Noch ein Tag Vientiane und dann Richtung Norden
Nachdem ich ja ein bisschen überrascht war, wie gut es mir nach der Nacht ging, war ich happy, dass sich dieser stabile Gesundheitszustand auch den ganzen Tag über hielt und bis...


Veröffentlicht: 18.11.2024
Da sitze ich nun in der Wartehalle der China-Laos-Eisenbahn und mache das, was man in einer Wartehalle so macht: warten. Das Gute ist, dass es, im Vergleich zu deutschen Bahnhöfen, wirklich eine Wartehalle ist, in der es sich warten lässt. Es gibt Sitzplätze, mehr als genug. Grob überschlagen müssten es um die 1.000 sein. Besetzt sind aktuell maximal 100 und das zur eigentlichen „Rush hour“, zur Feierabendzeit um kurz nach 16.00 Uhr. Aber ich wage zu behaupten, dass es eine Rush hour hier nicht wirklich geben wird. Noch, dass hier wirklich einmal alle Sitzplätze belegt sein werden. Es ist eine Halle, die förmlich laut herausschreit, dass nicht Laos der Bauherr ist. Ganz im Gegenteil – alles danach sieht aus, als wären wir die letzten 4 km aus der Ortsmitte von Vang Vieng in eine andere Welt gefahren. Initiiert wurde der Bau vom großen Nachbarn China, der auch 70 % der Kosten Laos' übernommen hat (für die das Land nun mit seinen Bodenschätzen bürgt und jährliche Zinsen in Höhe von 20 % der gesamten laotischen Staatsausgaben zahlt).
Die Halle ist wuchtig, die Decke locker 25 m hoch. Sie ist überall offen und verglast. Es gibt keine Ecken, in die man sich etwas weniger präsent setzen kann. Sonst könnte man sich möglicherweise der Beobachtung entziehen. Und Beobachter, davon gibt’s hier reichlich. In gebügelt und gestärkten lilafarbenen oder in militärisch aussehenden, khakifarbenen Hemden. Wenn ich aus dem Haupteingang rausschaue, sehe ich einen riesengroßen, freien Vorplatz. Ohne Menschen oder sonstiger Betriebsamkeit. Sofort nach dem Betreten ist der Reisepass und das Ticket fällig (zum Glück hatte ich einen Screenshot gemacht, denn Wifi gibt’s hier natürlich nicht). Dann wird das Gepäck gescannt. In mehreren Blogs hatte ich gelesen, dass vor allem Sprays problematisch sind, weswegen ich schon Angst um mein Mückenspray hatte. Doch mein Rucksack kam durch (ich hab’s auch ganz tief verbuddelt), sowie auch ich problemlos durch den Körperscanner, und auch die anschließende Leibesvisitation habe ich bestanden. Doch fast alle (europäischen) Reisenden nach mir müssen auspacken – und wegwerfen. Dafür sind ganze 10 Security-Mitarbeiter abgestellt. Nicht, dass hier großer Andrang herrschen würde. Willkommen in China. Ähm, Laos. Sollte ich innerhalb des Landes noch einmal weiterreisen, werde ich möglicherweise den Bus nehmen.
PS: Ich möchte niemandem etwas unterstellen. Doch ich glaube, eben haben, am Anfang einer chinesischen Reisegruppe, 2 Flaschen Hochprozentiges den Besitzer gewechselt. Von Alkoholverbot hatte ich nichts gelesen. Aber komischerweise ist die ganze Gruppe innerhalb von kurzer Zeit schon durch den Check. Doch wie gesagt, ich unterstelle niemandem etwas.
PS II: zwischenzeitlich wurden 2 junge Europäerinnen von Sicherheitspersonal zum „Verhör“ abgeführt?!
