Tropische Weihnachten
Endlich sind wir wieder zusammen und verbringen gemeinsam Weihnachten und eine großartige Reise!

Veröffentlicht: 10.01.2026




























Aufregend! Am 28.12. geht’s los -bzw. weiter, weil wir ja schon zwei Wochen an der Ostspitze Mexikos unterwegs waren. Also von einem Urlaub direkt weiter in den nächsten. Der kommende jetzt nur vielleicht mit ein bisschen weniger Luxus, aber bestimmt noch mehr Abenteuer. Ich bin gestresst auf dem Weg zum Flughafen, auf dem meine lieben Eltern mich glücklicherweise begleiten. Sie fliegen ein paar Stunden später nach hause, leider mit ner Erkältung im Gepäck…
Ich bin gestresst, weil ich generell keine Flughäfen mag und weil ich angeblich ein Ausreiseticket aus Costa Rica vorweisen muss. Das wird mir dann auch beim Check-In bestätigt, wo mir die Mitarbeitenden sehr süß helfen, eine gute Website für einen Busanbieter zu finden. Sie geben mir sogar ihr Internet und am Ende sogar das eigene Handy für die Buchung, weil das im Flughafen-WLAN einfach nicht klappt. Stressig, aber dann kann ich endlich einchecken. Ich verabschiede mich von Mama und Papa, die ich ja glücklicherweise jetzt schon in einem Monat wiedersehe!
Nächster Stress folgt direkt, mein Flugticket scheint in der Taschencheckmaschine (bestimmt ihr offizieller Name) steckengeblieben zu sein. Glücklicherweise fällt mir noch beim einpacken meiner Sachen auf, das was fehlt und das Ticket wird entdeckt. Ich hab schon angefangen, an mir zu zweifeln. Dann weiter, mittlerweile ist müsste sogar schon das Gate offen sein, aber als ich nach langem Laufen ankomme, wurde das Gate geändert. Klasse. Nochmal kurz weiter und dann endlich da. Dann schaffe ich auch alles ganz in Ruhe, aber bisschen Panik war dabei.
Ich fliege über Panama nach San José, Costa Rica. Dort komme ich gegen 22 Uhr an. Dort werden mir meine Kaktusfeigen abgenommen !! Kein Essen ins Land einführen, man ey. Dann kriege ich einen neuen Stempel in meinem Pass (immer wieder cool) und fertig. Ich komme aus dem Flughafen -und mein Internet funktioniert nicht. WLAN gibt’s auch nur in Flughafen. Meine NERVEN. Mit seltsamen, mir zupfeifenden Taxifahrern möchte ich auch nicht auf gut Glück mitgehen, also wieder Suche bis ich genug WLAN habe, um ein 20€ Uber zu rufen, autsch. Das setzt mich netterweise aber direkt vorm Hostel ab und so bin ich gegen 23.30 da.
Ich hab auch ein Viererzimmer ganz für mich. Das mit dem Internet kriege ich dann auch noch hin. Also bereit für die Weiterreise morgen.
Morgens mache ich mich gegen 10 auf den Weg zum Busbahnhof. Die Hauptstädte hier in den Ländern sind nämlich oft dafür bekannt, nicht soo sicher oder sehenswert zu sein.
Heute geht die Reise weiter nach Quepos in der Nähe des Manuel Antonio Nationalparks. Hier will ich erstmal bisschen entspannen. Ich finde einen Bus für 10€ für die vierstündige Reise. Geld abheben klappt leider noch nicht, aber wegen seiner engen Bindung an USA und der vielen amerikanischen Touris kann man auch in USD zahlen, die hab ich ja zum Glück noch von dir zum Anfang der Reise bekommen!
Die Fahrt ist soo toll. Ich schlafe zwar viel, aber wenn ich wach bin, sehe ich richtige tropische Vegetation. Ich freu mich! Und der Mann neben mir gibt mir gute Tipps für Quepos, wo einkaufen und an welchen Strand nicht gehen und so. Als wir so 16/17 Uhr ankommen, ist es sehr heiß und feucht an der Pazifikküste.
Der Ort ist überschaubar und das Hostel grün und nett. Das Zimmer ist super heiß aber nachts wird dann die Klimaanlage eingeschaltet. Also halte ich mich in der Regel im offenen Wohnzimmer oder auf dem Balkon auf, das gibt’s auch Ventilatoren. Man schwitzt aber trotzdem immer, und die kalte Dusche ist plötzlich überhaupt kein Problem sondern das Highlight des Tages.
Die nächsten Tage gehe ich den Sonnenuntergang anschauen, baden, ein bisschen einkaufen und muss eine lange Migräne überstehen. Kein Wunder bei dem Wetter. Die Strände sind um Neujahr herum super voll, weil der Nationalpark geschlossen ist, deswegen so mittel gemütlich. Da fand ich die in Mexiko ein bisschen krasser.
