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Strawej Sofia

Veröffentlicht: 16.07.2025

Essen
Baude oberhalb der Bushaltestelle
$ · Snack
Attraktion
Cherni Vrach
Sofia, Bulgarien
Attraktion
NDK
Sofia, Bulgarien
Attraktion
Kulturpalast
Sofia, Bulgarien
Tour
Walking Tour in Sofia
Tour
Essen
Markthallen
$ · Snack
Unterkunft
Hostel in Sofia
Hostel · Sofia
Essen
Bar weitab der Touristenmeile
$$ · Abendessen
Bus
Bushaltestelle oberhalb der Baude → Sofia
Sofia, Bulgarien
Bus
Sofia → Istanbul
Flixbus
Der erste Eindruck zählt, na klar. Aber wenn es um Städte geht, sollte man diese Regel eigentlich vergessen. Bahnhöfe, speziell Busbahnhöfe, sind meistens ziemlich hässlich. Egal wo, überall der gleiche graue Beton. So empfängt mich auch Sofia ganz im Ostblock-Charme. Aber als ich aus der Metro-Station NDK steige, stehe ich in einem Park mit Springbrunnen-Anlagen vorm Kulturpalast und im Hintergrund erhebt sich das Vitosha-Gebirge. Halleluja, was für ein Kontrast zu Bukarest. In weiser Voraussicht habe ich nach drei Städte-Aufenthalten ein Einzelzimmer in den nahegelegenen Bergen südlich der Stadt gebucht. Ich klopfe mir dafür selbst auf die Schulter, gut gemacht. Selten hat mich eine Stadt so sehr in die Natur getrieben wie Bukarest.


Um mir die Aufgabe "Hotel im Gebirge erreichen" zu erleichtern, gamifiziere ich in Gedanken meine Quest-Reihe: U-Bahn-Karte kaufen - Café finden, das ab 6 geöffnet hat - Geld abheben - ersten Bus nehmen - nachdem der liegen geblieben ist (der Fahrer geht 7 mal zum Motor und zurück, um ihn erfolglos anzulassen, bis nach 10 Minuten alle Fahrgäste genervt aussteigen) neue Alternativ-Verbindung heraussuchen - 300 Höhenmeter zum Hotel hochlaufen - einchecken. Levelaufstieg Stufe 4 - Bulgarien: erhöhter Schwierigkeitsgrad durch Kyrillisch, dafür aber vielleicht auch mal Gemüse auf dem Teller? Ich bleibe hoffnungsvoll.


Im zwischen Tannen stehenden Hotel treffe ich auf Sophie aus Belgien und Ewan aus Australien, die gerade frühstücken und mir erzählen, dass sie sich im Hostel in Sofia kennengelernt haben und kurzentschlossen für einen Übernachtung auch in die Berge geflohen sind. Wir tauschen uns über unsere nächsten Reiseziele aus und ich gebe Ewan ein paar Tipps für Albanien und er mir für Istanbul. Das Hotel ist familiengeführt, eine zugewandte Großmutter bietet mir Frühstück an. Mit Blick auf Ewans und Sophies Teller bestelle ich "what they have", es sind dicke Pfannkuchen mit einem Stück Marmelade und Ziegenkäse. Bulgarien, du machst es mir leicht, dich zu mögen.

Die beiden Backpacker checken aus, ich gerade ein, aber sie laden mich freundlicherweise zu einer kurzen Wanderung ein, bevor sie den Bus zurück in die Stadt nehmen. Selbstverständlich schlage ich das nicht aus. Der langersehnte Schlaf nach der Nachtfahrt kann auch noch warten, schließlich ist das Zimmer auch erst in ein paar Stunden bereit und ich bin nach Frühstück und Tee wieder startklar.Auf der Wanderung stellt sich Ewan als waschechter Outback-Australier heraus. Als wir an einem klaren Bach vorbeikommen, sagt er: "I wonder how cold it is...". "Ich kann's dir auf einem Blick sagen.", denke ich mir, "Arschkalt!". Er testet es trotzdem und zwei Minuten später hockt er in Unterhose mitten im Wasser und hat Spaß am Frieren. Später zeigt mir Sophie Fotos von Ewan, wie er bis auf 5 oder 6 Meter Höhe einen Nadelbaum hochklettert.

Crocodile Dundee erzählt uns von seiner Heimat im Norden Australiens und davon, dass die Strände dort im Wechsel von Wasserschlangen, Krokodilen und giftigen Riesenquallen heimgesucht werden. Choose your Endgegner. Da kann ich also je nach Saison wählen, welchem Tier ich mich am liebsten aussetze.Nach einem Bier in einer Baude oberhalb der Bushaltestelle verabschiede ich mich von den beiden und danke ihnen für die Einladung zum Mitwandern. Es hat mir meinen Bulgarien-Einstieg klar erleichtert, auch wenn ich mich zum Eisbaden und Bäume Hochklettern noch nicht bereit fühle.

Für osteuropäische Verhältnisse sind die Bulgaren relativ freundlich. Aller drei entgegenkommenden Wanderer werde ich zurückgegrüßt, als ich hoch zum Cherni Vrach laufe und so lerne ich - learning by hearing - den Gruß Strawej endlich richtig auszusprechen.

Oben am Gipfel ist high life. Partymucke aus einer Bloetooth Box, Typen rauchend am Grill haben einen Barbecue-Stand aufgebaut und verkaufen Kebab, Salate und Plastikflaschen mit abgefülltem Feigensaft. Ich stelle mich an der langen Schlange an und freue mich über das unerwartete Gipfelessen.


Zurück in Sofia wird mein erster Eindruck bestätigt. Bulgaren sind irgendwie individueller gekleidet als Rumänen. Es ist nicht nur eine freundlicher wirkende sondern auch jüngere Stadt. Die Mode ist bei manchen in den 2000ern stehen geblieben. Mich erinnert das an auf der Kiwi in der Innenstadt chillen 2008. Emo Culture never died in Sofia.

Auf meiner Walking Tour erfahre ich einen weiteren Grund, warum mir Bulgarien so viel mehr sympathischer ist als Rumänien. Im 2. Weltkrieg überschritten nie Deportationen von Juden die bulgarische Grenze. Es war vor allem der zivile Widerstand, der die jüdische Bevölkerung vor der Vernichtung bewahrte.

Die Tour endet vor der namensgebenden Hagia Sophia und vor einer Freilichtbühne, auf der Les Miserables geprobt wird. Ein weiterer kostenloses Konzert erwartet mich auf dem Rückweg nahe der Markthallen. Aus einem Eckhaus erklingt eine E-Gitarre. Ich lehne mich an einen Straßenpoller, höre zu und füttere streundende Katzen. Nachdem der / die unbekannte Musiker/in mit Wish you were here von Pink Floyd endet, möchte ich am liebsten "one more song" nach oben rufen, traue mich aber nicht, die abendliche Atmosphäre zu stören.

Im Hostel sitze ich in der Küche auf der Couch während neben mir ein älterer Brite vor sich hin fluchend sein online Spiel kommentiert. Ich komme mit Christian aus Friedrichshain ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er sich *auch* in einem halbjährigen Sabbatical befindet und *auch* über Istanbul, Türkei nach Georgien reist. Allerdings ist er seit April unterwegs und hat vor Bulgarien den kompletten Balkan bereist. Ich nicke anerkennend während er mir Zugrouten und Städtenamen nennt, von denen mir die meisten unbenannt sind. Auf eine Art ist Christian der Pionier meiner Reise, Entdecker neuer Welten. Er weiß, wie es sich anfühlt, länger als zwei Wochen unterwegs zu sein. Er hat den Zenit überschritten, ab dem man nicht mehr zur gewohnten Zeit eines Werktätigen halb 8 wach wird. Er hat das Ausschlafen wiedererlernt. Er kennt Ruhephasen, plant nicht, bleibt flexibel. Alles Verhaltensweisen, die ich mir erst noch aneignen muss.


Vor meiner Abreise trinke ich mit Christian und Till, einem weiteren Deutschen aus bei Frankfurt, in einer Bar weitab der Touristenmeile. Das zweite Bier wird uns vom Wirt ausgegeben, als er hört, dass wir alle drei aus Deutschland sind. Der Grund dafür ist uns allerdings nicht so geheuer. "Germany", ruft er und präsentiert den Bizeps. "We want to be like you!", nach weiteren Anspielungen im gebrochenen und besoffenen Englisch wird uns schnell klar, dass er nicht das aktuelle Deutschland meint, das er als Bulgare so erstrebenswert findet. Nichts Neues für Christian. Auf dem Balkan muss man seine political correctness auch öfter mal über Bord werfen, damit die lokalen Begegnungen freundlich bleiben..


Beim Buchen meiner Flixbusfahrt musste ich tatsächlich mein Geschlecht angeben. Männer und Frauen werden auf Türkeifahrten offensichtlich grundsätzlich nicht nebeneinander gesetzt. Ich frage mich, wie ob dann Paare auch auseinander gesetzt werden..

Am Bahnhof stelle ich fest, dass mein Bus storniert wurde. Ein schnell gelöstes Problem. Ich laufe schnell zu einem Busunternehmen, das Fahrten nach Istanbul bewirbt. Es fährt tatsächlich für den gleichen Preis und zur gleichen Zeit ein weiterer Nachtbus und von Flixbus erhalte ich eine Kostenerstattung.


Nicht nur geografisch nähere ich mich nun einer neuen Demarkationslinie, sondern auch zeitlich.Bis jetzt kann ich mich immer noch in der Illusion wiegen, dass ich mich noch im Urlaub befinde, aber sobald ich die imaginäre Grenze der üblichen 2 1/2 Wochen Erholungsurlaub überschritten habe, wird es ernst. "Herr Frodo, wenn ich noch einen Schritt mache, bin ich so weit von Zuhause fort, wie noch nie zuvor."

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichKulturellAbseits der Pfade
  • NDK und Kulturpalast in Sofia
  • Hotel in den Bergen südlich der Stadt
  • Wanderung zum Cherni Vrach
  • Frühstück mit Pfannkuchen, Marmelade und Ziegenkäse
  • Kostenlose Walking Tour und Abendmusik in Sofia
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