Cusco
Wenn man die Grenze von Bolivien nach Peru überquert, fallen einem zuallererst die ungewohnten Straßenverhältnisse auf. Gepflegter Asphalt und Fahrbahnmarkierungen. Nicht...


Veröffentlicht: 18.12.2024

















































Von Cusco aus unternahm ich einen 3-tägigen Ausflug nach Arequipa. Der recht bequeme Nachtbus braucht für die 510 km ungefähr 12 Stunden – wir befinden uns im unwegsamen Andenhochland und als ich mitten in der Nacht kurz aufwache, weil ich das Gefühl habe, dass die Luft schon wieder dünn ist und das Atmen schwerer fällt, verrät der Höhenmesser, dass wir uns auf 4.800 m befinden. Ganz normale Verhältnisse hier eben. Arequipa befindet sich auf ungefähr 2.300 m Höhe und nachdem ich morgens in der Stadt ankomme, macht diese einen super entspannten Eindruck. Alles ist hier etwas gelassener und unaufgeregter als in Cusco. Ich checke im Hostel ein und unternehme einen ausgiebigen Spaziergang durch das Stadtzentrum. Arequipa wird auch die weiße Stadt genannt und beeindruckt mit einer Fülle alter Gebäuden aus weißem Vulkangestein, dem sogenannten Sillar. Man wandelt im Zentrum zwischen allerlei Kolonialbauten und alles ist recht überschaubar. Nicht weit vom Hostel im unmittelbaren Stadtzentrum befindet sich der Plaza de Armas, der von wunderschönen Arkaden und Palmen gesäumt ist. An einer der Seiten steht ein beeindruckendes und monumentales Bauwerk – die Kathedrale von Arequipa, erbaut im 17. Jahrhundert und ein riesiges Gebäude, welches sich über die komplette Länge des Plazas erstreckt.
Unmittelbar hinter der Kathedrale streckt sich, wenn man vom Platz auf die Fassade schaut, der Vulkan Misti in die Höhe. Mit 5.822 m wieder mal ein echtes Monstrum und und ich erklimme die Dachterrasse eines der Restaurants am Platz, um einen besseren Blick auf Kathedrale und Vulkan zu haben. Eine echte Postkartenkulisse, die sich hier gratis vor einem aufbaut. Etwas weiter vom Hauptplatz entfernt, befindet sich das Kloster Santa Catalina, eine Klosterstadt, die bereits 1579 gegründet wurde. Von einem Aussichtspunkt in der Nähe des Klosters verschaffe ich mir einen Überblick. Das Kloster nimmt einen kompletten Häuserblock ein und ist von dicken Mauern umgeben. Eine Stadt in der Stadt und von hier oben kann man das Konstrukt aus engen Gassen und Höfen bereits gut erkennen. Tatsächlich hatte ich vorher noch nie von dem Kloster gehört. Also ab zum Eingang, Eintritt abgedrückt und rein in das Labyrinth. Das Kloster Santa Catalina bietet einen eindrucksvollen Einblick, in das abgeschiedene Leben der Nonnen, die hier mehrere Jahrhunderte fast vollständig von der Außenwelt abgeschieden lebten. 1970 wurde das Kloster für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die meisten der Räumlichkeiten sind im ursprünglichen Stil erhalten, sogar mit Original-Inventar und so fühlt man sich tatsächlich ein wenig in die Zeit zurück versetzt. Schleicht man durch die Gänge des Klosters, so fallen die bunten Farben auf, in denen hier alles gestrichen ist. Die Innenhöfe sind Kobaltblau, Terracotta und Gelb, im hinteren Teil des Klosters hat man das Gefühl in einer völlig anderen Stadt zu sein, es gibt kleine Häuschen, Höfe und Gärten und alles ist in ein dunkles Rot getaucht. Die Höfe haben so imposante Namen, wie „Hof des Stilllebens“ oder „Hof des Orangebaumes“, sind mit allerlei Pflanzen, Bänken und Brunnen ausgestattet und dienten den Nonnen als Ort der Besinnung und Erholung. Auch als Besucher kann man hier wunderbar in die spirituelle Atmosphäre eintauchen, die vielen Details des Klosters sind sehr schön anzusehen und es herrscht eine angenehme Ruhe. Auch wird ein kleiner Teil des Komplexes weiterhin von Nonnen bewohnt, dieser ist allerdings nicht für Besucher zugänglich. Insgesamt verbringe ich hier ein paar Stunden im Kloster, man kann sich nicht sattsehen an den verschieden gestalteten Bereichen und auch der Ausblick auf die Vulkane Misti und Chachani von einer Terrasse im Klosterkomplex sind sehr lohnenswert. Nach dem Verlassen des Klosters wird die Iglesia de la Compañía noch näher inspiziert. Zwar habe ich auf meiner Reise schon unzählige Kirchen und Kathedralen besichtigt, einige davon sind aber tatsächlich sehr besonders und La Compañía gehört definitiv dazu. Über ein Jahrhundert dauerte der Bau dieses Kunstwerkes und die Fassade ist mit aufwendig geschnitzten Details versehen. Trauben, Weinreben und Engel zieren das Bauwerk in einer Detailtiefe, die mich echt staunen lässt. Auch das Innere der Iglesia besticht durch viele Details, aufwendig verzierte Altare und filigrane Schnitzereien. Durch mehrere Erdbeben wurde das Bauwerk im Laufe der Jahrhunderte immer wieder beschädigt und instandgesetzt. Der Zustand ist absolut makellos und man sieht von all dem als Besucher überhaupt nichts. Nach all den architektonischen Highlights treffe ich mich mit William (einem Schweden, den ich in Cusco kennengelernt hatte) am Hostel und wir besuchen am Abend das Spiel des Örtlichen Fußballvereins FCB Melgar. Bei stimmungsvoller Atmosphäre nur leider ohne Bier im Stadion wird die Vertretung von Sporting Cristal aus Lima mit 2:0 nach Hause geschickt und nach nach einem ordentlichen Abendessen ging es direkt ins Bett.
