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Cotopaxi

Veröffentlicht: 17.01.2025

Attraktion
Cotopaxi
Cotopaxi Province, Ecuador
Attraktion
Refugio Cotopaxi
Cotopaxi Province, Ecuador
Attraktion
Laguna de Limpiopunga
Cotopaxi Province, Ecuador
Essen
Leche & Miel Minimarket-Cafeteria
$$ · Abendessen
Fahrt
Cotopaxi → Laguna de Limpiopunga
Cotopaxi Province, Ecuador

Fast 10 Stunden (für 360 km) dauert die Fahrt durch das zentrale Hochland Ecuadors von Cuenca hin zum Copotaxi-Nationalpark weil der Bus wirklich in jedem noch so kleinen Kaff stoppte, um Leute ein- oder auszuladen. Im Prinzip nichts Neues in Südamerika aber in dieser Kleinteiligkeit der Stopps doch schon auch Neu für mich.

Eigentlich wollte ich mich im Secret-Garden in der Nähe des Nationalparks mit Blick auf den Vulkan einquartieren aber nach ewigem Hin- und Her per Whatsapp und immer wieder anderen und viel zu hohen Preisen hatte ich irgendwann keine Lust mehr auf diesen Laden und beschloss, mir eine andere Herberge zu suchen. Leider hatte ich bereits eine Übernachtung in Machachi gebucht, einer kleinen Stadt mitten im Nirgendwo, um mich von da aus am Nächsten Morgen zum Secret-Garden shutteln zu lassen. Also nach der langen Fahrt mit dem Bus dort absetzen lassen und nach einem kurzen Snack geschaut, was es in der Umgebung noch so alles gibt, um dann am nächsten Tag wieder 35 km zurück nach Chasqui zu fahren, denn dort hatte ich eine gemütliche Unterkunft, mitten im Grünen und nicht weit vom Eingang des Nationalparks gefunden. Das wirklich Schöne hier in Südamerika ist, egal wo man sich gerade befindet, man stellt sich einfach an die Straße und es dauert nie lange, bis irgendein Fahrzeug anhält und einen für einen schmalen Taler mitnimmt. Man kann ein- und aussteigen, wo man möchte, auch der Bus hält praktisch überall. Das hat schon was, kann aber auch nerven, wenn man endlich an seinem Ziel ankommen möchte und der Bus gefühlt alle 3 Minuten zum stehen kommt, um irgendjemanden abzuladen (wie auf der Herfahrt perfektioniert).

Angekommen im Hostel, war ich wieder mal fast allein. Ein Mädel aus Costa Rica hatte sich hier noch einquartiert, der Rest der Zimmer war leer. Leider ist der Tourismus in Ecuador nach all den schlechten Nachrichten der letzten Monate wohl immer noch komplett eingebrochen. Ist zwar einerseits recht angenehm als Gast, für die Menschen hier, die vom Tourismus leben allerdings eine absolute Katastrophe. Kann man nur hoffen, dass sich das recht schnell wieder normalisiert bzw. der Staat die Probleme mit den Kartellen irgendwie in den Griff bekommt.