PS III: jetzt muss auch der Rest der Gruppe, inkl. Des ganzen Gepäcks, mit zum Gespräch in den separaten Bürotrakt…
Doch nochmal zurück zu Vang Vieng. Der Ort bzw. die Gegend hat sich u.a. einen Namen dafür gemacht, dass man hier relativ preiswert mit einem Heißluftballon fahren kann. Bisher hatte ich nie darüber nachgedacht, das einmal zu machen. Aber bevor ich mich mit anderen hunderten bis tausenden Chinesen durch die Blauen Lagunen schiebe, buche ich mir ein Ticket für die Fahrt. Wobei, genau genommen kam das Ticket zu mir, da eigentlich alles ausgebucht war. Als ich aber spaßeshalber nochmal geschaut hatte, gab es plötzlich einen letzten Platz für die Sonnenaufgangsfahrt. 🤩
Also gebucht und am nächsten Tag um 05.10 Uhr zur Abholung bereitgestanden. Wie immer, wieder mal im Dunklen in einen Van gestiegen, zu einem Fahrer, der kein Englisch kann, und gehofft, dass alles wohl so passen wird. 🙈 Am Heißluftballon-Meetingpoint angekommen, gab’s Kaffee und die Ballonaufteilung, die aus 5 Belgier:innen, einer Laotin, einer finnische Halb-Japanerin und mir bestand. Und bevor die Frage kommt, warum Ballonfahren, wenn überhaupt, dann ausgerechnet in Laos? Alles hat einen außerordentlich professionellen Eindruck gemacht und der Verein handelt nach europäischen Standards. 👍🏻
Nach dem Kaffee ging dann auch alles recht schnell: die Ballons wurden gefüllt, der Korb aufgerichtet, wir zu 8 kuschelig reingesprungen, noch kurz die Trockenübung im Falle einer holprigen Landung gemacht und dann ging’s auch schon nach oben. Ich hatte gar keine Zeit mehr, mir Gedanken darüber zu machen, ob ich jetzt Höhenangst bekommen will, oder nicht. War aber auch gar nicht nötig, da man die Höhe wirklich überhaupt nicht spürt bzw. realisieren kann. Ja, sagt einem jeder. Aber glauben tut man’s dann doch erst, wenn man es selbst erlebt. Die nächsten 50 Minuten waren dann einfach magisch! Ausblicke, Ballons um uns rum, die auf- und absteigen, die Sonne ☀, die langsam aufgeht, der (fast noch) Vollmond, der auf der anderen Seite verblasst, die Ruhe, die luftleere Stille, die Hitze, wenn Arliu (unser Pilot) Feuer gegeben hat. Unbeschreiblich und unvergesslich! Ganz langsam sind wir danach wieder zum Boden geschwebt und haben alle zusammen eine 1A Landung hingelegt. Danach gab’s Sekt 🍾 für alle, eine Ballonfahrer-Lizenz, Croissants und Obst – und ein Dauergrinsen obendrauf!
Für heute hatte ich spontan noch einen Ausflug zum Kayaken auf dem Nam Song River gebucht, sowie zur Besichtigung von 2 der durchaus vielen Höhlen. Wir waren eine bunte Truppe aus UK, US, Thailand und Deutschland (aufgrund ihres perfekten native Englisch hatte ich Yvonne auch erst in UK verortet. Dann stellte sich jedoch raus, dass sie aus Balingen kommt…) Wir hatten perfektes Paddel-Wetter und unsere Guides haben auch keine Gelegenheit ausgelassen, Wasser auf uns drauf zu schippen. Sind durch eine Stromschnellen gefahren und hatten jede Menge Spaß. Die erste Höhle war nett, aber mehr auch nicht. Die zweite Höhle allerdings war eine geflutete, die wir, rücklings auf einem großen Gummireifen liegend, durchqueren mussten. Dazu gab es links und rechts Seile, an denen wir uns dann Stück für Stück vorangezogen haben. Wer gerade nicht ans Seil kam, hat sonst auch einfach die Hand oder den Zeh des anderen genommen. 😉
Und dann saß ich auch schon in der Wartehalle. Mittlerweile bin ich in Luang Prabang angekommen. Das Boarding und alles um die Bahnfahrt herum passierte genauso generalstabsmäßig chinesisch, wie es vorher schon begonnen hat: permanente Anweisungen, Durchsagen, Gängelungen, sodass bloß keiner aus der Reihe tanzt. Am Ankunftsbahnhof warteten dann wiederum kleine Minivans, in die man für 40.000 Kip (ca. 1,70 €) aufgeteilt wurde (die Stationen liegen alle außerhalb der Städte). Was bei mir etwas länger gedauert hat, warum auch immer. Ich sollte von Van A, zu Van B, zu Van C, wieder zu Van A, ach, doch lieber zu Van D... Bis ich etwas ungehalten wurde und eine Laotin, die Englisch konnte, mir zur Seite gesprungen ist und mich schließlich in einen der Vans vermittelt hat. Diese Fahrt ging dann zurück in die "normale" laotische Welt, mit Straßenverhältnissen, die eigentlich keine sind. Die Autobahn vor ein paar Tagen war leider die Ausnahme... Wir waren überladen, mit natürlich ganz vielen Chinesen, aber ich kam wohlbehalten in meiner Unterkunft an.
Und jetzt reicht's dann auch, ich gehe schlafen - gute Nacht!
