Woche 4
Eine weitere bunte, abwechslungsreiche Woche liegt hinter mir.

Veröffentlicht: 10.09.2025
Was war diese Woche so los? Du kannst es dir schon denken; viel ! Und weil wir diese Woche so wenig Kontakt hatten, erzähle ich alles möglichst ausführlich :)
Montag fällt mir auf, dass plötzlich alles geschmückt ist. Der Monat September ist hier der Unabhängigkeit Mexikos um 1810 rum gewidmet, die am 15./16. gefeiert wird. Ob aus Autos heraus, auf Menschen drauf, oder in den Straßen, der Stolz auf das eigene Land wird hier mit tausenden Flaggen zelebriert, was eine Deutsche echt nicht gewohnt ist.
Dienstag buchen wir unser Airbnb für Kolumbien, yay ich freu mich! Außerdem treffen wir uns abends bei meinen Mitbewohnerinnen oben in ihrem Studio-artigen Teil des Hauses. Zusammen mit ein paar anderen schauen wir “Drag Race Mexico”, eine Art Germany’s Next Topmodel für Dragqueens. Ich finds ganz witzig, dass die beiden (die ja ein Pärchen sind) gefühlt nur Kontakt zu nicht-hetero Menschen suchen, deswegen ist die Gruppe auch besonders begeistert von dieser queer-freundlichen Serie. Ich bin echt kein RealityTV Fan, aber mit den anderen ist es nett. Sydney, eine Mexikanerin, bringt Tamales, Atole und Mazapán mit, typisches Essen von hier, was wir alle teilen. Richtig lieb. Außerdem haben wir Snacks, wie Nachos mit Guacamole und vegane Cookies!
Mittwoch arbeite ich für Uni und dann an meinem Geschenk für Papa, der am Freitag Geburtstag hat. Dafür sitze ich -mal wieder- im Café in Coyoacán. Zuhause fühl ich mich einfach nicht so wohl, dass ich gern Uni machen möchte.
Danach treffe ich mich mit Diego (dem von Salsa) in einem netten Restaurant. Wir essen Pizza, müssen dann aber auch bald schon weiter, weil wir einen Film in der Cineteca schauen. Ich mach mir ja jede Woche eine Liste mit Dingen, die ich sehen oder unternehmen möchte, und das stand dieses mal drauf. Wir schauen einen Thriller aus den 80ern, Possession, der in Westberlin spielt. Voll gruselig und völlig verwirrend, aber gut gemacht und es ist eindrucksvoll, ein so verlassenes, anderes Berlin in der Nähe der Mauer mal auf Video zu sehen.
Donnerstag geht es auch schon weiter mit dem nächsten Date: ich treffe mich zum ersten Mal hier mit einem Mädchen! Sie heißt Laila, kommt aus Veracruz, hat Englisch-Lehramt studiert und macht hier gerade Urlaub. Nebenbei arbeitet sie in einem Hostel im Stadtzentrum, um sich den Monat zu finanzieren. Wir treffen uns MAL WIEDER in meinem Café, holen aber nur was zu trinken und schlendern dann zu einem kleinen grünen Park, weil das Wetter so schön ist. Wir verstehen uns richtig gut und wollen uns am Sonntag wiedersehen, weil das zweite auf meiner Liste der Woche das Museum Soumaya ist. Sie kennt ja auch noch nicht so viel hier, und deshalb können wir ganz gut zusammen die Stadt erkunden. Nach zwei Stunden müssen wir aber auch beide schon wieder los.
Ich gehe abends noch zu einem Football-Spiel. Unser Team gewinnt, aber die Cheerleader sind viel cooler als das Spiel selbst. Außerdem bin ich ganz glücklich, weil ich mit meinen mexikanischen neuen Freund:innen (und Paula) aus der Uni dort bin. Das sind zwei Mädchen aus meinem einen Kurs und zwei Jungs aus dem anderen. Danach will mich die eine, Aranza, unbedingt ihrem Kumpel, einem Football-Spieler, vorstellen. Das fühlt sich an wie ne Zwangsheirat (oder so eine staged marriage), und ist uns glaub ich beiden ein bisschen unangenehm. Wir gehen vielleicht nächste Woche mal was essen, mal schauen, ich bin nicht so überzeugt.
Am Freitag merke ich schon wieder ein bisschen die Menge an Aktivitäten, gehe abends aber mit Alan noch was essen. Ein Kumpel von ihm gibt mir Reise-/ und Clubtipps für Mexiko, das ist nett. Dagegen regt mich aber Alan auf, weil ich ihm gesagt habe, dass ich NUR KURZ was essen will. Stattdessen nimmt er mich aber zum Essen schon wieder mit in seine Ecke der Stadt und zögert das Nachhausebringen ewig raus. Letztendlich bin ich 23.30 zuhause und wollte ja eigentlich noch Papas Rezeptbuch fertigmachen. Das wird also eine ziemliche Nachtaktion. Aber dann ist es fertig und ich hoffe, er freut sich drüber. Happy Birthday Papa, ich hab dich lieb!!
Samstag bin ich müde. Aber es gibt keinen Einhalt! Denn? Es ist Samstagsmarkt jaaaa. Ich liebs, mittlerweile kenn ich ja auch schon ein paar gute Spots und Schnäppchen. Meine Ausbeute hab ich euch ja schon gezeigt, aber hier nochmal:
Danach fahre ich gleich weiter nach… na klar, nach Coyoacán. Ich sollte da echt hinziehen, meine Güte. Wir gehen heute nämlich ins Frida Kahlo Museum, die Karten haben wir vor etwa 3 Wochen gekauft. Wir besichtigen also Frida und Diego Riveras Haus, in dem sie den Großteil ihres Lebens verbracht hat.