Die Unterkunft ist auf jeden Fall sehr gemütlich und die Hosts super nett und entspannt. Es gibt sogar einen Aussichtsturm mit fast freier Sicht auf den Cotopaxi. Leider war dieser am Tag meiner Ankunft fast komplett in Wolken gehüllt. Aber alles halb so wild, denn der Ausflug zu diesem fast 6.000 m hohen Vulkan sollte erst am Folgetag stattfinden. Den Rest des Tages war dann rumlümmeln angesagt, bisschen in der Gegend rumlaufen und in der gemütlichen Lodge am Kamin breitmachen. So hatte ich mir das vorgestellt. Und da hier fast für den kompletten Resttag der Strom ausfiel, war dies eine wunderbare Beschäftigung. Durch die anhaltende Dürre und dem Problem mit der Stromversorgung (Ecuador erzeugt diesen zum Großteil durch Wasserkraft) hat die zuständige Autorität beschlossen, vorerst bis Ende des Monats für fast 12 Stunden am Tag den Strom abzustellen. Ist für ein paar Stunden nicht schlimm, auf Dauer aber schon recht nervig. Das vom Hostel servierte Abendessen wurde dann bei Kerzenschein genossen und die einzigen beiden Gäste unterhielten sich über die morgigen Pläne. Insgesamt fast 50 km ist eine Strecke zum Fuße des Weges hinauf zum Cotopaxi mitten im Nationalpark. Da die Costa-Ricanerin zwar schon am Cotopaxi war, aber noch einmal in den Park zur Vogelbeobachtung wollte, bot sie mir an, den Transport zu teilen. Eine am Vortag kennengelernte Fahrerin sollte den kompletten Service mit Hin- und Rücktransport inkl. Eintritt in den Nationalpark für 20 Dollar pro Person durchführen. Eigentlich war mein Plan, zum Parkeingang zu trampen und dann zu schauen, wie man von da aus weiter kommt. Das Rundum-Sorglos-Paket für nen Zwanni erschien mir aber als ein durchaus faires Angebot und ich willigte ein.

Panamericana und Cotopaxi

Um 8 Uhr am nächsten Morgen wurden wir von unserer Fahrerin abgeholt und es ging in Richtung Nationalpark. Unsere Vogelexpertin (übrigens im passenden Papageien-Shirt) wurde auf halbem Wege abgesetzt und für mich ging es weiter hoch hinaus. Bereits auf dem Weg bot der Cotopaxi atemberaubende Ansichten und die Wolken vom Vortag hatten sich fast vollständig verzogen. Aus dem Fenster des Wagens konnte ich meinen Blick kaum von der formschönen Erscheinung lösen und das Ein- und Andere Mal stoppten wir, um die Aussicht ganz in Ruhe genießen zu können. Wir waren fast das Einzige Fahrzeug auf der Schotterpiste und mit steigender Höhe wurden die Straßenverhältnisse zunehmend anspruchsvoller. Lucy, die Fahrerin und der etwas in die Jahre gekommene Pick-Up managten das aber hervorragend und nach ca. 1,5 Stunden kamen wir am letzten Punkt der befahrbaren Straße auf 4.600 m an. Ich schnappte meinen Rucksack und stiefelte los in Richtung Gipfel. Schon beim Aussteigen blies mir ein unfassbar starker Wind ins Gesicht und der Aufstieg auf dem noch klar erkennbaren Weg war nur dick eingepackt und mit Kapuze über dem Kopf realisierbar. Die ersten 45 Minuten in Richtung Refugio spulte ich recht souverän ab, der Weg schlängelte sich zwar steil aber relativ gut begehbar hinauf auf über 4.800 m. Zwar merkte ich die Höhe das Ein- oder Andere Mal allerdings alles in einem entspannten Rahmen, die einzige Challenge war der Wind. Am Refugio (der letzten Hütte vor dem Gipfel) angekommen, ruhte ich mich kurz aus, bevor der weitere Plan war, bis an den Rand des Gletschers vorzudringen. Prinzipiell ist die Gipfelbesteigung des Cotopaxi möglich, allerdings sollte man dazu gut vorbereitet sein und über Erfahrung im Bergsteigen verfügen. Teile des Trails weiter oben sind wohl nur mit Klettereien im Eis realisierbar und werden als äußerst anstrengend beschrieben. Prinzipiell würde mich so eine Besteigung schon mal reizen, für heute sollte mir aber der weiter unten liegende Gletscherrand reichen. An der Hütte traf ich auf eine Gruppe Kanadier mit einem Bergführer, den ich nach dem Weg zum Gletscher fragte. Nach seiner Aussage gab es wohl 2 Möglichkeiten, eine davon auf bis über 5.300 m, welche aber mit einem etwas weiterem Weg verbunden sei und die andere auf knapp 5.200 m. Ich entschied mich für den direkt hinter der Hütte ansteigenden Weg mit der weiteren Variante und der Bergführer verabschiedete sich mit den Worten „be careful“. Also los und schon nach kurzem Anstieg festgestellt, dass der Weg extrem steil und anspruchsvoll ist. Es ging im Grunde nur noch einen Schotterhang nach oben und ein konstanter Marsch war unmöglich. Es ging 3 Schritte hinauf und 2 wieder hinunter und die Höhe von knapp 5.000 m zerrte spürbar an der Kondition. Nach ungefähr 40 Minuten Kampf mit dem Berg und der Aussicht nach oben, die keine Besserung versprach, entschloss ich mich umzukehren. Es war einfach zu steil und ich nicht mit dem passenden Equipment ausgestattet um in angemessener Zeit den Gletscher zu erreichen. Also wieder runter und zurück zum Refugio. Dort kurzer Halt und dann den kürzeren Weg hinauf eingeschlagen. Der erste Teil war ähnlich des Weges zur Hütte, nach kurzer Zeit splittete sich der sichtbare Weg allerdings in mehrere Abzweige auf und man konnte nur noch grob erahnen, wo man sich lang bewegen sollte. Da auch keine anderen Menschen an diesem Teil des Berges unterwegs waren gestaltete sich die Navigation als recht schwierig. Ich wähnte mich auf dem richtigen Weg und folgte dem vermeintlich sichtbaren Pfad bis ich irgendwann nur noch erahnen konnte, wohin ich mich bewegen sollte. Das Terrain wurde immer steiler und ich „kletterte“ auf allen Vieren den Hang hinauf, aufrechter Gang war auf Grund der Beschaffenheit nur noch schwer möglich. Zu allem Überfluss taten sich links von mir Felsen auf und dahinter ein steiler Abhang. Ich kletterte an der Kante weiter nach oben, allerdings fühlte ich mich in dem Gelände nicht mehr wirklich komfortabel. Bei jeder Bewegung nach oben rutschten Teile des Geläufs, Steine und Felsbrocken den Hang herunter um dann direkt über die Klippe den Abhang runter zu stürzen. Ok, das konnte definitiv nicht der richtige Weg sein, tatsächlich war es überhaupt kein Weg mehr, sondern ich bewegte mich im freien Gelände und es war mittlerweile sehr sehr steil. Da sich ein Stück etwas über mir ein paar größere Felsbrocken befanden, entschloss ich mich noch ein wenig weiter nach oben zu klettern, um dort irgendwie einen halbwegs festen Stand zu bekommen und mir einen Plan für den weiteren Verlauf zu machen. Leider war das keine besonders gute Idee, denn durch das lose Gestein und den Anstieg konnte ich mich kaum noch kontrolliert stabilisieren, ich rutschte ständig wieder ein paar Meter nach unten, immer die Klippe im Blick, die den nicht kontrollierten Absturz bedeutet hätte. Sehr unkomfortabel, diese Situation, zumal die mittelgroßen Felsstücke links und rechts von mir, an denen ich mich abstützen wollte, teilweise lose waren und direkt nach meinem versuchten Griff erst den Hang nach unten und dann über die Kante stürzten. Das sichere Bewegen im steilen Hang war recht stressig und nicht mehr wirklich sicher handelbar, was mir aber tatsächlich richtig Sorgen bereitete war der Abhang, der sich nicht weit unter mir befand und ich musste mich schon sehr darauf konzentrieren, nicht den Halt zu verlieren und nach unten zu rutschen. Schließlich erreichte ich einen der Felsen, zog mich nach oben und bugsierte meinen Körper auf den Stein. Alles lose Gestein unter meinen Füßen rutschte nach unten, der Höhenmesser zeigte 5.180 m und es war ziemlich klar, dass ich mich hier abseits des Weges und in einer Sektion befand, die nicht mehr einfach so ohne Weiteres „begehbar“ ist. Ich atmete kurz durch uns scannte das Gelände. Geschätzte 200 m weiter unten sah ich 3 Personen, die sich auf einer Art Pfad befanden, völlig abseits dem von mir eingeschlagenen Weg. Ok, das muss wohl dann der richtige Weg zum Gletscherrand sein, dessen unteres Ende sich nun rechts von mir befand, allerdings ein ganzes Stück unterhalb meiner Position. Zwar war dem Gletscher ebenfalls ziemlich nah, allerdings war das Stück weiter unterhalb wohl das eigentliche Tagesziel. Geschenkt, Hauptsache irgendwie wieder sicher auf einen der Pfade, der zurück zum Refugio führt. Ich entschied mich als naheliegendstes Ziel den weiter unten gesichteten Pfad anzuvisieren und zwar irgendwie mit möglichst viel Abstand zur Kante. Das war leider nicht ohne Weiteres möglich und somit ließ ich mich mehr oder weniger kontrolliert zur Kante rutschen (das war ein echter Adrenalin-Kick – nicht unbedingt im positiven Sinne, denn wirklich kontrolliert war das nicht) um mich dann auf dem etwas flacheren Teil direkt an der Klippe weiter zur Seite und dann etwas nach unten zu bewegen. Da die Absturzkante nicht parallel verlief sondern am Kamm des Reliefs schräg nach unten musste ich immer ein Stück zur Seite und analog nach unten bewegen und das ging nur auf dem Hinterteil sitzend bzw. im Liegen mit meinen Füßen als Bremse. Erinnerte mich irgendwie an die Qualität der Bremsanlagen bolivianischer Busse. Funktionierte aber ebenfalls irgendwie. Irgendwann erreichte ich dann den Teil des Hanges an dem ich nicht mehr abstürzen konnte und ließ mich nach unten rutschen bis ich endlich wieder in den flachen Teil des Hanges kam und ein Abstieg im aufrechten Gang möglich war. Puhh was für ne Nummer, alles in allem nicht unbedingt ein angenehmes Gefühl, wenn man sich ein paar wenige Meter an einer Absturzkante entlang bewegt und das Gelände so unberechenbar ist, dass man nicht weiß, ob man bei der nächsten Bewegung 20 Zentimeter oder 2 Meter nach unten rutscht.

