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Einmal Zentralamerika to go, bitte! - Dana und Julian berichten

Honduras #1 - Utila Cays

Seit einiger Zeit hatten wir uns bereits darauf gefreut, nun war es endlich soweit: Mitte November tat sich uns die Möglichkeit auf, mehrere Wochen bei einer Familie auf den Bay Islands in Honduras zu verbringen. So blicken wir heute auf die vielleicht beste Etappe unserer Reise zurück.

Hafen von La Ceiba
WorkAway

Ihren Ursprung findet diese glückliche Fügung bereits mehrere Wochen vor unserer Abreise in Deutschland, als wir uns bei WorkAway registrierten.

WorkAway ist ein Netzwerk, welches kostenlose Unterkünfte und Verpflegung im Gegenzug zu täglicher Arbeit vermittelt. So können Reisende vielerorts gratis unterkommen, verpflichten sich dadurch jedoch ein zuvor vereinbartes Arbeitspensum zu erfüllen. Aus sehr diversen Angeboten tun sich besonders Stellen bei lokalen Familien, Schulen, Hostels oder Ecoprojekten hervor. Neben der angestrebten win-win Situation steht dabei besonders der kulturelle Austausch im Vordergrund.

So sind wir auf das äußerst interessante Profil von Anke gestoßen. Sie ist Deutsche, arbeitet jedoch bereits seit vielen Jahren als Tauchlehrerin auf den honduranischen „Bay Islands". Mit ihrem zehn Jahre alten Sohn Andres lebt sie auf einer winzigen Insel vor Utila. Da Anke spannende, aber auch lange Arbeitstage auf und unter Wasser verbringt, nimmt sie gerne WorkAwayer auf, welche sich um Andres, Hund Suki und das Haus kümmern.

Das Glück war auf unserer Seite - während unserer Zeit in Mexiko erreichte uns die positive Rückmeldung. Ein paar Wochen später nahmen wir von La Ceiba aus die Fähre in die honduranische Karibik.

Leben auf Stelzen

Die Bay Islands setzen sich primär aus den zwei touristischen Tauchparadiesen Utila und Roatan zusammen. Eine zwanzigminütige Bootsfahrt von Utila entfernt, im Südwesten der Insel liegen die winzigen Utila Cays. Eine Inselkette aus acht traumhaften Perlen.

Nur zwei dieser Inseln sind richtig bewohnt. Genau neben der schmalen Brücke, welche die beiden verbindet, scheint Ankes farbenprächtiges Haus direkt aus dem Meer zu wachsen. Um den Wohnraum auf der Insel zu erweitern, sind zahlreiche Häuser auf Betonfundamenten oder Stelzen im Meer errichtet und nur über einen schmalen Holzsteg zu erreichen. Auch versucht man sich mit Landfill-Maßnahmen vor Erosion und dem steigenden Meeresspiegel zu schützen. So sind die beiden Inseln mit der Zeit mehr und mehr miteinander verschmolzen. Das Inselkonstrukt ist dennoch so klein, dass man ohne die Bebauung wohl einen 360° Meerblick hätte.

Doch sind die Utila Cays nicht das Zuhause wohlhabender Ausländer, die hiesige Bevölkerung ist eine Mischung aus vom Festland stammenden Honduranern und Kreol sprechenden Inselbewohnern. Nicht weit entfernt und doch abseits des Tourismus, sind die meisten Familien rund um die Fischerei tätig und leben in einfachen Verhältnissen. Zu Gast im Wohnzimmer der Nachbarn bemerkten wir etwas perplex, dass man das Meer zwischen den Fußbodendielen funkeln sieht. Hier lebt man wortwörtlich auf dem Wasser.

Und doch bietet das Inselidyll alles, was ein simples Leben begehrt: Die zwei Tante Emma Läden werden zweimal die Woche mit frischem Obst und Gemüse beliefert. In der "Inselschule" begleitet eine Hand voll Lehrern die Kinder vom Grundschul- bis ins Erwachsenenalter. Wenn sein Boot nicht gerade einen Motorschaden hat, fährt Captain Donald einmal am Tag nach Utila und zurück.

Innerhalb von zwei Minuten ist alles zu Fuß erreichbar. Keine Autos und Roller, nicht einmal Fahrräder, dafür gehört zu fast jedem Haus ein auf Stelzen errichteter Bootsanlegeplatz. Mit acht Jahren lernen die Kinder hier das Bootfahren, natürlich ohne dementsprechende Lizenz. Doch "früh übt sich" gilt hier nicht nur für das Bootfahren: Überall auf der Insel sind Angelhaken, Schnur und Köder erhältlich, sodass die Jungs sich schon früh mit selbstgebauten Angeln auf die Jagd nach dem großen Fang machen. Es ist erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Kinder geschickt im Meer bewegen - die Seemänner von morgen eben.

Der Biorhythmus der Inselbewohner richtet sich nach der Sonne. Schon im Morgengrauen erwacht das Dorf noch vor der aufgehenden Sonne. Süßwasser und Strom sind gefragte Ressourcen. In Zisternen wird Regenwasser gesammelt, besonders in der Trockenzeit ist jeder Tropfen Süßwasser kostbar. Strom ist nur prepaid verfügbar, dazu kommen fast tägliche Stromausfälle. Ohne Strom läuft auch die Pumpe an der Zisterne nicht, sodass die ganze Insel einmal 24 Stunden ohne Strom und fließend Wasser auskommen musste - eine spannende Erfahrung für uns.

