miriamandjakob

Im Rekordschneckentempo

Most aus Zuckerrohrsaft und wunde Hintern

Puh, die letzte Woche legen wir viele Kilometer im Bus zurück und unser Hintern ist schon wund gesessen. Von Huanchaco fahren wir zunächst weiter nach Pacasmayo, ebenfalls einer kleinen Küstenstadt, wo Jakob erneut die Wellen testet, während sich Miriam von einem Sonnenstich erholt. Leider gibt es im Wasser Quallen von einem Meter Durchmesser, die jedoch ungefährlich sind und Fischernetze, die den Surfspaß geringfügig schmälern. Wir lesen, dass der Grenzübergang von Peru nach Ecuador im Landesinneren schöner aber auch abenteuerlicher sein soll, als an der Küste. Bevor wir allerdings die Grenze überqueren, erkunden wir das Gebiet um Chachapoyas. Negativ/Budget-Tipp:  Nehme den Bus von Chiclayo Nororiente/Gazelle für 30/s nach Pedro Ruiz (nicht Unternehmen "VIA" und nach Verhandlung). Allerdings gehört die Fahrt von Pacasmayo nach Chachapoya unter die Top-Five unserer schlimmsten Busfahrten: während die Sonne langsam untergeht fahren wir los. Mal wieder kann man sich natürlich nicht anschnallen und der Busfahrer fährt wie eine angesenkte Sau, anscheinend ist jede Sekunde, die wir früher ankommen, lebenswichtig. Die Straße windet sich in Serpentinen durch die bergige Landschaft, wir fallen von rechts nach links in den Kurven, wir fahren viel zu schnell über die Bodenwellen und hüpfen deswegen in die Luft und dann überholt der Bus im Dunkeln kurz vor einer Kurve. Wahrscheinlich dachte er sein Lichtkegel würde die entgegenkommenden Autos warnen, doch so ist es nicht. Mitten in der Kurve kommt ein LKW entgegen. Wenige Zentimeter und das Führerhaus des LKW wäre in die Stelle wo wir sitzen gerast. Doch der Busfahrer windet den Bus gerade so noch um das zu überholende Fahrzeug.  Wir werden alle nach vorne geworfen, die Leute werden aus dem Schlaf gerissen und der ganze Bus tobt, schreit auf oder beschimpft den Fahrer, dass er nicht in der Sierra überholen soll. Danach fällt Schlafen schwer, nervös sitzen wir die letzten Stunden der Fahrt im Bus. Um 3 Uhr nachts erreichen wir Pedro Ruiz, wo wir in einen Collectivo nach Chachapoyas umsteigen müssen. Diese stehen auch schon mit Fahrern bereit, jedoch fahren sie erst los wenn sie voll sind. Wir warten 3h bis es endlich soweit ist. 

Abends lernen wir in der Hostelküche einige Deutsche kennen, denn anders wie sonst sind diesmal anstatt den Franzosen die deutschsprachigen Reisenden in der Überzahl. Für den nächsten Tag schließen wir uns mit Mae und Fabio aus der Schweiz und Martina aus der Münchner Ecke zu einer kleinen Wandergruppe zusammen. Wir wandern zu der Festung Kuelap hoch, welche als das "Macchu Picchu" des Nordens bezeichnet wird und von dem Volk der Chachapoayas erbaut wurde, lange bevor die Inkas Machu Picchu errichteten. Kuelap liegt auf der Spitze eines Berges, die Mauern waren mal über 20 Meter hoch und betreten werden kann die Stätte durch einen schmalen Eingang zwischen den Mauern.




Die Wanderung hat es in sich: über 1.000 Höhenmeter müssen wir hochlaufen und das Schwierigste dabei ist die Sonne und der nicht vorhandene Schatten, der Miriam kämpfen lässt. Während Mae, Fabio und Martina leichtfüßig vor uns den Berg hinaufspringen, brauchen wir länger. Oben angekommen erkunden wir gemeinsam Kuelap, bewundern die Aussicht sowie die großen Lamas, haben viel Spaß und machen lustige Fotos (Allerdings ist der Eintritt teurer als gedacht 30/s - Tipp: mit Studentkarte die Hälfte!)


Am nächsten Tag fühlen sich Mae und Fabio leider nicht so gut, so dass wir zu dritt mit Martina losziehen, um den Gotca Wasserfall zu besichtigen. Die Wanderung führt uns in 18 km durch eine wunderschöne Landschaft des Amazonas: über Steintreppen und kleine Pfade schlengelt sich der Weg durch eine üppig grüne Landschaft mit moosbewachsenen und knorrigen Bäumen, Farnen, Palmen und bunten Blumen, sowie Schmetterlingen, großen Käfern und tollen Ausblicken. Der Gotca Wasserfall zählt mit einer Fallhöhe von 771 Metern zu einer der höchsten freifallenden Wasserfällen der Erde. 



