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Die kühle Schöne empfing mich ein zweites Mal, Bogota in 2.600 Metern Höhe. Diesmal war ich besser vorbereitet. Mir blieben lediglich 48 Stunden und ich buchte meine Unterkunft im touristischen Viertel Candelaria.

Wie zur Wiedergutmachung begrüßte mich die Stadt mit Sonnenschein. Anders als vor zwei Wochen landete ich am Flughafen El Dorado in der Mittagszeit, so dass ich mir das Taxi sparen konnte und mich stattdessen mit Bussen in die Innenstadt durchschlug. Penibel achtete ich auf meine Habseligkeiten. Ein gebranntes Kind.

Nachmittags dann traf ich mich mit David und Juliana, die ich aus Medellin kannte. Das Wiedersehen mit den beiden Studenten war unglaublich herzlich. Trotz der schwierigen Verkehrslage wegen Demonstrationen zum Weltfrauentag reisten die beiden aus den Vororten an, um mich noch einmal zu sehen. Wir aßen Mittag und redeten über die Gott und die Welt, sprich: Kolumbien und die Ukraine.

Im Anschluss besuchten wir ihre Universität, die auf einer Anhöhe lag, von wo aus sich ein besonderer Blick auf die Stadt im Sonnenuntergang bot. Wir verabschiedeten uns wie alte Freunde, jedoch ungewiss wo und wie man sich wiedersehen würde. Kolumbien und Europa trennte mehr als der atlantische Ozean.

Bogota zählte beinahe 10 Millionen Einwohner, jeder fünfte Kolumbianer lebte in der Hauptstadtregion, fernab von Küste und Hochebene in den Bergen. Die gewalttätige Geschichte des Landes hatte die Hauptstadt seit dem 19. Jahrhundert geprägt: Bürgerkriege, politische Unruhen und Attentate, die sog. Violencia der 50er Jahre, der Aufstieg der Drogenkartelle und deren blutiger Privatkrieg gegen den Staat sowie politischer Extremismus zwischen Paramilitärs im Dienste des Großgrundbesitzes und linker Guerillas infolge größter gesellschaftlicher Ungleichverteilung von Land und Reichtum. In Kolumbien gab es zu keiner Zeit eine Landreform!

Besonders greifbar wurde diese komplexe Geschichte bei einem geführten Stadtrundgang am Mittwochmorgen. Stadtführer Jeff, ein studierter Anthropologe, verstand es auf das Beste, komplexe Hintergründe verständlich zusammenzufassen. Und immer wieder die Warnung vor Taschendieben und Kleinkriminalität. Ursprünglich wollte ich an der Führung bereits bei meinem letzten Besuch teilnehmen.

Bunte Fassaden und die zahlreichen Graffiti leuchteten im Sonnenschein. Nachmittags durchstreifte ich noch einmal die Ecken der Stadt, an die ich mich von meinem letzten Besuch erinnerte. Ziel war auch, meine Fotoeindrücke zu erneuern. Schließlich waren meine fotografischen Erinnerungen an Bogota allesamt verloren.

Am Abend traf ich mich mit Gustavo aus Berlin, der gerade auf Familienbesuch in der Stadt war. Wir kannten uns nur sehr flüchtig, aber über die sozialen Netzwerke verabredeten wir uns fix und so saßen wir wenig später zusammen bei Bier und Chicha, einem süßen Trunk aus fermentierten Mais. Gustavo berichtete über den Winter in Berlin und die derzeitige Situation angesichts des Krieges in der Ukraine.

Die Gespräche mit den Menschen in Kolumbien waren wenigstens so wertvoll wie meine touristischen Unternehmungen. Bogota gelang es, mich für sich einzunehmen und ich hegte keinerlei Groll mehr gegen die kühle Schöne.

Abends dann, beinahe routiniert und doch voller Widerwillen, die Vorbereitung auf den nächsten Reisetag. Der online Check-in lud nicht, das peruanische Corona-Dokument ließ sich nicht herunterladen und die COVID-Auflagen im Nachbarland schienen strenger zu sein als erwartet. Frustriert stellte ich meinen Wecker auf 7 Uhr. 

Kolumbien

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