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Zuletzt in Ho-Chi-Minh-Stadt

Sightseeing in Saigon mit Whisky

Veröffentlicht: 08.10.2026

Attraktion
War Remnants Museum
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Unabhängigkeitspalast
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Cha Tam Church
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Kathedrale Notre-Dame
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Sehenswert
Altes Postamt
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Hôtel de Ville
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Cho Binh Tay
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Ben-Thanh-Markt
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Saigon-Fluss
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Nhà Rồng
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Bitexco Tower
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Attraktion
Landmark 81
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

In Ho-Chi-Minh-Stadt habe ich natürlich nicht nur geschlemmt, wie mein vorheriger Blog suggerieren könnte. Ich habe zwischen dem 28. September und dem 4. Oktober 2026 auch die wichtigsten Stationen der Stadt nochmals abgeklappert. Zwar war ich im Dezember 2024 schon einmal hier, aber damals nur beschränkt fürs Sightseeing disponiert, weil ein ernsthafter intestinaler Aufruhr mich mehr oder weniger ans Hotelzimmer festnagelte.

Nach der Food-Tour auf dem Soziussitz von Phương, die sich Jessica nennt, habe ich für die grossen Namen der Stadtgeschichte ebenfalls einen Guide mit Motorroller gebucht. Er nennt sich Whisky (echt!); seinen vietnamesischen Namen habe ich trotz mehrerer Nachfragen nicht verstanden.

Ho Chi Ming-Stadt ist eine ausufernde Metropole mit zehn Millionen Einwohnern (oder 22 Millionen, wenn man den Ballungsraum mit einbezieht), in der es alles gibt: Wellblechhütten und Wolkenkratzer, versiefte Gassen und breite Boulevards, Strassenküchen und Michelin-Restaurants, Milliardäre und Bettler. Über allem schwebt die Vergangenheit, obwohl drei Viertel aller Vietnamesinnen und Vietnamesen nach 1975 geboren wurden: die Kolonialisierung und Unterdrückung durch die Franzosen, die Besetzung durch Japan und der Vietnamkrieg, der hier «Befreiungskrieg gegen Amerika» heisst.

Überreste des «Amerikanischen Krieges»

Das War Remnants Museum («Museum der Kriegs-Hinterlassenschaften») hält die Erinnerung wach. Es ist in einem schlichten, modernen Gebäude untergebracht, in dem früher der US-Militärgeheimdienst residierte. Vor dem Eingang sind Panzer, Flugzeuge und ein Hubschrauber aufgestellt, grösstenteils erbeutetes amerikanisches Gerät.

Mit Fotos, Briefen und Gegenständen dokumentiert das Museum das millionenfache Leid, das der Krieg verursacht hat. Die Atmosphäre ist zurückhaltend, aber schwer zu ignorieren. Im Gedächtnis bleiben die Gesichter, die Wunden. Am längsten musste ich die Bilder zu Agent Orange auf mich wirken lassen, jenes Herbizid, das die Amerikaner in riesigen Mengen einsetzten, um Wälder zu entlauben, und das mit einer massiven Häufung von Geburtsfehlern, bösartigen Tumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes in Verbindung gebracht wird.

Putsch und Gegenputsch

Nicht weit davon steht der Unabhängigkeitspalast. Er ersetzte den Norodom-Palast, den zwei südvietnamesische Piloten 1962 bombardierten. Präsident Ngô Đình Diệm gab danach den Neubau in Auftrag; 1966 war der luftige, moderne, aber wenig aufsehenerregende Betonbau bezugsbereit. Ngô Đình Diệm konnte den Palast nicht mehr beziehen: Schon am 2. November 1963 war er bei einem von der CIA unterstützten Staatsstreich unter der Führung von General Dương Văn Minh umgebracht worden.

Nach Jahren autokratischer und kleptokratischer Familienherrschaft hatte sich die Unzufriedenheit mit dem Diệm-Regime aufgestaut. Sie gipfelte in massiven buddhistischen Protesten gegen religiöse Diskriminierung, nachdem in Huế bei Unruhen Demonstranten erschossen worden waren und sich danach mindestens sechs buddhistische Mönche und Nonnen aus Protest selber angezündet hatten.

