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Medellín- die Stadt, in der alles erblüht?

Veröffentlicht: 01.12.2025

Und hier kommt meine Reise nach Kolumbien in einem kleinen Rückblick. Paula und ich fliegen in der zweiten Tec-Woche nach Medellín, um Charlotte zu besuchen. Marlene kommt auch aus Chile dazu, eine richtige Reunion, wie schön! 

Am ersten Tag is Lotte noch mit ihrem Bruder unterwegs, der sie auch besuchen gekommen ist. Deshalb machen wir drei Mädels uns erstmal auf den Weg ins Stadtzentrum. 

Das war wohl ziemlich naiv, weil wir einfach loslaufen. Und die Stadt ist grüner als Mexiko-Stadt, aber auch viel gefährlicher und dreckiger. 

So viele Obdachlose kommen her, um hier zu leben, weil es das ganze Jahr über warm ist. Und anscheinend gibt es hier weder ordentliche Müllabfuhr noch ordentliche Polizei, denn überall liegen kleine Tütchen und sogar Spritzen rum! Wir fühlen uns also nicht so gut, einfach hier durchzulaufen, und viele Ecken fühlen sich wirklich unsicher an. Hier mal ein paar Fotos als Vergleich, es gibt nette, hübsche Ecken aber auch viele hässliche, verarmte Viertel:

Der fancy Part der Stadt, El Poblado. Es wirkt wie eine neue Stadt, eine Parallelwelt, völlig fern von der Realität so vieler Menschen in Medellin.

Das Essen hier ist nicht so divers wie in Mexiko, aber gefällt mir ganz gut, denn das Hauptgericht ist Reis mit Bohnen, Ei, Avocado und Kochbananen. Klingt wild, ist aber vor allem vegetarisch und echt lecker. Und das Obst ist auch anders, einige Früchte kenn ich noch gar nicht. Das ist immer mein Highlight in einem neuen Land.

Unser erstes Essen. Ein Gericht kostet halb so viel wie in Mexiko!
Eine Art Maracuja, an deren Namen ich mich schon gar nicht mehr erinnere.

Am ersten Abend, den Lotte wieder da ist, gehen wir ins Stadion und schauen Fußball. Das ist riesig und sehr aufregend. Wir lernen die Fußball-Lieder und trinken heimlich Aguardiente (schlechter kolumbianischer Ouzo sozusagen) mit den Locals. 

Feuerwerke und Maschinengewehre

Außerdem gehen wir „wandern“, wir steigen auf einen Stein zwei Stunden außerhalb der Stadt. Schöne Aussicht, hier würde ich mir ein Ferienhaus suchen.

La Piedra de Guatapé

Danach fahren wir noch in den nahegelegenen Ort, der niedlich und bunt ist. Aber auch ziemlich touristisch; bisschen fake. 

Lottes Campus ist ebenfalls sehr schön grün. Und Vegetarier-freundlicher als meiner.

Wir gehen auch in ein spannendes Museum der Erinnerung, in dem es um Gewalt in der Stadt geht. 1992 war Medellin noch die gefährlichste Stadt der Welt, mittlerweile hat sich die Situation aber schon so viel verbessert.

Außerdem gibt es sehr niedliche Cafés hier.

Wir treffen unseren Kommilitonen Georg, der auch hier studiert. Er hatte eine Wasserkrankheit, durch die er ständig durstig ist.

Wir gehen auch viel aus, zB Salsa-Tanzen und Karten spielen in Bars. Das kann die Stadt wirklich gut, einen in Feierlaune bringen. Wofür sie dagegen auch bekannt ist, ist Koks-Torismus und Prostitution von Minderjährigen!! Es ist furchtbar. Zum Glück scheint gerade keine Ami-Urlaubszeit zu sein und wir treffen vor allem Kolumbianer:innen beim Feiern.

Einer meiner Lieblingsabende ist Halloween, unsere letzte Nacht in der Stadt. Wir glühen bei französischen Kommiliton:innen von Lotte vor und fahren dann in einen Stadtteil, in dem wirklich nur die „Paisas“ (Bewoner:innen Medellins) feiern gehen. Es wird eine verrückte, witzige Nacht. 

Fremde Menschen in fremden Kostümen.
Soo viel los, die ganze Stadt ist verkleidet.
Zwei Wildkatzen in freier Wildbahn auf der Jagd nach Essen

Mein Highlight aber ist unsere vierstündige Tour durch die Comuna 13. Dieses Viertel war über Jahrzehnte hinweg unzugänglich für Fremde und auch die Locals mussten sich in ihrem Block aufhalten, weil der Bandenkrieg (Guerillas im Narcotrafico u.a. unter dem berühmtesten von allen natürlich, Pablo Escobar) so tödlich war. Korrupte Präsidenten sorgten schließlich dafür, dass die Banden verschwanden, wobei aber tausende von unschuldigen Zivilist:innen, besonders junge Männer, hingerichtet wurden. 

Ein junger Mann aus dem Viertel führt uns herum und erzählt uns die grausame Geschichte dieses Ortes. Heute ist es dafür so friedlich hier, dass ich mich am sichersten auf der ganzen Reise fühle. 

Die Gemeinschaft hier hat es tatsächlich geschafft, einen überwiegend gewaltfreien und drogenfreien Ort mit Kunst, Kultur und einer eigenen Identität zu schaffen. So zeigt und der Guide zB. Breakdancers, Kunstwerke, kulinarische Highlights und großartige Aussichten. Später schaue ich mal nach und tatsächlich: Medellin ist etwa genauso groß wie Dresden und hat 6 mal so viele Einwohner:innen!! Ist das zu glauben??

Ist das nicht ein einzigartiger Blick auf dieses Lichtermeer? Sieht von hier oben alles so friedlich aus.
Spezialitäten hier sind Arepas (herzhafte Maispancakes) und Paletas (Eis am Stiel, gibt’s aber in Mexiko auch; die mit Maracuja und Mango sind die besten).

Und das wars auch schon wieder von der Reise. Zusammenfassend hatte ich eine tolle Zeit. Es war schön, mit Charlotte zusammen zu sein, auch wenn sich die Dynamik erstmal wieder einpendeln musste, weil ich jetzt ja auch mit Paula enger bin. Auch Lottes Bruder Moritz und ihren besten Freund Victor ein bisschen kennenzulernen, war nett. Wir waren eine super Gruppe, finde ich. 

Darüber hinaus bin ich schon erleichtert, mich für Mexiko-Stadt entschieden zu haben. Besonders die Kriminalität, Armut und die aufdringlichen Männer dieser Stadt machen mir Angst. Aber Lotte fühlt sich wohl, das freut mich natürlich sehr. Ich habe meine erste Reise nach Südamerika wirklich genossen, schade, dass ich jetzt nicht einfach von hier weiter nach Peru, Chile, Argentinien, etc. reisen kann… alles hier fühlt sich nochmal ganz schön anders, irgendwie weniger westlich als Mexiko an.

Jetzt freue ich mich aber auf jeden Fall wieder auf mein Mexiko und dann auf das Wiedersehen mit meinen Mädels in ein paar Monaten. Ich werd sie vermissen!

Das ist wirklich toll: durch solche Projekte merkt man den Willen der Stadt, etwas aus sich zu machen.
„Medellin - hier erblüht alles“. Naja, das ist ein schönes Ziel und man sieht an vielen Ecken auf jeden Fall schon das Potenzial einer friedlichen und bunten Stadt. Hoffentlich komme ich mal wieder.
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