Am Donnerstag sattelten wir das Pferd von hinten auf. Statt eines obligatorischen Stadtrundganges starteten wir mit einem Ausflug in Lissabons obskure Geschichte, in das 19. Jahrhundert.
Das Märchenschloss (Palacio Pena) im Örtchen Sintra befindet sich etwa eine halbe Stunde westlich der Großstadt in einem ausgedehnten Naturpark, landschaftlich schön und abgelegen. Das Schloss selbst war ein Instagram-Traum in vielen Farben, der sich wunderbar vermarkten ließ. Kombitickets mit Eintrittsslots für 20 Euro lenkten die Besucherströme und Shuttle-Busse kürzten für etwa 11 Euro den herausfordernden Aufstieg in die Berge ab. Wir entschieden uns für eine Wanderung durch den Naturpark. Zeit dafür war genügend eingeplant.
Die Geschichte des Schlosses erinnerte sehr an Neuschwanstein. Ein deutscher Fürst, Ferdinand II., heiratete in den 1850er Jahren die portugiesische Königin. Mit viel Freizeit und Phantasie gesegnet, sowie den nötigen Ressourcen, verwirklichte sich der Gemahl der Königin durch den Umbau eines mittelalterlichen Klosters zum Palacio Pena (Pena bedeutet Pein). Ergebnis ist ein operettenhaftes Stil-Feuerwerk. Vom Stil der Mauren, der Gotik über Renaissance bis Rokoko ist alles vertreten.
Nach dem Tode der Königin heiratete Ferdinand 1869 eine amerikanische Opernsängerin mit Schweizer Wurzeln, der er ein Chalet im Park einrichtete. All dies natürlich erst, nachdem Ferdinand die Dame in den Gräfinnenstand erhoben hatte.
Wikipedia weiß, dass die Monarchie in Portugal wenige Jahre später 1910 endete, als der junge König Manuel II. nach England ins Exil ging. Sintra ging in den Besitz des portugiesischen Staates über. Und die Operngräfin starb mit 74 Jahren 1929 verarmt in Lissabon.
Ein besonderer Reiz des Schlosses ist die Verwendung von Stilelementen der sog. Manuelinik, einer besonders portugiesischen Form der Spätgotik, welche u.a. nautische Ornamente und pittoreske Türmchen umfasst.
Für das letzte Drittel des Tages war dann ein Besuch des Turmes von Belém geplant. Der mittelalterliche Turm, ebenso wie das nahegelegenen Hieronymuskloster waren ausgewiesene Beispiele für die Manuelinik in Lissabon. Im Hieronymuskloster war außerdem Vasco da Gama zur letzten Ruhe gebettet und an der Hafenfront erinnerte ein übertrieben monumentales Denkmal an den 500. Geburtstag Heinrich des Seefahrers im Jahr 1960.
Mit dem Besuch von Belém ergab Sintra dann doch Sinn. Portugals Aufstieg zur Weltmacht begann am Ufer des Tejo um das Jahr 1400. Sintra war hingegen der Schwanengesang eines deutschen Romantikers auf das goldene Zeitalter. Es setzte den Schlusspunkt und entließ Portugal in das 20. Jahrhundert.
Hinterteil und Vorderteil des sprichwörtlichen Pferdes passten zusammen und der Sattel saß.
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Ich google Lola Montez.