Silvester verbringe ich auch hier, da füllt sich der Ort und es gibt Livemusik. Und weißt du, was sie auch spielen, neben Salsa und Cumbia? Ein Cover von Lila Downs, unserer Sängerin aus Campeche! Cool! Und so beginnt also das neue Jahr; mit guter Musik, Blick aufs Meer und fremden Menschen aus dem Hostel.
An diesem Abend spreche ich alle meine Sprachen, denn wir 10-12 Leute kommen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Finnland, Kroatien, Costa Rica und Peru. Während ich am ersten Tag hier noch allein in einem Achtbettzimmer geschlafen habe, ist es jetzt gut gefüllt. Am spannendsten sind die Finnen, denn die zwei Freunde reisen mit dem Fahrrad von Alaska nach Argentinien!!! Seit sechs Monaten sind sie mittlerweile unterwegs. Unglaublich, oder? Wir gehen nach dem Programm an der Promenade (Malecón, falls du dich erinnerst) noch in eine Bar, doch da ist schon nicht mehr viel los. Kleinstadt eben. Naja und dann gehen wir so gegen 5 ins Bett. Nettes Neujahr, was sich aber ebenso wie Weihnachten, sehr anders anfühlt.
Ich probiere hier auch das Nationalgericht, auf das ich mich gefreut habe: Casado; Reis mit Bohnen, Kochbanane und meistens Huhn. Schmeckt gut, aber Costa Rica ist wirklich furchtbar teuer, das billigste Casado kostet 6€.
Als ich im Café einen Eiskaffee und ein Sandwich bestelle, zahle ich schon 18 Euro! Das wird dann in den nächsten Ländern sicher besser.
Und dann mache ich meinen Ausflug in den Manuel Antonio Nationalpark, für den ich ja auch hier bin. Ich nehme 6.15 Uhr einen Bus, der mich direkt hinbringt. 7 Uhr machen die Gates auf. Sie sind streng hier, man darf kein Essen mitnehmen und Wasser nur in wiederverwendbaren Flaschen.
Es ist wirklich toll, so früh morgens die erste Person zu sein, die durch den Wald spaziert. Es ist noch alles leer und friedlich. Ich sehe Affen und Leguane und so viele Vögel, darunter Pelikane und Tukane.
Ein Weg ist gesperrt, und als alles abgelaufen ist, lege ich mich an den traumhaften Strand. Der ist nämlich im Gegensatz zu den letzten Besuchen noch völlig leer und füllt sich erst im Laufe des Vormittags zunehmend. Völlig ausgehungert trete ich dann gegen 15 Uhr den Heimweg an. Toller Ausflug!
Mein nächstes Ziel ist der Regenwald. Die Herausforderung hier ist, wie ich hinkomme. Denn als ich mich informiere, stellt sich heraus, dass eine Straße eingebrochen ist. Und weil der öffentliche Verkehr hier so schlecht ausgebaut ist, müsste ich jetzt über San José fahren. Das bedeutet konkret: 4 Uhr Bus von Quepos nach SJ, dort mit dem Uber zu einem anderen Terminal (weil angeblich gefährlich zu laufen), dort 08.30 den EINZIGEN Bus am Tag nach La Fortuna nehmen. Wenn man das nicht schafft, muss man in SJ übernachten oder nochmal umsteigen. Also im Durchschnitt 12h Reise. Da muss ich vernünftig sein und zugeben, dass ich das besonders noch mit meinem Kopf nicht riskieren will. Das klingt zu sehr, als würde ich irgendwo stranden. Also in den sauren Apfel beißen und einen 70€ Shuttlebus buchen… die 40€ mehr muss ich wohl für Gemütlichkeit und Sicherheit hinnehmen.
Dafür komme ich wenigstens sehr gediegen vor meiner Hosteltür an und hatte eine entspannte 6h Fahrt mit AC, großartigen Aussichten auf Meer und Gebirge, mit WLAN und netter Gesellschaft. Und den Abend kann ich so noch nutzen!
Mit einem Typen aus Israel, den ich auf der Fahrt kennenlerne, laufe ich ein bisschen durch die Stadt und lerne Patacones kennen - zerdrückte und frittierte Kochbananen.
Sonst gibt’s in dem Ort aber nix zu sehen, hier sind nur Hotels und Ausflugsunternehmen. Dafür ist La Fortuna nämlich bekannt: Vulkane, Seen, Rafting, Saltos in Wasserlöcher, Hängebrücken, Helikopterflüge, undundund… da muss ich mir gut überlegen, was ich in dem einen Tag hier machen möchte.
Wieder zuhause setzen wir uns auf die Terrasse und gewinnen zusammen ein Triviaspiel gegen die anderen Hostelgäste. Beispiel: 1. Welches Land auf der Welt trinkt am meisten Kaffee (Finnland, Costa Rica oder Brasilien)? Und 2. welches Land hat die meisten aktiven Vulkane (Indonesien, Italien oder Island)? 3. In welchem Land werden die Menschen im Durchschnitt am ältesten (Japan, Monaco oder Schweden)? Auflösungen stehen ganz unten.
