miriamandjakob
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Luxusresorts nein - Popelstädte ja!

Wir befinden uns noch in Vinales und wollen in das benachbarte und weniger touristische Fischerdorf Puerto Esperanza fahren und dabei natürlich auf die selben Fortbewegungsmittel wie die Einheimischen zurückgreifen. Nach 1.5 Stunden Warten auf ein günstiges Sammeltaxi ist unsere Hoffnung jedoch gering und wir sind nicht die einzigen die warten. Zum Glück taucht dann doch ein Bus auf. Zu dritt können wir sehr günstig mitfahren (6 CUP). An einer Kreuzung noch 5 km vor unserem Ziel entfernt hält der Bus unerwarteter weise an -  Endhaltestelle. Jakob will schon zu Fuß unter der prallen Sonne loslaufen, da hält ein Truck direkt vor uns. Alle Kubaner klettern über die breiten Räder auf die Ladefläche und helfen uns die großen Rucksäcke hochzuhieven. Um nicht über Bord zu fallen, müssen wir uns auf der wackeligen Fahrt gut festhalten; der frische Fahrtwind und die grüne Landschaft steigern unsere Laune. Angekommen in der Unterkunft in Puerto Esperanza gibt es Frühstück, da sagen Ida und Miriam nicht nein und wir genießen es zur Abwechslung an einem vollbeladen Tisch zu sitzen und Eier, Brot, Obst, Saft, Kaffee mit Milch, sowie Kokos- und Guayave-Marmelade zu essen. Eine gelungene Abwechslung zu oft fettigerem Weißbrot mit Tortilla. 


Frühstücken!


Die Leute in Puerto Esperanza sind extrem offen und freundlich, fast an jeder Straßenecke werden wir angesprochen, oft auch von Betrunkenen - es ist Sonntag in Kuba. Vor einem Haus werden wir auf einen Geburtstag eingeladen. Die Gesellschaft ist schon etwas angedüdelt und der fleischige Eintopf ist für uns Vegetarier keine Option, wir beobachten die Leute noch beim Domino Spielen,



als wir uns wieder verabschieden. So schön die Menschen auch sind, so schmutzig ist Esperanza, vor allem der Strand und oft fließt Abwasser aus kaputten Schläuchen, grau-weiß über den Weg in den Straßengraben und das Meer ist trüb von Algen und Müll. 

Von Puerto Esperanza nehmen wir den lokalen Bus, der uns an einer Kreuzung im Nirgendwo abwirft. Heute haben wir Glück - was auch der Hilfsbereitschaft der Leute zu verdanken ist: auf der Ladefläche eines Pickups setzen wir uns auf lose Plastik-Hocker. Die schöne Landschaft zieht an uns vorbei und wir unterhalten uns mit den anderen Passagieren. Auf die Frage wie viel die Fahrt kostet, wird vehement abgewunken. Wir fühlen uns energiegeladen. Wir finden einen Lastwagen, welcher mit Brettern, die als Bänke fungieren, zu einem Bus umgebaut wurde. Er fährt in 4 Stunden nach Bahia Honda, Jakob muss mangels Platz stehen. Unsere Unterkunft finden wir abseits am Meer, auf der Suche nach günstigem Essen werden in einem Motel fündig. Wir bekommen Krautsalat und einen Fertigtrink, den wir fassungslos beäugen, wir können nicht anders als zu lachen. Und auch die davor eiskalte Bedienung in Netzstrumpfhose muss lächeln. 


Bestes Abendessen der Welt!
Bestes Abendessen der Welt!


An einem Tag machen wir uns auf die Suche nach dem nicht touristischen Sandstrand "La Altura"  (Terminal im Bus bis nach Cayetano), dort springen wir auf einen Lkw und laufen die restlichen 3 km zu Fuß. Und da kommen sie uns schon zu Nahe. In Scharen beißen sie sich durch die lange Kleidung und sind auch mit Mückenspray fast nicht abzuschütteln. Angekommen am Strand flüchten wir ins Wasser, wo sie uns kurz in Ruhe lassen. Der Strand ist weiß, Kilometer lang, besteht aus kleinen Muscheln und gehört uns ganz alleine. Doch sobald die Sonne verschwunden ist, kommen die Moskitos mit frischer Stärke zurück und es ist fast nicht auszuhalten. Unseren Reis mit Bohnen verspeisen wir deswegen zu dritt im Zelt. Es soll nicht die erholsamste Nacht werden: vor Moskitos sind wir zwar geschützt, aber kleinere Sandfliegen dringen durch das Innenzelt. Die können beißen und jeder Biss zwickt und juckt. Die Hände sind ungeschützt und sobald man lange Kleidung anzieht schwitzt man und bekommt Hitzewallungen. Am nächsten Tag und am Morgen springen wir zerstochen ins wohltuende Meer. Zudem hat Ida auf den harten Matratzen kaum geschlafen. Am nahegelegenen Campingplatz, dürfen ausschließlich Kubaner Urlaub machen, dort holen wir uns leckere Frischkäse Brötchen zum Frühstück und verbringen den Vormittag entspannt am Strand. Als es regnerisch wird, packen wir zusammen und machen uns auf die Suche nach einem Weg zurück nach Bahia Honda. Am Strand laufen wir in einen Amerikaner mit kubanischer Frau, welcher dort mit seiner Familie Geburtstag feiert. Der redselige und ein wenig angetrunkene Mann freut sich mit uns auf Englisch plaudern zu können und lässt es sich nicht nehmen uns in seinem Auto von seinem Neffen in die Stadt zurückzufahren. Noch früh am Tag nehmen wir am Terminal einen Chickenbus nach Havanna. Die Frau am Terminal ist super nett, und lässt uns als einer der ersten einsteigen, woraufhin so einige Kubaner wütend werden und die Frau anpöbeln. Sie versucht zu beruhigen und erklärt, dass wir die weite Strecke bis nach Havanna zurücklegen müssen und die Rucksäcke auf den Schoß legen können. Im Bus hat sich die Stimmung wieder beruhigt und die Leute sind hilfsbereiter. Am Abend kommt dann alles zusammen: mit Schlafmangel und von Mückenstichen übersät, nach über 5 Stunden Fahrt, es ist schon dunkel, es fängt an zu regnen, wir haben keine Unterkunft und finden auch keine, wir sind hungrig, wir suchen Internet, aber finden zuerst keine gute Internet-Verbindung und dann buchen wir aus Versehen auch noch zwei Unterkünfte auf einmal. Wir bekommen uns ein wenig in die Haare.

Dafür lassen wir es uns dann nochmal in Havanna 5 Tage gut gehen, trinken nachmittags Mojitos oder Pina Colada, schauen einen Abend Fußball und streifen durch die verschiedenen Viertel Havannas. Ida nimmt einen Tag an Salsa Unterricht teil, Jakob und Miriam drücken sich. Jeden Tag gibt es Pizza und frischen Saft und am letzten Tag sind wir froh dass es die letzte mit Ketchup bekleckerte Pizza war. Wir sitzen in der untergehenden Sonne am Malecon, probieren eine kubanische Zigarre, die uns aber überhaupt nicht schmeckt. Ein Mann erzählt uns, dass wir schlechte Zigarren gekauft hätten. Anderswo erzählt man uns es wären gute einheimische Zigarren. Wie auch immer - wir genießen den letzten Abend auf Kuba, welcher zugleich auch der letzte Abend mit Ida ist. Wir haben uns sehr über ihren Besuch gefreut und zusammen schöne und aufregende Wochen gehabt. Ein Mann in unserem Alter gesellt sich am Malecon noch zu uns, wir haben ein letztes nettes und angeregtes Gespräch mit einem Einheimischen. Es ist schön, dass er einfach aus Interesse mit uns sprechen wollte, da natürlich viele etwas verkaufen wollen wenn sie mit uns reden. Erstaunlicherweise die Mehrheit jedoch einfach aus Interesse mit uns sprach, vor allem außerhalb von Havanna.
Nun steht die USA vor unserer Tür, wir sind aufgeregt, neugierig und bereiten uns auf einen Kulturschock vor.





#kuba#mittelamerika#trampen#camping#strand
Kommentare

Ida
Hammer Reise, werd ich so schnell nicht vergessen!!😊

du
Tolle Bilder! :)