Der Blick hinunter

Nach all der Aufregung stieg ich den Rest des Weges bis zum Parkplatz hinab und genoss noch den Ausblick auf die 3 anderen Vulkane der Gegend, den Ruminahui, den Sincholagua und den Antisana. Wir fuhren im Anschluss zurück ins Tal und hielten noch an der Laguna de Limpiopunga, die ich in einer Wanderung in aller Ruhe umrundete. Während der 2 Stunden genoss ich die wundervolle Aussicht auf den Cotopaxi bei besten Wetterbedingungen. Während gestern noch alles bewölkt war, trübten heute nur ein paar vereinzelte Wolken den Himmel. Kaiserwetter könnte man fast sagen und an dieser traumhaften Kulisse kann man sich auch nur schwer sattsehen. Der Cotopaxi für mich wohl bisher in seiner Form und Erscheinung der wohl schönste Vulkan, den ich bislang live bestaunen durfte.

Trotz des kleinen Malheurs war das ein richtig schöner Tag und ich genoss die Wanderung in vollen Zügen und auch das Adrenalin vom Cotopaxi-Aufstieg entwich so langsam wieder meinem Körper.

Der Rest des Tages wurde in der Unterkunft am Kamin und bei erneutem Dinner im Kerzenschein verbracht, da erneut für mehrere Stunden der Strom ausfiel. Morgen sollte es weiter in Richtung Quito gehen und ich war schon ganz gespannt, was für Rahmenbedingungen ich dort vorfinden sollte.

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Frühling
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Cotopaxi-Aufstieg bis zum Gletscherrand
  • starker Wind und schwierige Navigation im steilen Gelände
  • Wanderung an der Laguna de Limpiopunga
  • Blick auf Cotopaxi bei gutem Wetter
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