Wir gewinnen einen Shot und 15% Rabatt auf einen Ausflug vom Hostel. Ärgerlich, dass ich meine Fahrt zum Vulkan ne Stunde vorher schon bezahlt habe… Da gehts dann aber am nächsten Tag hin. Mein Schlafrhythmus ändert sich so sehr, dass ich jetzt schon 7:20 Uhr den ersten Bus nehme, um dann als allererste durch den Wald zu streifen.
Und weil ich auch als einzige den „schweren“ Weg gehe, bin ich wirklich völlig allein zwischen dem Vulkangestein und den Urwaldgeräuschen. Cool, aber nur weil ich ziemlich sicher bin, dass es hier keine Jaguare oder Ähnliches gibt.
Der Aufstieg ist nicht so anstrengend wie beschrieben. Oben ist aber auch nicht ganz oben. Denn 1968 brach der Vulkan mal aus, aber dann plötzlich 2010 nochmal. Seitdem darf man nur noch so weit gehen, wie die Lava damals heruntergekommen ist.
Schöner Blick, nur die Spitze ist ein bisschen in Wolken gehüllt. Beim Abstieg kommt die Sonne dann mehr raus, ich sehe einen Kolibri und springe zum Abschluss mit einem Seil in den See. Macht Spaß!
Dann zurück, kurze Pause und nochmal los. Zweiter Stopp heute: Hoffentlich endlich mal Faultiere! Und dann endlich sehe ich gleich vier Stück!! Sie hängen super weit oben aber sehen soo süß aus!
Wusstest du, dass sie nur einmal alle 7-10 Tage von ihrem Baum steigen, um kackern zu gehen? Das nenne ich wirklich ein geruhsames Leben. Es gibt welche mit zwei Zehen und welche mit drei, aber nen Unterschied erkenne ich nicht wirklich.
Schöner kleiner Ausflug nochmal und kurz davor endlich kann ich mal von dir hören!! Dir geht’s ein kleines bisschen besser, aber immer noch so schlecht, dass sie dich im Krankenhaus behalten. Du Arme. Schön, dich aber zumindest kurz mal hören zu können!
Am Ende des Tages bin ich leider so müde und hab am nächsten Tag eine lange Fahrt vor mir, weshalb ich dem süßen Jungen von der Rezeption absagen muss, zusammen Bachata tanzen zu gehen…
Frisch und munter dafür am nächsten Morgen auf Richtung Grenze. Heute werde ich nur in Liberia übernachten als Zwischenstopp Richtung Nicaragua. Wenn ich nicht schon wieder ein 60€ Shuttle buchen will, muss ich drei Busse nehmen. Das geht aber unglaublich gut und die Landschaft ist toll. Man sieht auch einiges davon, wie Einheimische hier so leben. Nur an einer Haltestelle wird eine Person ausgeraubt, ich behalte meine Sachen also noch enger bei mir. Auf der letzten Etappe treffe ich einen Ami, der vor 15 Jahren auf spontan eine Kaffeeplantage hier gekauft hat. Er ist eigentlich ganz witzig, aber als er beim Ankommen noch mit mir was essen gehen will, gehe ich lieber meines Weges. Der Typ ist mindestens 45 und zu random. Mein Hostel ist entspannt mit echt netten Leuten, wir spielen ganz viel Karten und mal wieder Cambio, hier bekannt als Dutch. Ich rede viel französisch. Die anderen reisen aber leider alle nach Süden weiter.
Außerdem habe ich das Gefühl, dass hier viele Migranten unterwegs sind. Ich sehe immer wieder Männer mit einem kleinen Rucksack und einer Plastiktüte, die hier umherlaufen und ein bisschen gestrandet wirken. Das könnte daran liegen, dass hier die große Inter-America Straße verläuft, die ich auch morgen nehmen werde, um zur Grenze zu kommen.
Am nächsten Morgen dann die Reise ins nächste Land. Ich nehme einen Uber zu einer Haltestelle etwas außerhalb, wo mich der schon bei der Einreise nach Costa Rica gebuchte Bus abholt. Der kommt nur leider entspannte anderthalb Stunden zu spät. Ich sitze also sehr lang in der Sonne.
Hier mein abschließender Eindruck zu Costa Rica: Es ist ein schönes Land, aber es wirkt ausgerichtet auf reiche amerikanische Touristen, die ein eigenes Auto haben und perfekt vorbereitete, ausgegeschlachtete Tourismusziele anpeilen. Würde ich Costa Rica als Land mehr kennen lernen wollen, müsste ich wahrscheinlich deutlich mehr Zeit in diesem Land verbringen. Dennoch hatte ich ja eine tolle Zeit und ein schönes Neujahr hier und kann den typischen Gruß der Costa Ricaner gut leiden: „Pura Vida“ (das pure Leben).
Und hier die Auflösung des Quizzes: 1. Finnland (Kaffee, das wusste ich lustigerweise seit drei Tagen, als ich an Silvester die Finnen getroffen habe. Praktisch.), 2. Indonesien (Vulkane), 3. Monaco (alte Säcke). Wieviele hattest du richtig? Kuss
