Auf Abwegen (Camino Portugues 2)
Orientierung gehört zum Wandern dazu, genauso wie Kaffee und Bier am Nachmittag. Denn ohne Karte, ohne die Suche nach Zeichen und Orientierungspunkten bliebe von einer Wanderung...


Veröffentlicht: 22.04.2026















Mit der Rückkehr auf den originalen Pilgerweg sollte auch eine realistische Etappenstaffelung einhergehen. Üblich waren Tageseinheiten von etwa 20 km. Abhängig vom Gelände und dem Wetter waren für ungeübte Wanderer auch bis zu 25 km machbar.
An diesem Sonntag spielte anfangs beides mit, eine flache Strecke und angenehmer Sonnenschein. Trotzdem war der Wurm drin, denn die vorgeschlagene Tagesetappe endete schon nach 15 km. Hinzu kam für uns ein extra Kilometer über einen Aussichtspunkt, der eher unbeabsichtigt angesteuert wurde.
Gegen 13 Uhr erreichten wir Barcelos, ein Mittelzentrum mit Herbergen und Infrastruktur. Die Sonne stand im Zenit und wir legten eine Pause mit überbackenem Toast und Radler zur Stärkung ein. Zum Dessert gab es Marshmallow-Eis.
Angesichts des engen Zeitplans von nur fünf veranschlagten Wandertagen und der bisherigen Erfolge von mehr als 20 km pro Tag, entschieden wir uns am Nachmittag für eine zusätzliche Etappe. 16 + 10 km wurde als neues Tagesziel festgelegt.
Der Weg führte nachmittags dann in großer Hitze durch endlose Gewerbegebiete und Vorortsiedlungen, stetig bergauf. Gastronomie gab es keine, abgesehen von einer geschlossenen Taverne, deren Besitzerin sich erbarmte. Sie schloss auf, um den pausieren Pilgern frische Getränke anzubieten.
Im Reiseführer hatten wir eine Unterkunft in einem winzigen Ort ausgemacht, die sich als private Herberge mit nur neun Betten entpuppte. Der Tiefpunkt des Tages war erreicht. Nach zehn Stunden auf den Beinen, ausgezehrt durch Sonne, Gepäck und Kilometer ging es weder vor, noch zurück.
Die letzte Stunde auf dem Weg war stets die anstrengenste. Leider hatten wir die letzte Stunde an diesem Tag überdehnt und die Kraftreserven mehr als aufgebraucht. Und trotzdem mussten wir eine Entscheidung treffen.
Schließlich entschieden wir uns für eine Herberge, 1,5 km auf dem Weg zurück, die wir eine halbe Stunde zuvor passiert hatten. Mit letzter Kraft traten wir den Rückweg an und schleppten uns nach Recoletta.
Mitten im nirgendwo bot die Alberguo moderne Standards und einen Selbst-Checkout am folgenden Morgen. Im "Restaurant 2000" gegenüber sammelten sich die Gestrandeten bei Pilgermenüs und Hauswein.