Wir besichtigen zuerst das obere Plateau, wo Jakob sofort ins Wasser springt. Miriam und Martina wird der Wasserdunst ins Gesicht geweht. Erfrischt und belebt geht es weiter einige Höhenmeter bergab bis wir uns am Fuß des Wasserfalles befinden und ehrfürchtig in die Höhe blicken. Es ist beeindruckend wie das Wasser frei herab fällt und der Wasserstrahl am Ende sich immer mehr in Wasserdunst aufteilt. Die steilen Karstwände mit tollen Mustern und die grünen Hänge schmücken die Umgebung. Zu dritt springen wir in den kleinen Gumpen, wo sich das Wasser staut, auch wenn nur kurz aber danach ist uns warm. Auf dem Rückweg werden wir von einem älteren Herr und seinem Nachbar an sein Grundstück heran gewunken. Es ist Sonntag und so wie wir es auch in Argentinien erlebt haben, wird am Wochenende hier einiges an Alkohol und Anderem konsumiert. Die zwei Männer bieten uns ein Getränk namens Guarapo an, fermentiert aus Zuckerrohrsaft, enthält er etwas mehr Alkohol als Most und schmeckt auch sehr ähnlich, nur etwas süßer. Wirklich zurechnungsfähig sind unsere zwei peruanischen Gastgeber nicht mehr, neben Alkohol konsumieren sie vorallem Kokablätter und flüssigen Kokablättersaft - insgesamt fragt der ältere Herr Jakob 5 mal aus welchem Land wir kommen und der Jüngere erzählt von einer bevorstehenden Revolution. Es ist ganz lustig, wir unterhalten uns ein wenig und trinken das Gebräu bevor wir danach beschwingt weiterlaufen. 

Dann heißt es Abschied nehmen von Mae, Fabio und Martina, wir hoffen (wie auch mit Lisa aus Basel) auf eine Reunion in 2020! Auch lassen wir nun Peru hinter uns, wo es uns sehr gut gefallen hat: Peru ist landschaftlich so vielseitig, die Menschen offen und herzlich, wir haben mehr vegetarische Optionen gefunden und Huanchaco ist und bleibt unser Highlight! Was uns weniger gut gefallen hat: die Eintritte zu Wanderwegen (teils 20/s), Gringopreise (hält sich aber abseits von Touristenorten in Grenzen), die gefährliche Fahrweise vieler Fahrer und Missverständnisse mit Taxifahrern, die einem Preis zustimmen, aber später nicht richtig zugehört haben wollen.

Mit unterschiedlichen Collectivos schaffen wir es ohne Probleme an die Grenze "La Balsa" im Amazonasgebiet. Wir haben uns gegen den Direktbus entschieden, da wir erneut zu Fuß die Grenze überqueren wollen und hoffen so günstiger zu fahren. Und natürlich ist es aufregender! Die Grenze ist klein, verschlafen und man braucht Geduld bis der ecuadorianische Polizist sich dazu entscheidet sich um einen zu kümmern. Auch bekommt man kostenlos eine Gelbfieberimpfung, wenn man sie noch nicht hat, direkt im Büro gespritzt. Die Migration auf ecuadorianischer Seite befindet sich in einem großen leeren Raum, welcher lediglich mit einem Tisch und Plastikstühlen ausgestattet ist. 



Und dann geht es nicht mehr weiter für uns. Es gibt keine Busse, die fahren und auch die Rancheros (umgebaute Lastwagen mit Holzbänken) fahren erst abends. Wir versuchen zu trampen, doch kein einziges Auto kommt. Wir warten drei Stunden in dem kleinen Dorf, am Ende kommt ein Lastwagen, doch der Fahrer nimmt lieber zwei Einheimische mit, die erst vor 15 Minuten die Grenze passiert haben, anstatt uns. Wir sind frustriert, am Ende landen wir doch in dem Direktbus, der abends die Grenze erreicht und uns für eine Stange Geld (20 Dollar) mit nach Vilcabamba nimmt (Tipp: über Chiclayo wäre es günstiger gewesen an die Grenze). Ja, die Währung in Ecuador ist der Dollar, an den wir uns erstmal gewöhnen müssen und insgesamt scheint das Land auch nicht mehr so günstig wie Bolivien und Peru zu sein. Das Militär kontrolliert den Bus auf dem Weg nach Vilcabamba und wir müssen uns registrieren. Um 12 Uhr nachts kommen wir müde in Vilcabamba an, schließen uns zwei Chilenen an, suchen gemeinsam im strömenden Regen nach einer Unterkunft und klingeln die Hostelbesitzer aus ihren Betten. Zu viert übernachten wir in einem Mehrbettzimmer, welches ganz urig ist (Tipp: Pension Crucita für 6$/Person und großzügig Platz im Zimmer). Am nächsten Tag regnet es erneut, so dass wir es gemütlich angehen und ein wenig weiter planen. Ecuador hat viel zu bieten und wir sind glücklich in einem flächenmäßig etwas kleineren Land zu sein. 

#südamerika#peru#chachapoyas#amazonas#ecuador#grenze

Kommentare

du
Beeindruckender Wasserfall und erneut viele spannende Erlebnisse :)

Dinge, die du vor Ort erleben kannst: