serpentinen und einem Umstieg erreichen wir Cusco gegen kurz vor Mitternacht. Der Fahrer schmeißt uns in der Nähe der Altstadt raus und wir beziehen alle zusammen ein Hostel, in dem wir völlig erschöpft aber absolut glücklich und überwältigt ins Bett fallen. Insgesamt wurden inklusive Rückweg nach Hidroelectrica etwas über 110 Kilometern in 5 Tagen zurückgelegt. Wohl einer der anstrengendsten (vor allem der Distanz wegen) aber natürlich auch beeindruckendsten Wanderungen, die ich bislang getätigt habe. Danke auch an meine französischen Freunde für die unfassbar gute und kurzweilige Begleitung. Am nächsten Tag haben wir nach ausgiebigem Schlaf noch zusammen ein Restaurant besucht, in dem wir uns am Raclette labten. Ein guter Ausklang von ereignisreichen 5 Tagen, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Bon Voyage Amigos – es war mir eine Ehre!
