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Zum Geleit für diesen Beitrag seien mir ein paar geographische Vorbemerkung gestattet. Drei Gebirgszüge der Anden, also der südamerikanischen Kordilleren, durchzogen das Land von Norden nach Süden. Kreativerweise trugen die Gebirge die Namen westliche, östliche und Zentralkordilleren. Die größten Städte des Landes lagen an den Hängen der Gebirge oder auf Hochebenen. Der Weg, den ich von Bogota (2600 m Höhe) über Villa de Leyva (2150 m) nach Barichara (1280 m) einschlug, verlief am westlichen Rand der östlichen Kordilleren von Süden nach Norden in Richtung Küste. Alles klar?!

Den Dienstag verbrachte ich in einem fast leeren Bus, der sich die Gebirgsstraßen entlang quälte. Mir blieb viel Zeit, die Landschaft zu beobachten und zu träumen. Saftige Felder mit Rindern und Bergbauernbetrieben wechselten sich ab mit bewaldeten Hängen. Eine alte Bergbausiedlung erinnerte an der Erzabbau, gefolgt von felsigen Bergmassiven. Hinter jeder Kurve öffnete sich einer neuer Blick in tiefe Täler oder auf ferne Gipfel. Grün in einem Dutzend Schattierungen oder endlose braune Hochebene. Eine Traumkulisse zog an mir vorbei, ich stellte meinen Sitz nach hinten und genoss die Aussicht, hin und wieder döste ich weg.

Besonders beeindruckten mich die im Dunst blau schimmernden Gebirgserhebungen, welche nahtlos übergingen in Wolkenberge, die sich hinter ihnen auftürmten.

Nach fünf Stunden dann umsteigen in der Provinzhauptstadt San Gil und ich erreichte am späten Nachmittag mit einem Kleinbus mein Ziel, das touristische Barichara. Während der letzten Etappe stand die Sonne schon so tief, dass sie die Landschaft in ein rötliches Licht tauchte. Besonders magisch erschienen mir Bäume, die mit Bartflechten bewachsen waren. 

Bartflechten, auch bekannt unter dem Namen Baumbart, gehören zu den Pilzen und bilden eine Symbiose mit Blau- oder Grünalgen. Die behangenen Bäume wirkten im Abendlicht wie verwunschen.

Angekommen in Barichara ließ ich das Dorf aus der Kolonialzeit im warmen Licht der Straßenlaternen auf mich wirken. Auch meine Herberge, das Hostel Tinto, befand sich in einem alten Kolonialanwesen. Frühstück und Warmwasser gab es dort nicht. - Die Realität hatte mich wieder.

Zum Abendessen gab es ein vegetarisches Sandwich in einer hippen Bäckerei, die so gar nicht in die Szenerie passen wollte. Abends wirkte das Dorf wie ausgestorben.

Ich war weit vor Mitternacht im Bett und fand gewohnt gut in den Schlaf. Heute morgen dann beim Kaffee auf der Hostelterrasse die Nachricht, Krieg in Europa. Ein Alptraum!

Kolumbien

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