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Ciaosescu Bucuresci

Veröffentlicht: 12.07.2025

Attraktion
Palast des Volkes
Bukarest, Rumänien
Tour
Free Walking Tour "Highlights of Bukarest"
Tour
Tour
Walking Tour zum Kommunismus
Tour
Attraktion
Athenäum
Bukarest, Rumänien
Essen
Die kleine Garage
$$ · Snack
Zug
Budapest → Bukarest
Ungarn → Rumänien
Zug
Bukarest → Bratislava
Rumänien → Slowakei
Bus
ZOB Bukarest → Sofia
Rumänien → Bulgarien
Sehenswert
Bukarester Villenviertel
Bukarest, Rumänien
"Check in is only after 2 pm", begrüßt mich schroff der kleine um die 60jährige Hostel-Besitzer mit weißem Bart und Halbglatze und blockiert den kleinen Eingangsflur des schmalen dreistöckigen Hauses. "I know, but I booked the pre check in option." Gleichgültig zuckt er die Schultern, "Then you can wait in this room until 2.", er deutet auf eine kleine Wohnküche, anscheinend der Gemeinschaftsraum. "Toilet is broken!", ruft er über den Gang, als ich Anstalten mache, mich umzuschauen. Na, das geht ja gut los, denke ich und schaue auf meinem Handy nach Cafés in Bukarest, um alternativ dort die drei verbleibenden Stunden totzuschlagen. Da kommen zwei junge Frauen rein und er gibt ihnen offensichtlich die gleiche Info. Im Rausgehen stellen sie sich als Silje und Jitse aus Belgien vor. Zu ihnen war Mr Grumpy wohl freundlicher. Ich schlage vor, zum botanischen Garten in der Nähe zu gehen, was ich angesichts des Wetters und der 4-maligen Hitze-Alarm-Warnung der rumänischen Regierung auf unseren Handys für eine gute Idee halte. Es stellt sich raus, dass die beiden Gen-Zs den gleichen Zug von Budapest nach Bukarest genommen haben, allerdings über Interrail und im Sitzabteil. Tough! Auch sonst stellen sich schnell die Generationsunterschiede heraus. Meine scharfsinnigen Filmreferenzen stoßen auf Ignoranz. Ins Kino gingen sie eigentlich nicht. Dafür habe ich keine Ahnung, was das angesagteste Musikfestival Europas ist und stelle dank der beiden fest, dass ich das "whoop whoop" Emoji schon immer falsch als "high five" Emoji verwendet habe. Voll peinlich. *Hand vor Stirn Emoji*

Auch die Reisevorbereitungen gehen wir ganz anders an. Was dem Millenial sein Lonely Planet, ist der Gen Z ihr Tiktok. Kurzvideos als Reiseführer - hä? Naja, da würden dann auch viele Geheimtipps genannt werden und daher wüssten sie auch, dass das Parlamentsgebäude im Guinness-Buch steht, unter anderem als das schwerste Gebäude der Welt. Aha, da scheint mir Silje einiges an Bukarest-Wissen voraus zu haben. Ob ich meine Lonely Planet Bücher für jedes meiner Reiseländer dann auch alle im Rucksack habe, fragt sie mich unironisch. Lol, nein, winke ich ab, der ist ja schon schwer genug. 


