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Einmal Zentralamerika to go, bitte! - Dana und Julian berichten

El Salvador #1 – El Tunco & Santa Ana 

# don't skip el salvador

Mit diesem Slogan versucht ein kleines, vom Tourismus vernachlässigtes Land auf sich aufmerksam zu machen. Die Brücke zwischen den beiden Amerikas ist eine zunehmend beliebte Reiseroute, jedoch wird dabei vor allem El Salvador und Honduras wenig Beachtung geschenkt. Die meisten Reisenden überspringen die beiden Länder, wahrscheinlich wegen einer Mischung aus Sicherheitsbedenken und mangelnden Informationen.

Zum einen sind, wenn man sich im Internet über die Lage in El Salvador informiert, größere Sicherheitsbedenken durchaus gerechtfertigt. Gerade bei den Tötungsdelikten taucht das Land ganz oben in den Statistiken auf und Zahlen lügen ja bekanntermaßen nicht, doch mehr dazu später.

Zum anderen, gepaart mit den negativen Meldungen, fehlt es dem Land an positiver Reputation. Wer sich einen Reiseführer zulegt wird viel besser über die vermeintlich beliebtesten Länder wie Costa Rica oder Mexiko informiert und seine Reise auch demnach planen. Negative Schlagzeilen verbreiten sich viel besser als positive und stellen diese in den Schatten.

Aufstieg Vulkan Santa Ana

Zugegebener Weise war es ursprünglich auch unser Plan El Salvador nicht zu betreten. Da wir jedoch bisher noch keinerlei kritische Situation hatten und es logistisch gut gepasst hat, haben wir uns kurzerhand entschieden, dem Land eine Chance zu geben.

Und eins können wir schon mal vorwegnehmen: Hier in El Salvador haben wir die bisher besten Bekanntschaften gemacht!

El Tunco

Tatsächlich erscheint das Land auf den ersten Blick rustikaler als seine Nachbarn. Nachdem wir bisher nur an der Karibikküste unterwegs waren, sind wir hier in El Tunco und Umgebung erstmals an der Pazifikküste gestrandet.

Das Meer ist rauer, die Küste steiniger, die Wellen höher und die Strände häufig aus dunkelgrauem bis schwarzem Vulkansand geschaffen. Die etwas rustikale Region hat jedenfalls einen ganz besonderen Charme und gilt als Geheimtipp für Surfer. Jedoch waren die Strände, die wir besucht haben, hauptsächlich steinig oder gar felsig und in der Kombination mit den sehr starken Wellen für Anfänger ungeeignet.

Luis' Gasthaus

Über die gefürchtete Hauptstadt San Salvador sind wir mit öffentlichen Bussen weiter nach Santa Ana gefahren. Hier, in der zweitgrößten Stadt des Landes hat der Tourismus noch nicht wirklich Einzug erhalten. Die Dämmerung setzte bereits ein als wir an einer Fassade anklopften, die auf den ersten Blick alles andere als einladend erschien. Was uns dahinter erwartete war jedoch umso besser!

Neben Luis, der Reisende sehr gastfreundschaftlich in seinen eigenen vier Wänden aufnimmt, machten wir zahlreiche interessante Bekanntschaften. Denn an Stelle der üblichen Verdächtigen, die nur die von Reiseführern angepriesenen Sehenswürdigkeiten abhaken, sind die Leute, die sich bis hierher in Luis kleines Gasthaus verirrt haben, Reisende mit profundem Interesse an Land und Leuten.

Ein pensionierter US-Amerikaner, der sich hier über Jahre ein zweites Leben aufgebaut hat und fester Bestandteil des Gasthauses ist. Oder eine junge Britin mit iranischen Wurzeln, welche seit mehreren Jahren die Welt bereist und spannende Geschichten aus dem Himalaya und China mitgebracht hat. Einem lustigen Chilenen, einem freundlichen Paar aus Polen oder einem Chinesen, der sich auf seiner Reise nicht von mangelnden Spanisch- sowie Englischkenntnissen aufhalten lässt.

Durch gemütliche Abende mit zahlreichen Geschichten ist so innerhalb weniger Tage ein sehr familiäres Umfeld entstanden. 

Santa Ana

Sonst war Santa Ana der ideale Ort, um der lokalen Kultur näher zu kommen oder Tagesausflüge zu starten.

Der Aufstieg auf den gleichnamige Vulkan war eines unserer Ziele. Nach einer angenehmen Wanderung passierten wir die Wolken und bekamen neben einer schönen Rundumsicht auch den grünen, schwefelhaltigen Kratersee zu sehen. Alles in allem ein gelungener Tag, auch wenn die Messlatte knappe zwei Wochen nach dem Acatenango natürlich unantastbar bleibt.

Zu Ehren des Nationalgerichts „Pupusas", wurde für die gefüllten Tortillas hier in Santa Ana erstmalig das „Festival de las Pupusas“ ins Leben gerufen. Nachdem wir uns von Stand zu Stand durchprobiert hatten, sind wir einem enthusiastischen Salvadoreño vor die Kamera geraten, welcher uns für einen YouTube-Beitrag zu dem Fest interviewen wollte. Dabei haben wir uns scheinbar gut genug angestellt, um nicht als Lachnummer im lateinamerikanischen Web zu enden.