Wegen ihrer Erkrankung an Kinderlähmung und später ihres schweren Verkehrsunfalls lebt Frida mit ständigen Schwerzen und muss viel Zeit im Bett verbringen. Der Innenhof ihres Hauses ist eine richtige Oase, in der sie viel Zeit mit ihrem 20 Jahre älteren Mann und vielen Freunden und Gästen verbracht hat. Es ist ein schönes Museum!
Woran sie 1954 im Alter von nur 47 Jahren stirbt, kann man nicht so genau sagen. Sie ist schwer krank, ihr halbes Bein muss entfernt werden und sie sagt selbst, sie habe noch nie so gelitten.
Geplagt von schweren Depressionen nimmt sie am Abend vor ihrem Tod viele Medikamente und verstirbt nachts an einer Lungenembolie. Ob das selbstbestimmt war, weiß man nicht, aber sie muss gewusst haben, dass sie bald stirbt. Vor ihrem Tod schreibt sie, dass nur ihr Mann ihrem Leben noch einen Sinn gibt, wobei diese Liebe aber womöglich vergebens sei (er hat schon wieder eine neue Affäre, der Sack).
Trotzdem, durch all den Schmerz hindurch, macht Frida großartige Kunst, ist eine witzige, emphatische und kluge Frau und wirkt, als habe sie ihr Leben doch zu nutzen und zu genießen gewusst. Sie sagt: „Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel habe?“
Dann gehen wir weiter zum Mercado de Coyoacán, wo es wirklich alles gibt, aber besonders Essen. Ich hole mir einen tollen Obstsalat. Ich merk aber, dass ich wirklich fertig, und irgendwie ein bisschen angeschlagen bin. Also fahren wir danach nach hause.
Abends gehen wir feiern. Wir glühen bei dem einen Mexikaner, Isaac, vor, spielen Bierpong und Mariokart und machen uns dann auf zu einer Hausparty. Ein anderer Mexikaner hatte uns eingeladen und ich würde mich schlecht fühlen, nicht zu gehen. Aber ich bereue es, weil ein paar andere in einen Tekkno-Club gehen und das ziemlich gut gewesen sein soll. Bei uns stehen mal wieder alle nur rum und saufen Tequila, also mexikanische Hauspartys überzeugen mich echt null. Gegen 2/3 fahren wir dann nach hause.
Und am Sonntag steht wie angekündigt noch das Museum an. Laila und ich waren abends beide lang unterwegs und sind dementsprechend fertig, als wir uns um 12 in der gleißenden Sonne im modernen Reichen-Viertel Polanco vor dem Museum Soumaya treffen.
Den Namen trägt das Museum, weil der reichste Mann Mexikos (und wohl auch mal der Welt) Carlos Slim das Gebäude zu Ehren seiner verstorbenen Frau errichtete. Das Museum ist riesig und fühlt sich an, wie ein teurer Ramsch-Laden, weil tausende Kunstwerke wild verteilt und ohne Ordnung auf 6 Etagen rumstehen.
Und da sind Werke von Van Gogh, Renoir, Chagall und und und dabei, es ist unfassbar. Der Besitzer hat mit seinem Reichtum also einfach mal so bisschen Kunst eingekauft.
Laila sagt aber, er ist in Mexiko sehr beliebt und großzügig, das Museum hat er auch gebaut, um „allen, die nicht durch die Welt reisen können“, sowohl mexikanische als auch westliche Kunst frei zugänglich zu machen. Auf jeden Fall ein ganz anderer Vibe als unsere Museen zuhause.
Weiter gehen wir dann am Park Chapultepec auf der riesigen Hauptstraße spazieren, vorbei am Engel der Unabhängigkeit und an vielen Antimonumentos, von denen ich dir ja schon erzählt hab.
Ich esse zum ersten Mal Teriyaki Fried Chicken, schmeckt eigentlich ganz gut. Dann muss Laila zurück und ich mache mich auch auf den Weg. Ich entscheide, nicht wieder Uber fahren zu können und heute einfach die Öffis zu nutzen. Letztendlich brauche ich DREI Stunden, erst erwischt mich voll der Regen, dann beruhigt es sich, als ich nach 20 Minuten laufen, dann 20 Minuten auf den Bus warten endlich auf dem Weg in den Süden bin. Im Bus treffe ich Paula, das ist schön. Dann, beim Aussteigen, geht die Sintflut wieder los, ich rette mich in einen Walmart. Ich mache (sehr durchnässt) meinen Wocheneinkauf, nächste Woche werde ich keinen Zucker essen! An der Kasse merkt der Mann NACH dem Einpacken an, dass das Kartensystem nicht funktioniert. Supi, Klasse, ich hab nen kleinen innerlichen Zusammenbruch. Also gebe ich eine Sache nach der anderen zurück, bis ich mit meinen 25€ den Rest zahlen kann und laufe dann -im Regen- 20 Minuten nach hause.
Ich bin soo fertig, diese Woche war zu viel für mich. Und Spoiler - das wird sich nächste Woche bemerkbar machen. Jetzt aber erstmal genug von dieser Woche, ich bin gespannt, wie lang du hieran liest! Ich sende dir einen Kuss! Tschüssi