Zurück im Hostel liefert uns unser Gastgeber Fakten, Fakten, Fakten zum Parlament. Das teuerste Verwaltungsgebäude der Welt. Soundsoviele Kronleuchter, Treppen, Fenster soundsoviele verbaute Tonnen an Stahl, Beton, Sand, Holz, soundsoviele Teppiche, einige davon so groß, dass sie im Gebäude selbst gewebt werden mussten. "You can read it all on Wikipedia.", schließt er seine Aufzählungen. "Yes, but it's much more entertaining when you tell us.", versuche ich mich einzuschleimen und er ist tatsächlich netter als noch am Morgen. Er erzählt Jitse, Silje und mir von einer geheimen unterirdischen Straße zum Flughafen. Bei der Führung durch Ceausescus Megabau am nächsten Tag frage ich den Guide danach und er meint, die Frage höre er täglich. Das passe natürlich zum Mythos des kommunistischen Diktators und seinem Personenkult. Aber selbst er hält sich bedeckt. Es gäbe natürlich einige unterirdische Ebenen, eventuell auch einen Fluchttunnel zum nächstgelegenen Haus, aber ein 20 km lange Tunnel unter der Erde zum Flughafen: unwahrscheinlich. Der übertriebene Aufwand dafür hätte sich nicht gelohnt. Schließlich wurde der sogenannte Palast des Volkes zwar in den 80ern gebaut, aber erst nach Ende des kalten Krieges, Ende der 90er fertiggestellt. Außerdem sind die Bodenverhältnisse in Bukarest ohnehin schon schwierig genug. Ich denke, das passt nicht nur zum Mythos Ceausescu, sondern auch zur Persönlichkeit unseres Herbergsvaters, den man stets verlässlich zockend am Laptop im Gemeinschaftsraum antrifft. Nach seinen Ausführungen zum Parlament verliert er sich gleich in Verschwörungstheorien. Das rumänische Parlament bestehe ausnahmslos aus Leuten, die nur daran interessiert sind, sich selbst zu bereichern. "Isn't that the same in your country?", die Belgierinnen und ich antworten diplomatisch zurückhaltend und er kommt aufs EU Parlament zu sprechen. "Ursula von der Leyen, what she did with the pandemic..", er formt seine Hand zu einer Pistole und macht Schussgesten. Wir lassen seine Diskussion mit sich selbst abebben und stellen keine weiteren Nachfragen.

Unser Guide während der Führung ist zwar seriöser als Papa Schlumpf, dafür nicht so energisch bei der Sache. Routiniert rattert er die gleichen Fakten runter, die wir auch schon am Abend zuvor gehört haben, zusätzlich zu ein paar eingestreuten Witzen, die traurig versanden.


Zur Free Walking Tour am nächsten Tag kann ich die beiden Belgierinnen nicht überreden. Der Wechsel aus Laufen und Zuhören ist ihnen zu langweilig. Was nicht bedeutet, dass die junge Generation faul wäre. Unsere Schrittzähler sind am Ende des Tages jeweils bei über 25.000 Schritte. Sie klappern selbstständig ihre Tiktok Hotspots ab und verpassen dabei nichts, denn die Walking Tour "Highlights of Bukarest" finde ich etwas oberflächlich. "Heyde" (="Let's go!"), ruft der linkische Guide nach jedem Stop. Auch seine Führung steckt voller billiger Witze, bei denen die Pointe meistens irgendwas mit Dracula ist.


Ich möchte ins Athenäum, der Bukarester Konzerthalle aus dem Jahr 1888, in deren Kuppel über ein 360-Grad-Wandgemälde die rumänische Geschichte nachgezeichnet wird. Laut Anzeigetafel wird dort am Abend Beethoven gespielt. Also kaufe ich mir extra ein ultraleichtes Outdoor-Shirt, das zur Not auch als konzerttaugliches Hemd durchgeht.

"There is no dress code because there are a lot of tourists in the audience as well.", beruhigt mich der Ticketverkäufer, als ich zwei Stunden vor Beginn eine Karte kaufen möchte. Es gibt allerdings nur noch eine einzige und er akzeptiert keine Kartenzahlung. Ich renne also schnell im strömenden Gewitterschauer zum nächsten Geldautomaten und zurück.Als ich klatschnass wiederkomme, entschuldigt sich der Mann am Ticketschalter überschwänglich. Die letzte Karte wurde jetzt schon online gekauft. "I am so sorry, the app is not connected to our system. That is so shit... Sorry for my English, is not very good." Mein letzter Joker wäre, dass ich kurz vor Konzertbeginn wieder vorbeischauen soll und eventuell eine VIP-Karte erwische, die jemand verfallen lassen hat.

