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Auf schwarzen Schwingen kreisten die großen Vögel über dem Canyon. Die Bergsavanne war die Heimat des Rabengeiers, einer von sieben Neuweltgeierarten. Der Vogel begleitete mich bereits seit ein paar Tagen, als Teil der Landschaft.

Am Donnerstag brach ich zu einer empfohlenen Wanderung entlang der Schlucht des Rio Suarez auf. Der kleine Ort Barichara hatte abgesehen von seiner Bilderbuchoptik nicht allzu viel zu bieten. Der Camino Real, ein alter Weg ins benachbarte Dorf Guane, stellte Kurzweil in Aussicht. Felsig führte die Route durch eine Landschaft wie aus einem Wildwest-Streifen. Um mich herum flirrte die Hitze, die Insekten zirpten, Eidechsen flitzen und die Geier zogen über den dunstblauen Himmel.

Nach etwa zwei Stunden erreichte ich Guane, einen weiteren Ort wie gemacht für Postkarten. Dort bot ein Ausflugslokal einen besonders schönen Blick über den Canyon. Absolute Ruhe, lediglich der Flug der schwarzen Vögel sorgte für Bewegung. Trotz der friedlichen Stimmung schweiften meine Gedanken immer wieder ab ... Krieg in Europa.

Ich musste an Franz Kafkas berühmten Tagebucheintrag von 1914 denken: „2. August. Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. – Nachmittag Schwimmschule“

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Auf dem Heimweg nach Barichara traf ich eine andere Reisende, die mir dringend von meinem Vorhaben abriet, mit dem Bus in Richtung Küste zu fahren. Im Vorfeld der kolumbianischen Parlamentswahlen im März hatte die linke Guerillaorganisation ELN zu Protesten wie Straßenblockaden in der Region aufgerufen. Ich war verunsichert. Eine kurze Recherche auf der Seite des Auswärtigen Amts bestätigte die Einschätzung, vor Busreisen wurde dringlichst gewarnt. Meine Gedanken kreisten. Nach meinen Erfahrungen in Bogota scheute ich unnötiges Risiko, außerdem reiste ich derzeit allein.

Mein Reiseplan brauchte also eine Generalrevision. Zum Glück waren Inlandsflüge sehr günstig zu bekommen. So entschied ich, das Wochenende in Medellin, der zweitgrößten Stadt des Landes, zu verbringen. 60,- Euro für den Flug. Nach vier Tagen in der Provinz freute ich mich auf Stadtluft.

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Bei der Vogelbestimmung konnte ich mich auf Expertise aus der Hebelei verlassen.

Eine etwas launige Beschreibung des Flugverhaltens der Rabengeier findet sich auf Wikipedia:

"Aufgrund seiner eher kurzen und breiten Flügel fliegt der Rabengeier weniger majestätisch als andere Neuweltgeier. Flatternder Flug wechselt sich mit kurzen Gleitphasen ab. Der Rabengeier ist gesellig und ernährt sich vorwiegend von Aas, macht aber bei Gelegenheit auch selbst Beute. Als Abfallfresser wird er vielfach als Nützling geschätzt, von Viehzüchtern aber auch als Schädling gesehen, da er zuweilen neugeborenes Vieh erbeutet."



Kolumbien

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