Einen weiteren Tag haben wir in den umliegenden Dörfern, der „Ruta de los Flores" verbracht. Dabei hat sich unser „Mythos Chickenbus“ wieder um ungeahnt interessante Begegnungen erweitert:

chorros de la Calera

Fliegende Verkäufer findet man überall in Zentralamerika. Hier haben es die zahlreichen, an jeder Haltestelle in den Bus strömenden Verkäufer jedoch auf die Spitze getrieben. Neben den üblichen Speisen, Snacks und Getränken versuchte man uns Waschpulver, Streichhölzer, Plastikteller oder gar Stirnlampen zu verkaufen… was man auf einer gewöhnlichen Busfahrt eben so gebrauchen kann. Viele nutzten die Gunst der Stunde, um der unfreiwilligen Audienz ausgiebige Produktpräsentationen zu geben. So wurde der Bus zum fahrenden Bazar.

Sicherheit

Ohne El Salvador als sicher anpreisen zu wollen, haben wir durch unseren Aufenthalt und aus Gesprächen mit Locals ein paar interessante Erkenntnisse dazugewonnen.

Schlüsselt man die horrende Mordrate nach Gebieten auf, ist schnell zu sehen, dass es hier zwar lodernde Brennpunkte gibt, große Teile des Landes und besonders die Touristenorte jedoch nicht gefährlicher als andere zentralamerikanische Länder sind. Dazu kommt, dass die grausamen Statistiken hauptsächlich auf konkurrierende Banden zurückzuführen sind. Die bekanntesten sind die sogenannten „Maras", welche sich aus geflüchteten Latinos in den USA gründeten. Als diese in den 1990er Jahren massenweise in ihre Herkunftsländer abgeschoben wurden, konnten sie aufgrund schwacher politischer Strukturen, Armut und fehlender Polizeigewalt zu einer der weltweit gefährlichsten Banden heranwachsen. Untereinander schlachten sich konkurrierende Banden in ihren Barrios regelrecht ab, wenn jedoch Touristen etwas zustößt entsteht ungewollte internationale Medienaufmerksamkeit und diplomatische Konsequenzen sind nicht ausgeschlossen. Daher läuft man als vergleichsweise wohlhabende Person immer Gefahr bestohlen oder gar überfallen zu werden, jedoch haben die Banden kein Interesse daran Touristen das Leben zu nehmen.

Damit das klar ist...

Für uns gelten daher hier die gleichen Grundsätze, welche uns schon von Anfang an begleiten: Über Brennpunkte informiert sein, den Menschen viel Respekt zeigen, zwielichtige Bekanntschaften meiden und sich aus unklaren Situationen raushalten. 

Vor allem in öffentlichen Bussen oder nach der Dämmerung in den Straßen waren wir schon merkbar angespannter als sonst. Jedoch haben wir uns ein paar Verhaltensmuster angewöhnt, um das Risiko eines Überfalls so weit es geht zu minimieren.

finsterer Sonntagsmarkt

Beispielsweise versuchen wir auf Bürgersteigen gegen die Fahrtrichtung zu laufen, sodass sich Autos und vor allem Motorräder von vorne statt von hinten nähern und wir nicht so leicht verfolgt werden können. Wenn wir merken, dass Personen seit einiger Zeit hinter uns laufen halten wir gerne an, um sie vorbeizulassen oder biegen kurz in ein Geschäft ab. Bei schlecht ausgeleuchteten oder fast leeren Straßen versuchen wir uns anderen Fußgängern anzuschließen. Auch in den Bussen setzen wir uns in die Nähe anderer Personen und meiden die hinteren sowie die Plätze an Ein- und Ausgängen. Neben unserem aktuellen Smartphone hat jeder ein altes Handy dabei, welches wir in der Öffentlichkeit beispielsweise für Stadtpläne und Busverbindungen nutzen und im Falle eines Überfalls ohne Probleme abgeben können. Darüber hinaus haben wir im Geldbeutel immer eine alte Kreditkarte eines gekündigten Kontos dabei, welche wir bei einem Überfall oder falls Unterkünfte oder Vermietungen einen Pfand verlangen, abgeben können. Die aktuellen Kreditkarten und größere Geldmengen tragen wir immer in speziellen Täschchen unter der Kleidung. 

Zum Glück sind wir auch in El Salvador von kritischen Situationen verschont geblieben. Dabei ist uns klar, dass neben dem eigenen Verhalten der Faktor Glück auch eine große Rolle spielt. 

Uns haben bereits zahlreiche US-Amerikaner versichert, dass ihre Sorge in ein Kreuzfeuer zu geraten oder Opfer von Terror zu werden in den Staaten deutlich größer ist. 

Hier sind uns die Einheimischen, ob als Gastgeber, an Bushaltestellen oder öffentlichen Plätzen sehr freundlich und hilfsbereit gegenübergetreten. Ganz offensichtlich befindet sich das Land was den Tourismus angeht noch in einem sehr frühen Stadium, jedoch scheinen viele Menschen erkannt zu haben, dass sie vom Individualtourismus profitieren. 

Fazit El Salvador

Insgesamt sind wir sehr froh darüber, El Salvador eine Woche unserer Reisezeit geschenkt zu haben. Einem Land, dass viele oberflächlich Reisende durch seine rustikale Art und fehlende Reputation noch abschreckt. Neben erschwinglichen Preisen und gutem öffentlichen Transport hat sich der Pazifikstaat vor allem durch freundliche Menschen und tolle Bekanntschaften ausgezeichnet.

Hasta la próxima! 

D&J 

#el salvador#tunco#santa ana

Kommentare

Till
Mega gut👍 freu mich schon auf mehr!