Also Wartezeit überbrücken. Hinter einer Villa entdecke ich ein Restaurant unter einem Pavillon. Als einzige Gäste ein paar Rumänen in casual chique. Es fallen Worte wie Mauritius, Ukrain, Ghana, Madagascar, Peru, Machu Picchu, Chile, China. Es geht also ums Reisen. "Watson", hatte an solchen Stellen immer Udo gesagt. Sobald jemand was vollkommen Offensichtliches von sich gegeben hatte, hieß es bei ihm "Watson" - wegen Sherlock Holmes und seinem Assistenten.. Watson, Blitzmerker, duh, sach bloß. Udo war in der 8. unser Sitzenbleiber und mit einem Jahr älter ohnehin der Coolste der Klasse. Aber dieses locker hingeworfene "Watson" war nochmal extra beeindruckend.

Zurück am Anthaneum hebt mein Ticket-Dealer den Daumen und hat eine VIP-Karte für mich, die sogar etwas günstiger ist. Vierte Reihe, bester Blick. Mein Sitznachbar rollt mit den Augen als ich mich mit meinem Outdoor-Ausgehdress an ihm vorbeidrücke. Auf die Minute genau Auftritt Orchester, Auftritt Dirigent, Applaus, Beethoven. Die Rumänen fackeln nicht lange. Mir fällt auf, dass im Orchester ausschließlich junge Menschen im Alter von maximal Mitte 20 sitzen. Muss ein Jugendorchester sein. Watson.


Am Tag meiner Abfahrt zeige ich Silje und Jitse im Bukarester Villenviertel mein aktuelles Stammcafé namens "Die kleine Garage". "Why is the name in German?", hatte ich den Typ hinterm Tresen beim ersten Besuch gefragt. Er zuckte die Schultern, "It just is." Okay, Hipster-Logik.

Die zwei Belgierinnen nehmen einen Zug zurück über Budapest nach Bratislava, der schon am Nachmittag fährt. Ich verabschiede mich von den beiden Freundinnen und bin froh, einige meiner Vorbehalte gegen Gen Zs abgebaut zu haben. Vielleicht hatte ich in ihrem Alter eine höhere Aufmerksamkeitsspanne für Filme, aber hatte ich damals die Geduld und Fähigkeit, selbstständig über 20 km durch fremde osteuropäische Städte zu latschen? Wohl eher nicht.. Zusammen haben wir uns die Stadt erschlossen und über unsere Eigenheiten und vor allem die der Rumänen gelacht. Jetzt wieder alleine wird mir auf einmal bewusst, wie erschlagen ich mich von Bukarest fühle. Es ist einfach zu viel Stadt. Hitze, kaum Parks, zu viele Autos. Als Fußgänger ist man in der Hackordnung ganz unten und diese Mischung aus Pjöngjang und Marzahn ist zwar zuerst beeindruckend, aber nach Tag 4 bereitet mir die Stadt einfach nur noch Kopfschmerzen.


Als Rausschmeißer und um die Wartezeit auf den Bus nach Sofia zu überbrücken, habe ich mir noch eine letzte Walking Tour zum Kommunismus gebucht, die einige deprimierende Fakten zur Schreckensherrschaft von Ceausescu bereithält. Zumindest gibt es diesmal keine zu bemühten Scherze. Müde nehme ich die Metro zum ZOB und warte auf meinen Nachtbus raus aus Bukarest und rein nach Bulgarien.

Auf einen Blick

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Dauer
4 Tage
Wetter
Sommer
Begleitung
Mit Freunden (3)
KulturellAbseits der Pfade
  • Parlamentsgebäude in Bukarest
  • Free Walking Tour zum Kommunismus
  • Konzert im Athenäum
  • Stammcafé Die kleine Garage
  • Nachtbus nach Sofia
ultraleichtes Outdoor-Shirt
StadtKulturGeschichteArchitekturTransit
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Antworten (1)

Ericvor etwa 1 Monat
Super Geschichte mit den beiden Gen-Zs. Als Gen-X wäre ich zwischen euch nochmal ganz anders verloren :D Aber äh, sind das AKW-Kühltürme hinterm Botanischen Garten?

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