Abseits dessen, was Touristen auf den Nachbarinseln Utila und Roatan als „karibisches Inselleben“ verkauft wird, lernten wir hier das wahre Leben auf Stelzen kennen lernen.

Casa Colorada

Ankes Haus ist weit über die Insel hinaus bekannt, denn es macht seinem Namen "Casa Colorada" alle Ehre. Das zweistöckige Holzhaus ist samt Veranda in leuchtenden Farben gestrichen, und somit das wohl schönste und allemal auffälligste Haus der Insel.

Auch wir staunten nicht schlecht als Andres und Anke uns das Haus präsentierten: Gemütlich eingerichtet, Schlafzimmer mit eigenem Bad, Balkon und Meerblick!

Gewiss das schönste und komfortabelste Stück Zuhause unserer gesamten Reise. Nach all den kurzzeitigen Aufenthalten in Schlafsälen war es ein wahres Vergnügen den Backpack gänzlich auszupacken und das Gefühl zu genießen, an einem Ort angekommen zu sein. Etwas ironisch, aber trotz der Arbeit sollten sich die kommenden drei Wochen wie ein Urlaub vom Reisealltag anfühlen.
Doch das Beste kommt noch: Da die Inseln korallinen Ursprungs sind, befindet sich direkt hinter dem Haus, quasi im Garten, ein Korallenriff - ein Korallengarten. Alles in allem ein wahrer Traum!

Anke und Andres haben uns von Anfang an sehr herzlich aufgenommen. Schon vor vielen Jahren hat Anke angefangen ihr Glück außerhalb Deutschlands zu suchen, hat das Tauchen zum Beruf gemacht und sich hier letztlich ein Leben aufgebaut. Doch sieht sie ihren Beruf auch als Berufung und versucht in Zusammenarbeit mit der Inselschule Umweltmaßnahmen zum Schutz der Meere zu etablieren.

Andres ist halb deutsch, halb Honduraner und wächst durch sein Umfeld trilingual auf. Für seine zehn Jahren ist er sehr clever und gleichermaßen auch extrem energetisch.

Unsere täglichen Aufgaben bestehen darin, uns um Andres zu kümmern, ihm Deutsch- sowie Englischunterricht zu geben, einzukaufen, zu kochen, sonstige Hausarbeiten zu erledigen und in Ankes Abwesenheit Regeln durchzusetzen. Besonders letzteres, der Schnupperkurs "Eltern sein", erweist sich als interessante Erfahrung und kostet uns hin und wieder den einen oder anderen Nerv.

Da Andres momentan Schulferien hat verbringen wir viel Zeit zu dritt. Neben den täglichen Pflichten haben wir jeden Tag auch viel Spaß miteinander. Wir lassen keine Gelegenheit aus, die Inseln mit dem Kajak zu umrunden oder hinter dem Haus zu schnorcheln.



Der Traum vom Korallengarten

Die virtuose Unterwasserwelt zu erkunden war mit Abstand unsere Lieblingsbeschäftigung. An freundlichen Tagen tänzelte das an der Wasseroberfläche gebrochene Licht über die Korallen und den hellbeigen Sand und ließ das ganze Riff in bunten Farben erstrahlen. Seeanemonen, Papageifische, Snapper, Barracuda, Lobster, Rochen… - ein buntes Treiben verschiedenster Arten. Zwischen den Korallen funkelten große gläserne Fischeier, giftige Genossen und getarnte Jäger wie der Skorpionfisch lauerten im Schutz der Steine. Noch in Belize mussten wir für eine vergleichbare Schnorchelerfahrung viel Geld lassen, hier wurde der Ozean Teil unseres täglichen Lebens.

In nur zehn Minuten kann man die ganze Insel gemütlich mit dem Kajak umrunden. Dem nicht genug haben wir Expeditionen zu den winzigen, umliegenden Inseln unternommen und dabei Water Cay für uns entdeckt. Dreißigminütiges Paddeln wurde hier mit reinster Postkartenidylle aus Sandstrand, Palmen und kristallklarem Wasser entlohnt.

Danas 20er

Danas erster Geburtstag fernab der Heimat wird wohl unvergesslich bleiben. Dafür sorgte Andres, der sich mit großer Freude der Planung hingab und zahlreiche Freunde einlud.

Bis zu dem leckeren Frühstück mit Geburtstagskuchen lief wohl noch alles nach Danas Vorstellungen. Jedoch erwartete sie noch eine lokale Geburtstagstradition, auf die sich Andres schon seit einigen Tagen besonders freute. Mit rohen Eiern bewaffnet wurde Dana von Andres und seinen Freunden über die Insel gejagt. Da diese nur aus einer Straße besteht, welche nach jeweils 200 Metern zur Sackgasse wird, hatte Dana denkbar schlechte Chancen den Angriffen zu entkommen.

Zur großen Freude der vielen jungen Gäste wurde abends dann noch eine Piñata geschlagen. Alles in allem ein gelungener 20. Kindergeburtstag!

Der nächste Bericht wird euch auf abenteuerliche Tauchgänge mitnehmen und vom Kampf gegen Plastik berichten.

Saludos!

D&J

#honduras#utila#workaway#diving#tauchen#caribean#karibik
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