Den Schauplatz dieser Verhaftung zeigt mir mein Guide Whisky ebenfalls. Dafür fahren wir in die Chinatown. Dort steht die Kirche Cha Tam, gebaut 1900 bis 1902 und dem heiligen Franz Xaver geweiht. Ihr Name erinnert an den chinesischstämmigen Bischof François-Xavier Tam Assou, der am Eingang begraben liegt. Die gelbe Fassade verbindet gotische Formen mit chinesischen Details: Lotusornamente, Schriftzeichen, Schnörkel.

Am 2. November 1963 suchten Präsident Ngô Đình Diệm und sein jüngerer Bruder Ngô Đình Nhu nach dem Militärputsch hier Zuflucht und ergaben sich wenig später. Die Putschisten schickten einen Schützenpanzer M113, in welchem die Brüder ermordet wurden. Eine kleine Tafel markiert die Kirchenbank, in der sie zuletzt sassen. Ironie der Geschichte: Drei Wochen später wurde US-Präsident John F. Kennedy, der den Militärputsch gebilligt hatte, in Dallas erschossen.

Putschgeneral Dương Văn Minh blieb als Vorsitzender des Militärischen Revolutionsrates nur kurz an der Macht: Nach drei Monaten wurde er seinerseits durch einen Putsch weggefegt. Danach residierte Nguyễn Văn Thiệu im Präsidentenpalast. Als nordvietnamesische Truppen schon weit nach Südvietnam vorgestossen waren, trat er am 21. April 1975 zurück.

Es folgte die kürzeste präsidiale Amtszeit in der kurzen Geschichte Südvietnams: Am 28. April 1975 wurde Dương Văn Minh, der elf Jahre zuvor abgesetzt worden war, nochmals Präsident. 44 Stunden später durchbrachen nordvietnamesische Panzer die Tore zum Palais – zwei von ihnen stehen, restauriert, im Park. Bald wehte die Flagge des Vietcong vom Balkon; Dương Văn Minh ergab sich. Heute ist der Palast ein Museum: Kabinettssaal, Kommandobunker, Funkräume stehen noch da, als wären die einstigen Herrschaften gerade abgereist.

Post, Kathedrale und CIA

Die Kathedrale Notre-Dame, Sitz eines Erzbischofs, entstand zwischen 1863 und 1880 in romanischem Stil mit gotischen Anklängen. Die beiden 58 Meter hohen Türme folgten 1895 und verbergen sich weiterhin hinter Gerüsten, so wie schon bei meinem letzten Besuch 2024. Vor dem Portal steht eine Marienstatue.

Gegenüber der Kathedrale präsentiert das Alte Postamt, 1886 bis 1891 errichtet, das vielleicht bekannteste Fotosujet Saigons. Die gelbe Fassade verbindet Renaissance und Gotik; drinnen spannt sich ein Eisengewölbe über die Schalterhalle; an die Wände sind ein Stadtplan von 1892 und eine Karte des Telegrafennetzes von 1936 gemalt. Über allem wacht Ho Chi Minh. Das ehrwürdige Gebäude fungiert noch immer als Postamt, vor allem für Touristen. Vor den Schaltern und den nutzlos gewordenen Telefonkabinen drängen sich Souvenirstände und Besuchergruppen.

Tritt man hinaus, sieht man im Hintergrund ein Gebäude, heute vor der Kulisse eines Wolkenkratzers, das 1975 weltberühmt wurde: Vom Dach des mehrstöckigen Wohngebäudes, das von der CIA genutzt wurde, evakuierten Hubschrauber am 28. und 29. April 1975 die letzten Amerikaner, als die Kommunisten die Stadt bereits übernommen hatten.