Am nächsten Tag sollte es früh aus den Federn gehen, ich wollte den Colca Canyon besichtigen, einen der tiefsten Canyons der Erde. Auf Grund der ganzen Unternehmungen der letzten Wochen und dem bevorstehenden Marsch zum Machu Picchu entschied ich mich gegen eine mehrtägige Tour und buchte einen Tagestrip – eine Entscheidung, die sich im Nachgang leider als große Enttäuschung herausstellen sollte. Hauptziel des Ausflugs sollte tatsächlich der ca. 160 km von Arequipa entfernte Canyon sein. Dass dies aber nur ein kurzer Punkt auf unserer Tagesagenda sein sollte, wusste ich bis dato noch nicht. Früh am Morgen wurde ich am Hostel abgeholt und ca. 12 – 15 anderen Personen ging es im Kleinbus los in Richtung Canyon. Im Morgengrauen hielten wir an einer Farm und es gab das im Preis enthaltene Frühstück, bestehend aus einer Tasse Tee oder Kaffee und 2 trockenen Minibrötchen, die man mit Marmelade bestreichen durfte. Allerdings war der Vorrat an Marmelade auf 2 winzige Schälchen für die komplette Gruppe beschränkt und somit entschied ich mich für trockenes Brötchen ohne Marmelade.
Nach der Stärkung stoppten wir nach ca. 2 Stunden Weiterfahrt das erste Mal in irgendeinem Dorf und zwar für eine gefühlte Ewigkeit. Alles hier war perfekt für den Touri-Mob vorbereitet. Zahlreiche Frauen standen mit traditionellen Kleidern und Hüten wie an einer Schnur aufgefädelt in Reih und Glied und ließen sich für Entgelt fotografieren. Um einen möglichst authentischen Eindruck (Haha!) der Gesamtsituation zu vermitteln, wurden die Lamas und Alpakas der Damen mit Sonnenbrillen ausgestattet. Da gefühlt jeder Bus auf dem Weg in den Canyon hier stoppte, bildeten sich um die Damen lange Schlangen und der Mob lichtete sich mit meterlangen Selfiesticks vor Frau und Lama mit tausenden Fotos ab. Einige der Besucher rangen regelrecht mit den verdutzten Tieren um den Kopf des Lamas auch möglichst in die gewünschte Foto-Position zu bekommen.
Von einem Mauervorsprung beobachtete ich das groteske Treiben aus einiger Entfernung und hoffte vergeblich auf schnelle Weiterfahrt. Zahlreiche Verkäufer umrahmten die Szenerie und der übliche Plunder wurde zum Verkauf angeboten. Irgendwann ging es dann weiter und wir stoppten nach kurzer Fahrt an einem Aussichtspunkt, von dem aus man das erste Mal die Dimension des Canyons erkennen konnte. Die Landschaft erstreckt sich hier atemberaubend in beide Richtungen des Tals und man hat einen wunderbaren Blick. Leider nur kurz, denn nach wenigen Minuten wurden wir bereits wieder in den Bus gescheucht und es ging weiter. Am nächsten Stopp hieß es dann 50 Soles (etwas mehr als 12 Euro) für den Canyon abdrücken. Prinzipiell ok, allerdings wusste ich noch nicht, dass wir nicht annähernd IN den Canyon kommen würden. Die Gebühr musste trotzdem abgedrückt werden und zwar von jedem, der diesen Checkpoint passiert, egal wie weit oder tief man sich in den Canyon begibt. Der nächste Stopp war das sogenannte Kreuz des Condors, eine Stelle weit oben über dem Canyon, von wo aus sich wohl auf Grund von besonderen Wind- und Thermikverhältnissen besonders gut Condore beobachten lassen. Von weitem sah ich schon die Menschenmassen am Berg stehen, ich dachte erst an eine Demonstration aber die zahlreichen Busse verrieten, dass es sich um Touris handelte. Eine Stunde wurde als Zeitlimit ausgerufen und schnellen Schrittes machte ich mich auf den Weg, weg von den Menschenmassen. Was die Condore betrifft, wird hier auf jeden Fall nicht zu viel versprochen. Zwar hatte ich in den Anden von Chile und Argentinien schon zahlreiche Condore gesehen allerdings nicht in dieser Fülle wie hier. Die imposanten Vögel gleiten hier recht nah an einem vorbei und einer der Tiere flog in unmittelbarer Nähe an meinem Kopf vorbei, während ich mich auf dem Weg ins Tal befand. Geschätzte 1,5 bis 2 Meter waren das wohl nur und ich zuckte kurz zusammen als der Riesenvogel über mir auftauchte. Hui das war beeindruckend und es wird kurz dunkel über einem. Echt ein krasser Moment, aus so einer Nahdistanz hatte ich bislang noch keinen Condor gesehen. Ich begab mich etwas weiter ins Tal und abseits der großen Tourimassen waren nur sehr wenige Menschen unterwegs. Ich genoss den Ausblick in den Canyon und beobachtete zahlreiche Condore, wie sich durch das Tal gleiteten. Absolut beeindrucken, die Natur und die Vögel. Allerdings durfte ich ständig die Uhr im Auge behalten, da der Zeitraum ja sehr begrenzt war und ich auch wieder zurück zum Bus musste. Gern wäre ich noch länger hier geblieben und auch noch ein Stück weiter ins Tal gewandert, der eng getaktete Zeitplan ließ das aber leider nicht zu. Kurz vor Ende der Deadline setzte ich mich wieder in Bewegung, etwa 5 Minuten zu spät am Bus angekommen scharrten sich nun noch mehr Menschen hier am Berg, mit riesigen Teleobjektiven wurden die Condore abgelichtet und 2 als Riesencondore verkleidete Animateure, um die sich allerlei Handyfotografen scharrten sorgten für ein bizarres Rahmenprogramm. Danach ging es unmittelbar weiter, allerdings nicht in Richtung des Canyons sondern wieder zurück und ich vermutete bereits, dass dies wohl der letzte Blick war, den wir auf den Colca Canyon erhaschen würden. Es war erst 10 Uhr am Morgen und für mich unverständlich, warum es so früh am Morgen bereits wieder zurückgehen sollte. Der nächste Stopp war dann am Rio Camaná, wo man für einen saftigen Aufschlag zwischen Hot Springs, Kajak- oder Quadfahren wählen konnte. Ich watschelte zum nächsten Kiosk und entschied mich für Kuchen in der Sonne. Fast 2 Stunden wartete ich, bis es weiter ging. Allerdings war ich nicht der Einzige der Busbesatzung, die auf die zur Wahl gestellten Aktivitäten verzichtete. Danach stoppten wir an einer riesigen Gastro-Halle und für 30 Soles konnte man hier mit 200 anderen Gestalten Platz am Buffet nehmen. Da ich mich kurz vorher schon reichlich mit Kuchen zugestopft hatte, blieb mir das Buffet erspart und ich legte mich für einen kurzen Mittagsschlaf in den Schatten.
Nach dem Mittag sollte der nächste Haltepunkt dann der Mirador de los Andes sein, ein Aussichtspunkt auf 4.900 m Höhe, von dem man fast alle der umliegenden Vulkane sehen konnte. Insgesamt 7 Stück zählte ich und es gab auch Hinweistafeln, was die Navigation und Zuordnung der bis zu 6.200 m hohen Schlote erleichterte. Der Ausblick war schön, die Luft war dünn allerdings auch hier wieder „Husch Husch“ - kurz einen Blick erhascht und wieder ab in den Bus. Als letzten Halt des Tages stoppten wir kurz nach 14 uhr an irgendeinem Lama- oder Alpaka-Point. So richtig habe ich den Sinn des Stopps nicht verstanden, zwar standen hier in einiger Entfernung Tiere herum. Wenn man in den Anden unterwegs ist, stellt dies aber nichts Ungewöhnliches dar, denn man sieht Lamas und Alpakas überall und oftmals viel näher als hier an dieser Stelle. Danach ging es dann wieder zurück und um 17 Uhr erreichten wir Arequipa. Kreuz des Condors Top, Mirador de los Andes sehenswert, den Rest hätte man sich echt sparen können. Leider war dies in der Beschreibung des Tagestrips nicht herauszulesen, dass dieser ganze unnötige Mist das Hauptprogramm und der Stopp am Cruz de la Condor nur das Rahmenprogramm bildete. Echt ärgerlich, denn die Zeit wäre locker ausreichend gewesen, um noch weiter in den Canyon hineinzufahren und den anderen Quatsch wegzulassen. Da dies auf meiner Reise allerdings die bislang einzige Enttäuschung auf einer gebuchten Tour war, hakte ich das als schlechte Erfahrung ab und ärgerte mich nur kurz. Immerhin waren die vielen Condore in Nahdistanz schon ein geiles Schauspiel. Sollte es mich nochmal in die Nähe von Arequipa verschlagen, wird der Canyon auf jeden Fall mehrtägig erkundet. So – das wars dann eigentlich schon von Arequipa. War für mich auch ausreichend, ein bisschen Stadt, ein bischen Kultur, ein bisschen Fußball und eben der Canyon (zumindest als Schnupperkurs) – hach was will man mehr.