Am oberen Ende der Fussgängerzone Nguyễn Huệ im Bezirk 1 steht ein weiteres Prachtgebäude aus der Zeit der französischen Kolonie: das einstige Hôtel de Ville (Stadthaus) mit eleganter gelb-weisser Fassade, zwischen 1898 und 1908 erbaut. Seit der Eroberung Saigons durch die Kommunisten 1975 sitzt das städtische Volkskomitee hier; das Gebäude bleibt Besuchern verschlossen.

Pilze, Reis und Plastikschuhe

In Cholon, der Chinatown, besuchen wir nicht nur die Franz-Xaver-Kirche, sondern auch den Cho Binh Tay, den chinesischen Grossmarkt, 1928 erbaut. Auf zwei Etagen reihen sich die Stände rund um einen Innenhof; der Bau trägt Dächer in chinesischer Tradition. Chinesische Händler gründeten Cholon im 18. Jahrhundert. Cho Lon heisst schlicht «grosser Markt» und war ursprünglich eine eigenständige Stadt. 1931 wurden Saigon und Cholon zusammengelegt.

Verkauft werden en Gros getrocknete Fische, Garnelen und Pilze, Kräuter, Tee, Gewürze, Reis, Stoffe, Küchengerät, Billigkleider und Plastikschuhe, Plastikschuhe und nochmals Plastikschuhe. Hier kaufen Gastronomen und Ladenbesitzer ein, nicht Touristen.

Der Markt für Konsumenten, einheimische und zugereiste, befindet sich ganz in der Nähe meines Hotels im 1. Stadtbezirk: der Ben-Thanh-Markt, 1914 eröffnet. Der Uhrturm am Südtor gilt als weiteres Wahrzeichen der Stadt. Unter dem Dach drängen sich Kleider- und Schuhläden, Souvenirstände und Garküchen. Vor allem aber gibt es hier Kaffee in so vielen Sorten, dass man allein vom Anblick, noch vor der ersten Tasse, das Herzrasen bekommt.

Direkt gegenüber ein reizvoller Kontrast: das Verwaltungsgebäude der Saigoner Bahngesellschaft im Kolonialstil, dahinter der Saigon Centre Tower 2, knapp 194 Meter hoch, 2017 fertiggestellt: Alt-Saigon und Neu-Ho-Chi-Minh drängen auf dasselbe Bild.

Meinen Tag krönt eine abendliche Fahrt auf dem Saigon-Fluss. Das Boot gleitet am Bitexco Tower mit seinem Heliport in ludftiger Höhe vorbei, 2010 eröffnet, 68 Geschosse hoch, und am Landmark 81, 2018 vollendet und mit 461 Metern das höchste Gebäude Vietnams. Die Lichter spiegeln sich im braunen Wasser.

Am Ufer steht das Nhà Rồng, das Drachenhaus. Von hier fuhr am 5. Juni 1911 ein junger Küchenhelfer auf einem französischen Dampfer nach Europa. Der Mann hiess Nguyễn Sinh Cung, einer seiner Decknamen war Ho Chi Minh. Zurück in Vietnam, rief Ho Chi Minh am 2. September 1945 in Hanoi die Unabhängigkeit Vietnams aus. Als seine Revolution nach äusserst blutigen Kriegen dreissig Jahre später ihren Höhepunkt erreichte, war er schon fünfeinhalb Jahre tot. Und doch bleibt er in dieser Stadt präsent, die 1976 seinen Namen bekam.

Von der Revolution, die er prägte, bleibt das kommunistische Regierungssystem. Die Wirtschaft hingegen hat sich radikal verändert, seit die Partei vor genau vierzig Jahren einen umwälzenden Reformkurs einschlug: Ho-Chi-Minh-Stadt, die Stadt, die den Namen eines kommunistischen Revolutionärs trägt, ist heute ein Sinnbild für den überbordenden vietnamesischen Kapitalismus. 

Auf einen Blick

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Kulturell
  • War Remnants Museum
  • Unabhängigkeitspalast
  • Kathedrale Notre-Dame
  • Altes Postamt
  • Ben-Thanh-Markt
  • abendliche Fahrt auf dem Saigon-Fluss
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